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LG K8 (2017) im Test: Sein Feind ist der große Bruder

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LG hat auf dem diesjährigen MWC das LTE-Smartphone K8 vorgestellt. Wir haben getestet, was das aktuelle Android-7-Smartphone kann und ob sich die Ersparnis gegenüber des besser ausgestatteten großen Bruders, des LG K10 (Testbericht), lohnt. Ob Ihr Eure nanoSIM-Karte von dem einen Gerät in das andere wechseln sollt, erfahrt Ihr nachfolgend.

Der optische Eindruck des K8 bleibt klar hinter dem des großen Bruders K10 zurück. Die Rückseite besteht aus geriffeltem, billig anmutenden Kunststoff. Das Material ist nicht besonders griffig und gefällt uns weniger als das beim K10 verwendete. Die Spaltmaße sind aber gut und der Rückendeckel sitzt schön fest.

Der Rückendeckel aus geriffeltem Kunststoff wirkt billig.

Gut, dass LG wenigstens auf der Vorderseite mehr Gespür für Haptik beweist. Das 2,5D-Gorilla-Glas wertet den Gesamteindruck deutlich auf. Wir haben versehentlich nicht sofort den Folien-Kantenschutz entfernt und hatten zuerst das Gefühl, die Kanten wären unsauber gefertigt. Ist die Folie runter, liegt das K8 durch sein recht hohes Gewicht und die abgerundeten Kanten aber wirklich gut in der Hand. Das Gewicht ist mit 157 Gramm um immerhin 19 Gramm schwerer als das größere K10. Woran das liegt, erschließt sich uns auch nicht. Akku und Display sind ja kleiner dimensioniert.

Die Ausstattung ist unterm Strich gerade noch zeitgemäß. Das beginnt mit einem einfachen HD-Display mit 1280 × 720 Pixeln und geht mit einem langsamen Prozessor und gerade einmal 1,5 GByte Arbeitsspeicher weiter. Auch der interne, 16 GByte große Speicher ist sehr knapp bemessen: Von Haus aus sind fast 50 Prozent alleine durch Android und vorinstallierte Apps belegt. Für eigene Anwendungen, Musik oder gar Videos bleiben nur etwa 9,3 GByte Platz. Aus unserer Sicht ist das heute einfach nicht mehr zeitgemäß und zu wenig, umfangreiche Spiele wie Hearthstone allein belegen gerne schon mal 2 bis 3 GByte.

Zum Laden setzt das K8 auf microUSB statt USB-C. Zusätzlich ist noch ein klassischer Kopfhöreranschluss verbaut. Um den Speicher zu erweitern, gibt es die Möglichkeit, eine microSDHC-Karte mit bis zu 32 GByte einzusetzen. Die Slots für SIM- und Speicherkarte sind, genau wie der austauschbare 2125 mAH-Akku, nur nach dem Öffnen der Rückseite erreichbar.

Um an Akku, Sim- und Speicherkarte zu kommen, muss der Rückendeckel geöffnet sein.

Die Kameras entsprechen mit Auflösungen von 13 und 5 Megapixeln auch gerade noch Standard-Niveau in dieser Preisklasse. Wirklich positiv ist, dass das K8 bereits mit der aktuellen Android-7-Version ausgeliefert wird.

Das 5-Zoll-Display hat eine Auflösung von 1280 × 720 Pixeln und somit 294 ppi. Damit ist die Pixeldichte zwar höher als beim K10, dennoch kann es uns nicht endgültig überzeugen. Das Bild ist zwar angenehm scharf, ähnlich teure Geräte bieten aber weit mehr. Das Einsteigergerät 5C von Honor beispielsweise hat bei einem ähnlichen Preis ein 5,2-Zoll-Display mit 1920 × 1080 Pixeln und somit eine Pixeldichte von 424 ppi – rechnerisch ist das Display also um 44 Prozent schärfer. Als Faustregel gilt: Alles ab etwa 300 bis 350 ppi ist so hoch aufgelöst, dass das durchschnittliche menschliche Auge bei normalem Sichtabstand keine einzelnen Bildpunkte mehr erkennt.

Die Farben sehen gut aus und die Helligkeit ist zumindest im Innenbereich ausreichend. Bei der Benutzung im Freien ist uns leider auch das K8 eine Spur zu dunkel; in Kombination mit starken Spiegelungen ist der Bildschirm schwierig abzulesen. Die selbe Schwäche offenbarte uns das K10.

Die Auflösung vom Display ist ok; leider ist es bei direktem Sonnenschein etwas zu dunkel.

Die Hauptkamera des K8 hat eine Auflösung von 13 Megapixeln, die Selfie-Kamera schafft immerhin 5 Megapixel. Die Videos landen bei beiden Kameras in Full-HD-Auflösung im Speicher. LG hat, wie auch beim K10, eine Handvoll Filter integriert. Diese funktionieren sowohl bei Fotos als auch bei Videos. Eine nette Spielerei, aber definitiv kein Kaufargument.

Leider kämpft auch das K8 mit dem Problem aller günstigen Kamera-Module: Die Qualität der Aufnahmen ist extrem von der Beleuchtung abhängig. Während Bilder bei Sonnenschein wirklich toll aussehen, mangelt es bei schlechteren Lichtverhältnissen einfach an Kontrast und knackigen Farben. Der Autofokus funktioniert in den meisten Fällen ganz gut; manchmal aber liegt er völlig daneben und die Schärfe-Ebene ist komplett falsch gesetzt. Insgesamt eine nur durchschnittliche Leistung. Aber immerhin sprechen wir ja von einem Gerät der Einsteigerklasse.

Dieses Testfoto mit massivem Gegenlicht sieht für das Einsteigergerät gar nicht mal schlecht aus. Bei wenig Licht werden die Fotos leider nicht so gut.

Für den Alltagsgebrauch ist das K8 mit 1,5 GByte Arbeitsspeicher gerade noch ausreichend ausgestattet. Der Snapdragon-Prozessor 425 steht eher für Effizienz als für hohe Rechenleistung. Bemerkbar wird das anhand längerer Ladezeiten beim Starten von Apps. Im AnTuTu-Benchmark erreicht das K8 eine Gesamtpunktzahl von etwas über 30.000. Zum Vergleich, das stärkere K10 schafft immerhin knapp 10.000 Punkte mehr. Das letztjährige, sehr günstige Sony Xperia XA hingegen schafft trotz seines Alters satte 46.740 Punkte. Die Game-Performance ist mit Mid-Level angegeben; das ist ein ausreichendes Ergebnis für ein günstiges Einsteiger-Gerät. Das leistungshungrige Spiel Asphalt 8 beispielsweise läuft mit ein paar Rucklern. Der knappe Arbeitsspeicher macht sich dabei allerdings durch lange Ladezeiten bemerkbar.

Durch den beschränkten internen Speicher hat man aber sowieso nicht die Möglichkeit, sehr viele Spiele zu installieren. Leider ist es nach wie vor nicht möglich, alle Daten einfach auf die microSDHC-Karte auszulagern. Positiv finden wir den austauschbaren und kräftigen Akku des K8. Das Wechseln macht insbesondere dann Sinn, wenn das Gerät schon etwas älter ist und die Leistung nachläßt. Super, wenn das Smartphone für einen Austausch nicht gleich eingeschickt werden muss. Die 2125 mAh sind ausreichend, um das LG bei nur gelegentlicher Nutzung bis zu zwei Tage mit Energie zu versorgen. Das ist im Hinblick auf die Konkurrenz eine wirklich gute Leistung; leider aber auch einem etwas schwachen Prozessor geschuldet. Das leistungsstarke Xperia XA beispielsweise hält maximal einen Tag lang durch; aber auch nur dann, wenn man es nicht intensiv nutzt.

Als Betriebssystem ist das aktuelle Android 7 vorinstalliert; das ist leider nicht bei allen aktuellen Geräten Standard und ein echter Pluspunkt. Das spürbar teurere HTC U Play kommt beispielsweise noch mit der Vorgängerversion Marshmallow auf den Markt. Das immerhin hat LG verstanden: Wer sich ein kürzlich vorgestelltes Smartphone kauft, will auch eine aktuelle Firmware.

Die Oberfläche des K8 ist trotz ein paar vorinstallierter Apps wirklich angenehm übersichtlich. Der Lieferumfang ist gewohnt knapp gehalten und beinhaltet lediglich das Smartphone, ein microUSB-Kabel und das passende 5V-Netzteil.

Das K8 ist grundsätzlich ein solides Einsteigergerät. Es hat aber ein Problem: das LG K10. Der große Bruder bietet einfach die bessere Ausstattung und den schnelleren Prozessor. Mit nur knapp 10 Euro Preisunterschied ist die Ersparnis zu gering, um die Einbußen in der Leistung in Kauf zu nehmen. Wer trotzdem plant, das K8 zu kaufen, bekommt immerhin ein Gerät mit vernünftiger Akkuleistung und aktuellem Android. Die Hardware ist ausreichend schnell, um vernünftig damit zu arbeiten.

Wir sind trotzdem der Meinung, dass sich bei dem Preis auch ein Blick auf die Android-7-Geräte vom letzten Jahr lohnt.

Wer eine Spitzenkamera oder mehr Rechenleistung braucht, sollte einen Blick auf das letztjährige Xperia XA werfen. Wer stattdessen besonderen Wert auf ein hochauflösendes Display legt, dem raten wir sich das Honor 5c genauer anzusehen.

Weitere Android-7-Geräte unter 200 Euro finden sich in unserer Marktübersicht.

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