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Huawei Matepad Pro: Tablet mit Stift und Keyboard im Test

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Mit Stift, Keyboard, schickem Design und hervorragender Hardware will Huawei mit dem Matepad Pro iPad Pro und Co. Konkurrenz machen. Wir klären, ob das klappt.

Was ist wichtiger: Gute Hardware oder gute Software? Beides werden auf diese Frage wohl die Meisten antworten und sie haben recht. Bestes Beispiel ist in der jüngeren Vergangenheit Huawei bei seinen Smartphones, die mangels adäquatem Ersatz für die dort nicht mehr vorhandenen Google-Dienste ein ums andere Mal mit dem Fazit “tolle Hardware, aber mangels Google-Diensten keine Empfehlung” aus Tests hervorgeht. Huawei lässt sich aber davon nicht ins Bockshorn jagen und bringt unverdrossen ein Gerät nach dem anderen ohne GMS (Google Mobile Services) in den Handel – da hat jemand offenbar einen ziemlich langen Atem. Gut so, denn die Hardware ist ohnehin meist über fast jeden Zweifel erhaben und Konkurrenz belebt ja bekanntlich das Geschäft. Und vielleicht stören die fehlenden Google-Dienste ja bei einem Tablet weniger? Wir finden es heraus.

Das Huawei Matepad Pro ist jetzt auch in Deutschland erhältlich. Nachdem es schon länger in Asien verfügbar war, versucht nun der Hersteller auch hierzulande, Geräten wie iPad Pro und Galaxy Tab S6 (Testbericht) Kunden abzuknöpfen und bringt neben dem Matepad das Matepad Pro mit optionalem Stift und ebenfalls zukaufbarem Keyboard-Dock in den Handel. Optisch kann sich das Huawei-Tablet schon mal sehen lassen. Das Gehäuse besteht auf der Rückseite aus Metall und ist mit etwa 7 Millimeter Bautiefe ähnlich dick wie die Konkurrenz. Auch wenn der Rahmen aus Kunststoff ist, wirkt das Gerät insgesamt hochwertig. Einen großen Anteil daran hat die Front, die wegen des nur rund 6 Millimeter schmalen Rahmens fast vollständig aus Touchscreen besteht. Die Ecken des Displays sind sichtbar gerundet, das wirkt sehr ansprechend.

Im Gegensatz zu den Wettbewerbern implementiert Huawei sogar eine Punchhole-Notch, die die Frontkamera beherbergt. Ob das bei einem großen Tablett wirklich notwendig ist, sei dahingestellt – ausreichend Platz hätte der Rahmen wohl geboten. Moderner wirkt das so aber allemal. Die Verarbeitung ist insgesamt über jeden Zweifel erhaben. Wenn, dann stört vielleicht das leichte Hervorstehen der Hauptkamera auf der Rückseite, Passgenauigkeit und die Bedienbarkeit der wenigen Tasten am Gerät sind vorbildlich. Mit rund 460 Gramm Gewicht ist das Huawei Matepad Pro minimal leichter als die direkte Konkurrenz von Apple und Samsung. Insgesamt liegt das Gerät gut in der Hand.

Alle Bilder des Huawei Matepad Pro im Test (21 Bilder)

Das Panel des Matepad Pro misst 10,8 Zoll und bietet eine Auflösung von 2560 × 1600 Pixel. Das entspricht einer Pixeldichte von rund 280 PPI – deutlich weniger als bei Smartphones, allerdings werden die wegen des kleineren Screens auch näher vor die Augen gehalten. Im Test hatten wir nie das Gefühl, von sichtbaren Pixeln gestört zu werden. Bei einfacher Full-HD-Auflösung wie beim normalen Huawei Matepad ist das schon eher der Fall. Beim Display im 16:10-Format setzt Huawei nicht auf OLED, sondern auf IPS-LCD. Die Darstellungsqualität ist insgesamt sehr ordentlich, Farben werden ausreichend intensiv und natürlich wiedergegeben und Kontraste sind gut ausgeprägt.

Die Helligkeit überzeugte uns im Test mit gemessenen knapp 600 cd/m², damit bekommen Nutzer auch im Freien keine Probleme mit der Ablesbarkeit. Wegen der durchaus vorhandenen Spiegelungen des Screens kann im Sommer zur Not ein Wechsel in den Schatten dennoch hilfreich sein. Nicht ganz optimal gelöst ist die Helligkeitsverteilung, die ganz am Rand teilweise durch Schattenbildung bei hellem und Lichthöfen bei dunklem Hintergrund negativ auffällt. Das gilt auch für den Bereich rund um die Punchhole-Notch. Zusammen mit der auf 60 Hertz beschränkten Bildwiederholungsfrequenz ist das Display des Matepad Pro zwar ordentlich, kommt aber nicht ganz an Apples iPad Pro oder Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) heran.

Von Tablet-Kameras sollten Käufer generell nicht zu viel erwarten, sie können normalerweise selbst mit Kameras in deutlich günstigeren Smartphones nicht mithalten. Das Huawei Matepad Pro ist da schon beinahe eine rühmliche Ausnahme, zumindest bei gutem Licht sehen Aufnahmen mit der 13-Megapixel-Single-Cam auf der Rückseite ganz passable aus. Zwar kommt das Tablet nicht an die Bildschärfe eines Samsung Galaxy S20 Ultra (Testbericht) heran, macht aber insgesamt recht ansprechende Aufnahmen mit wenig Bildrauschen und ausreichend vielen Details. Lediglich die Bilddynamik könnte besser ausfallen, helle Bildbereiche brennen schnell aus, dunkle geraten gelegentlich zu düster. Deutlich schlechter sieht das bei wenig Licht aus. Entgegen der guten Lowlight-Ergebnisse bei Huawei-Smartphones sollte man hier die Tablet-Kamera des Matepad Pro lieber gleich vergessen – sofern man nicht auf Pixelmatsch steht zumindest.

Die Kamera ist für ein Tablet ganz ordentlich

Die Frontkamera mit ihren 8 Megapixel liefert ordentliche Ergebnisse, Nutzer sollten darauf achten, den Beautyfilter zu deaktivieren. Dann passen die wichtigen Parameter wie Bildschärfe, Kontrast und Farbwiedergabe, lediglich die Bilddynamik ist auch hier nicht optimal gelöst. Für Videochats reicht die maximale Videoauflösung von 1080p/30 absolut aus, dank der eingebauten fünf Mikrofone und der vier sehr kräftigen Lautsprecher eignet sich das Matepad Pro hervorragend für Gespräche mittels Bild und Ton.

Das Huawei Matepad Pro wird vom Kirin 990 angetrieben, dem aktuell stärksten Chipsatz von Huawei. Der kommt zwar selbst in der der 5G-Version mit höherem Takt in Benchmarks nicht ganz an Geräte mit Qualcomm Snapdragon 865 heran, liefert davon abgesehen aber in allen Lebenslagen mehr als genug Power für flüssige und direkte Bedienung. Auch anspruchsvolle 3D-Spiele laufen ruckelfrei auf dem Tablet – trotz der hohen Auflösung. Allerdings sorgt das für spürbare Wärmeentwicklung, die sich bei längerer Nutzung negativ auf die Leistung auswirken dürfte. Im Alltag war davon im Testzeitraum aber nichts zu bemerken. Je nach Version stehen dem Oberklasse-Tablet 6 oder 8 GByte RAM und 128 oder 256 GByte interner UFS-3.0-Speicher zur Verfügung. Der Platz lässt sich um bis zu 256 GByte erweitern, allerdings nur mittels teurer NM-Cards von Huawei. Grundsätzlich gibt es WLAN-only-Versionen und welche mit LTE und/oder 5G. In Deutschland müssen Interessenten mit der LAN-Version Vorlieb nehmen.

Ansonsten bietet das Tablet fast alles derzeit Mögliche. Der USB-Type-C-Port arbeitet mit 3.1-Geschwindigkeit, ist OTG-fähig, es gibt Miracast, eine Status-LED, Bluetooth 5.1 und GPS sowie Glonass-, Beidou- und Galileo-Unterstützung. NFC baut Huawei nicht ein, ein Fingerabdrucksensor fehlt ebenfalls. Neben herkömmlichen Entsperrmethoden wie der PIN-Eingabe gibt es nur die potenziell unsichere 2D-Gesichtsentsperrung per Frontkamera. Besonderes Lob verdienen die vier Lautsprecher, die nicht nur kräftig sind, sondern auch insgesamt sehr passabel klingen. In Kombination mit den fünf eingebauten Mikrofonen eignet sich das Tablet daher sehr gut zum Videochatten ohne Headset. Das ließe sich mangels 3,5-Millimeter-Anschluss ohnehin nur per Bluetooth koppeln. Auch für Filme und Serien ist das Tablet grundsätzlich gut gerüstet, solange die nicht gestreamt werden. Mangels hoher Widevine-Zertifizierung ist das nämlich nur in SD statt HD möglich und das fällt auf dem großen und hochauflösenden Screen durchaus auf.

Damit im Zusammenhang steht auch eine andere gravierende Einschränkung: Das Matepad Pro kommt ohne Google-Dienste zum Kunden und setzt stattdessen voll auf Huawei-Services. So läuft auf dem Gerät zwar Android 10 mit EMUI 10 als Nutzeroberfläche, Google Maps und zahlreiche andere bekannte Apps bekommen Nutzer hingegen entweder gar nicht oder nur über Umwege auf das Tablet. Zwar arbeitet Huawei mit Hochdruck daran, alle verbreiteten Apps in seine App Gallery zu bekommen und bietet mit der App Suche die Möglichkeit, alternative und kompatible App-Stores nach der gewünschten Applikation zu durchsuchen. Das ist aber nicht nur wesentlich umständlicher als auf einem herkömmlichen Tablet mit Google-Diensten, sondern birgt oftmals mangels automatischer Updates auch ein gewisses Sicherheitsrisiko. Wer es gewohnt einfach haben will, muss leider einen Bogen um das Huawei Matepad Pro machen.

Dabei bietet das Gerät durchaus einige interessante Ansätze. So erlaubt die App Multiplier-Funktion Multitasking mit zwei unterstützten Apps gleichzeitig, eine dritte darf sogar noch als schwebendes Fenster darüber platziert werden. Außerdem bietet das Tablet die Möglichkeit, mittels Huawei Share Inhalte von einem kompatiblen Smartphone auf das Tablet zu spiegeln, um dort etwa Telefonate entgegenzunehmen oder Nachrichten zu verfassen. Auch das Austauschen von Dateien ist dann einfach per Drag&Drop möglich und Nutzern wird das kabellose Ausdrucken von Dateien über kompatible Drucker ermöglicht.

Sehr hilfreich: Stift und Keyboard

Noch produktiver wird das Huawei Matepad Pro mit dem M-Pencil genannten Stift und dem Smart Magnetic Keyboard. Beides gehört nicht direkt zum Lieferumfang, der Stift kostet 99 Euro, die Tastatur 129 Euro extra. Der M-Pencil erlaubt mit seinen 4096 Druckstufen handschriftliche Notizen und Zeichnen in diversen Apps, das Keyboard bietet Schutz beim Transport, zwei Aufstellwinkel für das Display und eine Volltastatur mit 1,3 Millimeter Tastenhub und durchaus angenehmer Größe. Der Clou ist die simple Nutzung: Der große, nicht in das Tablet integrierbare Stift wird ohne Umschweife erkannt, sobald er magnetisch oben auf das Tablet aufgelegt wird. Anschließend ist er nicht nur transportierbar, sondern er wird auch auf diesem Wege geladen. Genauso einfach wird das Keyboard gekoppelt: Einfach das Tablet einlegen, los geht’s. Sehr gut, genau so muss das laufen!

Großes Display, großer Akku: 7250 mAh leistet der, im Battery Test von PCmark ist das für eine Dauerlaufzeit von über 11 Stunden gut. Das ist ein sehr ordentlicher Wert, der nur bei Volllast deutlich unter- und bei wenig Nutzung stark überschritten wird. Wer das Gerät nur hin und wieder vorkramt, um einige Minuten lang seine Mails zu checken, wird kaum mehr als einmal pro Woche Laden müssen. Das klappt dann in unter zwei Stunden per Kabel und beiliegendem Ladegerät und ginge sicherlich auch schneller, allerdings leistet der Charger nur 18 Watt. Das reicht unter Last nicht mal, um dem Tablet mehr Strom zuzuführen, als es verliert. Dafür beherrscht das Matepad Pro auch kabelloses Laden und reverse Wireless Chargeing mit 15 und 7,5 Watt. Das biete sonst kein Tablet.

In Deutschland wird offiziell nur die WLAN-only-Version und ausschließlich in der Farbe Midnight Gray angeboten. In der Speicherkonfiguration 6/128 GByte kostet das Modell 549 Euro in der UVP, mit 8/256 liegt der Preis bei 619 Euro. Dazu gibt es von Huawei zum Testzeitpunkt das erwähnte Zubehör M-Pencil und Smart Magnetic Keyboard im Gegenwert von 230 Euro (UVP) kostenlos dazu. Ebenfalls gratis: 6 Monate Huawei Music und 3 Monate Huawei Cloud mit bis zu 50 GByte.

Was wäre das Huawei Matepad Pro für ein tolles Tablet, wenn es Google-Dienste hätte. Dann wäre auch Videostreaming in HD möglich und alles viel leichter. Als Tester macht es das derzeit ziemlich schwierig: Die Hardware ist meist bei Huawei gut, der Preis – vermutlich wohl wegen der fehlenden Google-Services – für einen großen und etablierten Hersteller sehr gut und dennoch steht das Ergebnis quasi schon vor dem eigentlichen Test fest: Das Produkt, in diesem Fall das Matepad Pro, ist eigentlich toll, aber so nur wenigen Nutzern wirklich zu empfehlen.

Beim Matepad Pro macht Huawei aber auch überraschende Fehler. So ist zwar die generelle Bildqualität des Panels überzeugend, jenseits der 500 Euro wäre aber ein OLED-Display schön gewesen. Das hätte dann auch keine Probleme mit Lichthöfen und Schattenbildung gehabt. Außerdem wäre ein Metallrahmen angemessen gewesen und eine einfache, aber sichere Entsperrmethode ebenfalls. Toll sind hingegen die Leistung des Tablets, die Laufzeit und die generelle technische Ausstattung. Selbst die Kamera ist für ein Tablet brauchbar. Kabelloses Laden ist auch nett und ein Alleinstellungsmerkmal des Matepad Pro. Dann noch die kostenlosen Dreingaben M-Pencil und Smart Magnetic Keyboard – das macht das Tablet zu einem wirklich tollen und universellen Gerät. Hilft nur eben alles nichts, wenn die passende Software nicht vorhanden ist. Das macht das Samsung Galaxy Tab S6 (Testbericht) nur interessanter.

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