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Huawei P40 Pro im Test: Liebe auf den zweiten Blick

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Das Huawei P30 Pro ist unser bisheriger Fotoprimus. Nachfolger Huawei P40 Pro soll den aber noch in den Schatten stellen. Der Test zeigt, ob das gelingt.

Der Vorgänger Huawei P30 Pro (Testbericht) bot eine hervorragende Kamera, die tolle Nachtaufnahmen aus freier Hand, 10-fach-Vergrößerung per Periskop und 50-fachen elektronischen Zoom erlaubte. Konkurrenten wie das Samsung Galaxy S10+ (Testbericht) kamen qualitativ zwar bisweilen nah heran, doch spätestens durch die große Flexibilität in Puncto Licht und Zoom hatte das Huawei-Modell die Nase fast immer vorn. Doch die Konkurrenz schläft nicht, Samsung beweist mit dem neuen Galaxy S20 Ultra (Testbericht), dass Nachtaufnahmen und Zoom keine alleinigen Domänen von Huawei sind. Zumindest auf dem Papier liegt der Hersteller inzwischen sogar beim Zoom in Führung, schließlich wirbt der koreanische Hersteller mit 100-fachem Space Zoom. Kann Huawei beim neuen P40 Pro trotz fehlender Google-Dienste da mithalten?

Große Unterschiede zum Vorgänger fallen beim neuen Huawei P40 Pro auf den ersten Blick nicht auf. Bei genauerem Hinsehen gibt es aber durchaus ein paar. So spricht der Hersteller davon, dass es beim neuen Modell noch weniger Ränder gibt und tatsächlich fällt das vor allem über und unter dem Screen auf. Hier wurden noch einmal einige Millimeter eingespart, sodass das prozentuale Verhältnis von Display zu Gehäuse weiter ansteigt. Auch an den Seiten gibt es noch weniger Rand. Das fällt aber erst bei sehr genauem Hinsehen auf, denn hier dürfte es sich bestenfalls um Zehntel-Millimeter handeln. Gleichzeitig zieht sich aber auch das Display-Glas weiter um die Kanten – während Samsung also von diesen extremen Rundungen weggeht, verstärkt Huawei sie noch und fügt die Rundung auch oben und unten ein. Tatsächlich fällt das aber kaum auf, die meisten Nutzern dürfte das erst auf den zweiten Blick auf den Rahmen bemerken. Denn der ist seitlich zwar ähnlich dünn wie beim Vorgänger, Stirn- und Fußseite des Smartphones weisen jedoch wesentlich schmalere Ränder auf. Die erweitern sich zum Schutz des Frontglases an den Ecken des Smartphones wieder etwas, aufmerksame Beobachter sehen das auf der Vorderseite.

Der Rahmen ist an den Ecken hochgezogen

Allen anderen dürfte die neue Notch deutlich mehr ins Auge springen. Denn während Huawei beim P30 Pro noch eine kleine tropfenförmige Aussparung für die Frontkamera wählte, die mittig am oberen Display-Rand platziert war, hat er sich beim neuen P40 Pro für einen anderen Weg entschieden. So sitzt die neue Punchhole-Notch in der linken oberen Ecke, außerdem ist der Begriff „Hole“, also Loch, unpassend. Denn Huawei installiert einen fast 2 Zentimeter breiten und über einen halben Zentimeter hohen Schlitz im Panel, der eher an eine Schießscharte als an eine Notch erinnert. Darin installiert das Unternehmen neben der Frontkamera auch eine Gestensensor und eine IR-Kamera für bessere Gesichtserkennung bei wenig Licht. Aus ästhetischen Gesichtspunkten wirkt die riesige Ausstanzung leider deplatziert, sie passt nicht zur trotz aller Größe zierlichen Optik des Smartphones.

Fette Notch in der oberen linken Ecke

Das gilt auch für die Kameraeinheit auf der Rückseite. Wie schon Samsung beim Galaxy S20 Ultra hat sich Huawei für eine große, rechteckige Kameraeinheit entschlossen, die zwar nicht ganz so weit wie bei Samsung, aber immerhin etwas mehr als einen Millimeter aus dem Gehäuse hervorsteht. Immerhin ist dieses Kamerarechteck etwas kleiner als bei Samsung und bei unserem schwarzen Testgerät fällt das weniger auf, als bei heller Farbgebung. Extrovertierten Menschen wird es aber vermutlich ohnehin besser gefallen, wenn man „sieht, was man hat“ - denen ist das Kameramodul dann vielleicht sogar eher noch zu klein. Huawei selbst spricht übrigens davon, dass man die Rückseite wie auch schon beim Vorgänger an die Optik einer Digitalkamera angepasst habe – daher auch die gut sichtbare Platzierung des Leica-Schriftzuges und der technischen Daten der Kameras. Beim P40 Pro habe man außerdem den Platz gebraucht und sich daher für das große rechteckige, statt des zuvor langen schmalen Moduls entschieden.

Große Kameraeinheit, immerhin etwas dezenter als bei Samsung

Ansonsten entscheidet sich Huawei wie schon beim Vorgänger für ein dezentes Äußeres. So gibt es weder Farbakzente, noch sonstige Spielereien. Die Rückseite besteht wie schon beim Vorgänger aus spiegelndem Glas, das wie gewohnt Fingerabdrücke anzieht. Wer das nicht will, sollte nach den beiden neuen Farbtönen Silber Frost und Blosh Gold Ausschau halten, die eine gefrostete Oberfläche aufweisen und damit weit weniger für Fettablagerungen anfällig sein dürften. Eine Alternative stellt die beiliegende Schutzhülle aus durchsichtigem Kunststoff dar.

Das P40 Pro ist perfekt verarbeitet

An der Verarbeitung gibt es wie immer bei Huawei nichts zu bemängeln. Die Antennenfugen im Metallrahmen sind bündig eingelassen, gleiches gilt für den SIM-Schlitten. Die Übergänge vom Rahmen zu den Glasfronten vorn und hinten verlaufen jetzt noch fließender als schon beim Vorgänger und die Tasten sind nicht nur fest und wackelfrei eingebaut, sondern lassen sich auch gewohnt perfekt bedienen. Auch das neue P40 Pro ist nach IP68 gegen Staub und Wasser geschützt. Fallenlassen sollten es Nutzer aber nicht, da so viel Glas das kaum verzeihen dürfte. Da dieser Werkstoff wie immer auch recht rutschig ist, erneut der Verweis auf eine Schutzhülle. Mit etwas geringerer Breite, dafür aber etwas dickerem Aufbau ist das Smartphone insgesamt trotz größerem Display ähnlich groß geblieben. Das Gewicht ist rund 10 Gramm gestiegen. Besitzer des Vorgängers Huawei P30 Pro (Testbericht) dürften das kaum merken, auch wenn knapp über 200 Gramm doch schon ein echter Brocken sind.

Der OLED-Screen des Huawei P40 Pro ist im Vergleich zum Vorgänger nur minimal gewachsen. Statt 6,5 Zoll hat das neue Modell jetzt 6,7 Zoll – bei nahezu gleichen Gehäusemaßen. Auch die Auflösung ist leicht gestiegen, das Panel stellt jetzt 2640 × 1200 Pixel dar und kommt so auf eine Pixeldichte von über 440 PPI. Die Darstellungsqualität ist erneut hervorragend. Das liegt an der ausreichend hohen Helligkeit von 430 cd/m² (500 im Automatikmodus), auch wenn die längst nicht an Samsungs Flagship-Smartphones herankommt. der Rest stimmt aber, etwa die tolle Farbintensität, der hervorragende Schwarzwert und die strammen Kontraste. Die Blickwinkelstabilität ist über jeden Zweifel erhaben. Wie beim Vorgänger stellt der Screen mehr als den DCI-P3-Farbraum dar und kann HDR10-Inhalte wiedergeben. Störende Spiegelungen an den Rändern gibt es kaum, Huawei hat sich für deutlich engere Radien entschieden, als Samsung bei seinen älteren Modellen.

Kontrastreicher OLED-Screen

Neu ist die Bildwiederholungsrate des Displays, statt 60 stellt das P40 Pro jetzt 90 Hz dar. Das ist weniger als bei Samsung aktuellen Flaggschiffen, dort sind die angebotenen 120 Hz aber nur in Full-HD und nicht in der maximalen QHD-Auflösung möglich. Das P40 Pro kann unabhängig von der Auflösung immer 90 Hz – zumindest, sofern es das als notwendig erachtet. Denn während der Nutzer permanente 60 Hz forcieren kann, schaltet das Smartphone ansonsten nach eigenem Gutdünken auf die höhere Refreshrate um, etwa bei Games oder im Browser. Dadurch sollen entsprechende Apps noch flüssiger wirken. Die Auflösung regelt das Smartphone zum Stromsparen ab Werk auch selbständig, hier darf der Nutzer aber manuell die volle Pixelpracht oder 1760 × 800 Pixel einfordern. Beim automatischen Regeln konnten wir im Alltag keinen Unterschied ausmachen.

Die weiteren Einstellungsmöglichkeiten wie Always-on-Display, Anpassung der Farbintensität- und Temperatur, Blaulichtfilter oder ein Dark-Mode sind schon vom Vorgänger bekannt.

Einer der wichtigsten Punkte bei einem Smartphone und erst recht bei den Huawei-Phones der P-Serie ist die Kamera. Um die Bildqualität des Vorgängers erneut zu übertreffen, hat der Hersteller noch einmal kräftig Hand angelegt. Für Weitwinkel kommt jetzt eine Cine-Lens mit 40 Megapixel, f/1.8-Blende und optischem Bildstabilisator (OIS) zum Einsatz, die Hauptkamera ist mit 50 Megapixel, f/1.9, RYYB- statt RGB-Sensor für bessere Lichtaufnahme und ebenfalls OIS versehen. Die dritte Kamera bietet 12 Megapixel, f/3.4 und erstmals ebenfalls RYYB-Sensor sowie OIS. Sie erlaubt dank Periskop-Zoom 5-fache optische Vergrößerung und im Hybridmodus, also mit zusätzlicher 5-facher elektronischer Vergrößerung, insgesamt sogar 10-fache Vergrößerung. Rein elektronisch kommt das P40 Pro auf 50-fache Vergrößerung, also genauso wie der Vorgänger und schafft damit weniger als bei Samsung. Die vierte Kamera ist ein 3D-Sensor für besseres künstliches Bokeh. Die Frontkamera nimmt Fotos mit 32 Megapixel auf, sie erhält ebenfalls Unterstützung durch einen 3D-Sensor. Außerdem wurde der Phasen-Erkennungs-Autofokus der Hauptkamera deutlich beschleunigt, er reagiert nun schneller auf plötzliche Distanzänderungen zu Objekten.

Fette Kamera

Ein großes Ziel war nach Huaweis Aussagen bei der Entwicklung eine weitere Verbesserung der Lowlight-Fotografie. Der Hersteller behauptet erstmals, dass mit dem P40 Pro keine gesonderte Rücksicht mehr auf die Lichtverhältnisse genommen werden muss. Fotos gelingen angeblich bei Tageslicht, Dämmerung oder in Innenräumen bei Kunstlicht gleich gut – da hat wohl wieder einmal jemand in der PR-Abteilung den Mund zu voll genommen! Stimmt genaugenommen, aber zumindest nicht viel. Denn tatsächlich knipst das Huawei P40 Pro selbst in Innenräumen bei vergleichsweise wenig Kunstlicht beeindruckend scharfe Fotos und schafft es dabei auch noch, Lichtstimmung und Farben ziemlich adäquat einzufangen. Die Aufnahmen dauern nicht merklich länger als bei hellem Tageslicht, nur sehr schnelle Bewegungen resultieren in der typischen Bewegungsunschärfe, die bislang in den meisten Fotos unter ähnlichen Umständen zu finden waren. Möglich macht das unter anderem der riesige, 1/1,28 Zoll große RYYB-Sensor, der Bildpunkte dank Pixel Binning mit strammen 2,44 µm erlaubt. Damit fängt er viel Licht in kurzer Zeit ein und natürlich hat auch auch Künstliche Intelligenz ihren Anteil an der verbesserten Bildqualität. Das kommt vor allem dem Weißabgleich und damit natürlichen Farben zugute, was besonders bei Hauttönen zu sehen ist. Die Master-AI erkennt nicht nur einzelne Objekte und setzt sie passend in Szene, sondern rechnet etwa auf Kommando auch ungewollte Spiegelungen aus Aufnahmen heraus. Live funktionierte das bei uns nicht, in der Nachbearbeitung am Smartphone durchaus. Wunder sollte man zwar nicht erwarten, dennoch können sich entsprechende Ergebnisse sehen lassen.

Trotz nicht übermäßig hellem Kunstlicht erstaunlich scharf

Wie gesagt: Die Fotoqualität des P40 Pro ist beeindruckend, vor allem auf nahe Distanz. Wer weiter entfernte Objekte näher heran holen möchte, sollte lieber gleich zur 5-fachen Vergrößerung des Smartphones greifen. Denn entsprechende Bilder sind immer noch leicht besser, als am PC vergrößerte Fotos mit der Hauptkamera. Im direkten Vergleich zum P30 Pro liegt die Bildqualität bei Zoom-Aufnahmen auf Augenhöhe, allerdings ist die Nachbearbeitung etwas anders ausgelegt. Das P40 Pro zeigt insgesamt den minimal höheren Kontrastumfang und auch die Farben sehen beim neuen Modell einen Tick natürlicher aus. Das ist auch beim Zoom so. Außerdem scheint die P40-Software etwas mehr nachzuschärfen, wodurch Aufnahmen minimal pixeliger wirken. Das sieht man im 5-fach-Zoom nur bei genauem Hinschauen, beim 10-fach Hybridzoom wird es offensichtlicher. Insgesamt wirken dessen Bilder dadurch aber sogar knackiger als Aufnahmen mit dem Vorgänger. Das alles ist Meckern auf höchstem Niveau und zeigt in erster Linie, wie gut schon das P30 Pro aus dem vergangenen Jahr war. Der größte Vorteil des neuen P40 Pro in Bezug auf den Zoom ist die bessere Konstanz, mit der die hohe Bildqualität erreicht wird. Beim Vorgänger lag die Nachbearbeitungs-Software beim Zoom schon mal ziemlich daneben und manche Bilder sahen beinahe Klötzchen-artig aus. Das ist uns im Test des P40 Pro gar nicht passiert.

Der 10-fach-Hybridzoom liefert immer noch erstaunlich scharfe Bilder

Der 50-fach-Digitalzoom des P40 Pro ist qualitativ etwas besser als beim P30 Pro, erreicht aber wie auch das Samsung Galaxy S20 Ultra mit seinem 100-fach-Zoom keine Bildqualität, die jemand ernsthaft ausdrucken würde. Die Bildstabilisierung ist dabei jetzt besser geworden. Die KI errät mehr als zuvor, welches Objekt der Nutzer anvisieren will und hält es so lange wie möglich ruhig und im Sucher. Leider fehlt dem Huawei-Smartphone das geniale Sucherfenster, das bei Samsung das Finden des Zielobjektes ab 10-fachem Zoom deutlich erleichtert. Eine weitere Neuerung bei Fotos: Die Best-Moment-Funktion. Dabei nimmt das Smartphone schon kurz vor und kurz nach dem Auslösen zahlreiche Bilder auf und schlägt das Beste vor. So sind geschlossene Augen oder andere unfreiwillige Grimassen auf Fotos passé. Auch durch das Bild laufende Personen lassen sich damit entfernen – alles keine neuen, aber durchaus praktische Funktionen in einem Smartphone.

Alle Originalaufnahmen mit der Kamera des Huawei P40 Pro (37 Bilder)

Ultraweitwinkel

Auch bei Videos hat sich einiges getan. Sie dürfen in 4K/60 aufgenommen werden und zeigen entsprechend hohe Qualität. Die Bildstabilisierung ist auch in 4K noch ausreichend, zudem hat Huawei auch für Bewegtbilder die Lowlight-Kapazitäten erhöht. Neben bis zu 10-fachem Zoom, den man wegen stark abfallender Bildqualität maximal zur Hälfte nutzen sollte, implementiert Huawei nun auch Audio Zoom. Dabei fokussiert das Smartphone wie ein Richtmikrofon mit zunehmender Zoomstufe des Bildes mehr und mehr die Geräusche im Bildzentrum und blendet Nebengeräusche immer weiter aus. Ebenfalls spannend und faszinierend anzusehen: Ultra-Zeitlupenaufnahmen mit bis zu 7680 Bildern pro Sekunde und auch 4K-Time-Lapse-Videos sehen schick aus. Alles in Allem brilliert die P40-Pro-Kamera erneut. Dabei ist die Bildqualität bei hellem Tageslicht insgesamt nicht deutlich besser als beim Vorgänger, wohl aber bei schwachem Licht. Das macht die Kamera universeller denn je einsetzbar.

Es muss erwähnt werden, dass wir eine Preview-Software auf unserem Testgerät haben, die noch nicht dem finalen Stand der Verkaufs-Firmware entspricht. Huawei will diese Testgeräte erst mit einem Day-One-Patch auf die Verkaufs-Software aktualisieren, sodass wir derzeit nicht sagen können, ob und wieviel sich dann ändert.

Eigentlich protzt Huawei immer gern mit Superlativen und vergleicht sich dann mit den schärfsten Konkurrenten Apple und Samsung. So wurde bei der Vorstellung des P40 Pro etwa auf den größten Fotosensor, die höchste ISO-Zahl oder die schmalsten Ränder rings um das Display verwiesen. Doch bei einer Sache hat der chinesische Hersteller das Nachsehen: beim Speicher. Denn hier bietet Huawei „nur“ 8 GByte RAM und 256 GByte internen Speicher. Letzterer darf mittels Speicherkarte erweitert werden – allerdings nicht per Micro-SD wie bei der Konkurrenz aus Korea, sondern per eigenem NM-Karten-Format. Da hat Samsung mehr zu bieten: Das S20 Ultra (Testbericht) gibt es mit bis zu 16/512 GByte plus Speicherkartenerweiterung, das eher vergleichbare S20+ bietet bis zu 12/512 GByte Speicher. Beide Modelle kosten dann aber auch deutlich mehr als das P40 Pro.

Alle Bilder des Huawei P40 Pro aus dem Test (27 Bilder)

Denn das Huawei-Smartphone kommt mit dem aktuellen Kirin 990 von Huawei, der nicht nur im 7-Nanometerverfahren gebaut ist und somit vergleichsweise stromsparend betrieben werden kann, sondern er hat auch ein eingebautes 5G-Modem. Die Konkurrenz von Qualcomm setzt aktuell noch auf ein zusätzliches Modem – das verbraucht zumindest in der Theorie mehr Strom und mehr Platz. Über mangelnde Leistung wird sich wohl beim P40 Pro niemand ernsthaft beschweren. Im Alltag lässt sich der Chipsatz nicht ins Schwitzen bringen, im Antutu-Benchmark bestätigt er seine grandiose Leistung mit 465.000 Punkten und das P40 Pro gehört damit zu den schnellsten Android-Smartphones auf dem Markt. Wer Bedenken wegen der „nur“ 8 GByte RAM hat: Keine Sorge, die sind unberechtigt. Multitasking, 4K-Videos oder 3D-Spiele – das alles macht das P40 Pro ohne Probleme mit.

Auch bei der restlichen Hardware ist das Smartphone sehr gut aufgestellt. So gibt es das neue Wifi 6 mit Übertragungsraten von bis zu 2,4 Gbit/s, 5G mit allen wichtigen Bändern, Bluetooth 5.1, NFC, USB C 3.1 und einen Fingerabdrucksensor im Display. Der ist größer und deutlich weiter oben im Display als beim Vorgänger eingebaut, tatsächlich funktionierte er im Test insgesamt wesentlich schneller und zuverlässiger, als noch beim P30 Pro. Gelegentlich kam es aber auch hier zu Haklern, gerade zu Beginn des Tests. Übrigens gibt es Aufnahmemöglichkeiten für zwei SIM-Karten, dann entfällt aber die Erweiterungsmöglichkeit für den Speicher. Es sei denn, der Besitzer entscheidet sich zur Nutzung der ebenfalls eingebauten eSIM – wie bei Samsung also.

Der koreanische Konkurrent hat derzeit aber noch einen Vorteil: Google-Dienste. Wie schon beim Huawei Mate 30 Pro (Testbericht) setzt Huawei zwangsläufig auf seine eigenen Huawei Mobile Services (HMS), den Google Play Store gibt es nicht. Aktuell ist die nachträgliche Installation der Google Mobile Services (GMS) auch nicht mehr möglich, Google hat offenbar die letzte Möglichkeit, die Google-Dienste mit vertretbarem Aufwand auf Huawei-Geräte zu bekommen, unterbunden. Entsprechend bietet Huawei nun als App Store seine App Gallery. Die hat zwar längst nicht alle Apps im Angebot, die der Play Store bietet, doch im Vergleich zum Stand vor einigen Monaten hat sich schon einiges getan. Leider sind es zum Teil immer noch die sehr beliebten Apps, die noch gar nicht vorhanden sind. Immerhin linken manche teilweise wie etwa bei Whatsapp oder Facebook direkt zur Seite des jeweiligen Anbieters, wo sie heruntergeladen werden können. Die meisten Nutzer werden aber wohl nach wie vor nicht darum herumkommen, alternative App Stores wie etwa APKpure zu installieren, um ein weitestgehend vollständiges App-Erlebnis genießen zu können. Dennoch wird es auf absehbare Zeit immer wieder Apps geben, die nicht frei zu beziehen sind, darunter oftmals unbekanntere Spiele. Auch mehr oder weniger lokal begrenzte Banking-Apps wie BestSign oder PhotoTAN sind nach wie vor nicht direkt zu bekommen. Da hilft auch die App Suche (noch) nicht weiter.

Die App Gallery macht schnelle Fortschritte, ist aber noch lange nicht auf dem Stand des Play Store

Sehr hilfreich: Wer seine Daten von einem anderen Huawei-Gerät auf das neue P40 Pro bringen will, kann dafür auf Phone Clone zurückgreifen. Damit werden nicht nur Fotos, Kontakte und Kalendereinträge mit dem neuen Modell synchronisiert, sondern auch Apps werden – soweit möglich – mitgenommen. So landete auf unserem Testgerät unter anderem erfolgreich Apps wie Spotify, Whatsapp und Google Maps, allerdings auch Spiele und etwa die Hue-App von Philips, die sich nicht mehr starten ließen. Andere Apps, etwa die Roborock-App, starteten zwar, konnten aber keine weiterführenden Verbindungen mehr aufbauen – schade. Ebenfalls nervig: Google Maps funktioniert zwar, allerdings ist eine Suche per Sprache genauso wenig möglich, wie das Diktieren von Whatsapp-Nachrichten über das kleine Mikrofon-Symbol der Tastatur – hier fehlt einfach Google Voice.

Übrigens: Wer Sorgen wegen seiner alten Huawei-Geräte hat, kann aufatmen. Huawei gibt ein Update-versprechen für ältere Geräte mit Android und Google-Diensten, das Updates für zwei Jahre sichert. Auch die neuen Geräte mit Huawei Mobile Services (HMS) sind davon abgedeckt. Das zeigt, dass HMS keine vorübergehende Eintagsfliege ist, sondern auf Dauer ausgelegt ist. Wie ernst es Huawei meint, zeigt auch der neue Huawei-Einrichtungsservice, der vor Ort bei der Einrichtung des neuen P40 Pro hilft. Sollte Google jemals froh über den US-Bann von Huawei gewesen sein – spätestens jetzt dürfte klar sein, dass dieser Schuss nach hinten losgeht.

Die Gesten hätte sich Huawei sparen können

Bei der Nutzeroberfläche EMUI 10.1, die über Android 10 AOSP läuft, hat Huawei auch deutlich nachgearbeitet und plant weitere Schritte für die Zukunft. Dazu gehören etwa der eigene Videochat-Dienst MeeTime, der Konversation in 1080p und auch in sehr dunkler Umgebung erlauben soll, das bereits bekannte Huawei Share für den schnellen Datentransfer unter Huawei-Geräten und Gesten. Während MeeTime per Update nachgereicht werden soll, sind die Gesten bereits auf dem P40 Pro vorhanden. Damit sollen Nutzer etwa im Browser berührungslos Scrollen oder auch Screenshots anfertigen können. Im Alltag funktioniert das aber wie bei allen Versuchen zahlreicher Hersteller, darunter LG beim G8s (Testbericht), nur bedingt und dürfte daher kaum genutzt werden. Praktischer sind da schon die Schnellzugriffe, die mit dem Finger von den Display-Seiten hereingezogen werden können. Hier dürfen jeweils bis zu 15 Apps abgelegt werden, die dann als Fenster starten oder auch untereinander als Multiwindow parallel genutzt werden können. Auch noch für dieses Jahr und vor allem auch für Deutschland plant Huawei die Einführung seiner Sprachassistentin Cilia. Der Musikdienst Huawei Music ist schon da. Er ist für P40-Pro-Nutzer die ersten drei Monate kostenlos, Huawei Video kommt erst im Laufe des Jahres.

4200 mAh stark ist der Akku des Huawei P40 Pro, er lässt sich mittels des beigelegten 40-Watt-Ladegerätes binnen wenig mehr als 1,5 Stunden laden. Er versteht sich außerdem wie der Vorgänger auf kabelloses Laden und Reverse Charge, um andere Geräte kabellos zu laden. Im Alltag schlug sich der Akku im Test sehr gut. Zwei Tage Nutzung sollten für die meisten Besitzer problemlos machbar sein. Das bestätigt auch der Battery Test von PCmark mit über 11 Stunden Laufzeit. Das kommt zwar nicht ganz an das Samsung Galaxy S20 Ultra (Testbericht) heran, das verfügt aber auch über einen Akku mit 5000 mAh.

Das Huawei P40 Pro kann derzeit in den Farben Schwarz, Bush Gold und Silver Frost vorbestellt werden und kostet 999 Euro in der UVP. Offizieller Marktstart ist Anfang Mai. Bis dahin gibt es eine Aktion, bei der Vorbesteller die neue Huawei Watch GT 2e und die True-Wireless-ANC- Kopfhörer FreeBuds 3 (Testbericht) kostenlos im Gesamtwert von zusammen 348 Euro bekommen. Andere Ausstattungsvarianten gibt es derzeit nicht.

Huawei P40 Pro Dual-SIM schwarz

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  • Wer für das Huawei P40 Pro einen passenden Tarif sucht, hat zur Zeit viele Optionen, denn durch die Corona-Krise haben einige Mobilfunkanbieter ihre Preise gesenkt.

    Mobilcom-Debitel vertreibt etwa einen Vertrag mit 6 GByte LTE (21,6 MBit/s) und Telefonie-Flat für 7 Euro im Monat. Der Vertrag läuft 24 Monate und hat einen einmaligen Anschlusspreis von 20 Euro. Eine Rufnummermitnahme ist möglich. Der Vertrag ist E-SIM-fähig, was sich mit dem Huawei P40 Pro nutzen lässt. Allerdings endet die Verfügbarkeit des Tarifs am 28. März um 18 Uhr.

    Wenn es ein Vertrag mit 5G-Option sein soll, dann gibt es bei 1und1 ein entsprechendes Angebot, nämlich den LTE-L-Tarif. Für 15 Euro in den ersten Monaten bekommt man 20 GByte (bis zu 225 Mbit/s), Telefonie- und SMS-Flat. Danach kostet der Vertrag monatlich 30 Euro. Der Anschlusspreis liegt einmalig bei 30 Euro.

    Wer sich nicht für 24 Monate binden will, findet bei Congstar ein Angebot – allerdings ohne E-SIM. Der Prepaid L Tarif bietet 5 GByte LTE (21 MBit/s) und ebenfalls eine Telefonie-Flat im D-Netz für 15 Euro im Monat. Der Anschlusspreis beträgt 10 Euro.

    Das Huawei P40 Pro hat uns auf den ersten Blick nicht vom Hocker gehauen. Zu groß sind die Ähnlichkeiten zum Vorgänger und das, was im noch besser ausgestatteten Huawei P40 Pro Plus steckt, hätten wir uns im „normalen“ Pro-Modell gewünscht, um Samsung in die Schranken zu verweisen. Außerdem sind wir vom Wegfall der Google-Dienste immer noch nicht begeistert. Im Laufe des Tests stellten sich dann aber doch so viele kleine und größere Neuerungen als teils richtig gut heraus, sodass sich unsere Einstellung zum neuen Huawei-Flaggschiff geändert hat.

    Ja, das Gerät hat „nur“ 8 GByte RAM und es gibt auch keine weiteren Varianten mit mehr internem Speicher. Aber sowohl RAM, als auch die 256 GByte erweiterbarer Speicher sind absolut ausreichend. Hinzu kommen ein tolles, größeres Display bei gleicher Baugröße des Smartphones, eine bei schlechtem Licht deutlich bessere Kamera und mehr als genug Power dank Kirin 990. Auch die Akkulaufzeit ist richtig gut. Zukunftssicher ist das Smartphone dank 5G, Wifi 6 und Updateversprechen auch noch, was will man da mehr? Google-Dienste? Zwar ist Huawei noch nicht da, wo Google mit seinem umfangreichen und nahtlosen Dienste- und App-Angebot ist, doch offenbar ist das chinesische Unternehmen auf einem guten Weg dahin. Zumindest sollten die meisten Nutzer inzwischen nicht mehr die Probleme haben, die noch vor einem Vierteljahr bestanden, auch wenn immer noch nicht alle Apps bequem verfügbar sind. Setzt man dann aber noch den Preis des Gerätes – besonders mit der Vorbestelleraktion – in Relation zum S20, kann die Wahl eigentlich nur noch für Huawei ausfallen.

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