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Huawei Watch GT 2 Pro im Test: Smartwatch mit Langlauf-Akku

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Eine Pro-Version ist immer besser und teurer, so auch bei der neuen Huawei Watch GT 2 Pro. Was das genau bedeutet haben wir im Test zusammengefasst.

Die Huawei Watch GT 2 (Testbericht) gehört zu den beliebtesten Smartwatches 2020 – und das, obwohl sie eigentlich gar keine echte Smartwatch ist. Denn App können beispielsweise nicht auf ihr installiert werden und auch das direkte Beantworten von Nachrichten ist nicht möglich. Bei der neuen Huawei Watch GT 2 Pro soll alles besser werden. Die Uhr kommt mit hochwertigeren Materialien, bietet neue und mehr Features und kostet natürlich auch mehr – ist sie dadurch auch wirklich die bessere GT 2?

Der Test der Huawei Watch GT 2 Pro erscheint im Rahmen unserer Themenwelt zu Sportuhren. Dort sind bereits Tests zu Geräten wie der Fitbit Versa 2 (Testbericht), der Suunto 7 (Testbericht) oder der Huawei Watch Fit (Testbericht) zu finden.

Den größten Fortschritt macht die Huawei GT 2 Pro im Vergleich zur GT 2 (Testbericht) ohne Pro-Zusatz bei der Materialwahl. Die Pro-Version kommt im dunklen Titan- statt Edelstahlgehäuse zum Nutzer, das Display wird von kratzfestem Saphirglas geschützt und auf der Unterseite gibt es Keramik statt Kunststoff. Das sieht nicht nur deutlich hochwertiger aus, sondern trägt sich angenehmer. Dass auch die Pro noch als Sportuhr ausgelegt ist, zeigt das Silikon-Armband der Sport Edition, die etwas hellere Classic Edition kommt alternativ mit Lederarmband und Silikonband. Noch schicker wird es mit der Porsche Design Edition, die direkt mit einem Armband aus Titan kommt. Mit dieser Kombination will Huawei seine Uhr nicht nur Sportlern ans Herz (oder besser: ans Handgelenk) legen, sondern sie auch im Sportjacket eine gute Figur machen lassen. Noch sind zusätzliche Armbänder von Huawei nicht zu bekommen, Besitzer der Uhr können sich aber mit 22-Millimeter-Bändern von Drittherstellern behelfen.

Schick für Laufstrecke und Laufsteg gelingt. Die nicht drehbare Lünette der GT 2 mit aufgedruckter Zeitskala wie bei einer Taucheruhr ist verschwunden oder zumindest deutlich reduziert, das Armband geht nun direkt in das Gehäuse über. Wechselbar ist es ebenfalls. Bei der GT 2 wird es von deutlich aus dem Gehäuse ragenden Stegen gehalten, die Pro ist mehr aus einem Guss. Das wirkt moderner. Gleichzeitig ist sie aber nicht nur schwerer, sondern auch größer und dicker geworden – genau das will man eigentlich bei einer Smartwatch überhaupt nicht. Tatsächlich fällt das aber nur im direkten Vergleich auf, im Alltag macht das kaum einen Unterschied. Denn die Watch GT 2 Pro ist nur einen knappen Millimeter länger und breiter geworden, in der Dicke hat sie ebenfalls einen knappen Millimeter auf 11,4 Millimeter zugenommen. Das Gewicht wächst von 41 auf 52 Gramm – plus Armband.

Was die reinen Zahlen belegen, versucht der Hersteller bei der Pro-Version nicht einmal mit optischen Tricks zu kaschieren. Ist bei der GT 2 die bereits erwähnte Lünette noch deutlich nach außen abgeflacht und selbst in der silbernen Version die Rückseite schwarz und versteckt damit am Handgelenk getragen bei einem Blick von der Seite noch einen weiteren Teil der tatsächlichen Gehäusedicke, so verzichtet die Pro auf derartige Tricks. Ihr Display steht insgesamt sogar deutlich sichtbar aus dem Gehäuse hervor. Der auch hier schwarze Keramikboden kann diesen vergleichsweise klobigen Screen-Aufsatz entsprechend gar nicht mehr beschönigen - trotz ihres sportlicheren Auftritts ist die GT 2 (Testbericht) filigraner. Da hilft es auch nichts mehr, dass der Rand der beiden seitlichen Druckknöpfe bei der Huawei Watch GT 2 Pro fein geriffelt ist. Genau genommen ist das sogar Unsinn, denn drehen – und nur dafür wäre diese Riffelung für besseren Gripp sinnvoll – lassen sich die Knöpfe ohnehin nicht.

Alle Bilder zur Huawei Watch GT 2 Pro aus dem Test (26 Bilder)

Huawei Watch GT 2 Pro

So hinterlässt die Pro-Version ein ambivalentes Bild. Einerseits ist die neue Uhr klar edler und auch moderner, was an der gehobenen Materialwahl und dem fließenden Übergang des Armbandes ins Gehäuse liegt. Andererseits ist die GT 2 Pro dicker und zumindest ihr aufgesetztes Display wirkt weniger grazil. Perfekt sind – auch wenn das sicherlich immer auch Geschmackssache ist – beide Uhren nicht. Uns gefallen sie dennoch beide so gut, dass wir sie gern je nach Tageslaune oder Kleidungsstil wechseln würden. Zum Glück ist das gleichzeitige Verbinden von zwei Smartwatches mit der benötigten Health-App möglich, dann reicht ein Klick, um auszuwählen, welche gerade getragen wird.

Die Pro-Version wirkt moderner und hochwertiger als die GT 2 (re.)

Beim Display selbst gibt es keine Unterschiede zur normalen GT 2 – warum auch? Schließlich brillierte der Screen auch in der älteren Uhr schon mit seinen 1,39 Zoll Durchmesser bei scharfer Darstellung dank 456 × 456 Pixel und 464 Pixel pro Zoll. Dank OLED als Technologie ist die Darstellung äußerst kontrastreich, Schwarz zudem im Gegensatz zum gräulichen Farbton bei LCDs tiefschwarz. Farben werden intensiv dargestellt, die Blickwinkelstabilität ist hervorragend. Im Verbund mit der guten Helligkeit, die sich in fünf Stufen oder automatisch bestimmen lässt, haben Nutzer auch im Sommer bei direkter Sonneneinstrahlung kaum Probleme mit der Ablesbarkeit. Dann kann es aber schon mal nötig werden, das optional nutzbare Always-on-Display zu übergehen und das Display voll anzuschalten. Ansonsten reicht das AOD für flüchtige Blicke zur Uhrzeit aus.

Die Hardware der neuen Huawei Watch GT 2 Pro ist grundsätzlich mit der GT 2 (Testbericht) identisch. Entsprechend dürfte hier wieder ein Kirin A1 für flüssige Bedienung sorgen, rund 2 der 4 GByte interner Speicher stehen für Musik und andere Daten zur Verfügung und auch die Pro-Version ist nur bis 5 ATM wasserdicht. “Nur”, da das – auch wenn Huawei selbst von Schwimmen als mögliche Sportart spricht – eigentlich nicht wirklich zum Schwimmen gedacht ist. Denn 5 ATM bedeutet eigentlich eher Schutz gegen Spritzwasser. Durch schnelle Schwimmbewegungen kann allerdings der Wasserdruck auf das Gehäuse so stark erhöht werden, dass der Zeitmesser Schaden nimmt. Daher ist auch die Pro-Variante eher was für die Dusche, als für eine Ärmelkanal-Ddurchquerung.

Mit dabei ist auch wieder der TruSeen-Sensor, jetzt in Version 4.0+. Er misst den Puls des Trägers nach Angaben des Herstellers jetzt noch genauer, einen großen Unterschied zu Version 3 konnten wir aber nicht beobachten. Das dürfte aber in erster Linie daran liegen, dass wir auch schon mit den Sensoren in der GT 2 (Testbericht) weitestgehend zufrieden waren. Bis auf einen leichten Zeitversatz hatten wir hier nichts zu bemängeln. Ein Unterschied zur GT 2 ist das Fehlen der Pogo-Pins, die bei der älteren Uhr zum Laden benötigt werden. Die neue Pro-Version setzt hier vollständig auf kabelloses Laden per Induktion und lässt sich daher auf (fast) jeder beliebigen Qi-Ladematte (Ratgeber) laden. Ansonsten ist wieder alles dabei: GPS, Kompass, Barometer, Schrittzähler, Mikrofon und Lautsprecher sind mit dabei. Eine eSIM fehlt, Telefonate können also nur in Verbindung mit einem per Bluetooth 5.1 LE verbundenen Smartphone entgegengenommen und geführt werden. Das klappt zumindest in halbwegs ruhiger Umgebung gut.

Über 100 Sportarten erkennt die Uhr theoretisch selbständig, wir raten aber erfahrungsgemäß zum manuellen Start von Messungen. Das ist auch bei der ebenfalls neuen Huawei Watch Fit (Testbericht) so, im Gegensatz zur GT 2 Pro bietet die sogar noch hübsch animierte Trainings- oder Entspannungsübungen. Das fehlt der GT 2 Pro, sie versteht sich dafür zusätzlich zu den Sportarten von GT 2 und Fit auch noch auf Skifahren, Snowboarden und Golfen. Dabei misst die Uhr per Künstlicher Intelligenz Back- und Downswing und die Geschwindigkeit des Schlages und erlaubt so, daran zu arbeiten – glaubt man Huawei, wird so jeder zum nächsten Tiger Woods.

Generell unterstützt die KI bei den vielen Lauftrainings und hilft, die richtige Laufgeschwindigkeit zu finden, mit dem vorherigen Lauf mitzuhalten oder selbst bestimmte Zielzeiten zu erreichen. Dafür gibt der Trainingsassistent auf Wunsch per Sprache nach jedem Kilometer einen Zwischenstand bekannt und bewertet auf einer Skala von –10 bis +10, wie der Streckenabschnitt im Vergleich war. neben weiteren Auswertungen sieht der Sportler außerdem, ob er sich gerade im aeroben oder anaeroben Zustand befindet und kann seine Laufgeschwindigkeit entsprechend anpassen. Das ist locker auf dem Niveau von bekannten Größen wie Garmin Fenix 6S (Testbericht) oder Polar Grid X (Testbericht).

Die GT 2 Pro misst den Luftdruck und warnt damit vor Unwetter

Neu ist die Route-Back-Funktion. Wer sich während des Trainings verläuft, findet mit ihrer Hilfe auch ohne Smartphone zurück. Dabei bietet die Uhr sogar eine einfache grafische Darstellung, anhand derer entweder der Rückweg wie zuvor oder auf direktem Weg zum Ausgangspunkt eingeschlagen werden kann. Außerdem warnt die Uhr anhand des eingebauten Barometers auch vor aufziehenden Wetterumschwüngen.

Neu ist außerdem offenbar die Möglichkeit, Apps auf der Uhr zu installieren. Derzeit ist diese Funktion noch sehr eingeschränkt, lediglich zwei Spiele lassen sich zur Premiere dieser Funktion auf Huawei-Uhren angeblich auf der GT 2 Pro hinzufügen. Außerdem soll dafür nicht nur die Health-App von Huawei benötigt werden, sondern die AI-Life-App. Das ist nicht nur umständlich, sondern funktionierte im Test bei uns leider auch nicht. Schade, denn damit macht Huawei aus der GT 2 Pro theoretisch erstmals eine echte Smartwatch, schließlich ist das Installieren von Apps auf der Uhr ein Merkmal einer echten Smartwatch. Aber was nicht ist, das kann ja noch kommen – das gilt auch für mögliches kontaktloses Bezahlen mit der Uhr. Denn NFC ist durchaus eingebaut, mangels Google-Diensten ist diese Funktion derzeit aber noch nicht nutzbar. Das könnte sich im Laufe des Jahres ändern, wenn Huawei Pay in Deutschland verfügbar wird. Derzeit lässt sich NFC aber etwa schon zum schnellen Koppeln mit dem Smartphone nutzen. In diesem Zusammenhang etwas seltsam: Das Huawei-Konto kann neben MyFitnessPal auch mit Google Fit verbunden werden.

Der neue Pulssensor in Version 4.0 soll noch genauer als der Vorgänger sien

Ansonsten ist alles wie gehabt: Die Health-App dient als Anlaufstelle für Daten wie Puls, Stresslevel, Blutsauerstoff, Schritte und mehr. Hier finden Nutzer zahllose Auswertungen, um ihre Fitness, aber auch das Schlafverhalten zu optimieren. Wünsche bleiben dabei nicht offen.

Wie bei der GT 2 (Testbericht) gibt Huawei auch für die neue GT 2 Pro eine Laufzeit von 14 Tagen an. Überraschend dabei: Bei dieser Angabe handelt es sich nach Angaben des Herstellers nicht um eine theoretische Zahl, die im Alltag ohnehin nicht erreicht werden kann, sondern Huawei macht dazu konkrete Angaben. 10 Tage Laufzeit erreicht die Uhr demnach mit aktivierter Herzfrequenzüberwachung, aktivierter Schlafüberwachung, 90 Minuten Training pro Woche (mit GPS), 30 Minuten Musikwiedergabe, Bluetooth aktiviert, Benachrichtigungen aktiviert (50 SMS-Nachrichten, 6 Anrufe und 3 Alarme pro Tag) und 200-maligem Einschalten des Display pro Tag.

Größter Stromfresser ist GPS, hier gibt Huawei 30 Stunden permanente GPS-Nutzung als Maximum an. In unserem Test, bei dem sofern möglich das Always-on-Display immer aktiv ist, hält die Pro gut eine Woche durch – ein sehr guter Wert, der zuvor auch schon von der GT 2 erreicht wurde. Das Auflegen auf das Pogo-Pin-freie Ladepad ist einfacher als zuvor, da jetzt nicht mehr auf die Ausrichtung der Uhr geachtet werden muss. Fünf Minuten Ladung reichen übrigens für bis zu 10 Stunden Nutzung, eine Stunde zur vollständigen Ladung.

299 Euro (UVP) kostet die Huawei Watch GT 2 Pro als Sport- und Classic-Variante. Die Sport Edition ist dabei etwas dunkler als die Classic gehalten. Später kommt noch eine Version mit Porsche Design, die 699 Euro kostet und unter anderem mit einem Titan-Armband ausgestattet ist. Technisch gibt es keine Unterschiede.

299 Euro sind eine Menge Geld für eine Uhr, die technisch kaum mehr als die deutlich günstigere GT 2 ohne Pro-Zusatz kann. In erster Linie ist der höhere Preis den verwendeten Materialien geschuldet: Titan statt Edelstahl, Saphierglas für das Display und Keramik statt Kunststoff auf der Unterseite. Außerdem lädt die neue Uhr jetzt per Induktion statt über Pogo-PINs und kann daher auch einfach auf eine Qi-ladematte gelegt werden – praktisch. Allerdings hält der Akku ohnehin sehr lang – eine der großen Stärken der Uhr – und entsprechend ist wegen seltener Ladestopps der Komfortgewinn nicht übermäßig hoch. Neue Sportarten wie Skilaufen oder Golf, der Outdoor-Assistent und Unwetterwarnungen dürften dank überarbeiteter Software auf die Uhr gekommen sein, das könnte also als Update auch GT-2-Nutzer demnächst erfreuen.

So gesehen ist die GT 2 Pro eigentlich überflüssig - wenn sie nicht so hochwertig wirken würde. Wen das eh nicht interessiert, der sollte einen Blick auf die "normale” GT 2 (Testbericht) werfen. Die kann fast das gleiche und kostet deutlich weniger. Noch günstiger, aber ähnlich gut und mit eckigem Display wird’s mit der neuen Huawei Watch Fit (Testbericht). Wer eine Alternative zu Huawei sucht, sollte einen Blick in unsere Themenwelt Sportuhren werfen.

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