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Huawei Mate Xs im Test: Falt-Handy für 2500 Euro

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Das Mate Xs ist die überarbeitete zweite Auflage des ersten Falt-Smartphones von Huawei und will nicht nur Probleme des ersten Gerätes ausbessern, sondern auch Samsung schlagen. Reicht das?

Es sollte das “nächste große Ding” sein, bislang sind Smartphones mit Falt-Display aber eher ein Prestige-Projekt der großen Smartphone-Hersteller. Denn außer einigen wenigen Modellen gibt es bislang kaum Nachschub, lediglich Samsung hat schon ganze zwei Modelle im Portfolio. Motorolas RAZR-Phone wäre noch eine Alternative, doch das ist nach wie vor in Deutschland nicht zu bekommen. Das Huawei Mate Xs ist aber ohnehin eher Konkurrenz für das Samsung Galaxy Fold (Testbericht). Denn auch beim Samsung-Modell geht es nicht darum, ein handliches Smartphone durch Aufklappen des Bildschirms auf normale Größe zu bringen, sondern ein normales Gerät auf Tablet-Niveau. Huawei geht allerdings einen anderen Weg als Samsung beim Fold. Denn während beim Falt-Modell der Koreaner das Panel nach innen geklappt und so beim Transport geschützt wird, macht es Huawei genau anders herum. Das hat Vor- und Nachteile.

Puh, ganz schön schwer! Etwas dick auch. Die Rückseite...seltsam. Und eingekerbt ist es an Stirn- und Fußende auch noch – was soll das? Ach... das ist ein Klapp-Handy? Mit Falt-Display?! Wow, cool, das ist ja ein riesiges Display!!! Och, dafür ist es aber ziemlich handlich! Und was kostet das? Uff! Ja okay, hier hast du es wieder...

So oder so ähnlich fielen viele Erstkontakte mit dem Huawei Mate Xs aus, wenn es während des Testzeitraums anderen Personen in die Hand gedrückt wurde. Das zeigt, wie gut das Gerät im zusammengeklappten Zustand ein ganz normales Smartphone imitiert. Denn dann sieht der Nutzer auf der Vorderseite nur ein 6,6 Zoll großes Hauptdisplay, während die Rückseite schwarz bleibt. Dank OLED ist ein Unterschied von deaktiviertem Screen und echtem Rahmen nicht auszumachen, entsprechend geht das Gerät tatsächlich auf den ersten Blick als ganz normales Smartphone durch. Das ist nicht zu vernachlässigender Vorteil im Vergleich zum Samsung Galaxy Fold (Testbericht), dessen Außendisplay zu klein für häufige Nutzung ist und dessen Gesamtdesign zusammengeklappt eher an eine Mundharmonika als an ein Smartphone erinnert.

Erst auf den zweiten Blick offenbart das Mate Xs, dass mehr in ihm steckt. Dann erkennt man etwa, dass der Haupt-Screen im zusammengeklappten Zustand rechts mehr Rand als links aufweist und sich die Darstellung links leicht um die Wölbung zieht, die fließend in die Rückseite übergeht. Einen Rahmen gibt es hier gar nicht, schließlich wird nach dem Aufklappen aus dieser Rundung, dem vorderen Screen und der Rückseite ein 8 Zoll großer Touchscreen. Bei deaktiviertem Display fällt das noch weniger auf, denn der Metallrahmen auf der rechten Seite ist glänzend schwarz lackiert und vollzieht die gleiche enge Rundung wie das Display links. Nur zwei Dinge verraten das Falt-Display dann noch: Die ab Werk aufgebrachte und besser nicht zu entfernende Schutzfolie, deren Ränder man zusammengeklappt nur oben, unten und rechts sieht. Im Alltag sammelt sich hier Staub, wodurch die Folienränder noch mehr hervortreten. Außerdem fällt der gut gemachte, aber dennoch sichtbare Übergang von Screen zu Metallrahmen auf der rechten Seite auf.

Den Eindruck eines herkömmlichen Smartphones hätte Huawei maximieren können indem die Darstellungsfläche links noch mehr beschnitten und somit ein symmetrisches Verhältnis von schwarzem Rahmen auf beiden Seiten geschaffen worden wäre. Per Software dürfte das kein Problem sein, eine Hardware-Limitierung gibt es ja hier nicht.

Auf der Rückseite wird offensichtlicher, was das Huawei Mate Xs eigentlich wirklich draufhat. Denn hier zieht sich ein Teil des Displays um den Großteil der Fläche herum und wird dann von einem rund 2,5 Zentimeter breiten Kamera-Teil separiert, der einmal über die ganze Länge des Gerätes geht. In diesem Metallbalken enthalten ist außer den vier Kameralinsen und dem Dual-LED-Blitz auch der mechanische Knopf zum Entriegeln der Falcon-Wing-Hinge genannten Display-Scharniere. Damit wird das Smartphone-Display auf Maximalgröße ausgeklappt.

Dann gilt der erste Blick natürlich dem riesigen Screen, der geradezu faszinierend groß für ein Smartphone ist. Auch hier fallen allerdings die Folienränder und erneut eine nicht ganz symmetrische Verteilung des Rahmens auf – aufgeklappt ist er allerdings links minimal breiter als rechts. Dafür wirkt das Smartphone bis auf die metallene Kameraeinheit auf der rechten hinteren Seite geradezu unglaublich dünn, nicht einmal 5 Millimeter misst das Smartphone hier. Die nun geöffnete Rückseite wird von mattem Kunststoff bedeckt, nur die Knickstelle ist von zwei schmalen Metallstreifen bedeckt. Das darunter verborgene Scharnier weist an deren Enden zwei hervorstehende Knubbel auf – ganz so, als habe man bei Samsungs Note-Modellen den integrierten Stylus kurz eingedrückt, um ihn damit zum wenige Millimeter messenden Herausschnellen zu bewegen.

Alle Bilder zum Huawei Mate Xs im Test (32 Bilder)

Das Huawei Mate Xs wirkt auf den ersten Blick etwas fragil, zumal das nach außen geklappte Display immer äußeren Einflüssen ausgesetzt ist. Das gilt für den Transport in der Hosentasche, aber auch für einfaches Ablegen auf den Schreibtisch. Denn während leichte Kratzer bei typischen Glas-Smartphones auf der Rückseite nicht so schlimm sind, ist die Rückseite des Mate Xs gleichzeitig auch Display – nur eben deaktiviert. Tatsächlich schlichen sich im Testbetrieb schnell oberflächliche, feine Kratzer in die Schutzfolie ein, störend wirkten die sich aber im Alltag nicht aus. Sollte sich das einmal ändern und das visuelle Erlebnis schmälern, tauscht Huawei die Folie nach eigenen Angaben kostenfrei aus. Selbst bei selbstverschuldetem Display-Schaden greift eine zweijährige Garantie, allerdings werden dann im ersten Jahr immer noch 50 Prozent, im zweiten sogar 70 Prozent der Kosten fällig. Huawei übernimmt den Rest und die Versandkosten. Derzeit geschieht das alles allerdings nur in einem Servicecenter in Berlin. Wer das macht, sollte also ein Ersatzgerät parat haben, sofern er nicht in näherer Umgebung der Hauptstadt wohnt.

Das gilt auch für die bei genauer Betrachtung immer sichtbare Knickstelle des Panels, die wie auch beim Samsung Galaxy Fold (Testbericht) immer etwas wellig ist. Das sieht man allerdings in erster Linie bei hellem Tageslicht im Freien, bei aktiviertem Display tritt das aber schnell in den Hintergrund und ist dann bei normaler Helligkeit etwa in Innenräumen kaum noch zu sehen. Daran gewöhnt man sich außerdem so schnell, dass Nutzer das schon nach kurzer Zeit gar nicht mehr wahrnehmen, sondern stattdessen das riesige Display genießen.

Der Klappmechanismus ist stabil

Der Klappmechanismus machte im Test entgegen erster Befürchtungen keinerlei Probleme. Er wurde im Vergleich zur ersten Mate-X-Version noch einmal überarbeitet und wirkt jetzt sehr langlebig – obwohl es bei jedem Falt-Vorgang leicht knarzt. Das Geräusch dürfte vom Display stammen, das sich an die gewünschte Ausdehnung anzupassen versucht und fällt normalerweise nicht weiter auf. Trotz allem zeigte auch das Falt-Display während unserer langen Testphase keinerlei Ermüdungserscheinung. Ebenfalls unter besonderer Beobachtung: Der mechanische Entsperr-Knopf auf der Rückseite, der den Klappmechanismus entriegelt. Er hält das Panel geschlossen, das umgeklappte, dann rückseitige Display wird dann deaktiviert. Da der Screen immer unter leichter Vorspannung steht und durch das Betätigen des mechanischen Knopfes sofort im 45-Grad-Winkel aufspringt, hatten wir hier schnellen Verschleiß befürchtet. Das bewahrheitete sich im Betrieb aber nicht. Insgesamt ist die Verarbeitungsqualität auf sehr hohem Niveau, auch wenn Displays mit Kunststoff-Beschichtung nach wie vor nicht so hochwertig wie Glasbedeckte wirken.

Multitasking auf dem riesigen Display - absolut sinnvoll

Die etwas dickere Kameraeinheit auf der rechten Hinteren Seite des Mate Xs haben wir im aufgeklappten Zustand nicht als störend, sondern im Gegenteil sogar als hilfreich empfunden. Sie erinnerte uns an ältere Tablets von Lenovo oder Sony, bei denen Technik und vor allem Akku in einer seitlich angebrachten Wulst untergebracht waren. Daran ließen sie sich hervorragend und bequem halten. Beim Mate Xs verhilft sie der Hand zu mehr Gripp, indem man einhändig gehalten gut einen Finger daran “einhaken” kann. Trotz der rund 300 Gramm Gewicht hatten wir daher nie das Gefühl, dass uns das Smartphone im Tablet-Modus entgleitet. Etwas mehr gestört hat uns die zu hohe Platzierung des Powerbuttons, der gleichzeitig als Fingerabdrucksensor dient. Ihn erreichen selbst Nutzer mit großen Händen nicht ohne leichtes Umgreifen. Ein Deal Breaker ist das aber nicht, zumal der Fingerabdrucksensor sehr schnell und zuverlässig funktioniert.

Schade: Trotz des riesigen Displays, das sich grundsätzlich hervorragend zum Videoschauen eignet, spendiert Huawei dem Mate Xs keine L1-Widevine-Spezifizierung. Bedeutet im Klartext: Videostreaming funktioniert nur im SD-Modus, nicht in HD. Das spart natürlich Datenvolumen, ist dann aber auch nicht so knackscharf, wie es das Display eigentlich darstellen könnte. Nach Aussagen von Huawei hängt das mit der gleichen Problematik zusammen, wegen der Huawei derzeit keine Google-Services mehr nutzen darf. Allerdings sei man bemüht, Widevine L1 per Update nachzuliefern.

Videostreaming derzeit leider nur in SD statt HD möglich

Ein weiteres Problem: Längst nicht alle Apps sind daran angepasst, im zusammengeklappten Smartphone- und im entfalteten Tablet-Modus gleichermaßen verwendet zu werden. Die meisten Apps bekommen das zwar ganz gut und oftmals sogar fehlerfrei hin, hin und wieder funktioniert der Wechsel dann aber doch nicht optimal. Dann passt etwa die Verteilung auf dem Bildschirm nicht ganz und es wird unnötig Platz verschwendet, weil die App nicht selbständig in den Desktop-Modus wechselt. Überwiegend ist der große Screen aber dann doch sehr hilfreich. Das ist von Android-Tablets hinlänglich bekannt und daher ein generelle Android-Problem. Wasserdicht ist das Mate Xs aufgrund der aufwändigen Klappmechanik übrigens nicht, im Alltag haben wir das allerdings nicht vermisst.

Es wurde bereits erwähnt: Das ausgeklappt stolze 8 Zoll große OLED-Display teilt sich beim zusammenklappen in zwei Screens vorn und hinten auf. Die Auflösung beträgt bei 8 Zoll 2480 × 2200 Zoll bei 414 Pixel pro Zoll und erreicht eine entsprechend hohe Bildschärfe. Ansonsten sind es 6,6 Zoll bei 2480 × 1148 Pixel vorn (ebenfalls 414 PPI) und 6,38 Zoll bei 2480 × 892Pixel (413 PPI) hinten. Aufgeklappt liegt das Seitenverhältnis bei fast 1:1 – zum Lesen von Texten oder Browsen im Internet ist das sehr angenehm, Videos zeigen allerdings im normalen 16:9- oder gar im 21:9-Kinoformat breite schwarze Balken über- und unterhalbe des Films.

Davon abgesehen ist Darstellung nicht nur scharf, sondern auch in Hinblick auf Kontrast, Farbintensität und Blickwinkelstabilität hervorragend. Leichte Einschränkungen gibt es bei der Helligkeit, die wir mit nur etwas über 400 cd/m² gemessen haben, außerdem bei der Bildwiederholungsrate: 90 oder gar 120 Hertz gibt es nicht, stattdessen Standard-Kost mit 60 Hz. Die Helligkeit sollte in den meisten Fällen trotzdem ausreichen, auch wenn manch Konkurrenz-Produkt und auch Smartphones aus den eigenen Reihen das besser machen. Die sind dann aber auch nicht faltbar. Im Freien sollten Nutzer dennoch schattige Plätze bevorzugen. Etwas störend ist in diesem Zusammenhang nämlich die relativ stark spiegelnde Oberfläche des Screens, die das Ablesen von Inhalten in sehr heller Umgebung erschwert.

Heller ist das Samsung Galaxy Fold (Testbericht) übrigens auch nicht, beim Samsung-Modell stört zudem im aufgeklappten Modus eine breite “Kamera-Notch”. So etwas gibt es beim Mate Xs nicht. Eine Benachrichtigungs-LED gibt es nicht, stattdessen setzt Huawei wie fast immer bei OLED-Screens auf ein Always-on-Display.

Bei der Hardware muss sich das Huawei Mate Xs nicht vor der Konkurrenz verstecken. Im Gegensatz zum ersten Mate X, das wegen diverser Probleme nicht nach Deutschland kam, verfügt das aktualisierte Xs über den neuesten Kirin 990 5G und entsprechend den neuen Datenstandard. Die 5G-Variante des aktuellen Spitzenchipsatzes von Huawei bietet einen noch etwas höheren Maximaltakt, den sonst verfügbaren Leistungsmodus streicht der Hersteller dafür beim Mate Xs. Das macht sich in Benchmarks in erster Linie bei der Grafik-Power bemerkbar, die schwächer als etwa beim Huawei P40 Pro (Testbericht) mit Kirin 990 ohne 5G, aber dafür mit Leistungsmodus ausfällt. Im Antutu-Test erreicht das Falt-Smartphone daher rund 470.000 Punkte, während das P40 Pro auf knapp 500.000 Punkte kommt. Im Alltag ist davon aber nichts zu bemerken. Auch der mit “nur” 8 GByte vergleichsweise kleine Arbeitsspeicher tut dem keinen Abbruch.

Spiele wie Asphalt 9 oder World of Tanks Blitz laufen rasend schnell und machen auf dem großen Bildschirm doppelt so viel Spaß, wie auf herkömmlichen Smartphones. Je nachdem, wie herum man das Smartphone hält, verdecken die Finger der haltenden Hand allerdings schnell den sehr druckvollen Haupt-Lautsprecher. Zwar verwendet das Mate Xs bei Medienwiedergabe auch den Telefonielautsprecher, der ist aber wesentlich leiser und schafft nur Hochtonwiedergabe. An Technik hat das Mate Xs sonst alles zu bieten, was derzeit möglich ist. Dazu gehört LTE und 5G mit nahezu allen weltweit möglichen Frequenzen, schnelles WLAN, Bluetooth 5.0, NFC und sogar ein IR-Sender zum Steuern anderer technischer Geräte wie Fernseher. Im Gegenzug verzichtet Huawei allerdings auf einen 3,5-Millimeter-Anschluss, Radio und einen herkömmlichen Micro-SD-Karteneinschub. Stattdessen setzt Huawei seit einigen Generationen auf die hauseigenen NM-Cards, die nach wie vor zwar kleiner, aber auch deutlich teurer als Micro-SDs sind. Eine Karte mit 256 GByte kostet mal eben rund 90 Euro, micro-SDs mit 1 GByte gibt es hingegen schon für unter 10 Euro. Schade, für solch auf Gewinnmaximierung ausgerichtete, wenig kundenfreundliche Alleingänge durch eigentlich unnötige “Neuerungen” ist eigentlich eher Apple bekannt.

Eine eSIM gibt es im Mate Xs ebenfallsnicht, Nutzer stehen zudem vor der Wahl, zwei SIM-Karten oder eine SIM und eine NM-Card einzusetzen. Letzte ist allerdings in den meisten Fällen nicht zwingend nötig, denn die in Deutschland erhältliche Version bietet imposante 512 GByte internen UFS-Speicher. Der USB-Type-C-Anschluss bietet übrigens nicht nur 3.1-Geschwindigkeit, sondern dient auf Wunsch auch als Videoausgang an HDMI oder Displayport. Neben GPS unterstützt das Falthandy auch QZSS, Galileo, Beidou und Glonass.

Kommen wir zum – zumindest für den Normalnutzer - größten Manko, sofern man vom enorm hohen Preis von 2500 Euro einmal absieht: Das Huawei Mate Xs kommt ohne Google-Dienste. Das ist letztendlich keine Neuigkeit, schließlich hat Huawei seit geraumer Zeit mit dem US-Bann zu kämpfen, der unter anderem US-Unternehmen verbietet, Hard- und Software an Huawei zu liefern. Entsprechend setzt das chinesische Unternehmen wie schon bei anderen Spitzenmodellen, etwa dem Kamerawunder Huawei P40 Pro Plus (Testbericht), zwar auf AOSP (Android Open Source Project) und bietet entsprechend Android 10 ab Werk, kommt aber komplett ohne Google-Services.

Das bedeutet: Kein Play Store, kein Google Pay, keine Google-Maps-App und etliches mehr. Zwar bietet Huawei seine eigenen Huawei-Mobile Services und die App Gallery, dort finden sich aber nach wie vor längst nicht alle Apps, die der Nutzer eines Smartphones mit herkömmlichem Android und Google Mobile Services gewohnt ist. Besonders lokale Apps, Zahl- und Banking-Apps und Applikationen, die auf GPS zugreifen, gibt es entweder gar nicht oder sie funktionieren bisweilen nur eingeschränkt. Zwar gibt es alternative App Stores wie Amazon oder APKpure, doch das ist zumindest eine Umstellung für Nutzer. Interessenten sollten das vor dem Kauf gut abwägen. Unschön: Der Sicherheits-Patch unseres Testgerätes war von Mai 2020 und damit viel zu alt!

Die Kamera kommt rein von den Werten nicht an das P40 Pro (Testbericht) heran, sondern erinnert eher an das P40 (Testbericht) oder das P30. Zum Einsatz kommt eine Hauptkamera mit 40 Megapixel und f/1.8-Blende, für Schärfe sorgen Phasenvergleichs-, Kontrast- und Laser-Autofokus. Hinzu kommen ein Weitwinkelobjektiv mit 16 Megapixel und f/2.2 und ein Teleobjektiv mit 8 Megapixel und f/2.4. Die Telelinse bietet 3-fache optische Vergrößerung, 5-fachen Hybridzoom und als einziges Objektiv einen optischen Bildstabilisator (OIS). Die vierte Linse ist ein Time-of-Flight-Sensor, um den Abstand zu Motiven zu bestimmen. Eine dedizierte Frontkamera gibt es beim Mate Xs nicht, denn im zusammengeklappten Zustand dient die Hauptkamera als Selfiecam, die Rückseite wird dann sogar zum überraschend großen Sucher.

Die Kamera ist gut, aber nicht ganz auf Spitzenniveau

Das Fehlen des OIS für die Hauptlinse fällt nur bei schlechten Lichtverhältnissen auf und auch dort ist das Ergebnis letztendlich wie immer bei Huawei überdurchschnittlich gut. Insgesamt liefert das Mate Xs sehr gute und ausgewogene Bilder, die von überzeugender Bilddynamik, weitgehend natürlicher Farbdarstellung und wenig Bildrauschen profitieren. Mit der aktuellen Generation von Huawei-Smartphones kann das teure Mate Xs allerdings bei der Bildschärfe nicht ganz mithalten – sie ist gut, aber nicht herausstechend. Das gilt bei allen Lichtverhältnissen. Auch bei Videoaufnahmen befindet sich das Flat-Smartphone eher auf dem Niveau der Vorjahresgeräte - das fällt bei Videos sogar noch mehr als bei Fotos auf. So sind Videos etwa nur in 4K/30 möglich, immerhin dürfen Nutzer während der Aufnahme auf Haupt-, Weitwinkel- und Telelinse zugreifen und fließend zwischen ihnen wechseln.

Alle Originalaufnahmen mit dem Huawei Mate Xs (15 Bilder)

Auch wenn die Kamera des Mate Xs gut ist, dürften sicherlich einige Interessenten wegen des hohen Preises mehr erwarten. Das scheitert vermutlich am Platz im Gerät, außerdem bezahlen Käufer beim Falthandy einen guten Teil des Preises für die neue Falt- und nicht für die Kameratechnik.

4500 mAh klingen für ein 8 Zoll großes Display nicht gerade nach viel, tatsächlich saugt der Screen auch spürbar am Stromvorrat. So kommt das Smartphone im Battery Test von PCmark trotz etwas größerem Akku als im Samsung Galaxy Fold (Testbericht) auf ähnliche Laufzeiten von etwas über 8 Stunden, zusammengeklappt sind es sogar über 11. Insgesamt tut sich nicht viel im direkten Vergleich der beiden Modelle. Der Vorteil liegt aber beim Huawei-Gerät, da hier das 6,6 Zoll große Außen-Display hilfreicher als das kleine 4,6-Zoll-Panel ist und es entsprechend oftmals anstelle des Riesen-Bildschirmes zum Einsatz kommen dürfte. Ein normaler 2-Tages-Rhythmus zum Laden sollte also auch hier möglich sein, sofern keine Dauerzock-Sessions anstehen.

Im Gegensatz zu Samsung verzichtet Huawei beim Mate Xs auf kabelloses Laden, bei der Preisklasse gehört das eigentlich dazu. Dafür packt der chinesische Anbieter ein 60-Watt-Netzteil in den Lieferumfang, von dem das Smartphone 55 Watt nutzt und damit in unter einer Stunde wieder vollgeladen ist – ein guter Wert.

Das Huawei Mate Xs ist in Deutschland nur in der Farbe "Interstellar Blue” verfügbar, die außen ohnehin schwarz und nur aufgeklappt von hinten entfernt an Blau erinnert. Einzige Speichervariante ist das Modell mit 8/512 GByte. Der Preis ist bis zum Testzeitpunkt überraschend stabil und kaum niedriger als die UVP von 2499 Euro – das spricht für eine vergleichsweise hohe Nachfrage in Relation zur Anzahl verfügbarer Geräte.

Sind 2500 Euro zu viel für ein Smartphone? Ja, definitiv. Andererseits geben einige wenige betuchte Kunden auch gern ein Vielfaches davon aus, damit das eigene Mobiltelefon mit Edelsteinen individualisiert und auffällig genug ist – da ist das Mate Xs fast schon ein Schnäppchen. Zumal dafür technisch einiges geboten wird. Das Hauptmerkmal, das ausklappbare Display, sorgt nicht nur für interessierte und bisweilen neidische Blicke, sondern auch für einen echten Mehrwert. Der ist im Vergleich zum Samsung Galaxy Fold (Testbericht) noch einmal deutlich höher, denn beim Huawei-Modell bietet sich für die meisten Nutzungsszenarien das 6,6 Zoll große Haupt-Display weit besser als der kleine 4,7-Zoll-Screen bei Samsung an. Für passende Aufgaben wie Surfen im Netz oder Videoschauen darf dann der 8 Zoll große Hauptbildschirm seinen Zauber entfalten.

Möglich macht das die Klapprichtung nach außen, die allerdings neben den genannten Vor- auch Nachteile bietet. So ist das faltbare Display immer exponiert und verkratzt früher oder später - bloß gut, dass Huawei da in einem gewissen Rahmen kostenfrei Abhilfe schafft. Abgesehen vom Preis bietet das Mate Xs volle Alltagstauglichkeit, im direkten Vergleich zum Samsung Galaxy Fold ist die sogar höher. Spitzenergebnisse liefert das Gerät nicht nur dank seiner schieren Leistung, sondern mit nur wenig Einschränkung auch bei Kamera und Akku. Die größte Einschränkung ist leider wie in den letzten Monaten bei Huawei immer das Fehlen von Google-Diensten – richtig schade. Wer damit leben kann und gerade rund 2450 Euro (Straßenpreis) übrig hat, darf problemlos zugreifen. Er erhält dafür eines der faszinierendsten Smartphones am Markt.

Die derzeit einzige direkte Alternative ist das bereits erwähnte Samsung Galaxy Fold (Testbericht). Das Samsung Galaxy Z Flip (Testbericht) bietet zwar auch ein Falt-Display, versucht aber nicht, die Display-Größe zu maximieren, sondern eher den Formfaktor zu minimieren. Noch bessere Technik für weniger Geld bieten letztendlich Spitzen-Smartphones mit starrem Screen wie das Huawei P40 Pro Plus (Testbericht) oder das Samsung Galaxy S20 Ultra (Testbericht).

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