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Huawei P Smart 2020 im Test: Gut, aber unbefriedigend

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Sollten Nachfolger nicht eigentlich alles besser als ihre Vorgänger können? Beim Huawei P Smart 2020 ist das nur bedingt der Fall – aus gutem Grund.

Trump ist an allem Schuld! Diese Aussage mögen viele Menschen weltweit unterschreiben, bei einem stimmt sie aber: beim Huawei P Smart 2020. Denn wegen des US-Banns dürfen US-Unternehmen bekanntlich nicht mehr ohne Weiteres mit chinesischen Firmen und vor allem mit Huawei zusammenarbeiten. Das betrifft Hardware-Hersteller wie Qualcomm, aber auch Software-Unternehmen wie Google. Als Konsequenz darf Huawei zwar weiterhin Android, nicht aber die Google-Dienste für seine Smartphones verwenden – zumindest nicht für seine neuen Modelle. Hier kommt das P Smart 2020 ins Spiel.

Denn weil viele Nutzer Google-Dienste wie Gmail, Maps und den Play Store in all ihrer kostenlosen Einfachheit gewohnt sind und auf deren Annehmlichkeiten nicht verzichten wollen, musste Huawei kreativ werden. Während der Versuch mit seinen neuen Modellen wie P40 Pro (Testbericht) oder P40 Lite (Ratgeber zur New Edition) und deren ausschließlich auf Huawei-Dienste ausgelegten Nutzererfahrung längst nicht bei allen Kaufinteressenten gut ankam, überlegte sich der chinesische Hersteller eine andere Lösung: Smartphones aus dem Vorjahr mit minimaler Anpassung wie mehr Speicher und Google-Diensten erneut auf den Markt bringen – denn diese Modelle hatten bereits die entsprechende Zertifizierung und daran ändert auch mehr Speicher nichts. Ob diese Strategie beim günstigen Huawei P Smart 2020 aufgeht?

Ist das Huawei P Smart 2020 jetzt gut, weil es genauso gut verarbeitet und schick wie der Vorgänger P Smart aus dem Jahr 2019 (Testbericht) ist? Oder ist es schlecht, weil es nahezu unverändert zum Vorgänger aussieht und letztendlich auch ist? Das liegt wohl im Auge des Betrachters. Lässt man die Ähnlichkeit zum Vorgänger beiseite, weiß das 2020er Modell durchaus zu gefallen. Unser Testgerät in interessantem Grünton und mit glänzender Kunststoffoberfläche liegt dank sanfter Übergänge von Rückseite zum Kunststoffrahmen und angenehmen Rundungen sehr gut in der Hand, die auf der rechten Seite angebrachten Power- und Lautstärketasten sind zumindest mit großen Händen nicht nur gut erreichbar, sondern weisen auch ordentliche Druckpunkte und Tastenhübe auf. Der Fingerabdrucksensor auf der Rückseite ist vielleicht einen Hauch zu hoch platziert, aber immer noch ausreichend gut zu treffen – erneut zumindest für Nutzer mit großen Händen.

Eine optische Unterscheidung – abgesehen von der Farbe – gibt es doch. Denn während Huawei die Front im Vergleich zum Vorgänger identisch mit Tropfen-Notch und für die Preisklasse dünnen Rändern belässt, gibt es leichte Anpassungen beim Kameramodul. Das fällt jetzt passend zu den aktuellen Modellen der P40-Serie größer aus und beinhaltet auch den LED-Blitz, der dank ähnlicher Größe und entsprechender Anordnung beinahe wie eine dritte Kameralinse aussieht. Ansonsten bleibt alles beim Gleichen, was gerade in Bezug auf die Verarbeitungsqualität auch gut so ist – denn die fällt nahezu perfekt aus.

Alle Bilder zum Huawei P Smart 2020 im Test (8 Bilder)

6,2 Zoll, 2340 × 1080 Pixel, IPS-LCD – das alles klingt genau wie beim Vorgänger und das ist es auch. Das macht den Screen aber auch nicht schlechter. Zwar ist bei Farbintensität, Leuchtstärke (knapp 500 cd/m²) und Blickwinkelstabilität Luft nach oben, in Relation zum Preis gehen die Werte aber voll in Ordnung. Nur bei direkter Sonneneinstrahlung sollte eine helfende Hand Schatten spenden.

Das Huawei P Smart 2020 bietet eine ehrliche Kamera. Ehrlich, weil der Hersteller nicht versucht, mit im Alltag ohnehin nicht nutzbarer Makrokamera mit minimaler Megapixelzahl das Datenblatt aufzuhübschen. Dafür ist lediglich ein Tiefensensor mit 2 Megapixel zuständig, der für künstliches Bokeh bei Portraitaufnahmen verwendet wird. Die Hauptarbeit übernimmt eine Optik mit 13 Megapixel und einer Blende von f/1.8. Dass Huawei keine unnützen Linsen mit Alibifunktion einbaut, tröstet allerdings nicht darüber hinweg, dass die verwendete Kombi eher am unteren Ende des Machbaren orientiert ist – niedriger Preis hin oder her. Das mag 2019 noch in Ordnung gewesen ein, 2020 dürften sowohl Megapixelzahl, vor allem aber eine zusätzliche Weitwinkellinse im Smartphone stecken.

Unspektakuläre Kamera

An der – gemessen am niedrigen Preis – ordentlichen Bildqualität ändert das natürlich nichts, allerdings ist der Anwendungsbereich mangels anderer Linsen zu eingeschränkt. Die starke Lichtabhängigkeit der Kamera des Huawei P Smart 2020 ist hingegen für den Einsteigerbereich typisch. Während bei hellem Tageslicht Bildschärfe, Dynamik und Kontraste in Ordnung gehen und lediglich die Farbsättigung etwas übertrieben ist, sinkt die Bildqualität bei abnehmendem Licht überproportional schnell. Bildschärfe und Bildrauschen verschlechtern sich dann bis hin zur Artefaktbildung. Ähnliches gilt für Selfies mit der 8-Megapixel-Kamera, die bei Tageslicht aber insgesamt ausreichend scharfe Bilder knipst.

Alle Originalaufnahmen mit dem Huawei P Smart 2020 (10 Bilder)

Videos nimmt das Huawei P Smart 2020 maximal mit Full-HD-Auflösung, dafür aber immerhin mit 60 Bildern pro Sekunde auf. Größtes Problem ist die mangelnde Bildstabilisierung, die nur dann zu mehr oder wenigen ordentlicher Bildqualität führt, wenn das Smartphone auf einem Stativ steht. Letztendlich ist das in dieser Preisklasse normal und kein Grund für übermäßige Kritik.

Die Unterschiede bei der Ausstattung des Huawei P Smart 2020 ist im Vergleich zum Vorgänger aus dem Jahr 2019 sind schnell zusammengefasst: Das neue Modell hat 4 statt 3 GByte RAM, der interne Speicher ist 128 statt 64 GByte groß und außerdem gibt es Bluetooth 5.0 statt 4.2. Das sind alle Änderungen. Als Antrieb dient wieder ein Kirin 710 mit acht Kernen, der dem Smartphone insgesamt ausreichend Leistung verleiht, damit Inhalte nur selten ruckeln. Lediglich beim Öffnen von Apps kommt es immer wieder zu Wartezeiten, die zeigen, dass hier halt doch keine High-End-Technik im Inneren steckt.

WLAN gibt es maximal mit n-Standard und im 2,4-Ghz-Band, neben Bluetooth 5.0 bietet das P Smart 2020 außerdem NFC, LTE mit 300 Mbit/s und einen ausreichend schnellen und zuverlässigen Fingerabdrucksensor. Auch ein UKW-Radio hat das Smartphone zu bieten, ist allerdings noch mit Micro-USB statt aktuellem USB-C ausgestattet. Das war schon 2019 ein Kritikpunkt und geht 2020 gar nicht mehr. Das gilt auch für das überholte Android-Version 9 und entsprechend für die Nutzeroberfläche EMUI 9.1. Der Sicherheits-Patch unseres Testgerätes stammte schon von Februar 2020 und ist damit ebenfalls bedenklich veraltet. Das alles hängt mehr oder weniger mit dem Embargo gegen Huawei zusammen, trotzdem sind das – zumindest der alte Sicherheist-Patch – bedenkliche Umstände, die Käufern bewusst sein sollten.

Unser Test wollte partout keine Installation von Benchmark-Software akzeptieren – weder aus dem Play Store, noch als APK. Aufmerksamen Lesern ist das möglicherweise schon wegen der fehlenden Antutu-Benchmark-Ergebnisse aufgefallen, spätestens beim Thema Akku und fehlenden Angaben aus dem Battery Test von PCmark ist das aber zumindest etwas störend.

Da sich aber wie bereits beschrieben an der Hardware des 2020-Modells nur wenig und beim Akku gar nichts geändert hat, gehen wir davon aus, dass das auch für die Akkulaufzeit gilt. Entsprechend müssen Nutzer mit allabendlichem Laden rechnen, über den Tag sollten aber Nutzer normalerweise problemlos kommen. Kabelloses laden gibt es in dieser Preisklasse natürlich nicht.

Das Huawei P Smart 2020 kostet 199 Euro in der UVP des Herstellers, zum Testzeitpunkt lag der Preis bei Händlern bei rund 193 Euro in den Farben Schwarz, Grün und Blau. Andere Ausstattungsvarianten gibt es nicht.

Schon in der Bibel ist die Rede vom alten Wein in neuen Schläuchen und auch wenn das Huawei P Smart 2020 nicht ganz so alt und zumindest auf den ersten Blick alles andere als altbacken ist, trifft diese Redewendung voll ins Schwarze: Das 2020er Modell ist Altes in neuer Verpackung. Da kann Hersteller Huawei wegen der politischen Lage gar nichts für, dennoch ist das Ergebnis mit Blick auf die Konkurrenz enttäuschend.

Richtig störend wird das bei Kleinigkeiten wie dem erneut verwendeten Micro-USB-Anschluss, auch die Dual-Kamera ist nicht mehr up to Date. Weniger auffällig ist es hingegen beim durchaus immer noch ausreichenden Chipsatz und dem ordentlichen Display. Letztendlich ist das P Smart 2020 kein schlechtes Smartphone, aber für den aufgerufenen Preis gibt es Besseres oder günstigeres – etwa das fast identische P Smart 2019. Einige solcher besseren und/oder günstigeren Alternativen haben wir in unserer Bestenliste der Smartphones bis 200 Euro aufgeführt.

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