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Huawei Watch Fit Test: Tolle Smartwatch mit eckigem Screen

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Nach runden Smartwatches wie der GT 2 hat Huawei die günstigere Watch Fit mit rechteckigem Corpus vorgestellt. Lohnt die Mischung aus Smartwatch und Fitness-Band?

Bei Smartphones läuft es für Huawei seit dem US-Bann nicht mehr rund, bei Smartwatches sieht das anders aus. Denn hier hat sich der chinesische Hersteller von Anfang an von Android unabhängig gemacht und sein eigenes proprietäres LiteOS-Betriebssystem verwendet. Das sorgt unter anderem dafür, dass die Laufzeiten wesentlich besser als bei Uhren mit WearOS sind, auch wenn die Huawei-Uhren mangels App-Erweiterbarkeit und einiger anderer Kleinigkeiten eigentlich gar keine echten Smartwatches sind. Das Gesamtkonzept kommt aber gut bei Käufern an, die Huawei Watch GT 2 (Testbericht) gehört zu den erfolgreichsten Smartwatches auf dem Markt.

Die neue Huawei Watch Fit geht in eine etwas andere Richtung: Sie ist günstiger, verzichtet aber nicht auf viel und zeigt Inhalte nicht mehr über ein rundes, sondern ein längliches rechteckiges Display an. Geht die Rechnung des Herstellers erneut auf?

Der Test der Huawei Watch Fit erscheint im Rahmen unserer Themenwelt zu Sportuhren. Dort sind bereits Tests zu Geräten wie der Fitbit Versa 2 (Testbericht), der Suunto 7 (Testbericht) oder der Honor Magic Watch 2 (Testbericht) erschienen.

Toll, jetzt kopiert Huawei schon wieder Apple! So oder so ähnlich dürften viele Gedanken bei der Vorstellung der Huawei Watch Fit gelautet haben, dabei ist das Unsinn. Natürlich erinnert die neue Smartwatch entfernt an die Apple Watch – einfach wegen ihres rechteckigen Designs. Aber nur weil Apple seine Uhren rechteckig macht, bedeutet das ja nicht, dass das niemand anderes darf. Außerdem zieht Huawei seine Watch Fit viel mehr in die Länge, sodass sie einen Formfaktor ähnlich eines Smartphones aufweist. Bei Apple ist die Uhr deutlich quadratischer. Und hochwertiger. Denn wo beim Smartwatch-Marktführer Metall für den Rahmen zum Einsatz kommt, setzt Huawei auf Kunststoff in Metalloptik. Das wirkt auf den ersten Blick wertig, aus der Nähe betrachtet erkennt man den Unterschied aber durchaus, spätestens beim Anfassen. Denn wo das Metall der Apple Watch bei Berührung hochwertige Kühle ausstrahlt, bleibt der Kunststoff der Watch Fit bei warmer Zimmertemperatur.

Während die Apple Watch eine längliche Taste und eine schicke Krone für weitere Einstellungs- und Steuerungsoptionen bietet, setzt Huawei ausschließlich auf den sehr ähnlich geformten Druckknopf. Der weist einen sehr gut definierten Druckpunkt auf und wirkt hochwertig. Weiterer Unterschied: Das Armband, das es bei Apple in zahlreichen Varianten, darunter auch aus Metall, gibt, ist bei der Huawei Watch Fit immer aus Silikon. Alternativen zu den in Weiß, Orange, Schwarz und Mintgrün erhältlichen Bändern gibt es derzeitig seitens Huawei nicht und wegen der außergewöhnlichen Befestigungsmethode ist auch kein Wechsel auf Standard-Armbänder von Drittherstellern möglich. Bei der Fit weisen die Bandenden nämlich einen filigranen Haltemechanismus aus Metall auf, der im Inneren der Uhr verschwindet. Dort wird er von einem Kunststoff-Clip gehalten, der nur in die Uhr gesteckt ist und sich ausschließlich mit einem spitzen Werkzeug entfernen lässt. Das erlaubt zwar ein Design, bei dem die Armbänder direkt in das Uhrengehäuse übergehen, sonderlich hochwertig wirkt das aber nicht und auch beim Thema Langlebigkeit kommen Zweifel auf. Denn gerade bei sportlicher Aktivität bleibt man schon mal an der Uhr hängen und dann dürften die filigranen Kunststoff-Nupsis (definitiv ein Fachausdruck!) schnell brechen.

Ansonsten gefällt die Huawei Watch Fit. Sie wiegt gerade einmal 21 Gramm (mit Armband rund 35 Gramm), ist nicht ganz 11 Millimeter dick und sieht auf den ersten Blick sehr hochwertig aus. Das liegt unter anderem am gewölbten Display, wodurch die Uhrenform leicht der natürlichen Rundung des Handgelenks folgt. Zum Rahmen hin belässt es Huawei bei leichter 2,5D-abrundung, was ebenfalls schick aussieht. Die Rückseite aus Kunststoff passt zum sportlichen Auftritt der Uhr, das ist auch bei der Huawei Watch GT 2 (Testbericht) nicht anders, die ansonsten mit Metallgehäuse zum Kunden kommt. Die Größe von 46 × 30 Millimeter macht die Fit aber im Gegensatz zur runden Huawei-Smartwatch auch für schmale Frauen-Handgelenke zum optimalen Accessoire. Die Wasserdichtigkeit wird hier mit 5 ATM angegeben, dauerhafte Funktionalität der Uhr bei Schwimmen und Tauchen ist damit also nicht gewährleistet. Unter der Dusche nimmt die Uhr hingegen keinen Schaden.

Alle Bilder zur Huawei Watch Fit im Test (26 Bilder)

Huawei Watch Fit

Jetzt wurde die Watch Fit die ganze Zeit beim Thema Design mit der Apple Watch verglichen – dabei passt das beim Preis überhaupt nicht. Denn während die aktuelle Apple Watch Series 6 locker über 400 Euro kostet, verlangt Huawei für seine rechteckige Smartwatch gerade mal 129 Euro in der UVP. Da sieht man ihr Kunststoff statt Metall schon mal wesentlich eher nach.

Huawei setzt wie bei seinen teureren Smartwatches auf OLED als Display-Technologie. In der Watch Fit bietet der Screen 1,64 Zoll Diagonale bei einer Auflösung von 456 × 280 Pixel. Das entspricht einer Bildschärfe von rund 326 Pixel pro Zoll, einzelne Bildpunkte sehen Nutzer daher nicht. Wegen der Verwendung von OLED mit typischem perfektem Schwarzwert ist der gut 1,5 Millimeter breite Rand zwischen Darstellungsfläche und silber eingefärbtem Rahmen nur bei bestimmten Watchfaces zu sehen, normalerweise scheint der Screen direkt bis an den Rahmen heranzureichen. Das unterstreicht den recht hochwertigen Eindruck der Uhr.

Viele, teils konfigurierbare Watchfaces

Bei aktiviertem Screen bleibt dieser gute Eindruck bestehen, denn OLED-typisch brilliert der Screen nicht nur beim Schwarzwert, sondern auch bei der Farbintensität und der Blickwinkelstabilität. Dank automatischer Helligkeitsanpassung an das Umgebungslicht ist die Gesamthelligkeit immer ausreichend, höchstens bei starker direkter Sonneneinstrahlung wird das etwas schwieriger, kleine Inhalte abzulesen. Insgesamt ist der Screen der Watch Fit klasse.

Die Huawei Watch Fit bietet Beschleunigungssensor, Gyroskop, optischen Herzfrequenz-Sensor, den bereits angedeuteten Umgebungslichtsensor, Bluetooth 5.0 und GPS. Letzteres wird offenbar automatisch aktiviert, sofern Trainings durchgeführt werden. Manuell deaktivieren – etwa um Strom zu sparen – lässt es sich nicht. Der größte Unterschied zur Watch GT 2 (Testbericht) ist der fehlende interne Datenspeicher. Das erscheint uns gerade für eine auf Sport ausgelegte Uhr nicht ganz passend, denn so müssen Sportler, die unterwegs Musik hören wollen, immer ihr Smartphone mitschleppen. Im Alltag stört das hingegen nicht, zumal eine Steuerungsfunktion für auf dem Telefon abgespielte Musik existiert. Ähnlich verhält es sich bei Telefonaten: Eingehende Anrufe werden auf der Uhr signalisiert und können angenommen oder abgelehnt werden. Das funktioniert aber nur im Zusammenspiel mit einem per Bluetooth verbundenen Smartphone, die Uhr selbst verfügt über keine SIM. In Verbindung mit dem Telefon können Gespräche aber dank Micro und Lautsprecher in der Uhr über die Watch Fit geführt werden. Das klappt zumindest in halbwegs ruhiger Umgebung dank ausreichend starkem Speaker und sensiblem Mikrofon ganz passabel.

Neben Anrufen werden Nachrichten und App-Benachrichtigungen auf der Uhr angezeigt. Wie schon bei älteren Huawei-Smartwatches können die auf der Uhr auch bei längerem Inhalt ganz gelesen, aber nicht beantwortet werden. Auf vorgefertigte Schnellantworten verzichtet Huawei nach wie vor – schade. Weitere Funktionen sind 24-Stunden-Herzfrequenzmessung, Schrittzähler, Ermittlung des Stress-Levels, Schlaftracking, das bereits angesprochene Aktivitäts-Tracking von zahlreichen Sportarten (knapp über 100!), Blutsauerstoffmessung und Atemübungen. Hinzu kommen Taschenlampenfunktion (weißes Display...), Timer, Stoppuhr, Wecker, Kompass, Barometer und – erst später - eine Funktion zur Überwachung des Menstruationszyklus. Das ist allerhand, wem das dennoch nicht reicht, der schaut in die Röhre. Denn wie bereits angedeutet ist das Nachinstallieren von Apps auf der Huawei Watch Fit nicht möglich - und das ist eigentlich ein wesentlicher Bestandteil einer echten Smartwatch. Entsprechend müssen Nutzer, denen keines der vorinstallierten virtuellen Ziffernblätter zusagt, darauf hoffen, dass Huawei nachlegt – selbst Hand anlegen wie etwa bei WearOS ist nicht möglich. Allerdings bietet der Anbieter dem Käufer der Watch Fit bereits ab Werk über 100 Watchfaces zur Wahl, darunter auch einige, bei denen Zusatzanzeigen nach eigenen Wünschen wie Akkustand, verbrauchten Kalorien oder Weltzeiten belegt werden dürfen. Da sollte eigentlich für jeden etwas dabei sein.

Für ein Männer-Handgelenk schon fast etwas zu klein: Huawei Watch Fit

Etwas schade: Nach wie vor bietet Huawei seinen Nutzern die Wahl zwischen automatischer Aktivierung des Displays beim Anheben des Arms oder einem abgespecktem Always-on-Display (AOD) – aber nicht beides parallel. Grund dürfte der Wunsch des Herstellers ein, die Akkulaufzeiten, die bei dauerhaftem AOD ohnehin schon halbiert wird, nicht noch weiter zu verkürzen. Wir sind der Meinung, dass Huawei diese Entscheidung allerdings dem Nutzer überlassen sollte. Zur technischen Ausstattung – Chipsatz und Speicher – macht Huawei keine Angaben. Im Alltag erfolgen Eingaben auf dem Touchscreen insgesamt sehr direkt und die Steuerung durch die Menüs erfolgt weitestgehend flüssig. Hänger verzeichneten wir im Testbetrieb nicht, die Watch Fit ist angenehm performant. Das gilt auch für die grafisch hübsche Aufbereitung der Favoriten, also den konfigurierbaren zusätzlichen Homescreens der Fit, die durch seitliches Wischen erreichbar sind.

Neben den bereits angesprochenen über 100 unterschiedlichen Sportarten – darunter auch Yoga, Hula-Hoop und Lasertag, bietet die Watch Fit zudem 12 Fitnesskurse, die jeweils zwischen drei und 15 Minuten dauern. Der Clou dabei: Die Übungen werden grafisch animiert auf der Uhr angezeigt, sodass immer klar ist, was Huawei genau meint. Das gibt es weder auf der GT 2 (Testbericht), noch auf der neuen Watch GT 2 Pro. Alle hinterlegten Sportarten werden theoretisch automatisch erkannt, im Test dauerte das teilweise lange. So fragte die Uhr erst nach weit über einen Kilometer Wanderstrecke, ob wir denn tatsächlich gerade eine sportliche Aktivität verfolgten. Zugegeben: Wandern ist von normaler Alltagsbewegung vermutlich schwerer zu unterscheiden als Joggen oder Zirkeltraining. Dennoch empfehlen wir, sportliche Aktivitäten immer manuell zu starten. Das klappt – wie fast alles – entweder direkt auf der Uhr oder über die Health App von Huawei auf dem Smartphone. Die wird übrigens immer zwingend zum Verbinden der Uhr mit dem Smartphone benötigt.

Der Pulsmesser funktioniert ziemlich zuverlässig

Im Test fanden wir die Abweichung des Schrittzählers in der Uhr vom Schrittzählen per Smartphone als erfreulich gering, hier gab es höchstens eine Differenz von bis zu 5 Prozent. Der Pulsmesser arbeitet wie schon bei der Watch GT 2 (Testbericht) ziemlich genau, liefert Ergebnisse gern aber etwas zeitverzögert. So kann es sein, dass man bei steilem Anstieg beim Joggen oder Wandern längst an den Punkt gekommen ist, an dem man den eigenen Herzschlag in den Ohren hören kann, die Uhr aber noch gemächliche 100 Schläge anzeigt. 30 Sekunden später hat man sich dann wieder erholt, die Uhr beharrt aber auf einem Puls von 150 – vermutlich dauert es einfach etwas, bis die Watch Fit wie auch die meisten anderen Fitness-Tracker einen realistischen Durchschnittswert aus den kontinuierlichen bezogenen Informationen errechnet hat. Grobe Ausreißer nach oben oder unten bemerkten wir im Test nicht, hier schienen die Anzeigen auch in Relation zu anderen Smartwatches – abgesehen von der Verzögerung - durchaus realistisch zu sein.

Zuverlässiges Schlaf-Tracking mit detaillierter Auswertung

Das gilt auch für das Schlaftracking der Uhr. Während wir bei anderen Uhren und Trackern schon grobe Diskrepanzen zwischen tatsächlicher und von der Uhr gemeldeter Schlafzeit feststellen mussten, passten die Ergebnisse der Watch Fit im Test gut. Weitere Angaben zur recht detaillierten Aufzeichnung der Schlafqualität konnten wir nur bedingt nachprüfen, sie passten aber zum Erfrischungsgrad, den die jeweilige Nacht brachte.

Huawei bewirbt die Laufzeit mit bis zu 10 Tagen, das ist etwas weniger als bei der Watch GT 2 (Testbericht). Diese Laufzeit erscheint erreichbar, allerdings müssen dafür vermutlich viele Dinge – etwa kontinuierliche Pulsmessung, eine bewegungsgesteuerte Display-Aktivität oder hohe Helligkeit – deaktiviert werden. Das widerspricht für uns aber zu sehr dem eigentlich Nutzen einer smarten Uhr und da wir auch kein “schwarzes Loch” am Handgelenk haben wollen, sind sie meisten Funktionen bei uns immer aktiv. So steht die Helligkeitseinstellung auf Auto, wir verwenden ein Always-on-Display, TruSleep-Schlaftracking und haben alle möglichen Benachrichtigung auf der Uhr aktiviert. Auch mehrstündige GPS-Nutzung war mit dabei.

Das führt im Alltag dazu, dass die Watch Fit nicht nach 10, sondern schon nach 5 Tagen wieder geladen werden muss. Bei häufigem Gebrauch von GPS sinkt dieser Zeitraum sicherlich noch einmal gut und gern um einen weiteren Tag. Wir finden das dennoch einen guten Wert, gerade im Vergleich zu WearOS-Uhren mit ihren meist kaum 24 Stunden Laufzeit sind das Welten. Geladen wird wie von den älteren Huawei-Uhren gewohnt über ein magnetisches Ladepad mit zwei Pogo-Pins, nach rund einer Stunde ist die Uhr wieder voll.

Der Spagat zwischen Fitnesstracker und Smartwatch gelingt Huawei bei der Watch Fit formidabel. Das Display ist toll, es sieht nicht nur gut aus, sondern liefert aufgrund seiner Größe richtig viele Informationen – weit mehr als bei einfachen Trackern. Die gesamte Uhr sieht auf den ersten Blick schick und hochwertig aus, nur aus der Nähe betrachtet wünscht man sich Metall statt Kunststoff. Die Funktionen der Uhr sind umfangreich und lassen eigentlich keine Wünsche offen, zumal im Vergleich zur Watch GT 2 viel mehr Watchfaces zur Auswahl stehen. Design, die hohe Anzahl an Sportarten und die genaue Messung von Puls und Schlaf machen die Huawei Watch Fit eigentlich zum perfekten Begleiter für Gelegenheitssportler und Alltagsträger einer Smartwatch.

Einzig störend ist dabei der Verzicht auf internen Speicher, durch den Sport auch ohne Smartphone mit Musik aufgepeppt werden könnte. Das macht Huawei durch den vergleichsweise niedrigen Preis wieder wett, wodurch die Fit eine echte Empfehlung für alle ist, die keinen professionellen Sport betreiben. Die Watch Fit kann eigentlich alles, was die teurere Watch GT 2 (Testbericht) auch kann, eignet sich aber aufgrund der geringeren Ausmaße aber noch besser für zierliche Frauen-Handgelenke – nicht nur für den Sport.

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