TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Kopfhörer: Sennheiser Momentum True Wireless im Test

9
von  //  Facebook Twitter

Bei Sennheiser gehört True Wireless zum guten Ton. Die kabellosen In-Ear-Kopfhörern überzeugen im Test durch edles Design und viele Funktionen. Kleine Abstriche gibt es bei Preis und Bedienung.

Sennheiser weiß, wie etwas klingen muss: Das Unternehmen produziert seit mehr als 70 Jahren exzellente Soundprodukte für den privaten und professionellen Einsatz – und erhielt dafür unzählige Preise. Es ist kein Wunder, dass die Geräte zu unserem Testfeld für das Update der True-Wireless-Produkte (Themenwelt-Übersicht) gehören. Bislang sind in dieser Themenwelt unter anderem folgende Artikel erschienen:

Sennheiser kann neben Ton auch Design, wie man zum Beispiel an der Momentum-Serie erkennt. Ganz klar, dass diese Devise auch für die Momentum True Wireless gilt. Die Technik der Ohrstecker steckt in einem Kunststoffgehäuse mit einer metallischen Touch-Fläche. Zur Rückseite hin verjüngt sich die Bauform ein wenig. Außerdem hat der verwendete Kunststoff einen guten Grip, wodurch sich die Ohrstecker prima greifen lassen. Die Kontakte zum Aufladen sind goldbeschichtet. Der Trichter, der in den Hörkanal gesteckt wird, ist leicht schräg an den Stecker angebracht. Auf den ersten Blick wirken die Ohrstecker trotz des geringen Gewichts von jeweils rund 6 g ein wenig klobig. Allerdings lassen sie sich – auch dank austauschbaren Silikons-Aufsetzern in verschiedenen Größen – einfach und bequem ins Ohr setzen.

Sennheiser Momentum True Wireless

Bei True-Wireless-Kopfhörern gehört die Aufbewahrungsbox zur Hardware. Sie schützt die Stecker nicht nur beim Transport, sondern lädt sie auch auf. Sennheiser hat aus einer schnöden Plastikschachtel ein hübsches Pillendöschen gemacht, indem die 57 g schwere Box mit einem grauen Stoff umspannt wurde. Das fühlt sich nicht nur gut an, sondern sieht auch prima aus – aber letzteres sicher nicht lange: Stoff hat nun einmal die Eigenschaft, dass ein cleaner Look bei längerer Nutzung kaum bleiben wird.

Im Lieferumfang befinden sich Silikon-Ohradapter-Sets in verschiedenen Größen, das Ladegehäuse und ein kurzes USB-C-Ladekabel.

Sennheiser Momentum True Wireless

Vor der ersten Nutzung der Momentum True Wireless müssen diese erst einmal aufgeweckt werden. Dafür müssen sich die Ohrstecker in der Ladebox befinden, welche dann per USB-Kabel an eine Stromquelle angeschlossen wird. Die Bluetooth-Verbindung der Kopfhörer mit einem Zuspieler ist einfach: Während die Stecker im Ohr sitzen, werden gleichzeitig beide Touch-Oberflächen berührt. Sobald eine freundliche Stimme „Kopplung“ sagt, kann die Verbindung hergestellt werden. Die Bluetooth-Verbindung ist sehr stabil – sowohl zwischen dein beiden Ohrsteckern, als auch zum Zuspieler.

Sennheiser Momentum True Wireless
USB Type C auf der Rückseite der Sennheiser Momentum True Wireless.
Sennheiser Momentum True Wireless

So schön eine Bedienung per Touch auch ist, so verwirrend ist sie manchmal. Ein Beispiel: Zur stufenweisen Regulierung der Lautstärke wird jedes Mal entweder der rechte Stecker (lauter) oder der linke Stecker (leise) angetippt. Braucht man den Sprachassistenten, wird die rechte Seite einmal angetippt, will man Umgebungsgeräusche hören, wird die rechte Seite zweimal angetippt.

Einmal tippen auf der linken Seite startet oder stoppt die Musik, zweimal tippen springt zum nächsten Titel, dreimal tippen wiederum zum vorigen. Auch fürs Telefonieren tippt man an der rechten Seite. Gemerkt? Wir auch nicht. Es erfordert Übung, die richtige Seite und die korrekte Anzahl für die gewünschte Funktion zu nutzen. Das ist sicher kein Fehler der Hardware, sondern der Vielzahl an Funktionen geschuldet, die in so ein kleines Bauteil untergebracht sind. Generell reagiert die Touch-Oberfläche sehr sensibel auf Berührung, wodurch es nicht nötig ist, stark zu tippen.

Die Momentum True Wireless verfügen zudem über Sensoren, die erkennen, ob sie im Ohr stecken. Nimmt man einen der Stecker heraus, endet automatisch die abgespielte Musik. Das klingt erst einmal gut, im Test führte das allerdings zu ungewollten Effekten: Der Kopfhörer startet die Wiedergabe einer zuletzt gehörten Playlist, sobald beide Stecker im Ohr sitzen. Und nimmt man einen Stecker aus der Box, sollte man nicht zu sehr die Touch-Oberfläche berühren, es kann sein, dass ungewollt ein Anruf gestartet wird.

Apropos Anrufe: Da sich die Kopfhörer mit Siri & Co. gut verstehen, kann man das Smartphone für Telefonate ruhig in der Tasche lassen. Einfach den gewünschten Assistenten aktivieren, Befehl aussprechen und der Call wird in die Wege geleitet. Die Sprachqualität ist dank der verbauten Mikrofone gut.

Sennheiser Momentum True Wireless

Gleich mit dem ersten Klang wird klar, dass hier Sound-Profis am Werk waren: Die Momentum True Wireless erschaffen einen Sound, bei dem es kaum Potenzial für Verbesserung gibt. Dank Aptx oder AACD wird Audio in bester Qualität übertragen – und das ist hörbar. Bei „Eagle Birds“, dem neuen Song der Black Keys, geht es gleich richtig zur Sache: Der Klangteppich der fetten Gitarren lässt genug Raum, damit nicht nur die Stimme von Dan Auerbach deutlich zu hören ist, sogar der Frauenchor im Hintergrund wird akustisch perfekt in Szene gesetzt. Allerdings darf man sich nicht vom ruppigen Klang des Songs täuschen lassen: Die Band setzt auf analogen Sound, der sich ruhig dreckig anhören darf.

Sennheiser Momentum True Wireless

Für mehr Klarheit sorgt Max Richter mit den leisen Tönen von seinem meditativen Album „Sleep“, auch hier zeigen die Momentum ihre Brillanz. Die beiden Singstimmen ergänzen sich wundervoll, während ihnen die Orgel eine akustische Bühne bereitet. Ganz hinten und diffus hört man ein Knarzen, einer dieser Soundeffekte, die Max Richter immer wieder einsetzt, um seinen Stücken Brüche zu verleihen. Jeder Ton sitzt, die Momentum True Wireless nutzen durch die Bauform begrenzten Möglichkeiten perfekt – es wirkt fast, säße man im Konzert.

Doch es muss nicht nur behäbig zugehen, die Momentum können auch mit Druck und elektronischen Klängen gut umgehen. „Embrace“ von Agoria fängt ganz soft an, Phoebe Killdeer haucht ihre Zeilen ins Ohr – so nah, dass man fast ihren Atem an der Wange spürt. Dann setzt der Bass-Beat ein, nicht treibend und dominant, sondern dezent und unterstützend. Allerdings kreischt es hier zeitweise ein wenig in den Höhen, es wirkt diffus. Nächster Versuch, Oliver Koletzki soll es richten – und das gelingt ihm mit „Hypnotized“ prächtig: Selten klang kühler Elektro natürlicher und wärmer, jedenfalls beim Genuss mit In-Ear-Kopfhörern. Der Stereo-Effekt im Refrain ist fein abgestimmt, die Stimme fügt sich optimal in die Soundkulisse, ohne sich zu verlieren.

Die Momentum True Wireless verzichten zwar auf Kabel, aber dafür gibt es beim Sound keinerlei Einbußen, im Gegenteil: Ihn lediglich als rund zu bezeichnen, wäre untertrieben. Der warme und wohlige Bass erfüllt das Ohr, ohne zu dominieren. Die Höhen sind klar ausdifferenziert, ohne dabei klinisch zu wirken. Und die Mitten bilden wiederum für den richtigen Rahmen und sorgen für ein harmonisches Soundbild.

Trotz der kleinen Bauweise der Ohrstecker halten die Akkus des Headsets bei mittlerer Lautstärke rund vier Stunden durch. Mit der in die Ladebox integrierten Akku lassen sich die Momentum zweimal zusätzlich aufladen, was insgesamt für 12 Stunden Beschallung sorgt. Geht der Strom zur Neige, brauchen Box und Ohrstecker eineinhalb Stunden für eine volle Ladung.

Sowohl für iOS als auch Android hat Sennheiser die „Smart Control App“ in die jeweiligen App-Stores gestellt. Darüber wird die Übertragung der Umgebungsgeräusche aktiviert oder der Equalizer zur individuellen Soundoptimierung eingestellt. Auch die Sprache der Ansagen lässt sich hierüber festlegen. Für den normalen Gebrauch der Kopfhörer ist die App nicht notwendig. Wer aber die Firmware aktualisieren will, kommt an einer Installation nicht vorbei.

Wie auch die anderen Produkte der Momentum-Reihe sind die Momentum True Wireless kein günstiges Vergnügen: Der UVP liegt bei 299 Euro, im aktuellen Preisvergleich nur unwesentlich darunter. Sicher, es gibt es von der Konkurrenz günstigere True-Wireless-Modelle. Aber in vielen Fällen muss man dort Abstriche beim Sound, beim Design oder sogar in beiden Disziplinen machen. Sennheiser hat mit den Momentum True Wireless ein stimmiges Gesamtpaket im Sortiment – und lässt sich das eben auch teuer bezahlen.

Die Momentum True Wireless machen fast alles richtig: Der Sound ist prima, das Design ist durchdacht. Allerdings reagieren Touch-Bedienung und Sensoren ein wenig zu sensibel, die Nutzung der vielfältigen Funktionen ist gewöhnungsbedürftig. Das ungewollte Anrufen von Kontakten lässt sich hoffentlich mit einer späteren Firmware verhindern. Aber das sind Peanuts im Vergleich zu den Stärken.

Wer gerne In-Ears trägt und auf hervorragende Sound-Qualität Wert legt, sollte den Momentum True Wireless versuchsweise sein Ohr leihen – auch wenn der hohe Preis vielleicht erst einmal abschreckt. Oder um es in einem Satz zu sagen: „Alles richtig gemacht, Sennheiser!“

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige