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Huawei Freebuds Pro im Test: Klasse ANC, heftiger Sound

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Huawei hat seine neuen Freebuds Pro auf den Markt gebracht. Im Gegensatz zu den Freebuds 3 handelt es sich bei der Pro-Version um echte In-Ears mit Silikonaufsatz, die in den Gehörgang eingesetzt werden und so guten Halt versprechen.

Kopfhörer sind so eine Sache: Was dem einen zu unbequem oder bassarm ist, stellt für den anderen das Non-Plus-Ultra dar. Das liegt in der Natur des Menschen, denn jeder Gehörgang ist anders und Geschmäcker unterschieden sich ebenfalls ganz erheblich. Daher empfehlen wir jedem Interessenten, Kopfhörer falls möglich vor einem finalen Kauf erst einmal möglichst ausführlich zu testen. Gerade bei In-Ears kann das ein Problem sein, denn die gelten mehr oder weniger als Hygieneartikel, eine Rückgabe kann sich also je nach Hersteller schwierig gestalten.

Die neuen Huawei Freebuds Pro sind genau solche In-Ear-Kopfhörer. Sie werden mehr oder weniger tief in den Gehörgang geschoben und über ihren Treibern stecken Silikonaufsätze. Das bietet gleich mehrere Vorteile: Der Gehörgang wird schon rein mechanisch abgeschirmt, dadurch funktioniert die zusätzliche aktive Geräuschunterdrückung noch einmal besser. Außerdem ist der Halt im Ohr deutlich stabiler als bei Modellen ohne Silikonpfropfen. Nachteil: Empfindliche Gemüter spüren schneller als bei anderen Formen einen unangenehmen Druck.

Bei einer UVP von knapp 180 Euro müssen die Huawei Freebuds Pro richtig gut sein, um mit der Konkurrenz mitzuhalten. Der Test erscheint in unserer Themenwelt True-Wireless. Dort haben wir beispielsweise die Highend ANCs von Sennheiser, die Momentum True Wireless 2 (Testbericht) und die Soundcore Spirit X2 (Testbericht) für Sportler getestet. Auch die Microsoft Surface Earbuds (Testbericht), die Powerbeats Pro (Testbericht), die Jabra Elite Active 65t (Testbericht) und die Huawei Freebuds 3 (Testbericht) mussten bereits zeigen, was sie können. Wer wissen will, welche Budget-Modelle verfügbar sind, sollte sich den Ratgeber Die günstigsten True-Wireless-Kopfhörer ansehen.

Huaweis Freebuds Pro kommen in einem kleinen, beinahe unscheinbaren Lieferkarton, auf dem auf weißem Grund die weiße Version der Kopfhörer abgebildet ist – dabei haben wir die in unseren Augen wesentlich schönere Version in “Silver Frost” im Test. Unsere Testgeräte präsentieren sich in einem gedämpften Grau-Silber im Chrom-Look – sehr schick. Die Ladeschale im Lieferumfang teilt diese Optik nur im Ansatz: Die Farbgebung bleibt zwar gleich, allerdings fehlt das glänzende Chrom-Finish. Schade, das hätte vermutlich noch schicker ausgesehen, allerdings wohl auch Fingerabdrücke schnell angezogen. Bei der matten Ladeschale ist das nicht der Fall.

Der Lieferumfang ist schnell abgehandelt: Abgesehen von den beiden Ohrhörern, die im Lieferzustand in der Transportbox stecken, finden Käufer noch ein USB-C-Kabel, etwas Papierbeilagen aka Garantiebedingungen und zwei weitere Größen an Silikon-Aufsätzen im Karton. Gerade den Aufsätzen kommt eine wichtige Bedeutung zu, mehr dazu im Abschnitt “ANC”.

Die Kopfhörer unterschieden sich optisch sich von der Konkurrenz durch einen kleinen, aber feinen Unterschied: An der typisch bauchigen Aufnahme für Treiber und Mikrofone, die im Betrieb mehr oder wenige in das Ohr geschoben wird, ist kein rundes, sondern ein eckiges Anhängsel angebracht. Darin befinden sich neben weiteren Mikrofonen und sonstiger Technik ein berührungsempfindlicher Bereich für die Gestensteuerung. Allein diese eckige Formgebung gibt den Freebuds Pro eine gewisse Eigenständigkeit, auch wenn das am grundlegenden Aufbau solcher Kopfhörer natürlich nichts ändert.

Alle Bilder zu den Huawei Freebuds Pro im Test (11 Bilder)

Huawei Freebuds Pro

Die Verarbeitung der Ohrstöpsel ist wie von Huawei gewohnt gut. Zwar bestehen die Freebuds außen komplett aus Kunststoff, dafür wiegen sie zusammen aber auch nur rund 12 Gramm. Auch die Ladeschale wirkt ausreichend hochwertig. Sie ist nicht mehr komplett rund wie bei den Freebuds 3, sondern oben und unten abgeflacht. Insgesamt hat sie etwas mehr Volumen als ein Mini-Babybel-Käse-Snack und wiegt mit ihren 60 Gramm auch mehr. In der Tasche stört das aber nicht weiter. Was auf den ersten Blick wie ein Touch-Feld oder Display mit Huawei-Schriftzug auf der Vorderseite aussieht, entpuppt sich beim Rumprobieren schnell als funktionsloses Designelement, das noch dazu auf der Rückseite angebracht ist.

Den Ladezustand der Transportbox vermittelt sie statt über das vermeintliche Display über eine einfache farbige LED, die unten neben dem USB-Anschluss positioniert ist. Da es neben Grün sowie Gelb und Rot nur drei Stati gibt, ist die Ladeangabe natürlich eher ungenau und nur als Richtwert zu verstehen. Gleiches gilt für die LED im Inneren der Box, die den Ladezustand der Kopfhörer angibt. Die bekommt der Nutzer zu sehen, indem er das obere Drittel der Transportbox nach hinten klappt, wobei das Scharnier im bereits angesprochenen Designelement mit Hersteller-Schriftzug steckt. Die Ladebox wird magnetisch geschlossen gehalten und wirkt insgesamt hochwertig. Einziger kleiner Kritikpunkt: Die Ohrstöpsel lassen sich etwas fummelig entnehmen. Sie werden ebenfalls magnetisch in der Box gehalten und bieten halb darin versenkt kaum Angriffsfläche für die Finger. Das ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau. Der erst auf den zweiten Blick auffindbare Knopf auf der Seite der Box dient zum Koppeln der Freebuds Pro. Er wird anschließend nicht mehr gebraucht, da sich die Kopfhörer bei jedem Aufklappen automatisch mit dem zuvor gekoppelten Gerät (zwei gleichzeitig sind möglich) verbindet.

Angetrieben werden die Huawei Freebuds Pro vom schon aus den Vorgängern bekannte Chip Kirin A1 aus eigener Produktion. Die Verbindung geschieht theoretisch über Bluetooth 5.2. Diese neue Version ist bislang aber kaum zu bekommen, die meisten Smartphones funken aktuell noch mit Bluetooth 5.1, was im Test aber keinerlei Probleme verursachte. Das bedeutet allerdings, dass LE Audio und der Codec LE3, der mit Bluetooth 5.2 eingeführt wurde, nicht genutzt werden kann – beides unterstützen die Freebuds Pro allerdings überraschenderweise ohnehin nicht. Stattdessen werden SBC und AAC als Codec verwendet, den Frequenzbereich gibt Huawei mit 20 bis 20.000 Hz an.

LE Audio (Low Energy) soll mit dem neuen Communication Codec (LC3) trotz im Vergleich zu SBC um rund 50 Prozent reduzierter Bitrate besseren Klang und dank Energieeinsparung weniger Stromverbrauch bringen. Außerdem kann LC3 Signale gleichzeitig an mehrere Empfänger senden. Damit ist es erstmals nativ möglich, beide Ohrstöpsel von In-Ears gleichzeitig anzusprechen, was unter anderem die Latenz von Signalen minimiert, da sie nicht mehr vom Sender über einen Ohrhörer zum nächsten gesendet oder mittels eigener, proprietärer Lösung der Hersteller verteilt werden müssen. Außerdem verbessert LE Audio den kabellosen Einsatz von Hörgeräten.

Multi-Connect, also die gleichzeitige Verbindung von mehreren Geräten, ist aber mit den Freebuds Pro möglich. Das klappt mit zwei Geräten, gekoppelt sein dürfen aber auch mehr Bluetooth-Komponenten. Die Kopfhörer entscheiden dann nach Signalstärke, mit welchen sie aktiv verbunden bleiben. Im Test funktionierte das gut. Wurde auf dem zweiten verbundenen Gerät Musik aktiviert, obwohl die bereits vom ersten übertragen wurde, passierte nichts. Spielten die Freebuds Pro hingegen gerade nichts ab, funktionierte der Zuspielerwechsel nahtlos. Wurde außerdem die Verbindung zu zwei verbundenen Geräten zu schwach, wurden automatisch andere zuvor gekoppelte Geräte in der Nähe verbunden – praktisch. Ein Huawei-Smartphone (wie früher) ist für diese Funktionen nicht mehr Voraussetzung, der Test wurde unter anderem mit einem Samsung Galaxy Note 20 Ultra (Testbericht) und einem Xiaomi Mi 10 Pro (Testbericht) durchgeführt.

Huawei baut in die kleinen Ohrstecker Treiber mit 11 Millimeter Durchmesser ein, die mehr Hub als bei älteren Modellen aufweisen sollen. Als besonderes Schmankerl sind sie mechanisch stabilisiert - ähnlich einem optischen Bildstabilisator in einer guten Smartphone-Kamera. Dadurch soll eine Änderung des Klangs bei Erschütterung vermieden werden. Das klappt tatsächlich ziemlich gut, im Test gab es bei normalen Bewegungen und auch beim Joggen keine Einschränkungen durch Erschütterung zu verzeichnen.

Neben den Treibern sind die eingebauten Mikrofone bei den Huawei Freebuds Pro fast genauso wichtig, denn mit ihrer Hilfe können Nutzer etwa freihändig Telefonieren und auch die aktive Geräuschunterdrückung (ANC) wird darüber abgewickelt. Huawei baut in jeden der beiden Ohrhörer drei Mikros ein – zwei nach außen, eines nach innen ins Ohr gerichtet. Für ANC verwendet das Headset je ein nach innen und ein nach außen gerichtetes Mikrofon, um Umgebungsgeräusche effektiv filtern zu können. Für Telefonate kommt zudem noch je ein Knochenschallsensor zum Einsatz, der für eine noch bessere Trennung von Außengeräuschen und eigener Sprache sorgen soll. Wie gut das alles funktioniert, klären wir in den folgenden Abschnitten.

Für die Verbindung mit dem Smartphone benötigt man grundsätzlich keine zusätzliche App. Ein längerer Druck auf den seitlichen Knopf auf die Ladeschale (bei eingelegten Kopfhörern und geöffneter Schale), dann eine Suche über das Bluetooth-Menü des Smartphones und schon wird eine Verbindung direkt und schnell erstellt. Zugriff auf verschiedene Einstellungen der In-Ears bekommen Nutzer aber nur über die AI-Life-App von Huawei. Im Test machte die anfangs allerdings einige Probleme.

Denn zwar gibt es eine Version der App im Play Store von Google, doch damit lassen sich die Kopfhörer nicht koppeln. Ein Update dafür gibt es ebenfalls nicht, angeblich handelt es sich dabei um die aktuelle Version. Eine Verbindung mit der App funktioniert nur, wenn man sie sich zuvor aus der App Gallery von Huawei herunterlädt. Dann zeigt ein Blick auf die Versionsnummer, dass die Version aus der App Gallery neuer ist. Hier sollte Huawei unbedingt nachbessern, zumal zumindest auf dem verwendeten Samsung-Smartphone bei jedem Aufruf der AI-Life-App Fehlermeldungen auftraten, dass die Huawei Mobile Services wiederholt abgestürzt seien. Ein Klick auf die Option “App schließen” brachte keine Abhilfe, allerdings funktionierte AI-Life ohne offensichtliche Einschränkung - nervig!

Alle Bilder zur AI-Life-App für die Huawei Freebuds Pro im Test (11 Bilder)

AI Life App

Sind diese Untiefen umschifft, präsentieren sich App und Freebuds Pro von ihrer besten Seite. Auf den ersten Blick zeigt sich die Akkukapazität von rechtem und linkem Freebud separat, außerdem wird hier der Ladezustand der Aufbewahrungsbox präsentiert. Im Test verlor der linke Ohrstöpsel immer etwas schneller an Laufzeit, die Differenz betrug bis zu 7 Prozentpunkte. Bei späteren Aufladungen wurde das aber langsam weniger. Direkt unter der Akkuangabe zeigt ein Bedienfeld den Zustand der Geräuschunterdrückung an. Ist sie aktiviert, besteht die Wahl zwischen den Modi Dynamisch (Unterdrückung wird automatisch an Umgebungslautstärke angepasst), gemütlich (für stille Umgebungen), Ausgeglichen (für laute Umgebungen) und Ultra (für sehr laute Umgebungen). Wir empfehlen, die dynamische Einstellung zu wählen - in der App sieht der Nutzer, welches Preset die Automatik gewählt hat, das Umschalten klappte im Test sinnvoll und schnell.

Neben ANC lässt sich hier auch der sogenannte Aufmerksamkeitsmodus einschalten. Über die Mikrofone leitet die Software dann Umgebungsgeräusche an das Ohr weiter, ohne dass der Nutzer das Headset ablegen nehmen muss. Eine besondere Option erlaubt dann außerdem noch das Hervorheben von Stimmen für einfacherer Konversation auch in lauter Umgebung. In einem weiteren Teilbereich der App dürfen Gesten zur Steuerung festgelegt und in begrenztem Umfang eingestellt werden. Unterschieden wird dabei zwischen kurzem (mehrfachem) Drücken, Gedrückt halten und Streichen. Gedrückt halten darf sogar für linken und rechten Ohrhöhrer getrennt eingerichtet werden – etwa links zum Aktivieren des Sprachassistenten und rechts, um ANC an- oder auszuschalten. Sogar dafür sind noch Differenzierungen möglich - ab Werk ist ein Wechsel von ANC an zu aus und bei weiterem langen Druck zum Aufmerksamkeitsmodus möglich - alle Möglichkeiten lassen sich in logischem Rahmen abschalten. Hier wurde toll mitgedacht, zumal die Steuerung über die Gesten nach anfänglichen Problemen und kurzer Eingewöhnungszeit gut funktioniert.

Außer Buttons zu Hilfe und für die Aktualisierung der Freebuds Preo gibt es zwei weitere wichtige Funktionen: Trageerkennung und Passtest für die Kopfhörer. Die Trageerkennung ist ab Werk aktiviert und funktioniert hervorragend. Nimmt man einen Ohrhörer aus dem Ohr, pausieren Musik oder Film. Hören mit nur einem Knopf im Ohr ist dennoch möglich, indem der Nutzer das angehaltene Medium einfach wieder per Geste am Freebud oder per Software fortsetzt. Bleibt als letzter Punkt der Passtest für den korrekten Sitz der Ohrstöpsel. Dabei wird kurz Musik abgespielt und die Software überprüft, ob der Gehörgang optimal ausgefüllt ist. Das funktionierte im Test hervorragend, Huawei diagnostizierte auf diesem Wege treffend, dass wir zu kleine Silikonaufsätze gewählt hatten. Das war uns zwar schon vorher klar, da die Geräuschunterdrückung damit nur sehr zurückhaltend funktionierte, es ist aber schön zu sehen, dass so auch Menschen ohne Erfahrung mit ANC-Kopfhörern effizient geholfen wird.

Kommen wir zum wichtigsten Punkt bei Kopfhörern: dem Sound. Kurz und knapp: Er begeistert uns. Das Klangbild ist ausgewogen, in der Grundeinstellung spielen sich weder Höhen noch Bass oder Mitten in den Vordergrund, stattdessen entsteht ein weitgehend ausgeglichenes Klangbild. Nachhelfen dürfen Nutzer mit dem Equalizer der jeweiligen App, mittels derer Mediainhalte konsumiert werden. Das klingt soweit in Ordnung, ist aber tatsächlich in diesem Kapitel unser größter Kritikpunkt: Wenn es mit AI Life schon eine eigene App gibt, warum spendiert ihr Huawei dann nicht einen systemübergreifenden Equalizer? Denn mit der im Test unter anderem verwendeten Spotify-App sinkt die Lautstärke mit zunehmender Anpassung des Klangs immer weiter, bei anderen Apps – etwa Amazon Music – ist das nicht so. So richtig schlimm ist das nicht, da auch bei Spotify trotz deutlichem Bass- und Höhen-Boost die maximale Lautstärke immer noch so hoch ist, dass die meisten Nutzer wohl nicht über einen längeren Zeitraum damit Musik hören werden. Dennoch wirkt das nicht ganz optimal gelöst.

Dank der Silikonaufsätze sitzen die Freebuds Pro fest im Ohr, tragen sich aber nicht unangenehm

Mit dem erwähnten Bass-Boost spielen die Huawei Freebuds Pro erstaunlich tief für so einen kleinen Treiber, an die vom Hersteller genannten 20 Hz glauben wir aber nicht. Wer damit Dubstep oder Hiphop hören will, wird immer wieder an die Grenzen der In-Ears stoßen. Das äußert sich nicht durch Klirren oder andere unschöne Geräusche, sondern einfach darin, dass besonders tiefe Frequenzen einfach leiser sind als andere. Dann ist bei Extrembeispielen wie Get Low von Lil Jon bei den ersten beiden Basedrums pro Takt fast kein Bass mehr zu hören - der kommt erst bei den nächsten beiden Schlägen und füllt dann den Raum schön aus. Ähnlich, wenn auch weit weniger stark ausgeprägt, ist es bei Wiggle von Jason Darulo und Snoop Dogg. Die aus drei Tönen bestehende Baseline ist in der höheren Oktave sehr druckvoll, eine Oktave tiefer lässt der Druck mit jedem Ton nach. Hier kommt die Physik schlicht und ergreifend an ihre Grenzen, ein echter Subwoofer passt einfach nicht in ein so kleines Gehäuse. Dennoch ist es beeindruckend, was Huawei für Normalhörer aus den Freebuds Pro herausholt.

Dabei gehen trotz sattem Wumms Mitten und Höhen nicht unter. Auf Wunsch spielen die Treiber klar und differenziert, sodass auch Fans von Metal, Schlager und Klassik auf ihre Kosten kommen. Für Elektro sind die Freebuds Pro ohnehin wie geschaffen. Der typische Soundbrei, der gerade bei dauerhaftem E-Gitarreneinsatz gern entsteht, ist bei den Huawei-In-Ears nicht zu verzeichnen. Bei solchen Musikrichtungen dürften die meisten Nutzer sogar auf die Originaleinstellung zurückgreifen oder die zuvor angehobenen Bassfrequenzen wieder etwas zurückschrauben. Lediglich ausgesprochen audiophile Menschen werden das letzte Quäntchen Klarheit und Differenziertheit vermissen. Ohne ANC ist kein Rauschen zu vernehmen.

Alle Angaben gelten nahezu unverändert auch für Telefonate. Nicht nur Gesprächspartner klingen natürlich, sondern die verstehen den Träger der Freebuds Pro ebenfalls richtig gut. Die Umgebungsgeräuschdämpfung bügelt zwar nicht alle Geräusche im Umfeld komplett nieder, das sorgt aber im Gegenzug dafür, dass der Klang der Übertragung ebenfalls als sehr natürlich empfunden wird. Rauschen oder Abhacken von Silben konnten wir im Test nicht verzeichnen – beides wären Anzeichen für eine zu aggressive Geräuschdämpfung.

Die Gestensteuerung über Sensoren an den eckigen Fortsätzen funktioniert nach kurzer Eingewöhnungszeit gut

Der Tragekomfort stimmt bei den Huawei Freebuds Pro. Im Testzeitraum hatten wir die Ohrstöpsel stundenlang in den Ohren. Unangenehmes Drücken empfanden wir dabei zu keinem Zeitpunkt, stattdessen waren wir von der gutem Abschirmung nach Außen (was sowohl den Träger vor der Umgebung als auch dessen Umgebung vor Belästigung schützt) als auch vom guten Halt im Ohr begeistert.

Funktioniert das auch in lauter Umgebung? Ja! ANC sei Dank werden dauerhafte, gleichmäßige Geräusche erstaunlich effektiv gedämpft, auch wenn je nach Einstellung durchaus unterschiedlich leises Rauschen zu hören ist. Das hört man aber nur in leiser Umgebung und wenn gerade nichts abgespielt wird. Da ANC naturgemäß vor allem in lauter Umgebung verwendet wird, geht das aber in den Außengeräuschen oder Musik unter. Stärker hörbar ist es im Aufmerksamkeitsmodus, der davon abgesehen aber gute Arbeit leistet und nicht wie bei vielen Konkurrenten zu hart und spitz klingt. Das gilt sogar für die Sprachverstärkung, die uns als sehr ausgewogen und ohne Schwankungen auffiel.

Der sonstige Klang ist von der Geräuschunterdrückung hingegen unbeeinflusst – wenn der Kopfhörer passgenau sitzt. Ansonsten kommt es auch schon mal vor, dass Bass bei aktiviertem ANC verstärkt wird, die Unterdrückung ansonsten aber kaum Auswirkung hat. Die Wahl des richtigen Silikonaufsatzes ist daher enorm wichtig, Hilfe bei der Wahl leistet indirekt die Passgenauigkeitstest, den wir bereits im App-Kapitel beschrieben haben. Steigende Latenz konnten wir bei aktiviertem ANC ebenfalls nicht feststellen. Stattdessen überzeugte die im Test mit quasi direkter Übertragung (Huawei verspricht 160 bis 180 ms wie bei den meisten Konkurrenzprodukten), sodass etwa bei Videos kein Zeitversatz zu Lippenbewegung von Sprechern festzustellen ist. Dass nur kontinuierliche Gerausche wie das Dröhnen der Flugzeugturbinen, ein Stimmengewirr im Freibad oder das Sauggeräusch eines Staubsaugers, nicht aber das Gekreische eines Babys effektiv unterdrückt werden kann, sollte klar sein. Je nach Art der Geräusche sind die bei aktiviertem ANC zwar nicht ganz weg, aber vor allem tiefe Frequenzen unterbinden die Freebuds pro sehr effektiv und die generelle Lautstärke wird deutlich reduziert.

Huawei gibt die Laufzeit mit 4 Stunden bei aktiviertem ANC und 7 Stunden ohne ANC an. Im Test haben wir fast durchgehend Geräuschunterdrückung verwendet und kamen sogar über die 4 Stunden – dabei war allerdings ANC im dynamischen Modus, der aufgrund der leisen Umgebungsgeräusche nur auf niedriger Stufe lief. Dennoch finden wir es erfreulich, dass Huawei hier keinen Bestwert angibt, sondern offensichtlich eher einen realistischen Durchschnittswert.

Zusammen mit dem 580 mAh starken Akku in der Transportbox sollen so 30 Stunden mit Ladeunterbrechung möglich sein – nach unseren Erfahrungen dürfte das hinkommen. Eine Ladung der Ohrhörer dauert dabei meist etwa eine halbe Stunde, sofern sie nicht komplett leer in die Box gesteckt werden. Die Ladeschale lässt sich entweder per Kabel oder Kabellos laden. Das erscheint auf den ersten Blick überflüssig, Smartphones wie das Huawei P40 Pro (Testbericht) beherrschen allerdings Reverse Charge und können so die Kopfhörer kabellos aufladen, indem sie auf die Rückseite des Telefons gelegt werden.

Die Reichweite der Bluetooth-Verbindungen stellte sich im Test als gut heraus, zudem ist die Verbindung stabil. In einer Wohnung müssen Nutzer selbst durch zwei Wände hindurch erst bei über 10 Metern mit gravierenden Abbrüchen rechnen. Das haben wir schon deutlich schlechter gesehen.

Die Huawei Freebuds Pro sind in den Farben Schwarz, Weiß und Silver Frost erhältlich. Die UVP liegt bei 179 Euro, der Straßenpreis zum Testzeitpunkt kaum darunter.

Das ist ein richtig tolles Paket, das Huawei bei den Freebuds Pro schnürt. Die Kopfhörer sitzen gut im Ohr, sodass sie weder beim Sport rausfallen noch nach längerem Gebrauch unangenehm werden. Der Sound ist toll, nur außergewöhnlich Anspruchsvolle vermissen womöglich das letzte Quäntchen Klarheit und Tiefbassfetischisten müssen sich Bauartbedingt nach größeren Over-Ears umschauen. Das gilt auch für Personen, die das allerbeste ANC wollen – das ist zwar für in-Ears bei den Freebuds Pro richtig gut, teurere und größere Modelle haben hier aber bisweilen noch etwas mehr zu bieten. Selbst der Akku – bei den Freebuds 3 noch eine echte Baustelle – zeigt sich durchaus ausdauernd, ohne zum absoluten Langläufer zu mutieren. Fast 180 Euro sind zwar kein Pappenstil, die Freebuds Pro sind es aber wert.

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