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Kami Camera im Test: Starter-Kit zur modularen Überwachung

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Die Überwachungskamera Kami Wire Free Camera von Yi erkennt Menschen, hält einen Monat mit Akku und nimmt Videos im 140-Grad-Weitwinkel auf. Wir haben die Cam getestet.

Die kabellose Überwachungskamera Kami Cam von Yi hat den Vorteil, dass sie deutlich günstiger ist, als andere Produkte. Allerdings erkauft der Hersteller diesen Preis durch eine schlechte Bildqualität und eine fragwürdige Datenschutzpolitik. Im Test prüfen wir, was die Kamera kann.

Die Kami-Überwachungskamera arbeitet wahlweise als Stand-Alone-Lösung oder innerhalb des Kami-Smart-Home-Systems mit weiteren Cams, Bewegungssensoren und Türsensoren zusammen. Es gibt allerdings eine Einschränkung, Kami kann maximal vier Kameras verwalten. Bei den Sensoren gibt es diese Einschränkung nicht.

Die Wire Free Camera ist eine akkubetriebene Überwachungskamera für Außen- und Innenbereiche, sie ist gemäß IP65 gegen die Elemente geschützt. Die WLAN-Kommunikation übernimmt eine Bridge, die ist im Lieferumgfang enthaltten und muss per Ethernet-Kabel am Router angeschlossen sein.

Kami liefert seine Kamera mit zwei Akkus aus

Videos nimmt die Kamera maximal mit 1920 × 1080 Pixeln auf (Full-HD). Zudem bietet die Kamera eine Infrarot-LED für Nachtaufnahmen, ein Mikrofon, einen Lautsprecher und einen Bewegungssensor (PIR). Der Akku ist austauschbar, ein Ersatzakku liegt bei. Die Akkus laden in der mitgelieferten Ladestation oder direkt an der Kamera via Micro-USB.

Die zur Montage der Kamera notwendigen Schrauben und Dübel liegen bei, wir empfehlen aber gleich den Kauf von ordentlichen Alternativen. Die Kamera sitzt wahlweise an Wand, Boden oder Decke. Achtung: Die Cam muss so montiert werden, dass sie nicht aus dem Stand erreichbar ist – idealerweise also ab 2,5 Metern. Denn die Halterung der Cam ist zwar an der Wand verschraubt, die Kamera ist aber nur magnetisch angeheftet und lässt sich leicht entfernen. Wer das Gerät nicht verschrauben kann oder mag, kann die Kamera alternativ auf dem mitgelieferten Standfuß aufstellen.

Zum Aktivieren der Cam benötigt man die App Kami Home. Sie verlangt ein Nutzerkonto mit Name und E-Mail-Adresse. Das ist inzwischen Standard und etwa für den Zugriff von außerhalb des eigenen Netzwerks notwendig. Nach dem Login erscheint das Hauptmenü und ein Pluszeichen im rechten oberen Rand, das zur Produktauswahl führt. Zunächst erfolgt die Einrichtung der Bridge. Hat diese Netzwerk- und Stromverbindung, ertönt der Satz ready to connect. In der App wählt man die Bridge aus, drückt auf weiter und wartet, bis das Gerät einsatzbereit ist. In unserem Test klappte das auf Anhieb.

Im Anschluss durchläuft man den gleichen Prozess noch einmal, nur dieses Mal mit der Kamera: Cam anschalten, auf den Satz ready to connect warten, in der App weiter drücken und die Verbindung steht.

Die Kami Wire Free speichert Aufnahmen in Full-HD, den Live-Stream gibt es wahlweise in 1080 × 720 Pixeln (HD) oder 720 × 576 Pixeln (SD). Laut Hersteller hält eine Akkuladung rund einen Monat beziehungsweise für 2.800 Alarmauslösungen. Wir prüfen die Akkulaufzeit und aktualisieren den Testbericht entsprechend. Dank des zweiten Akkus ist immer eine geladene Batterie zur Hand, die Ausfallzeit ist dadurch minimal.

Der PIR-Sensor der Cam funktioniert einwandfrei

Der Bewegungssensor der Kami löst zuverlässig aus und erkennt Personen im Umkreis von 5 Metern. Die Reichweite des Sensors ist in der App nicht regelbar. Für die Nachtsicht steht eine IR-LED zur Verfügung, mehr zu Qualität im nächsten Absatz. Einen kleinen LED-Scheinwerfer wie die Eufycam 2c (Testbericht) oder die Arlo Pro 2 (Testbericht) hat die Kami-Cam nicht.

Eine Statusleuchte oberhalb der Kameralinse leuchtet, wenn die Cam sich verbindet oder Videos aufzeichnet. Mikrofon und Lautsprecher auf der rechten Seite erlauben das Hören von und Sprechen mit potenziellen Einbrechern, zumindest theoretisch. Der Praxistest weiter unten zeigt, dass beide Funktionen unnötig sind.

Kami Kamera Setup (8 Bilder)

Das Hauptmenü der Cam bietet grundlegende Einstellungsoptionen

Die App regelt die Einstellungen der einzelnen Kameras. So kann man etwa die Kamera mit einer lokalen PIN vor fremden Zugriffen schützen oder die Signalstärke der Kamera prüfen. Zudem zeigt die App die verbleibende Akkuladung. Mit den Erkennungseinstellungen legen Benutzer fest, in welcher Häufigkeit ein Alarm auslöst. Läuft ein Einbrecher beispielsweise innerhalb von einer Minute fünfmal an der Kamera vorbei, löst diese bei hoher Alarmhäufigkeit jedes Mal aus, bei niedriger Einstellung nur einmal.

Im Untermenü Kameraeinstellungen bietet die App weitere Optionen. Hier sind Funktionen zur Aktivierung beziehungsweise Deaktivierung der Status-LED sowie die Punkte Bilddrehung und Objektivverzerrungskorrektur hinterlegt. Die Bilddrehung zeigt das Bild auf dem Kopf, beispielsweise wenn die Cam an der Decke befestigt ist. Die Verzerrungskorrektur biegt die Krümmung der Weitwinkelaufnahme gerade – hier arbeitet die Software im Hintergrund und sorgt für ein annähernd krümmungsfreies Bild. Zu guter Letzt deaktivieren Anwender in diesem Untermenü noch das Mikrofon und die IR-LED.

Die Einschränkung des Aufnahmebereichs oder ein komplettes Schwärzen sind nicht möglich. Entsprechend darf die Kamera nicht an eine Stelle, von der sie den öffentlichen Raum (Fußwege, Nachbarsgarten) filmen kann.

Software-seitig entzerrte Weitwinkelaufnahmen sehen gut aus, haben aber ein starkes Bildrauschen

Aufnahmen bei Tag sind bei der Kami-Cam weder besonders hell noch farbenfroh. Das Bild ist matschig und zeigt trotz Full-HD nicht viele Details. Die Kami nimmt dafür einen großen Blickwinkel mit 140 Grad. Alternativen wie die Arlo Pro 2 (Testbericht) oder die Eufycam 2c (Testbericht) bieten hier vergleichsweise 130 beziehungsweise 135 Grad.

Die Nachtaufnahmen der Cam sind sehr hell, zeigen aber wenig Details

Bei Nachtsicht sorgt eine IR-LED für Helligkeit. Diese reicht aus, um einen kleinen Garten oder eine Einfahrt auf den Aufnahmen vollständig zu erhellen. Hier überzeugt die Kami in Hinblick auf die Helligkeit gegenüber einer Arlo Pro 2 oder einer Eufycam 2c.

Der integrierte Lautsprecher bietet keinen Mehrwert

Das Mikrofon der Kami zeichnet Stimmen und Geräusche in der näheren Umgebung auf, weiter entfernte Geräusche sind nicht zu vernehmen. Über die App lässt sich die Intensität des Mikrofons nicht einstellen. Der Lautsprecher der Kami ist nutzlos. Er spielt eine Alarmsirene ab oder überträgt die Stimme des Anwenders. Doch der Lautsprecher ist so leise, dass er im Umkreis von fünf Metern bereits kaum mehr hörbar ist.

Ein weiterer Kritikpunkt ist die langsame Alarmierung: Während der Bewegungssensor einwandfrei funktioniert, dauert es mitunter bis zu einer Minute, bis eine Push-Meldung auf das Smartphone kommt. Das ist viel zu lang, gerade, wenn ein Einbruch stattfindet.

Yi Technology Kami 1080p Wire-Free Sicherheitskamera, kabellos (WK101)

Kami Wire Free Kamera

Arlo Pro 2 Kit, 2 Kameras, Set (VMS4230P-100EUS)

Arlo Pro 2

Eufy Cam 2C 2-Cameras + HomeBase Set (AK-194644169985)

Eufycam 2c

Blink XT2 Outdoor Kamera schwarz, Set inkl. Sync-Modul (B07M98TLCK)

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Der Cloud-Service zur Kami ist die Yi-Cloud. Eine lokale Speicherung von Aufnahmen ist nicht möglich, nur der Download aus der Cloud. Bei der Kami-Produktlinie gibt es die ersten sechs Monate kostenfreien Speicher mit unbegrenzt vielen Aufnahmen. Wer nach dem halben Jahr den Cloud-Dienst weiter nutzen will, zahlt rund 3 Euro pro Monat für sieben Tage Speicherdauer und 8 Euro pro Monat für 30 Tage Speicher – jeweils ohne Speicherlimit. Kostenfrei ist die Cam auch nutzbar, dann sind die Aufnahmen allerdings auf sechs Sekunden reduziert und werden täglich gelöscht.

Bereits im Bericht zur Yi Home Cam (Testbericht) haben wir darauf hingewiesen, dass die Datensicherung bei Produkten des chinesischen Anbieters sehr bedenklich sein kann. Nach Erscheinen dieses Beitrags im Januar 2020 hat die Pressestelle die Datenschutzerklärung (Link zum Hersteller) zur Kami-Cam für Europa angepasst. Seit April 2020 heißt es nun:

As per European General Data Protection Regulation (GDPR) that was put into effect on May 25, 2018 we store all Personal Data from our European users on our servers in Frankfurt (Germany).

Somit unterliegen die gespeicherten Daten und deren Handhabung der DSGVO.

Für rund 120 Euro ist die Kami in der Theorie eine gute Alternative zu den teureren Modellen von Arlo, Eufy oder Blink. Die Kamera ist sehr einfach einzurichten und funktioniert bis auf die verzögerten Push-Meldungen bei Alarm einwandfrei. Der integrierte Lautsprecher in der Cam ist aufgrund seiner geringen Lautstärke unbrauchbar. Das Einschränken von Aufnahmebereichen oder Schwärzen ist nicht möglich. Somit kann man die Cam nur dort montieren, wo sie privaten Grund aufnimmt, etwa in der Garage.

Unsere Hoffnung zum Veröffentlichungszeitpunkt des Beitrags, dass der Hersteller die Datenschutzerklärung für die Kamera anpasst, hat gefruchtet. Seit April 2020 ist die Datenschutzerklärung für Europa angepasst. Entsprechend wurde das Testergebnis der Kamera von mangelhaft auf befriedigend angehoben.

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