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Huawei Mate 10 Pro im Test: Angriff auf die Oberklasse

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Die Präsentation des neuen Huawei Mate 10 Pro hat die Erwartungen hochgeschraubt: OLED-Display, Doppel-Kamera mit Leica-Schriftzug und ein eigener KI-Prozessor versprechen ein Smartphone im High-End-Segment. Wir haben unser Mate 10 Pro ausgiebig unter die Lupe genommen und zeigen, wie sich das Huawei-Smartphone in der Praxis schlägt.

Neben dem Smartphone gehören Netzteil, Ladekabel mit USB Type C, USB-C auf 3,5mm-Klinke Adapter und Kopfhörer mit – Überraschung – USB Type C zum Lieferumfang. Außerdem finden wir ein SIM-Auswurf-Werkzeug und eine transparente Silikon-Schutzhülle in unserem Paket.

Huawei hat das Mate 10 Pro am Montag sehr selbstbewusst vorgestellt. Und das chinesische Unternehmen muss sich nicht vor der Konkurrenz verstecken. Das Flagship-Smartphone sieht sexy aus und hat ein eigenständiges Design. Größentechnisch hat sich zum Mate 9 nicht viel geändert – aber die neue Glas-Rückseite und das große OLED-Display im 18:9-Format werten den Qualitätseindruck auf. Die Verarbeitung ist tadellos. Der Gehäuserahmen aus Aluminium ist ebenso wie Display und Glasrückseite angenehm abgerundet; die Spaltmaße sind sehr gleichmäßig. Die spiegelnde Rückseite ist mehrschichtig aufgebaut und durch eine Gorilla-Glas-Oberfläche geschützt. Je nach Lichteinfall schimmert das Smartphone in unterschiedlichen Farbtönen.

Das Display ist zwar nicht komplett randlos, nimmt aber beinahe die gesamte Vorderseite ein. Die Seitenränder sind nur zwei bis drei Millimeter breit. Der Rand unterhalb des Displays ist gerade groß genug, um den Huawei–Schriftzug unterzubekommen. Oberhalb des Displays ist der Rahmen nur ein paar Millimeter breiter, als die dort platzierte Selfie-Kameralinse.

Um ein besseres Verhältnis zwischen Gehäusegröße und Bildschirmdiagonalen zu erreichen, haben die Designer den Home-Button mit Fingerabdrucksensor auf der Rückseite untergebracht. Er sitzt unterhalb der beiden Kamera-Linsen. Die Position ist besser gewählt, als beispielsweise beim Samsung Galaxy S8, bei denen der Finger statt auf dem Fingerabdruckscanner oftmals auf der Kameralinse landet. Ärgerlich finden wir, dass die Optik nicht bündig verbaut ist, sondern etwa einen Millimeter über das Gehäuse heraussteht. Damit sind die Kameras ohne Hülle ungeschützt und das Risiko für Kratzer und Beschädigungen steigt.

Die zwei Hauptkameras sitzen mittig im oberen Drittel der Rückseite. Eingerahmt werden die beiden Linsen von Fokus-Sensor und Doppel-LED-Blitz. Auf der rechten Gehäuseseite sitzen die Lautstärkewippe und der geriffelte Power-Button. Die Hardware-Tasten sind gut zu erreichen und haben einen angenehmen Druckpunkt. Auf der Unterseite finden sich Öffnungen für Lautsprecher, Mikrofon und USB-C-Port.

Ohne Hülle sind die Linsen der Hauptkamera ungeschüzt.

Für ausreichend Rechenleistung setzt Huawei auf den neuen Kirin-970-Chipsatz mit 8-Core-CPU und 12-Core-Grafikprozessor. Erstmals mit an Bord: eine eigenständige NPU; ein Prozessor für die künstliche Intelligenz. Im Antutu-Benchmark erreichte unser Testgerät beim ersten Anlauf 170.426 Punkte. Nach dem am Dienstag veröffentlichten Update schafft das Mate 10 Pro 172.023 Punkte. Damit reiht es sich zwar hinter Samsung Galaxy S8 (173.446 Punkte) und iPhone 7 (175.268 Punkte) ein, in der Praxis merken wir diesen kleinen Unterschied allerdings überhaupt nicht. Auch grafisch sehr aufwendige Spiele wie Asphalt 8 oder Dead Trigger 2 laufen in maximaler Auflösung absolut ruckelfrei, die Ladezeiten der Apps sind sehr kurz.

Der Dual-SIM-Einschub des Mate 10 Pro akzeptiert zeitgleich zwei LTE-SIM-Karten. Die internen 128 GByte Speicher müssen reichen, ein Speicherkartenslot ist nicht vorhanden. Eine Kopfhörerbuchse ist beim Mate 10 Pro ebenfalls nicht verbaut; dafür gehört aber ein passender Klinke-USB-Adapter zum Lieferumfang. Huawei setzt voll auf den neuen USB-C-Anschluss. Der 4000-maH-Akku, Netzteil und USB-C-Kabel sind erstmals vom TÜV zertifiziert. Huawei wirbt nicht nur mit höherer Sicherheit beim Laden, sondern verspricht auch eine längere Haltbarkeit des Akkus. Bei durchschnittlicher Nutzung hält das Mate 10 Pro gut zwei Tage lang durch. Heavy-User kommen bei intensiver Nutzung, trotz der hohen Kapazität nur einen Tag über die Runden. Sollte der Strom knapp sein, reichen 30 Minuten an der Steckdose und das Huawei Smartphone ist wieder zu über 50% aufgeladen.

Das Mate 10 Pro verfügt außerdem über NFC, einen Spritzwasser.- und Staubschutz nach IP67, WLAN 802.11 a/b/g/n/ac, GPS und Glonass. Zudem ist es das erste Smartphone mit schnellem LTE Cat18, wodurch Übertragungen mit bis zu 1,2 GByte pro Sekunde möglich sind. Aktuell ist das allerdings nur auf dem Papier von Vorteil, da das im Moment noch kein deutscher Mobilfunkanbieter unterstützt. Vom Tarif abhängig, wäre das Inklusive-Volumen nach wenigen Sekunden aufgebraucht.

Nicht randlos, aber trotzdem sexy.

Der eigenständige Prozessor für die KI steht auch für App-Entwickler zur Verfügung. Bereits im Auslieferungszustand hat die NPU ausreichend Gelegenheit zu zeigen, wofür sie gut ist. Eine der Hauptaufgaben ist es, die Prozesse und Abläufe des Nutzers zu analysieren, und die Prozessorleistung daraufhin zu optimieren. Neben einer höheren Geschwindigkeit soll die KI des Mate 10 Pro auch für einen reduzierten Stromverbrauch sorgen, der die Akkulaufzeit deutlich erhöhen soll.

Eine Anwendung, in der wir die Intelligenz des Huawei Smartphones direkt mitbekommen, ist die Foto-App. Die NPU analysiert das Kamerabild mit 30 Bildern pro Sekunde und das versucht in Echtzeit abzuschätzen, was der Nutzer eigentlich fotografiert. Huawei gibt an, die Software mit 100 Millionen Fotos angelernt zu haben, um eine möglichst präzise Einschätzung vorzunehmen. Kaum richten wir die Kamera auf eine Person, erscheint ein kleines Portrait-Symbol. Visieren wir einen Teller mit Lebensmitteln an, erscheint das Symbol eines Tellers. Je nach Situation stellt das Mate 10 Pro seine Kameraparameter passend ein, was die Bildqualität positiv beeinflusst. Die Qualität der Fotos ist auf jeden Fall beeindruckend.

Eine weitere Anwendung, bei der die NPU zum Einsatz kommt, ist die Übersetzungs-App von Microsoft. Diese arbeitet, laut Huawei, dank der NPU um ein vielfaches schneller, als ohne. In der Praxis konnten wir uns davon überzeugen, wie schnell das Programm vernünftige Ergebnisse liefert. Beeindruckend und in vielen Situationen sehr praktisch. Die App ist allerdings auch für alle anderen Android-Smartphones erhältlich. Im Praxistest fotografieren wir eine Seite aus einer Anleitung und lassen uns diese Übersetzen. Gestoppt wird die Zeit zwischen Auslösen der Kamera und dem Erscheinen des übersetzten Textes. Das Mate 10 Pro braucht dafür unter 2 Sekunden. Das HTC Play U braucht für dieselbe Aufgabe 6 bis 7 Sekunden.

Das Mate 10 Pro hat die äußeren Abmessungen eines Smartphones mit 5,5-Zoll-Display. Durch das geschickte Design mit den dünnen Rahmen hat es Huawei geschafft, einen 6,0-Zoll Monitor im 18:9-Format unterzubringen. Das OLED-Panel ist mit 2160 × 1080 hochauflösend; es kommt auf eine Pixeldichte von 402 ppi (Pixel per Inch). Damit ist die Darstellung gestochen scharf. Zumindest im Labor ist die maximale Helligkeit der Anzeige nicht überragend. Maximal 420 cd/m² ist bis zu 50 Prozent weniger, als die Konkurrenz zu bieten hat. In der Praxis hat das aber kaum Auswirkungen, denn auch bei direkter Sonneneinstrahlung ist das Display noch gut ablesbar.

Die Helligkeitsverteilung auf dem Display ist ebenfalls gut. Zwischen dem hellsten Punkt – bei unserem Testgerät oben rechts – und der dunkelsten Ecke (unten rechts) gibt es einen Unterschied von etwa 10 Prozent bei der Darstellung von weiß bei voller Helligkeit. Klingt nach viel, ist aber so wenig, dass man teures Messequipment braucht, um die Differenz festzustellen. Mit dem bloßen Auge erkennt man nichts.
Aufgrund der Tatsache, dass Huawei beim Mate 10 Pro auf ein AMOLED-Panel mit selbstleuchtenden Pixeln setzt, ist der Kontrast prinzipbedingt perfekt. Dementsprechend toll sehen auch Videos und Fotos mit hohen Kontrasten aus, und Farben wirken vielleicht nicht immer realistisch, aber richtig kräftig. Auch die Blickwinkelproblematik entfällt bei dieser Display-Technik, durch Lichtbrechung in der Schutzscheibe des Touchscreens gibt es aber dennoch minimale Verfärbungen, wenn man von der Seite und vor allem von unten auf die Anzeige blickt.

Huawei setzt voll auf USB-C und verzichtet auf einen eigenen Kopfhöreranschluss.

Softwaretechnisch ist das Mate 10 Pro auf dem aktuellsten Stand. Android Oreo ist vorinstalliert und als Oberfläche kommt die Huawei-eigene Oberfläche EMUI 8.0 zum Einsatz. Huawei hat die Versionsnummer nun an die von Android angepasst, um die Nummerierung verständlicher zu gestalten. Die Oberfläche gefällt uns gut; das ist aber Geschmackssache. Wer normalerweise mit der Standard-Oberfläche von Android arbeitet, wird sich erst daran gewöhnen müssen, da die Menüstruktur abweichend aufgebaut ist.
Außer den Google-Apps und der Übersetzungs-Software von Microsoft ist keine Bloatware vorinstalliert. Das gefällt uns – zumal der Speicher zwar üppig, aber nicht erweiterbar ist.

Die Positionierung von Kamera und Fingerabdrucksensor ist sinnvoll gewählt.

Das Positive vorweg: Die beiden Kameras des Mate 10 Pro liefern Fotos und Videos in guter Qualität. Auch bei Low-Light-Aufnahmen macht das Huawei-Smartphone einen sehr guten Job. Lediglich bei komplett dunkler Umgebung kommt das Mate 10 Pro an seine Grenzen. Die Dual-Kamera mit f/1.6 arbeitet nach einem bewährten Prinzip: Die höher aufgelöste schwarz-weiss-Kamera (20 Megapixel) sorgt für knackige Scharfe und gute Kontraste und der niedriger aufgelöste Farbsensor (12 Megapixel) sorgt für den Rest. Der Dynamikumfang ist beeindruckend. Selbst bei Fotos mit Gegenlicht sind Kontraste und Farben sehr stimmig. Die optische Bildstabilisierung arbeitet gut und ermöglicht auch in schwierigen Aufnahmesituation vernünftige Ergebnisse.

Die Selfie-Kamera auf der Vorderseite mit 8 Megapixeln Auflösung ist gut, kann aber mit der Dual-Kamera nicht mithalten. Es fehlt an Dynamik: Bei starken Helligkeitsunterschieden sind einige Bildteile deutlich zu hell, während sehr dunkle Bereiche leicht absaufen. Für ein Selfie ist die Qualität aber vollkommen ausreichend. Die Kamera-App hat einige Filter und Effekte integriert, für die sonst eigene Apps notwendig sind. Der Automatikmodus arbeitet insgesamt überraschend gut, deswegen nutzen wir den manuellen Profi-Modus nur selten. Die Szenenerkennung funktioniert zwar auch bei anderen Herstellern, die KI im Mate 10 Pro leistet an dieser Stelle aber auf jeden Fall einen guten Job. Videos landen mit bis zu 4K auf dem internen Speicher des Smartphones. Wir bevorzugen allerdings Full-HD-Auflösung bei einer Bildrate von 60 Bildern pro Sekunde. Diese sieht bei schnellen Bewegungen einfach besser aus.

Das Mate 10 Pro ist in den Farben titatium grey, midnight blue und mocca brown erhältlich. Eine Version in rose gold ist ebenfalls angekündigt.

Die farbige Glas-Rückseite ist ein optisches Highlight.

Angesteckt an einen Bildschirm wird aus dem Smartphone ein echter Computer. Dazu brauchen wir einen USB-C-HDMI-Adapter, der nicht im Lieferumfang enthalten ist, und einen Bildschirm mit HMDI-Anschluss. Das Display des Mate 10 Pro wird nicht nur auf den Monitor gespiegelt; es erscheint eine eigenständige Desktop-Oberfläche. Zur Bedienung unseres Android-PCs nutzen wir entweder eine Bluetooth-Tastatur und Maus oder den Touchscreen unseres Mate 10 Pro. Und auch hier hat Huawei gut mitgedacht: Nicht alle Inhalte des Smartphones landen automatisch auf dem angeschlossenen Monitor. SMS oder Messenger-Nachrichten ploppen nicht während einer Präsentation auf dem großen Bildschirm auf, sondern sind nur auf dem Smartphone selbst zu sehen. Das erspart peinliche Situationen. Vor allem beim Betrachten von Videos, Bearbeiten von Texten oder Abspielen von Präsentationen ist der Desktop-Modus besonders praktisch. Aber auch die Bearbeitung von E-Mails oder die Nutzung von sozialen Medien machen auf einem großen Bildschirm mehr Spaß.

Huawei Mate 10 Pro Dual-SIM braun

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Huawei Mate 10 Pro Dual-SIM grau

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Huawei Mate 10 Pro Dual-SIM blau

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Mit dem Mate 10 Pro hat Huawei eines der besten Smartphones im Programm. Zwar sind andere Geräte rechnerisch einen Tick schneller, aber das Huawei glänzt vor allem durch sein extrem gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Obwohl das Gerät erst ab Mitte/Ende November erhältlich ist, sind die Preise bereits von 799 Euro auf unter 750 Euro gefallen. Wer ein High-Class-Smartphone mit richtig Dampf und einer erstklassigen Kamera möchte, wird mit dem Mate 10 Pro sehr zufrieden sein. Durch die schnellen, drahtlosen Schnittstellen, aktuelle Android-Version und die USB-C-Schnittstelle ist das Huawei auch für die Zukunft gut gerüstet. Einzig der begrenzte Speicher kann für Heavy-User mit riesiger Filmsammlung ein Problem sein.

Must-Have Zubehör für das Mate 10 Pro, Vergleichstest Huawei Mate 10 gegen Google Pixel 2 XL

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