TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Klipsch T5 True Wireless: Bluetooth-Kopfhörer im Test

von  //  Facebook Twitter

Hifi-Spezialist Klipsch setzt künftig verstärkt auf True Wireless. Ob die kabellose Sound-Premiere mit den T5 geglückt ist, verrät der Test.

True-Wireless-Kopfhörer gibt es in verschiedensten Preisklassen und Designs. In unserem Artikel Acht True-Wireless-Kopfhörer bis 300 Euro im Vergleichstest, haben wir weitere Modelle gegeneinander antreten lassen. Wer kein Problem mit Kabeln aber mit hohen Preisen hat, sollte sich unseren Vergleich von Bluetooth-Kopfhörer für unter 30 Euro ansehen.

Es führt bei In-Ear-Kopfhörern kein Weg mehr an True Wireless vor. Mit den T5 hat nun auch Klipsch ein paar In-Ears im Sortiment, die komplett ohne Kabel den Sound in die Ohren spülen. Schon mit der Ladebox setzt der US-Hersteller ein wuchtiges Zeichen. Die Edelstahl-Dose wirkt wie ein Zippo-Feuerzeug mit Adipositas. Knapp 100 g bringt die coole Dose auf die Waage, das Gewicht spürt man deutlich in der Hosentasche. Das Metall ist aber nicht nur schwer, sondern auch anfällig für Kratzer. Wer auf einen kernigen Look steht, hat damit aber sicher kein Problem. Auf der Rückseite der Box befindet sich ein USB-C-Anschluss zum Aufladen. Gut gefällt uns, dass die Ohrstöpsel in beide Aussparungen eingesetzt und aufgeladen werden können.

Die Metallbox sieht sexy aus, ist aber schwer und anfällig für Kratzer.

Die beiden Ohrstöpsel sind alles andere als dezent, das Aussehen erinnert an die Kapseln einer Kaffeemaschine. Auf der Rückseite der Kopfhörer prangt auf dem Bedienfeld das Klipsch-Logo. Mit jeweils 5,5 g sind sie ziemlich leicht, allerdings fühlen sie sich dadurch nicht sonderlich hochwertig an. Der Kunststoff wirkt ein wenig so, als wäre er eigentlich für das Spielzeug eines Überraschungsei gemacht, ein leichtes Klopfen auf der Multifunktionstaste klingt entsprechend unangenehm. Hat man für sich die passenden Silikonpolster gefunden, sitzen die Stecker ordentlich. Allerdings ragen sie aufgrund der Bauweise auch ein ganzes Stück aus dem Ohr hinaus, damit taugen sie kaum für die Nutzung unter einem Motorradhelm. Lobenswert ist dagegen der ordentliche Schutz gegen Spritzwasser und Schweiß (IPX4). Die Leuchtdioden sind kräftig: Hört man in dunklen Umgebungen, darf man sich ab und zu auch mal über einen blauen Lichtshow freuen. Schade ist es außerdem, dass kein Sensor eingebaut wurde, durch den die Soundwiedergabe automatisch stoppt, wenn ein Stecker aus dem Ohr genommen wurde.

Die Ohrstöpsel werden in der Box aufgeladen.

Die Klipsch T5 True Wireless gibt es derzeit in Schwarz mit Kupfer-Elementen. In der Verpackung liegen neben den Kopfhörern und dem Ladeetui drei Paar Silikon-Aufsätze, ein USB-C-Ladekabel und Adapter für herkömmliche USB-Anschlüsse bei.

Die beiden Ohrstecker sehen auf dem ersten Blick identisch aus. Beim Einsetzen ins jeweils richtige Ohr hilft der Blick auf den entsprechenden Buchstabe auf der Innenseite. Außerdem kann man sich merken, dass der Hörtrichter nach vorne zeigen sollte. Die gewählte Bauform hat den Vorteil, dass man den Korpus in Position drehen kann, da es nicht nur die eine perfekte Lage gibt. Die Bedienung ist simpel: Auf der rechten Seite wird mit einem sanften Druck auf die Logo-Taste die Musik gestartet oder gestoppt. Ein längerer Druck erhöht die Lautstärke, ein doppelter Druck startet den nächsten Track. Auf der linken Seite ruft ein Druck den Sprachassistenten auf, ein längerer Druck reduziert die Lautstärke und ein doppelter Druck ruft den letzten Track auf. Bei Anrufen nimmt ein einfacher Druck den Anruf entgegen, der doppelte Druck beendet den Call.

Generell spricht nichts gegen diese Art von der Bedienung, Headsets anderer Hersteller bieten teilweise sogar weniger oder komplizierte Funktionen an. Die beiden Tasten der T5 reagieren dazu schnell und zuverlässig. Allerdings hat die Bedienung eine Schwäche: Nach eigener Aussage nutzt Klipsch beim T5 die derzeit wohl kleinste Sounddüse. Und tatsächlich ist sie etwa so schlank wie eine Makkaroni-Stange. Diese sorgt tatsächlich für einen komfortablen Sitz der Ohrstecker. Allerdings muss man dafür erst einmal ein wenig ausprobieren, welcher Silikonaufsatz der richtige ist. Wählt man den falschen, möchte man die Stecker immer wieder tiefer ins Ohr stecken, was sich eher unangenehm anfühlt. Bei jedem Druck auf die Taste der Rückseite wird der Korpus auch immer wieder in den Gehörgang gedrückt.

Die Ohrstöpsel sehen sich sehr ähnlich. Beim korrekten Einsetzen hilft die Beschriftung.

Auf dem Papier lesen sich die Spezifikationen gut, zum Beispiel ist der Bluetooth-Standard 5.0 an Bord. Im Praxistest gab es bei der Verbindung aber immer wieder seltsame Effekte wie Sound-Abbrüche oder Probleme bei der Synchronisationen beider Seiten: Bei einem Hörbuch und an einem anderen Tag bei einem Song kam die Stimme auf der rechten Seite einen Tick später an. Auch die zehn Meter Reichweite zum Zuspieler gilt offenbar nur unter optimalen Bedingungen. Da die Bluetooth-Aussetzer im Test nur vereinzelt auftraten, sind sie zu verschmerzen. Und wahrscheinlich lassen sich diese durch ein Firmware-Update komplett beheben. Womit wir zu einem weiteren Ärgernis kommen: Auf der Verpackung der T5 und auf der Produkt-Website wird auf eine App für iOS und Android hingewiesen, die es zum Zeitpunkt des Tests in keinem Store gibt. Mit dieser soll der Sound angepasst werden können, wahrscheinlich auch die Tastenfunktionen und ganz sicher kann damit die Firmware aktualisiert werden. Aber nein, Pustekuchen. In verschiedenen Foren wurde das Fehlen der App ausgiebig diskutiert, für einige Käufer war das sogar ein Grund, die T5 zurückzuschicken.

Nach unserer Meinung gibt es für diesen Schritt keinen Grund. Natürlich ist es von Klipsch ungeschickt, eine App zu versprechen und sie nicht zu veröffentlichen. Aber am Ende des Tages macht nicht die App einen guten Kopfhörer aus, sondern kann ihn höchstens in Details optimieren.

Beim Sound geht Klipsch keine Experimente ein, hier zahlt sich die jahrzehntelange Erfahrung aus. Mit den Codecs aptX und AAC an Bord, produzieren die T5 einen insgesamt sehr runden, warmen und ausgeglichenen Klang. Doch hören wir mal genauer rein.

Die Test-Playlist beginnt mit dem ruhigen Song „All Is Soft Inside” von Ane Brun. Die angeschlagene Basssaite dringt tief und klar an die Ohren, der zarte Gitarrenriff füllt akustischen den Raum. Dann setzt die Stimme von Anne Brun ein, mehr ein Hauchen als Gesang. Die spärliche Instrumentierung unterstreicht die Verletzlichkeit ganz wunderbar. Die T5 fangen den Moment ganz zauberhaft ein.

Das schicke Logo sitzt auf den Funktionstastern.

Bleiben wir einen Augenblick in dieser Stimmung und hören Møme mit „The Old Man“ zu. Der Track stammt von dem Soundtrack zu „Shelter“. Lediglich eine akustische Gitarre und ein leichter Ambient-Sound im Hintergrund – fertig ist die Wohlfühlmelodie. Die T5 bieten den feinen Klängen eine gute, wenn auch nicht perfekte Bühne. Der Raum ist ein wenig zu groß und weit, wodurch keine Intimität aufkommt. Die Gitarre ist allerdings in den Mitten wundervoll präzise dargestellt. Und auch bei dem Acappella-Song „Headed fort he Reaper“ von Kat Frankie agiert der T5 brillant, die Soundtüftler von Klipsch stehen offenbar auf Stimmen.

Zeit für mehr Bass. Samy Deluxe bringt den „Championsound“ auf die T5 – jedenfalls beinahe. Die Tiefen sind rund, warm – aber mit deutlich zu wenig Wumms. Na klar, es sind keine Party-In-Ears, aber ein paar Umdrehungen wären noch drin gewesen. So wirken die Höhen ein wenig zu überbetont und die Mitten zu verwaschen. Keine gute Idee ist es übrigens, die Lautstärke einfach mal so zu erhöhen: Offenbar hat Klipsch bei den T5 auf eine Bremse verzichtet, die kleinen Biester machen ganz schön krach. Aber bei einer bestimmten Lautstärke verliert der Klang seinen Halt, hier ist Fingerspitzengefühl gefragt. Das gilt auch beim Song „Jenseits“ von Fero47. Das Bassfundament ist bei normaler Lautstärke ein wenig zu soft, die Mitten dagegen einen Tick zu dumpf. Wird am Volume gedreht, haut der Bass rein, der Rest wird schrill.

Alles andere als Schrill ist das wunderbare „Both Sides Of The Moon“ von Celeste. Der Oldschool-Soul kommt über die T5 warm und weich ans Ohr, die Stimme der britischen Sängerin schleicht sich schmelzend ins Trommelfell. Bass und Bläser ist hervorragend zu orten – jede Note ist perfekt an seinem Platz und wird über die In-Ears nahezu optimal wiedergegeben.

Bei den Telefonaten sieht die Sache leider anders aus. Hier können die T5 nicht überzeugen. Ja, man kann sich unterhalten, es klingt aber manchmal eher wie ein Gespräch mit dem Dosentelefon. Wenn die Bluetooth-Verbindung seinen Dienst tut, gibt es bei Videos keine hörbaren Verzögerungen beim Ton.

Insgesamt kann die Soundqualität der T5 True Wireless aber sehr überzeugen. Sie kommt zwar nicht ganz an unsere Testsieger aus dem vergangenen Jahr heran, dafür sind die Klipsch-Kopfhörer aber auch günstiger als der Sennheiser Momentum oder MW07 von Master & Dynamic.

Die Akkus der Headsets halten laut Klipsch bis zu acht Stunden durch. Damit entpuppen sich die T5 als echte Ausdauerkünstler. Die Ladebox bringt noch einmal bis zu 24 weitere Stunden Laufzeit. Im Test dauerte es knapp zwei Stunden bis Kopfhörer und Box komplett aufgeladen waren.

Die Akkus halten laut Klipsch bis zu acht Stunden durch. Die Ladebox bringt noch einmal bis zu 24 weitere Stunden Laufzeit.

Der UVP der Klipsch T5 True Wireless liegt bei knapp 180 Euro. Bei diesem Preis muss sich das Headset einen Vergleich mit den Airpods von Apple (Testbericht) gefallen lassen. Auch wenn Klipsch beim Sound punktet, ist Apple bei Tragekomfort und Bedienung besser. Für nur ein paar Euro mehr gibt es zudem deutlich bessere Kopfhörer von Sony.

Der Klipsch T5 ist ein ordentlicher True Wireless Kopfhörer, mehr aber leider auch nicht. Auf der Habenseite stehen eine tolle Akku-Leistung, eine simple Bedienung und ein hervorragender Klang.

Auf der Sollseite stehen die trotz Ankündigung fehlende App, der geringe Tragekomfort und die mäßige Bluetooth-Stabilität. Die App kann man vielleicht verschmerzen und der Komfort mag noch eine Frage des persönlichen Geschmacks sein. Die Funkverbindung darf dagegen bei einem kabellosen Gerät – vor allem in dieser Preisklasse – keine Schwächen zeigen.

Das ist besonders deshalb schade, weil der Sound der T5 insgesamt sehr gut ist. Man hört mit jeder Note, dass bei Klipsch Klang-Profis am Werk waren. Wäre der Sound alleinige Bewertungsgrundlage, wäre die Gesamtnote besser. Doch damit wir die T5 vollends empfehlen könnten, hätten noch Designer, Programmierer und Netzwerker angeheuert werden müssen. So reicht es für ein Ausreichend – und das ist bei diesem Preis nicht genug.

Ähnliche Artikel auf TechStage

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige