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Jabra Sport Pulse Wireless im Test: Headset mit Puls-Sensor

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Für Sportler, die während dem Training ihren Puls messen möchten, stehen inzwischen eine ganze Reihe von möglichen Messpunkten bereit: ganz klassisch per Brustgurt, komfortabel am Handgelenk oder im Ohr. Der 200 Euro teure Jabra Sport Pulse Wireless nutzt letztere Option – und dient gleichzeitig auch noch als drahtloses Bluetooth-Headset.

Der Jabra Sport Pulse Wireless sieht unspektakulär aus. Das für Ohrhörer auffällig große Gehäuse besteht aus schwarz glänzendem Kunststoff, einige Teile wie der Kabelansatz oder das Ohrmuschelpassstück sind mit mattschwarzem Gummi überzogen. Einzige Farbtupfer sind die knallgelben Ohrkanaladapter sowie die aufgedruckten Jabra-Schriftzüge und das Puls-Symbol auf dem linken Ohrhörer.

Schwarz mit gelben Akzenten: Im linken Ohrhörer steckt der Pulssensor.

Am Kabel zwischen den beiden Ohrhörern hängt eine längliche Fernsteuerung, auf der sich drei Tasten befinden: Die beiden Lauter- und Leiser-Buttons regeln neben der Lautstärkeregelung auch das Überspringen von Liedern, die Multifunktionstaste dient auch als Ein/Aus-Schalter sowie zum Annehmen und Beenden von Anrufen, dem Starten bezeihungsweise Stoppen der Musikwiedergabe oder zur Wahlwiederholung. Schließlich steckt in der Fernsteuerung noch ein MEMS-Mikrofon.

Auf dem linken Ohrhörer befindet sich noch die sogenannte Sports-Taste. Ein zehnsekündiger Druck aktiviert beziehungsweise deaktiviert den Herzfrequenz-Sensor. Außerdem dient sie bei gekoppeltem Smartphone zum Starten der Jabra-App, zum Beginnen oder Pausieren des Workouts und zum Abrufen von Status-Infos zum laufenden Training. Eine detaillierte Beschreibung der Bedienung gibt es übrigens im Handbuch auf der Webseite des Herstellers.

Im rechten Ohrhörer verbirgt sich ein Micro-USB-Anschluss zum Aufladen des integrierten Akkus.
Im Lieferumfang ist dieses Case aus Kunststoff enthalten.

Im rechten Ohrhörer verbirgt sich ein Micro-USB-Anschluss zum Aufladen des integrierten Akkus – die Ladezeit beträgt circa zwei Stunden. Außerdem gibt es hier auch eine Status-LED, die beispielsweise über einen vollständig geladenen Akku informiert.

Der Jabra Sport Pulse Wireless ist nach IP55 zertifiziert und damit staubdicht sowie gegen Strahlwasser aus beliebigem Winkel geschützt. Schweiß, Regen & Co. sollten dem Headset also nichts anhaben, zum Schwimmen ist es jedoch nicht geeignet. Außerdem sind die Ohrhörer laut Hersteller stoßfest.

Zum Transport ist im Lieferumfang ein kleines Hartschalen-Etui enthalten.

Jabra hat sich redlich bemüht, für einen sicheren Sitz des Headsets zu sorgen: Im Lieferumfang sind jeweils vier sogenannte Eargels und EarWings enthalten. Erstere sorgen für einen passgenauen Sitz im Gehörgang, mit zweiteren krallt sich der Sport Pulse Wireless in der Ohrmuschel fest.

Mit den diversen Adaptern lässt sich der Sport Pulse Wireless an die eigene Physiognomie anpassen.

Bei mir sitzt der Sportohrhörer mit den richtigen Passstücken absolut bombenfest. Kicks, Herumgespringe und Burpees in einem MMA-Workout beeindrucken den Sport Pulse Wireless nicht, Joggen oder Radfahren stellen überhaupt keine Herausforderung dar. Daumen hoch!

Im Lieferumfang sind noch zwei Clips enthalten, mit denen sich das hinterm Kopf entlanglaufende Verbindungskabel zwischen den beiden Ohrhörern straffen lässt, damit hier beim Joggen nichts herumschlackert.

Sollte der Ohrhörer während des Trainings übrigens einmal so verrutschen, dass die Herzfrequenz nicht mehr gemessen werden kann, gibt der Sport Pulse Wireless eine akustische Warnung aus – und informiert ebenfalls, wenn das Headset den Puls wieder gefunden hat. Sehr lobenswert.

Sinnvoll: Die Buttons auf der Fernbedienung, die knapp unterhalb des rechten Ohres hängt, lassen sich auch blind erfühlen.

Wie die allermeisten Hersteller hat auch Jabra eine eigene App für sein Fitness-Headset im Programm. Die Anwendung Jabra Sport Life hat eine ganze Reihe von auf Sport-Enthusiasten zugeschnittene Funktionen an Bord.

Der linke Screenshot zeigt, wie die App während des Trainings aussieht. Welche Informationen hier dargestellt werden, lässt sich anpassen. Auf dem rechten Screenshot ist die Konfigurationsübersicht des gleich zu startenden Workouts zu sehen.

Auf dem Startbildschirm der hat der Nutzer die Möglichkeit, für die Trainingseinheit vier verschiedene Parameter festzulegen. Im Dialog „Aktivität“ lässt sich die Sportart einstellen – oder auf Wunsch auch neu anlegen. Die wesentliche Auswirkung besteht hier darin, ob die App per GPS im Smartphone die Position des Nutzers trackt oder nicht.

Punkt zwei betrifft das Trainingsziel. Die App zeichnet hier wahlweise einfach die Messdaten auf oder konfrontiert den Sportler während des Trainings dann mit verschiedenen Zielen – beispielsweise einem bestimmten Tempo, einer Distanz oder einer Pulszone. Außerdem ist es auch möglich, ein eigenes Intervallprogramm anzulegen.

Der dritte Punkt betrifft die Musik: Hier erkennt die App potenzielle Musikquellen auf dem Smartphone und ermöglicht es, beispielsweise aus Google Play Music Playlisten zu importieren.

Die letzte Einstellung betrifft schließlich noch die Anzeigeart. An dieser Stelle lässt sich festlegen, wie die App den Verlauf des aktuellen Trainings darstellen soll – ob sie beispielsweise das Tempo, die Herzfrequenz, die zurückgelegte Strecke oder die verstrichene Zeit am prominentesten anzeigt.

Im Einstellungsdialog von Jabra Sport Life gibt es noch die Möglichkeit, die Sprachausgabe einzustellen. Auf Wunsch sagt die App dann über das Headset alle x Minuten oder y Kilometer bestimmte Werte durch, beispielsweise die zurückgelegte Strecke, das aktuelle Tempo, die Pulszone und so weiter. Stand heute funktioniert die Sprachausgabe allerdings nur auf Englisch.

Hier sind zwei der drei Fitness-Tests beziehungsweise die Ergebnisse zu sehen. Es wäre schön, wenn die Jabra-App noch detailliertere Informationen dazu liefern würde, was die Messungen bedeuten.

Darüber hinaus bietet die App noch drei Tests zur Feststellung der eigenen Fitness. So gibt es einen orthostatischen Test, der die Herzfrequenzvariabilität misst und daraus einen Rückschluss auf die Tagesform gewährt. Wer beispielsweise leicht erkältet ist, am Vortag zu hart feiern war oder zu viel trainiert hat, kann dadurch abschätzen, wie krass er beim Training pushen kann – oder ob eine Pause nicht besser wäre.

Mit dem Rockport-Test dagegen lässt sich die individuelle maximale Sauerstoffaufnahme abschätzen. Freaks können dann ermitteln, ob sich das Höhentrainingslager gelohnt hat. Und der Ruhepuls-Test ermittelt – Überraschung – den Ruhepuls des Trägers. Dieser gewährt ebenfalls einen Rückschluss auf den Trainingszustand und ermöglicht es außerdem, einen genaueren Kalorienverbrauch zu ermitteln.

Ein wenig schade ist hier, dass die App nach den Tests nur relativ wenige Infos zur Bedeutung der Ergebnisse ausspuckt.

Neben der hauseigenen App unterstützt der Jabra Sport Pulse Wireless die Anwendungen Endomondo, RunKeeper, MapMyFitness und Strava.

Das Koppeln via Bluetooth mit dem Smartphone funktionierte im Test absolut einwandfrei. Um das erstmalige Pairing zu vereinfachen, hat das Jabra-Headset auch ein NFC-Modul an Bord.

Unsere bisherigen Erfahrungen mit in Ohrhörer integrierten Pulssensoren waren etwas durchwachsen: Der BioSport von SMS Audio leistete im Test zwar hervorragende Dienste bei der Messung der Herzfrequenz. Doch mit seinem eher dünnen Sound konnte uns der Sport-Ohrhörer von 50 Cents Firma SMS Audio nicht überzeugen.

Jabra zeigt, dass sich voluminöse Bässe, ein gefälliges Klangbild und ein im Headset integrierter Herzfrequenzsensor nicht ausschließen müssen. Mit der Soundqualität von 200-Euro-Ohrhörern kann der Sport Pulse Wireless aber natürlich nicht mithalten.

Bei maximaler Lautstärke flachen die Bässe allerdings im Vergleich zum Rest des Klangbilds ab. Die Mitten und Höhen dagegen fangen an, unangenehm zu plärren, und der Sound wirkt generell unsauber und rauschig. Allerdings bewegt sich die Lautstärke hier auch schon jenseits von meiner Schmerzgrenze.

Zum Klang gilt es noch hinzuzufügen, dass die Jabra Sport Pulse Wireless den Träger ziemlich stark von seiner Umwelt isolieren. Selbst ohne laufender Musikwiedergabe ist es schwierig, mit den Stöpseln im Ohr Gesprächen bei Zimmerlautstärke zu folgen. Entsprechend ist beim Sport im öffentlichen Verkehrsraum Vorsicht geboten. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, setzt hier nur den Stöpsel mit Pulssensor ein.

Die Pulsmessung im Ohr konnte bereits beim SMS Audio BioSport überzeugen – und tut es auch beim Sport Pulse Wireless. Das Jabra-Headset liefert beim Sport quasi identische Messungen wie die Sigma RC Move, die auf einen Brustgurt zur Bestimmung der Herzfrequenz setzt. Bei rapiden Pulsänderungen, beispielsweise beim HIIT-Training, hinkt der Sport Pulse Wireless manchmal ein bis zwei Sekunden hinterher, bis der Pulsansteig registriert wurde. In der Praxis dürfte das allerdings keine Rolle spielen.

Links sind die Messdaten des Sigma RC Move mit Brustgurt zu sehen, rechts die des Jabra Sport Pulse Wireless. Auch wenn die Graphen unterschiedlich skaliert sind, so lässt sich doch eine weitgehende Deckungsgleichheit erkennen. Kontrollen während des Trainings bestätigen den Eindruck – die Messungen weichen wenn, dann nur wenige Herzschläge voneinander ab.

Jabra gibt für sein Sport-Headset eine Akkulaufzeit von „bis zu 4,5 Stunden“ an – bei halber Lautstärke sollen es sogar fünf Stunden sein. Leider gibt das Datenblatt keine Auskunft darüber, ob hier der Pulssensor aktiviert ist oder nicht. Mit voll geladenem Akku zeigt uns die Jabra-Sport-App eine verbleibende Laufzeit von 4,0 Stunden an. Damit wäre dann wohl die Zielzeit für den Marathon gesetzt.

Wir machen die Probe aufs Exempel und lassen Musik mit halber Lautstärke sowie mit der Jabra-Sport-App einen Workout laufen. Einen ersten Verbindungsaussetzer gab es nach exakt 4 Stunden und 45 Minuten. Nach insgesamt 5 Stunden und 4 Minuten geht dem Headset dann endgültig die Puste aus. Für die allermeisten Hobbysportler dürfte das ausreichen, solange nicht gerade ein Ultramarathon auf dem Programm steht.

Das Aufladen geschieht über den Micro-USB-Anschluss und dauert bei komplett entladenem Akku etwa zwei Stunden.

An dieser Stelle möchte ich noch einmal kurz etwas zum Langzeit-Komfort sagen: Die ersten zwei bis zweieinhalb Stunden waren die Ohrhörer durchaus bequem, fingen dann aber an, etwas zu drücken. Und zumindest ab der Dreieinhalb-Stunden-Marke musste ich die Stöpsel ab und zu mal kurzzeitig aus dem Ohr nehmen.

Günstig ist der Sport Pulse Wireless mit 200 Euro nicht – und er kommt in puncto Klang natürlich auch nicht in die Nähe von vergleichbar teuren Ohrstöpseln ohne Puls-Sensor. Dafür bekommt man bei Jabra aber ein ausgezeichnetes Bluetooth-Headset mit einem erfreulich zuverlässig arbeitenden Herzfrequenz-Sensor.

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