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LG G8X ThinQ Dual Screen Test: Drei Displays für ein Halleluja

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Gewollt und nicht gekonnt oder eine sinnvolle Alternative zu überteuerten Smartphones mit Falt-Display? Die Antwort gibt’s im Test des LG G8X mit drei Displays.

Smartphones mit Falt-Display sind das nächste große Ding, doch die Technik ist neu und entsprechend teuer. Außerdem gab es in der jüngeren Vergangenheit schon genügend Probleme damit, Samsung kann bei seinem Galaxy Fold ein Lied davon singen. LG hielt sich aus dem Thema bislang raus, geht es aber jetzt doch und dabei ganz anders an. Das auf der IFA in Berlin präsentierte LG G8X ThinQ Dual Screen ist eigentlich ein ganz normales Smartphone, das den Geschwistermodellen LG G8 und LG G8S (Testbericht) ziemlich ähnelt und entsprechend mit einem einzigen, nicht faltbaren Screen zum Kunden kommt. Dazu liefert der Hersteller das LG G8X mit einer Schutzhülle aus, die zwei weitere Displays beinhaltet. Ein großer Screen verdoppelt die Größe des Haupt-Panels, ein zweiter, kleiner Bildschirm dient im zusammengeklappten Zustand als Teilzeit-Always-on-Display. Nutzer können dank dieser Lösung wählen, ob sie das G8X als normales, herkömmliches Modell verwenden, oder ob sie einen zweiten Haupt-Screen haben wollen. Klingt eigentlich gut, aber funktioniert das auch im Alltag?

Beim Thema Design und Verarbeitungsqualität gibt sich LG keine Blöße. Der Hersteller setzt auf hochwertige Materialien wie Metall für den Rahmen und Glas für Vorder- und Rückseite des G8X ThinQ. Die Übergänge sind weitestgehend fließend, wodurch das Smartphone gut in der Hand liegt. Wer es ganz genau nimmt, der findet allerdings einen minimalen, leicht scharfkantigen Grat auf beiden Seiten zwischen Metall und Glas. Im Alltag stört der aber nicht weiter. Die in den Rahmen eingebrachten Tasten des Gerätes – Powerbutton rechts, Lautstärkewippe und dedizierte Assistant-Taste auf der linken Gehäuseseite – sind perfekt verarbeitet. Nichts wackelt oder klappert, Tastenhub und Druckpunkt könnten kaum besser sein.

Ein kleines Highlight für Minimalisten ist die Rückseite. Sie birgt zwar immerhin silberfarbenes Logo und eine Typenbezeichnung gleicher Couleur, im Gegensatz zu vielen Konkurrenzmodellen steht die Kamera des LG G8X aber keinen Deut aus dem Gehäuse hervor. Zusammen mit der zurückhaltenden Farbgestaltung des Smartphones und den eleganten Spiegelungen in den seitlichen Rundungen wirkt das LG-Modell sehr hochwertig und wie aus einem Guss.

Schade nur, dass davon kaum jemand etwas zu sehen bekommen dürfte. Denn wie bereits angedeutet ist das Alleinstellungsmerkmal des LG G8X ein Klapp-Cover mit zusätzlichen Displays, entsprechend wird das Smartphone selten ohne anzutreffen sein. Das Cover nimmt dem Modell leider fast alles von der beschriebenen Eleganz, es wirkt damit eher klotzig und insgesamt weit weniger edel. Im zusammengeklappten Zustand geht es noch, hier setzt der Hersteller auf eine stark spiegelnde Front, die durchaus hochwertig aussieht, allerdings Fingerabdrücke über Gebühr anzieht. Außerdem ist im oberen Bereich bei genauem Hinsehen auch im ausgeschalteten Zustand das bereits erwähnte kleine Zusatz-Display zu erkennen, das Informationen wie ein Always-on-Display (AOD) anzeigt, sobald das Smartphone bewegt wird. Auffällig ist aus diesem Blickwinkel das solide Scharnier, dass ein Aufklappen des Smartphones erlaubt. Dadurch sitzt die glänzende Glasfront des Covers nicht ganz mittig und das Smartphone erhält ein leicht asymmetrisches Design.

Von der eigentlichen Eleganz des G8X bleibt im Cover nichts übrig

Links werden die Tasten vom Cover bedeckt, das aus diesem Grund eigene Tasten besitzt, um die Funktionalität des Smartphones weiter zu gewährleisten. Die Drücker sind aber schon bei normal um 180 Grad aufgeklapptem Zweit-Screen nur noch erschwert zu bedienen, voll auf den Rücken geklappt verdeckt sie das Scharnier des Covers ganz. Die rechte Seite des Telefons wird nicht vom Cover bedeckt, sodass der Powerbutton regulär bedient werden darf. Die Rückseite des Geräts wird größtenteils vom nicht übermäßig hochwertig aussehenden Kunststoff des Covers bedeckt, ein großer quadratischer Ausschnitt um die Kamerapartie des G8X gibt allerdings noch Einblick auf die schicke Glasoberfläche der Smartphone-Rückseite. Die Größe und Form des Ausschnitts unterstreicht die etwas klotzige Form des Gerätes mit Hülle noch zusätzlich.

Aufgeklappt kommt das exakt gleiche Display wie das eigentliche Haupt-Display zum Vorschein. Bedeutet: Zwei mal OLED mit 6,4 Zoll und je 2340 × 1080 Pixel. Damit kommen die Screens auf jeweils knapp über 400 Pixel pro Zoll und dürfen getrost scharf genannt werden. Auffällig: Selbst das zweite Dispay hat am oberen Rand eine Tropfen-Notch, obwohl im Gegensatz zum Haupt-Screen dort keine Frontkamera versteckt ist. Das dürfte niedrigeren Produktionskosten geschuldet sein – statt eigens ein Panel ohne Notch herzustellen, fallen die beiden Screens des LG G8X vermutlich vom gleichen Band und vereinfachen die Produktion. Einen kleinen Unterschied gibt es allerdings: Das Zusatzdisplay weist eine sichtbar kältere Farbtemperatur auf und ist damit bläulicher, als das eher ins leicht gelbliche tendierende, fest installierte Panel des G8X.

Beide Displays haben eine Notch, nur hinter einer verbirgt sich eine Frontkamera

Davon abgesehen sind die restlichen Werte aber weitestgehend identisch. Im Test stellten wir eine manuelle Maximalhelligkeit von bis zu 430 cd/m² fest, im Automatikmodus sogar deutlich über 600 cd/m². Das sind sehr gute Werte, die in Kombination mit starken Kontrasten, lebendigen Farben und hervorragender Blickwinkelstabilität auch im freien keine Probleme bei der Ablesbarkeit aufkommen lassen. Die Helligkeit lässt sich übrigens einzeln oder an das Haupt-Display gekoppelt einstellen.

Das Front-Panel bietet wenig Auflösung, aber viele Infos

Das vordere AOD gibt Inhalte nur monochrom in weiß auf schwarzem Hintergrund aus und bietet dafür eine sehr niedrige Auflösung, bei der Nutzer einzelne Bildpunkte deutlich erkennen können. Der Begriff AOD ist dabei auch thematisch nicht ganz richtig, denn die Anzeige erfolgt nur für einige Sekunden, nachdem das Smartphone Bewegung registriert hat. Das schont den eh schon doppelt strapazierten Akku.

Was, nur eine Dual-Kamera? In der Tat: Wo eigentlich fast die komplette Konkurrenz bei hochpreisigen Modellen mindestens auf drei Kameras setzt, bietet LG dem Kunden nur zwei. Der Hersteller verzichtet dabei auf die ansonsten allgegenwärtige Telelinse, also Vergrößerung. Stattdessen setzt LG auf eine Hauptkamera mit 12 Megapixel und f/1.8-Blende sowie 13-Megapixel-Ultraweitwinkel mit f/2.4. Das sind vergleichsweise niedrige Auflösungen, aber die bloße Pixel-Zahl ist bekanntlich noch lange kein eindeutiger Beweis für gute Bildqualität.

Ordentliche, aber - im doppelten Wortsinn - nicht herausragende Kamera

Aber ein Indiz. So ist es wenig verwunderlich, dass die LG-Kamera zwar insgesamt sehr passable Bilder macht, die vor allem bei gutem Licht punkten und auch mit schwächerer Beleuchtung in Innenräumen überzeugen. An die Kameraelite, die wir hier in unserem Artikel zu den 10 besten Kamera-Smartphones zusammengetragen haben, kommt das LG G8X in den meisten Fällen aber nicht heran. Dafür fehlt es in der Vergrößerung am letzten Quäntchen Bildschärfe und die fehlende optische Vergrößerung schränkt die Anwendung mehr als bei Konkurrenzprodukten ein. Schade ist auch der Unterschied bei Farbwiedergabe und Dynamik zwischen Haupt- und Weitwinkelkamera. Das sollte in dieser Preisklasse eigentlich nicht vorkommen. Videos in 4K mit bis zu 60 FPS sehen ordentlich aus, auch hier hat LG aber leicht das Nachsehen im Vergleich zu Samsung, Huawei & Co.

Den ganz neuen Snapdragon 855 Plus hat das LG G8X noch nicht, aber den kaum langsameren Snapdragon 855. Zusammen mit den eingebauten 6 GByte RAM gehört das LG-Phone zwar nicht zu den bestausgestatteten Smartphones auf dem Markt, aber trotzdem zu den schnellsten. Im Leistungs-Benchmark Antutu erreichte das Smartphone beispielsweise 426.000 Punkte – ein sehr guter Wert. Entsprechend wundert es auch nicht, dass im Testalltag keinerlei Leistungsdefizite zu vermelden waren. In Menüs, auf Homescreens, im Browser oder in Spielen reichte die Power des LG G8X stets für flüssige Wiedergabe und Apps wurden schnell geladen. Besser geht es kaum. Auch bei der restlichen Ausstattung gibt es nichts zu meckern. 128 GByte interner Speicher steht für Apps und sonstige Daten bereit, per Micro-SD darf der Speicher theoretisch um bis zu 2 TByte aufgeblasen werden. WLAN ac mit 2,4 und 5 GHz, Bluetooth 5.0, NFC, außerdem USB-C 3.1, schnelles LTE und ein Fingerabdrucksensor im Display machen deutlich, dass das LG-Smartphone in der Oberklasse angesiedelt ist. Trotzdem baut das Unternehmen einen 3,5-Millimeter-Anschluss für Kopfhörer ein und legt auch ein entsprechendes Headset bei. Dessen Soundqualität geht voll in Ordnung, das gilt auch für den druckvollen Lautsprecher, auch wenn der wie gewohnt nicht viel Bass liefert.

Lediglich WLAN ax und eine 3D-Frontkamera für sichere Entsperrung via Gesichtserkennung fehlt – verschmerzbar, auch wenn der Inprint-Fingerabdrucksensor wie in jedem ähnlichen Gerät nicht so schnell und zuverlässig wie herkömmliche Varianten funktioniert. Angst vor Wasser oder Staub müssen sich Nutzer auch nicht machen, das LG G8X ist gegen beides nach IP68-Norm geschützt. Beim Punkt Software gibt es gute und schlechte Nachrichten: Als Betriebssystem dient noch nicht Android 10, sondern Android 9 Pie und der Sicherheits-Patch stammt noch von Oktober. Updates sollten früher oder später kommen, allerdings gehört LG dabei nicht zu den schnellsten Herstellern. Dafür hat das Unternehmen seine Nutzeroberfläche etwas überarbeitet, sie wirkt jetzt noch übersichtlicher und weniger verschachtelt.

Neben seiner Funktion als Schutzhülle sind natürlich das zweite Haupt-Display und die damit verbundenen Funktionen des LG G8X interessant. Um es kurz zu machen: Auch wenn es möglich ist, einige Apps wie den Browser im Vollbild auf beiden Displays darstellen zu lassen, macht das wenig Spaß. Grund ist das mächtige Scharnier, das einen rund 1 Zentimeter breiten Spalt zwischen beiden Screens erzeugt. Das separiert beide Bildschirme derart, dass eine gemeinschaftliche Darstellung unsinnig ist. Stattdessen ist das zusätzliche Display eher als zusätzlicher Platz für eine parallel laufende zweite App zu sehen. Dann dürfen Nutzer etwa gleichzeitig Mails checken und nebenher ein Youtube-Video schauen, Nachrichten lesen und parallel mit Kumpels chatten oder ähnliches.

Das breite Scharnier verhindert eine schöne Vollansicht auf beiden Displays gleichzeitig

Für Spiele mit Controller-Unterstützung bietet LG außerdem ein virtuelles Gamepad an, das dann einen der beiden Bildschirme einnimmt, während der andere das Spiel darstellt. Das funktioniert klasse und lässt beinahe so etwas wie Konsolen-Feeling aufkommen. Eine ähnliche Aufteilung ist etwa auch bei Chatprogrammen und virtueller Volltastatur möglich. Besondere Komfortfunktionen gibt es darüber hinaus nicht. Über ein kleines, frei an einem beliebigen Bildschirmrand platzierbares Icon lässt sich zwar ein Menü mit Befehlen für den Doppelbildschirmbetrieb aufrufen. Dessen Inhalt beschränkt sich aber im Wesentlichen auf den Inhaltstausch der Displays. Per Drag&Drop etwa ist das nicht möglich. Auch die Verwendung von zwei mal der gleichen App gleichzeitig erlaubt das Smartphone nicht immer.

Dank des virtuellen Gamepads wird das G8X fast zur Gameconsole

4000 mAh leistet der Akku des LG G8X ThinQ Dual Screen im Test – eigentlich ein guter Wert. Zumindest für ein Smartphone mit einem einzigen Display. Im Battery Test von PCmark kommt das Smartphone dann entsprechend auf rund 10 Stunden, das geht voll in Ordnung. Das Hauptaugenmerk liegt bei dem Modell aber auf der Nutzung zweier Displays – und das überfordert den Akku schnell. Keine 5 Stunden hielt das Gerät mit beiden aktivierten Displays durch, während auf einem das Akku-Benchmark lief. Das ist klar unterdurchschnittlich und sorgt dafür, dass Intensivnutzer nicht mal einen Tag ohne Nachladen überstehen.

Im Cover ist das LG G8X nur per Adapter zu laden

Beim anschließenden Aufladen gibt es zwei Dinge zu beachten: Einerseits lädt das G8X ziemlich langsam, eine vollständige Aufladung dauert per Kabel rund 2,5 Stunden. Außerdem will das Smartphone für diesen Vorgang aus dem Displaycover geholt werden, in dem es mittels des USB-Anschlusses Verbindung zum Zweit- und Dritt-Display aufnimmt. Das klappt ansonsten auch per magnetischem Anschluss an die Hülle, einen entsprechenden Adapter legt LG dem Lieferumfang bei. Alternativ lässt sich das Dual-Screen-Smartphone auch kabellos laden, was aktuell naturgemäß immer noch spürbar länger dauert, als ein Ladevorgang per Kabel.

Im freien Handel kostete das LG G8X ThinQ Dual Screen zum Testzeitpunkt ab 824 Euro und war ausschließlich in der genannten Speicherkonfiguration und in Schwarz erhältlich. LG selbst verkauft das Gerät aber immer wieder auch mit Cashback-Aktionen oder kostenlosen Dreingaben wie dem Mini-Beamer LG PH30JG im Wert von 349 Euro (UVP). Was solche kleinen Lichtwerfer können, zeigt unser Artikel Budget-Beamer-Vergleich: Was kann ein 50-Euro-Projektor?

Ja, vielleicht geht LG den Weg mit zwei separaten Displays auch, weil das Unternehmen derzeit keinen faltbaren Screen für Smartphones parat hat. Aber das bedeutet nicht, dass das LG G8X ThinQ Dual Display nichts taugt. Denn das tut es durchaus – als Single-Display-Gerät, aber auch als Dual-Screen-Modell. Pluspunkte sind in beiden Fällen die tollen Panels, die großartige Leistung und die ordentliche Gesamtausstattung. Auch die Kamera steht noch auf der Habenseite, das schicke, zurückhaltende Design und die tolle Verarbeitung werden hingegen vom Display-Cover wortwörtlich überschattet.

Interessenten sollten allerdings von dem Gedanken abrücken, eine günstige Alternative zum Samsung Galaxy Fold zu kaufen. Denn wegen des breiten Scharniers zwischen den beiden Screens ist das LG G8X Dual Screen wie schon der Namen sagt ein Smartphone mit ZWEI Displays, nicht mit einem großen. Auch damit werden viele Dinge im Smartphone-Alltag einfacher und das LG-Smartphone ist geradezu ein Multitasking-Monster. Eine Kinoleinwand für die Hosentasche ist es aber nicht. Das unterstreicht auch das klotzige, dicke Design, das in der Hose dick aufträgt, und der bei dauerhafter Nutzung beider Screens schwachbrüstige Akku. Das dürfte dann auch der Grund sein, warum sich der Zweit-Screen per Software.Button einfach abschalten lässt, obwohl das wohl eigentlich niemand, der sich für solch ein Gerät entscheidet, wollen sollte.

Eine echte Alternative zum G8X gibt es abgesehen vom bereits genannten Samsung Galaxy Fold aktuell nicht, wenn es darum geht, entweder aus einem kleinen ein großes Display zu machen oder die Display-Fläche durch Aufklappen zu verdoppelt. Interessenten, die keine 2000 Euro für ein Smartphone ausgeben wollen, sollten sich daher lieber unter den herkömmlichen Smartphones umschauen. Die besten Smartphones 2019 haben wir dafür bereits zusammengestellt.

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