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Huawei Nova 5T: Solide Mittelklasse mit Google im Test

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Huawei mit Google-Diensten – das ist derzeit nicht unbedingt der Normalfall, wie das Topmodell Mate 30 Pro zeigt. Beim Nova 5T sind sie aber mit dabei. Und was kann das Gerät sonst noch?

US-Firmen können zwar mittlerweile Sondergenehmigungen beantragen, um wieder mit chinesischen Firmen zusammenarbeiten zu dürfen. Google hat diese Erlaubnis in Bezug auf Huawei aber offenbar immer noch nicht bekommen. Das hindert den chinesischen Smartphone-Hersteller weiter daran, die Google-Dienste, auf die der Großteil aller Android-Smartphones zugreift, für seine Modelle zu nutzen. Aktuellstes Beispiel ist das Spitzenmodell Huawei Mate 30 Pro, das hierzulande nicht nur ohne US-amerikanische Hardware auf den Markt gekommen ist, sondern auch ohne Google-Software wie Play Store oder Gmail. Stattdessen setzt Huawei zwar auf Android, aber auf die Open-Source-Variante. Und die kommt eben ohne Google-Dienste.

Jetzt geht Huawei beim neuen Nova 5T einen Weg, den zuvor auch schon Tochter Honor beim Honor 9X (Testbericht) ging. Das Nova 5T ist nämlich eigentlich gar nicht mehr so neu, international ist es längst erhältlich. Da solche „älteren“ Smartphones quasi einen Bestandsschutz haben, der die Versorgung mit Updates für die installierten Google-Dienste auch weiterhin erlaubt, legt Huawei mit der europäischen Version des Nova 5T einfach ein existierendes Smartphone neu auf. Resultat: „Neues“ Smartphone mit Google-Diensten trotz US-Sanktionen. Aber geht dieses Konzept auf?

Schick ist es, das Huawei 5T für Europa. Aber nichts Besonderes. Das kann man dem Mittelklassemodell nicht einmal unbedingt vorwerfen, denn es macht nichts falsch. Nach dem extravaganten Falt-Display-Smartphone Samsung Galaxy Fold (Testbericht) wirkt einfach alles andere irgendwie gewöhnlich. Davon abgesehen punktet das Nova 5T aber mit seiner Punchhole-Notch, die schmale Ränder um den Screen ermöglicht. Lediglich unterhalb des Displays ist der Rand etwas breiter, störend wirkt das aber nicht. Weitere Pluspunkte sammelt das Smartphone mit dem abgerundeten, in Gehäusefarbe eloxierten Metallrahmen, der fließend in die Glasrückseite übergeht. Beide Glasflächen unterstützen die Rundung des Rahmens mit 2,5D-Glas, das sieht schick aus und fühlt sich gut an. Lediglich die ab Werk applizierte Schutzfolie fühlt sich bei der Bedienung mit dem Finger etwas scharfkantig an, die lässt sich aber problemlos entfernen.

Der Fingerabdrucksensor sitzt rechts im Rahmen

Die Rückseite des Huawei Nova 5T ist weitestgehend unaufgeregt. Die schwarze Farbgebung unseres Testmodells weist eine gewisse Tiefe aus, was den wertigen Eindruck des Smartphones bekräftigt. Leider verfliegt der Eindruck von Tiefe schnell, weil er von Fingerabdrücken verdeckt wird. Alternativ können Nutzer auch auf die beiliegende Schutzhülle zurückgreifen. Drei der vier Kameralinsen platziert der Hersteller wie so oft in einem leicht erhabenen Modul. Hier zeigt LG mit dem G8X ThinQ (Testbericht), dass Kameras nicht aus dem Gehäuse hervorstehen müssen. Ansonsten ist die Verarbeitung vorbildlich. Der Fingerabdrucksensor im seitlich im Rahmen angebrachten Powerbutton ist einen Tick zu scharfkantig, funktioniert aber ansonsten tadellos. Gleiches gilt für die Lautstärkewippe, die allerdings leichtes Spiel aufweist. Insgesamt ist das aber Kritik auf hohem Niveau.

2340 × 1080 Pixel tummeln sich auf einem 6,3 Zoll großen IPS-LCD, das bedeutet eine Pixel-Dichte von 412 Pixel pro Zoll (PPI) und geht voll in Ordnung. Farben werden ausreichend intensiv dargestellt, Kontraste könnten etwas höher ausfallen, gehen aber im Alltag noch in Ordnung. Sehr gut hat uns die Blickwinkelstabilität gefallen, außer leichter Abschattung ist keine Änderung der Darstellungsqualität bei flachen Betrachtungswinkeln zu bemerken. Die maximale manuelle Helligkeit liegt mit bis zu fast 450 cd/m² auf einem guten Level, sodass auch in heller Umgebung kaum Probleme mit der Ablesbarkeit auftauchen sollten. Ein Always-on-Display gibt es beim Nova 5T nicht.

Die moderne Punchhole-Notch ermöglicht schmale Ränder

Vier Kameras preist der Hersteller neben der Hauptkamera auf der Rückseite an, dabei handelt es sich um die Hauptlinse mit 48 Megapixel (f/1.8), ein Ultraweitwinkel mit 16 Megapixel (f/2.2) und eine Makrokamera mit 2 Megapixel (f/2.2). Die vierte Linse mit ebenfalls 2 Megapixel ist ausschließlich für Tiefenerkennung zuständig und kann nicht direkt benutzt werden – sie also als vollwertigen Kamerateil anzupreisen halten wir für übertrieben und auch der Nutzen einer Makrolinse mit so niedriger Auflösung ist zweifelhaft.

Das bestätigte sich im Test. Aufnahmen mit der Hauptkamera lassen sich mittels Pixel Binning voreingestellt mit 12, auf Wunsch aber auch mit 48 Megapixel und zusätzlich im Clarity-Modus mit 48 Megapixel aufnehmen. Bei Tageslicht sind sie ausreichend scharf und die Bilddynamik gibt wenig Grund zur Kritik, Bildrauschen ist vorhanden, aber schwach ausgeprägt und Farben werden ohne zu starke Sättigung aufgenommen. Die volle Auflösung bringt etwas mehr Bildschärfe mit sich, gravierend ist der Unterschied aber nicht. Bei schwächerem Licht sollten die anderen Kameras abseits der Haupteinheit gemieden werden, die ansonsten mit ausreichendem Licht ordentliche Ergebnisse ermöglichen.

Quad-Cam? Nur mit viel Phantasie...

Die Weitwinkelaufnahmen des Nova 5T kommen bei Bildschärfe und Bildrauschen nicht an die Hauptlinse heran, wie befürchtet bringt die Makrolinse keinen echten Vorteil. Entsprechende Aufnahmen verlangen naturgemäß eine extrem geringe Nähe zum Motiv, wodurch Aufnahmen ohne ungewollten Schattenwurf schwierig sind, außerdem ist die Bildschärfe wegen der geringen Auflösung der Makrokamera niedriger, als bei am PC vergrößerten Bildern des gleichen Motivs mit der Hauptkamera.

Videos erlaubt das Nova 5T mit 4K und maximal 30 Bildern pro Sekunde, einen optischen Bildstabilisator gibt es nicht und auch die elektronische Bildberuhigung weist die typischen Defizite günstigerer Smartphone-Kameras auf. Positiv hervorzuheben sind einerseits Selfies der 32-Megapixel-Frontkamera und Nachtaufnahmen, die für den aufgerufenen Preis ordentlich ausfallen. Hier zeigt die verwendete KI ihre Vorzüge.

Als Antrieb dient dem Huawei Nova 5T ein Kirin 980 mit acht Kernen, die mit bis zu 2,6 GHz getaktet sind und von bis zu 8 GByte RAM begleitet werden. Die gleiche Kombination verwendet auch das Topmodell Huawei P30 Pro (Testbericht), Highlight ist abgesehen von der strammen Leistung die Dual-NPU für Aufgaben der Künstlichen Intelligenz. Wegen der Verwendung eines Spitzenchipsatzes ist es wenig verwunderlich, dass das günstige Smartphone im Antutu-Benchmark stolze 363.000 Punkte erreicht. Damit sind nicht nur sämtliche Alltagsaufgaben vom Mails-Checken bis hin zum Surfen im Internet problem- und ruckelfrei möglich, sondern auch Gaming macht richtig Spaß.

Auch bei der restlichen Ausstattung gibt es kaum Lücken. So bietet das Gerät WLAN ac, Bluetooth 5.0, USB Typ C (2.0), GPS mit Unterstützung für Glonass, Beidou, Galileo und dem japanischen QZSS und natürlich NFC. Einen 3,5-Millimeter-Anschluss für herkömmliche Kopfhörer gibt es nicht. Das gilt auch für 5G, LTE beherrscht das Smartphone hingegen mit allen relevanten Bändern. Apps und sonstige Daten finden im großen internen Speicher mit 128 GByte Platz, eine Erweiterungsmöglichkeit gibt es leider nicht. Dafür punktet das Gerät mit Aufnahmen für zwei SIM-Karten. Der seitlich angebrachte Fingerabdrucksensor funktionierte im Test schnell und zuverlässig – besser als jeder Inprint-Fingerprintsensor im Display. Als Betriebssystem ist Android 9 installiert, zu Android 10 hat sich der Hersteller bislang noch nicht geäußert. Über Android liegt die Huawei-Nutzeroberfläche EMUI 9.1. Auffällig ist das hohe Alter des Sicherheits-Patches, bei unserem Testgerät stammte es vom September 2019.

3750 mAh klingen für ein so starkes Smartphone wie dem Huawei Nova 5T mit großem Display nicht nach übermäßig viel, dennoch schlägt sich der Kraftspender richtig gut. Im Battery Test von PCmark erreicht das Gerät eine Laufzeit von fast 10 Stunden, eine vollständige Ladung dauert etwa 2 Stunden. Trotz des Spitzen-Chipsatzes und der umfangreichen Ausstattung beherrscht das Gerät kein kabelloses Laden.

Das Huawei Nova 5T gibt es in den drei Farben Schwarz, Blau und Lila. Unterschiedliche Ausstattungsvarianten gibt es nicht. Der Preis für das Smartphone der oberen Mittelklasse begann zum Testzeitpunkt bei rund 378 Euro.

Huawei Nova 5T Dual-SIM schwarz

Nova 5T Schwarz

Huawei Nova 5T Dual-SIM crush blue

Nova 5T Blau

Huawei Nova 5T Dual-SIM midsummer purple

Nova 5T Lila

Dafür, dass das Huawei Nova 5T in seiner Form für Europa wohl wie schon das Honor 9X (Testbericht) eher aus der Not heraus geboren ist, kann sich das Ergebnis sehen lassen. Und das liegt nicht nur am schicken Äußeren mit moderner Punchhole-Notch. Highlight sind die stramme Leistung dank Kirin 980, eine insgesamt sehr ordentliche Gesamtausstattung und der gute Akku. Die Kamera ist auch nicht übel, Datenblattschummeleien wie Makro- und Tiefenkamera zusammen mit den beiden echten Linsen als Quad-Cam zu verkaufen, hat Huawei eigentlich gar nicht nötig. Nicht so gut gefallen haben uns hingegen der alte Sicherheits-Patch und die fehlende Erweiterbarkeit des Speichers. Auch Wasserdichtigkeit wäre nett gewesen.

Wie so oft ist das Problem nicht das Smartphone selbst, sondern sein Preis. Denn Modelle wie das Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht) mit Pop-Up-Frontcam kosten mit ähnlichen Leistungsdaten und besserer Kamera nicht mehr, mit etwas weniger Speicher sogar klar weniger. Welches Mi9-Modell am besten für jeden Nutzer ist, haben wir in unserem Vergleich der verschiedenen Mi9-Modelle zusammengefasst. Gar nicht so viel schlechter ausgestattet sind außerdem deutlich günstigere Modelle wie das Xiaomi Redmi Note 8T (Testbericht) oder das Honor 9X (Testbericht).

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