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JVC KW-M745DBT mit Android Auto & Apple Carplay im Test

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Fast egal wie alt das Auto ist: Hat es einen 2-DIN-Schacht, kann man mit dem JVC KW-M745DBT für kleines Geld DAB+, Bluetooth, Android Auto und Apple Carplay nachrüsten.

UKW-Autoradios in älteren Autos haben kein Bluetooth, keine Freisprecheinrichtung, keine Navigation – alles Dinge, an die man sich schnell gewöhnt und sie dann vermisst, wenn es sie nicht gibt. In Autos, in denen das Radio jedoch in einem 2-DIN-Schacht steckt, kann es mit überschaubarem Aufwand gegen ein smartes wie dem hier getesteten JVC KW-M745DBT getauscht werden. Das hat ein großes Touchdisplay, spielt Musik über Bluetooth, telefoniert über ein externes Mikrofon, empfängt Radiosender über DAB+, unterstützt über Android Auto sowie Apple Carplay Funktionen wie Navigation und Nachrichten vorlesen und hat dazu noch ordentlich Wumms. Dazu kommt die sehr geringe Einbautiefe und das gute Display.

Wir haben das JVC KW-M745DBT in einen 2008 Toyota Auris eingebaut und getestet. In diesem Vergleichstest der drei Moniceiver muss es sich dann gegen die bereits getesteten und sowohl preislich als auch bezüglich ihrer Funktionen vergleichbaren Moniceiver Sony XAV-AX3005 (Testbericht) und Kenwood DMX7017DABS (Testbericht) beweisen.

Je nach Automarke gibt es im 2-DIN-Schacht mehr oder weniger viel Platz. Gerade die Einbautiefe kann hier entscheidend sein. Denn häufig ist der Schacht knapp bemessen und neben dem Gerät selbst benötigen vor allem Kabel viel Platz. Hier kann das JVC KW-M745DBT voll Punkten. Denn es ist lediglich 8 cm tief. Im Vergleich: Das Kenwood DMX7017DABS ist mit 15,5 cm fast doppelt so lang.

Der Einbau selbst ist mit etwas technischem Grundverständnis in Eigenregie durchführbar. Wer damit Probleme haben sollte, dem hilft die umfangreiche Anleitung oder im Zweifel auch eine Werkstatt weiter. Dem JVC KW-M745DBT liegt ein externes Mikrofon bei, eine DAB+-Antenne hat man eingespart. Hat man sowas nicht ohnehin im Auto, muss sie für den DAB-Empfang für gut zehn Euro nachgekauft werden.

Die etwa 1 cm breite Blende hilft in einigen Fällen, hässliche Spalten zu verdecken. Das variiert jedoch stark von Auto zu Auto. In unserem Fall passte die ursprüngliche Blende, die beigelegte jedoch nicht. Allerdings lassen sich für wenige Euro passende Blenden für die meisten Autotypen nachkaufen. Wer einen 3D-Drucker (Vergleichstest) hat, kann bei Seiten wie Thingiverse fündig werden.

Die Front mit dem 6,8 Zoll großen und 800 × 480 Pixel auflösenden Display ist komplett plan, auf echte physische Knöpfe verzichtet JVC und ersetzt sie mit berührungsempfindlichen Tastfeldern. Damit ist es unmöglich, den Moniceiver am Gerät blind zu bedienen. Bei jeder Eingabe muss der Fahrer die Augen von der Straße und auf das Display richten. Ein massiver Minuspunkt. Die fünf virtuellen Knöpfe befinden sich auf der linken Seite und leuchten weiß. Andere Farben kann man nicht wählen. Ähnlich wie die fünf Knöpfe reagiert auch das Display im Gegensatz zu vielen preislich vergleichbaren Radios sehr gut auf Touch-Gesten. Das liegt vor allem daran, dass JVC auf ein kapazitives statt auf ein resistives Display setzt. Die maximale Helligkeit des Displays ist mit 380 cd/m² hoch, so ist es auch bei direkter Sonneneinstrahlung abzulesen.

Das JVC KW-M745DBT empfängt Radiosender wahlweise über UKW oder DAB+. Dabei bringt DAB+ einige Vorteile mit. So gibt es mehr Sender und die Übertragungsqualität ist höher. Außerdem werden neben den reinen Audiodaten zusätzlich der Name des Radiosenders, Titel, Interpret und sogar ein Bild übertragen und auf dem Display angezeigt. Dabei puffert das Radio den Sender, um bei schwachem DAB-Signal kaum hörbar auf den gleichen UKW-Sender und wieder zurück zu wechseln.

Für den Test verwenden wir eine DAB-Antenne für die Frontscheibe mit nur einem statt zwei Flügeln. Dadurch ist ihre Empfangsqualität eingeschränkt und das JVC muss unter erschwerten Bedingungen beweisen, wie gut sein DAB-Empfang wirklich ist. Vom Ergebnis sind wir wenig beeindruckt. Je nach Sender kommt es regelmäßig zu Aussetzern. Hier bietet das Sony XAV-AX3005 (Testbericht) eine deutlich bessere Empfangsleistung. Dennoch empfängt das JVC mit einer voll funktionsfähigen DAB-Antenne gut, nur setzt es eben bei einem schwächer werdenden Signal schneller aus, beziehungsweise wechselt zum UKW-Äquivalent.

Das KW-M745DBT wechselt bei schlechtem DAB-Empfang automatisch zum UKW-Sender und wieder zurück.

Sowohl Apple Carplay als auch Android Auto funktionieren hier nur kabelgebunden. Der Vorteil: Die Verbindung ist stabil und das Smartphone wird gleich mitgeladen. Wir empfehlen dafür eine Smartphone-Halterung. Im Vergleichstest KFZ-Smartphone-Halterungen fürs Lüftungsgitter haben wir uns fünf verschiedene Lösungen angeschaut.

Beide Systeme machen den Moniceiver zu einer Art zweiten Display für das Smartphone auf dem für eine einfache Bedienung optimierte Funktionen laufen. Dazu gehört auch Telefonieren und Audio-Streaming von beliebten Anbietern wie Spotify, Apple Music, Deezer und Co.

DAB+ empfängt sogar ein Bild vom Radiosender und zeigt es an.

Außerdem blendet Android Auto eingehende Nachrichten kurz ein und liest sie auf Wunsch vor. Das funktioniert gut, nur beim Vorlesen von Emojis wird es häufig unfreiwillig komisch. Nach dem Vorlesen besteht die Möglichkeit, die Nachrichten über Speech-to-Text zu beantworten.

Das Killer-Feature von Android Auto und Apple Carplay ist aber die Navigation. Diese lässt sich per Sprache bedienen und funktioniert mindestens so gut wie die um ein vielfaches teureren Lösungen der Automobilhersteller.

Spracheingaben erkennt das JVC bei angeschlossenem Smartphone nach dem Drücken des entsprechenden Knopfes oder den Aktivierungswörtern Okay Google und Hey Siri.

Auch komplett ohne Apple Carplay und Android Auto kann ein Smartphone via Bluetooth mit dem JVC gekoppelt werden, um beim Telefonieren die gut funktionierende Freisprecheinrichtung (HFP 1.6) zu nutzen oder Musik abzuspielen (A2DP). Dabei können sich zwei Smartphones parallel mit dem Autoradio verbinden. Die Bluetooth-Verbindung funktioniert fehlerfrei, das Auto-Pairing mit dem Smartphone zuverlässig. So spielt das Radio nach dem Einsteigen und Starten des Autos nach etwa einer Minute den Song genau dort weiter, wo man ihn beim Verlassen des Autos unterbrochen hatte.

Die Anzeige während der Musikwiedergabe über Bluetooth.

Die Akustik des JVC KW-M745DBT ist gut. Das Radio steuert die vier Lautsprecher mit jeweils 50 Watt (22 Watt Nennleistung) an. Das ist in unserem Fall mehr als ausreichend. Die Klangeinstellungen sind sehr vielfältig und sollten jeden, der gerne etwas herumexperimentiert zufrieden stellen. Wer eine einfache und selbsterklärende Menüführung wünscht, könnte sich jedoch etwas erschlagen fühlen.

Beim Start lässt sich das JVC KW-M745DBT relativ viel Zeit. Erst nach knapp 15 Sekunden kommt der Screen mit Warnhinweisen, der entweder manuell weggeklickt wird oder bei entsprechend gesetztem Haken nach weiteren zehn Sekunden von selbst verschwindet. Auf der Produktseite des Autoradios und in der Anleitung beschreibt JVC weitere Ausstattungsdetails.

JVC KW-M745DBT

JVC KW-M745DBT

(Kein Produktbild vorhanden)

Schutzfolie für JVC KW-M745DBT

Pioneer CA-AN-DAB.001 DAB-Antenne

DAB-Antenne

Es gibt vor allem zwei Sachen, die das JVC KW-M745DBT positiv von der Konkurrenz abheben. Dazu gehört zum einen das kapazitive Display. Unverständlich, warum so viele andere Moniceiver auf die deutlich schlechter auf Touch-Gesten reagierende resistive Technik setzen. Zum anderen ist seine Bautiefe mit unter 8 cm sehr gering, wodurch es auch in sehr kurzen 2-DIN-Schächten Platz findet. Bezüglich seines Klangs, der Anschlussvielfalt, dem DAB-Empfang, Android Auto und Apple Carplay bietet es eine vergleichbare Qualität wie viele andere Moniceiver seiner Preisklasse.

Allerdings gibt eine Designentscheidung, die in unserem Test zu einem starken Abzug führt: JVC setzt nicht auf physische Knöpfe, sondern auf kapazitive Touch-Felder. Damit muss der Fahrer bei jeder Eingabe genau schauen, wo er drücken muss. In stressigen Situationen schnell mal leise machen ist damit sehr schwierig bis unmöglich. So wird das JVC im Betrieb zu einer potenziellen Gefahrenquelle.

Wer physische Knöpfe will, kann sich die Beiträge zu den preislich und technisch vergleichbaren Sony XAV-AX3005 (Testbericht) und Kenwood DMX7017DABS (Testbericht) anschauen. In diesem Vergleichstest der drei Moniceiver küren wir den Gewinner.

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