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LG K61 im Test: So zerstört nur ein Fehler das Gesamtwerk

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Die K-Serie von LG richtet sich an Käufer günstiger Einsteiger- und Mittelklasse-Smartphones. Das K61 will mit Quad-Cam, großem Display und viel Speicher überzeugen. Wir verraten, ab die Rechnung aufgeht.

LG K41S, K51S und K61 – das sind die drei Smartphones, die der schwächelnde koreanische Hersteller 2020 ins Einsteiger- und Mittelklasse-Rennen schickt. Das K61 im Test stellt dabei die Speerspitze der K-Serie da, es soll mit großem Display, viel Speicher und einer Quad-Cam punkten. Dazu kommen schickes Design und vor allem ein richtig niedriger Preis. Wir verraten, wo Käufer Abstriche machen müssen und wo das Modell gut abschneidet.

Bei einer UVP von 249 Euro sollten Käufer nicht zu viel erwarten, vor allem hochwertige Materialien wie Glas und Metall sind da bei Smartphones meist Mangelware. Das ist auch beim LG K61 nicht anders, hier mag so mancher Nutzer das aber verschmerzen. Denn das K61 ist nach MIL-STD-810G zertifiziert und soll neben hoher Luftfeuchtigkeit, Extremtemperaturen und Vibration auch Stürzen vergleichsweise gut widerstehen. Außerdem wirken weder Kunststoffrückseite noch Kunststoffrahmen billig. Denn die Rückseite unseres grauen Testexemplares weist feine Querstreifen auf und sorgt für interessante Lichtreflexionen, der Rahmen sieht aus wie in Gehäusefarbe eloxiert. Beides wirkt alles andere als billig.

Zudem liegt das K61 für ein Smartphone dieser Größe und Gewichtsklasse (165 × 77,5 × 8,4 Millimeter, 191 Gramm) überraschend gut in der Hand. Zwar fehlt die typische Kühle von Glas und Metall, dank starker Rundungen ohne fühlbare Kanten schmiegt sich das Modell aber angenehm an die Handinnenfläche. Auffällig sind auf der Rückseite der etwas zu weit oben liegende Fingerabdrucksensor und der waagerecht darüber angeordnete Kamerabalken mit vier Linsen und LED-Blitz. Der Balken steht leicht aus dem Gehäuse hervor, seine Ränder sind aber wie der Rahmen scheinbar eloxiert. Das ist insgesamt recht hübsch, wirklich sichtbar wird der niedrige Preis aber auf der Front.

Denn das große Display punktet zwar mit gerundeten Innenecken und Punchhole-Notch, weist aber recht breite Ränder um den Screen auf. Zudem ist der Rand unterhalb des Panels breiter als darüber, das verleiht dem Gerät ein leicht asymmetrisches Aussehen. Schade - selbst das viel teurere LG Velvet (Testbericht) bietet nur eine Tropfen-Notch, vielleicht hätte LG die auch beim K61 verwenden und statt der teureren Punchhole-Notch lieber auf schmalere Ränder setzen sollen. In der vergleichsweise niedrigen Preisklasse der K-Serie wäre diese Notch-Form ausreichend gewesen. So sind die breiten Ränder um das Display die stärksten Hinweise auf den niedrigen Preis. Die Verarbeitung, etwa bei Lautstärke-, Assistant- und Power-Taste, gibt darauf keinen Hinweis, sie ist insgesamt vorbildlich. Knirsch- und Knarzgeräusche, die "Plastikhandys" unter Druck gern von sich geben, konnten wir dem K61 nicht entlocken.

Alle Bilder zum LG K61 im Test (16 Bilder)

LG K61

Das Panel des LG K61 misst 6,5 Zoll und bietet 2340 × 1080 Pixel, was für knapp 400 Pixel pro Zoll sorgt. Damit ist der Screen schön scharf. Farben sehen dank LCD-Technologie eher natürlich als übersättigt aus, die Helligkeit geht mit ihren etwa 550 cd/m² voll in Ordnung. In den meisten Fällen sorgt das auch im Freien für keine Probleme bei der Ablesbarkeit. Dann sollten Nutzer allerdings direkt und nicht von der Seite draufschauen, denn die Blickwinkelstabilität überzeugt zwar in puncto Farbverfälschungen, allerdings stellt sich mit zunehmend spitzem Winkel schnell eine deutlich sichtbare Abschattung ein. Ein Always-On-Display gibt es wie eigentlich immer bei LCD nicht. Für die Punchhole-Notch erlaubt LG aber trotz dieser Display-Technologie, bei der Schwarz nie richtig tief wirkt, Tarnung per schwarzem Software-Balken.

LG setzt beim K61 gleich auf vier Kameras auf der Rückseite: Die Hauptkamera hat 48 Megapixel und nutzt einen Phasenvergleichs-Autofokus, die zweite Linse bietet 8 Megapixel und dient als Weitwinkel. Hinzu kommen ein Tiefensensor mit 5 Megapixel und ein Makroobjektiv mit 2 Megapixel. Das relativiert die Vorteile einer Quad-Cam schon wieder ein Stück weit, denn Tiefensensor und Makrokamera mit gerade einmal 2 Megapixel sind letztendlich nicht effektiv nutzbar. Erfahrungsgemäß sind beide Linsen verzichtbar, Makroobjektive mit so geringer Pixel-Zahl stören in teureren Modellen wie einem Xiaomi Mi 10 (Testbericht) aber deutlich mehr.

Die Hauptkamera ist übrraschend gut für den Preis, der Rest nicht

Den zweifelhaften Nutzen von Tiefen- und vor allem Makrosensor bestätigt das K61 schon nach den ersten paar Nahaufnahmen – die Auflösung reicht einfach nicht, um einen nach heutigen Maßstäben scharfen Eindruck zu gewährleisten. Anders sieht das bei Haupt- und – mit Einschränkung - auch Weitwinkelsensor aus. Für ein Smartphone der 250-Euro-Klasse sehen Aufnahmen mit der Hauptkamera sehr ansprechend aus. Grund sind überraschend gute Bildschärfe, ordentliche Bilddynamik und moderates Bildrauschen - vor allem mit aktivierter AI Cam.

Damit kommt das K61 zwar nicht ganz an wesentlich teurere Modelle heran, macht aber insgesamt einen guten Job. Bei schlechten Lichtverhältnissen sieht das – erneut ziemlich überraschend – gar nicht so anders aus. Zwar kann das LG-Modell seinen niedrigen Preis nicht ganz verbergen, Bildrauschen steigt, Bildschärfe sinkt. Das haben wir bei günstigen Smartphones schon deutlich schlimmer gesehen. Der Weitwinkel kann da nicht ganz mithalten. Er ist zwar ausreichend scharf, zeigt aber teils deutliche Artefakte im Bild und verliert an Schärfe zu den Rändern hin. Auch das ist in dieser Preisklasse keine Überraschung.

Alle Originalaufnahmen mit dem LG K61 (18 Bilder)

Hauptkamera K61

Videos sind auf 1080p/30 limitiert, entsprechend ist die Qualität durchwachsen. Das liegt auch an der nicht ausreichenden Bildstabilisierung. Die Frontkamera knipst mit ihren 16 Megapixel Fotos , die scharf genug sind, allerdings bei nicht mehr ganz optimalen Lichtbedingungen schnell Bewegungsunschärfe aufweisen. Insgesamt liefert die Hauptkamera mit Blick auf den Preis des K61 richtig gute Ergebnisse.

Angetrieben wird das günstige LG-Smartphone von einem Mediatek Helio G35 und 4 GByte RAM. Während der Arbeitsspeicher mit ordentlicher Größe punktet und dadurch auch für die nähere Zukunft ausreichende Reserven verspricht, dürfte das beim Chipsatz etwas anders aussehen. Im Test genehmigte sich das K61 immer mal wieder die eine oder andere Gedenksekunde, ein Unterschied zu einem guten 300-Euro-Modell ist klar spürbar. Sind solche Gedenksekunden vorüber, reicht die Leistung aktuell noch für die meisten Anwendungsfälle. Ausnahme sind hier anfordernde 3D-Spiele wie PUBG, damit kommen Nutzer zumindest bei höheren Grafikeinstellungen nicht auf spielbare Frame-Raten. Das bestätigt auch das Antutu-Benchmark: Knapp über 100.000 Punkte stehen hier auf der Uhr, das ist ziemlich wenig. Mittelklassemodelle mit Snapdragon-Chips kommen da locker auf doppelte oder sogar dreifachen Score.

Nicht nur der Arbeitsspeicher ist wohlproportioniert, auch der interne Speicher kann sich mit seinen 128 GByte wirklich sehen lassen. Darüber hinaus schluckt das K61 Speicherkarten mit bis zu 2 TByte – auch wenn es die so gar nicht zu kaufen gibt. Die restliche Ausstattung ist standesgemäß: Bluetooth 5.0, NFC, LTE, außerdem baut LG einen 3,5-Millimeter-Anschluss auf der Fußseite ein. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite wurde für unseren Geschmack nicht nur zu hoch positioniert, sondern reagiert auch etwas träge - das kann aber auch am Prozessor liegen.

Altes Sicherheits-Patch, noch älteres Android - LG hat die falsche Chip-Wahl getroffen

Abgesehen von dessen Schwachbrüstigkeit macht LG einen offensichtlicheren Fehler: Das K61 ist nicht nur mit Android 9 in den Handel gekommen, sondern hat bislang auch noch kein Update erfahren. Zusammen mit dem Sicherheits-Patch, der von Juni 2020 stammt, ergibt das ein trauriges Bild in Sachen Update-Versorgung. Das hängt natürlich auch mit dem Mediatek-Chipsatz zusammen, der Hersteller steht nicht ohne Grund in dem Ruf, deutlich weniger Updates als Qualcomm zu ermöglichen. Diesen Fehler muss sich beim K61 allerdings durchaus LG anlasten lassen, denn dadurch ist der Helio G35 im doppelten Sinne eine Fehlentscheidung: zu schwach und outdatet.

Mit 4000 mAh ist der Akkupack des LG K61 grundsätzlich ausreichend dimensioniert, einen kleinen Strich durch die Rechnung macht allerdings auch hier wieder der Mediatek-Chip. Denn der ist im 12-Nanometer-Verfahren gebaut und somit nicht mehr ganz up to Date – das schlägt sich im höheren Stromverbrauch nieder. Mit einem moderneren Chip wären bessere Laufzeiten drin gewesen. Die belaufen sich beim K61 im Battery Test von PCmark auf knapp 9,5 Stunden – kein übermäßig schlechter Wert, aber auch kein guter. Insgesamt dürften viele Nutzer mit dem Smartphone auch zwei Tage ohne Nachladen auskommen, wer auf Nummer Sicher gehen will, sollte dann aber doch lieber allabendlich Strom tanken.

Unterschiedliche Ausstattungsvarianten des LG K61 gibt es nicht, an Farben stehen dem Käufer aber immerhin Titan und Weiß zur Wahl. Zum Testzeitpunkt bewegte sich der Straßenpreis beider Farbvarianten um 200 Euro.

Eigentlich macht LG beim K61 fast alles richtig. So ist das Design durchaus ansprechend, die Verarbeitung ordentlich und die Materialwahl dem Preis angemessen. Das Display ist insgesamt bis auf die Blickwinkelstabilität überzeugend, der Speicher – RAM und interner - schön groß dimensioniert. Auch die Kamera schlägt sich insgesamt in Relation zum Preis richtig gut, auch wenn zwei der vier Sensoren eigentlich überflüssig sind.

Die Tücke liegt aber im Detail. LG hat nämlich einen gravierenden Fehler begangen, und zwar bei der Wahl des Chipsatzes. Der Helio G35 ist alles andere als ein Leistungswunder, verbraucht mehr Strom als ein modernerer Chip und hat mit großer Wahrscheinlichkeit zu allem Überfluss dafür gesorgt, dass das K61 auf Android 9 festhängt. Mit nur einer einzigen anderen Entscheidung hätten drei Probleme eliminiert und das K61 eine Empfehlung werden können. So ist es das leider nicht.

In unseren Artikeln zu Smartphones bis 200 Euro und bis 300 Euro finden sich zahlreiche Smartphones, die unterm Strich mehr bieten. Die Chipsatz-Fehlentscheidung ist gerade im Hinblick auf die zumindest auf dem Smartphone-Markt desolate Lage von LG mehr als rätselhaft - oder genau der Grund dafür.

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