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Huawei Band 2 Pro im Test: überwacht Schlaf, Puls, Aktivität

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Das Band 2 Pro von Huawei ist ein Fitness-Tracker mit integriertem Pulsmesser, GPS und Schlafüberwachung. Unser Test zeigt Stärken und Schwächen des 100-Euro-Gerätes.

Das Huawei Band 2 Pro kommt in simplem Schwarz, links und rechts des Passive-Matrix-Bildschirms (PMOLED) sind Edelstahlstreifen als zusätzliches Designelement angebracht. Unterhalb des Bildschirms befindet sich ein kapazitiver Taster. Das Band 2 Pro hält mit einem Gummiband am Handgelenk. Der Verschluss ist fest, der Tracker sitzt auch bei sportlicher Aktivität stabil am Arm. Das Gummiband ist angenehm zu tragen, es schneidet nicht ein und verursachte im Test keine Hautirritationen. Es lässt sich zwar nicht so einfach wechseln wie etwa bei der Nokia Steel HR (Testbericht). Auf Amazon gibt es aber bunte Alternativen, die sich statt des Original Armbandes nutzen lassen. Der Fitness Tracker ist bis 50 Meter wasserdicht und explizit fürs Schwimmen geeignet.

Standardmäßig zeigt das Band 2 Pro die Uhrzeit samt Datum und die aktuell zurückgelegten Schritte an. Dass die Wochentage nur in englischen Lettern erscheinen, darüber können wir hinwegsehen. Im oberen Bereich gibt es zusätzlich Indikatoren, die die Verbindung per Bluetooth LE und den Ladezustand des Akkus zeigen. Die verschiedenen Bildschirme schaltet man überraschend intuitiv per Drehung des Handgelenks durch oder einfach über den Knopf unterhalb des Bildschirms. Die Inhalte sind auf dem PMOLED-Bildschirm gut zu sehen, nur bei direkter Sonneneinstrahlung müsste das Display heller sein.

Beim Zubehör gibt sich Huawei sparsam: Neben etwas Dokumentation liegen eine Ladeschale sowie ein Micro-USB-Kabel bei. Ein Adapter für die Steckdose gibt es nicht.

Die Konfiguration des Fitness Trackers

Ohne die passende App auf dem Smartphone lässt sich das Band 2 Pro nicht in Betrieb nehmen. Direkt nach dem Auspacken erhält man nur die Anweisung, Huawei Wear herunterzuladen. Das ist veraltet, sowohl auf iOS wie auch auf wurden alle Funktionen inzwischen in die App Huawei Health integriert. Aber auch diese App will mehr: Sie verlangt auf Android zusätzlich die Huawei Mobildienste. Vor dem ersten Start soll außerdem ein Konto eingerichtet werden. Schon klar, hier soll mit der Cloud synchronisiert werden, aber wir hätten die App gerne ohne eigenen Online-Account getestet. Neben einem neuen Konto lässt sich ein Google-Konto auf dem Smartphone verknüpfen – OpenID sei Dank. Danach möchte die Health-App das Geburtsdatum erfahren, das ist für die Berechnung einiger Werte wichtig. Jetzt endlich ist der Zugriff möglich. Immerhin: Der Abgleich mit der Huawei-Cloud ist optional und die App weist deutlich darauf hin.

Die Koppelung des Band 2 Pro ist einfach: Ganz unten in der App wählt man das zu verknüpfende Gerät, aktiviert Bluetooth, sieht anschließend die verfügbaren Geräte und kann das Armband wählen. Die Koppelung muss auf dem Band 2 Pro bestätigt werden. Das ist gut gelöst und stärkt den Datenschutz. Gerade Bluetooth-LE-Geräte verbinden sich gerne mit jedem Gerät, das eine Anfrage stellt. Auf Wunsch bietet Android an, den Tracker als vertrauenswürdiges Gerät einzurichten, mit dem der Bildschirm automatisch entsperrt wird, wenn es in der Nähe ist. Direkt danach ist der Aktivitäts-Tracker einsatzbereit, zeigt die aktuelle Uhrzeit an und zählt Schritte. In der App kann man weitere Einstellungen treffen, etwa zum Schlaf-Tracking, zum Wecker oder zu Benachrichtigungen. Auch Firmware-Updates erfolgen über das Smartphone. Mehr dazu in der Bilderstrecke:

Die Health App an sich ist gelungen: Huawei hat sich von Samsung Health inspirieren lassen. Das ist kein schlechtes Vorbild. Die Applikation ist übersichtlich, optisch ansprechend gestaltet und sammelt alle relevanten Informationen. Mehr zu den einzelnen Funktionen besprechen wir in den jeweiligen Kategorien.

Thema Datenschutz: Huawei Health verlangt zahlreiche Berechtigungen. Das liegt daran, dass die App Daten an das Band 2 Pro weiterleitet, etwa auch Anrufe samt Kontaktinformationen. Dazu kommt die Kommunikation in die Cloud, wenn Daten abgeglichen werden. Diese erfolgt aber verschlüsselt. Den Kontozwang finden wir, wie oben erwähnt, nervig. Daten lassen sich auf Wunsch mit anderen Diensten wie Google Fit oder Apple Health Kit teilen.

Bis zu 10 000 Schritte sollte man in der Standardeinstellung täglich zurücklegen.

Huawei setzt die zu erreichenden Schritte standardmäßig auf 10.000 fest. Es gibt zwar um die Zahl etwas Kontroversen, sicher ist aber, dass Bewegung an sich nie schädlich ist. Die eigentliche Schrittzahl lässt sich in der App anpassen. Die Schritterkennung ist alltagstauglich. Es reicht nicht, das Handgelenk herzumzuwedeln, gleichzeitig muss man sich auch nicht auf einen besonderen Gang achten. Der Tracker macht das, was er soll: Er belohnt es, wenn man sich mehr bewegt. Es hilft, die Treppe statt den Aufzug zu nehmen oder eine Station zu laufen statt mit Tram oder Bus zu fahren. Längere Spaziergänge fließen zuverlässig in die Statistik ein. Auch wenn man das Ziel der 10.000 Schritte nicht jeden Tag erreicht, so bewegt man sich doch mehr – genau das ist der Sinn.

Das Huawei Band 2 Pro erkennt, wenn der Nutzer lange stillsitzt. Ob man glaubt, dass „Sitzen das neue Rauchen“ ist, oder sich einfach nur ab und zu bewegen will – der Tracker informiert mit einem Vibrationsalarm und empfiehlt ein kurzes Programm zum Strecken. Bei konzentriertem Arbeiten ist das aber schnell nervig, so dass wir die Funktion im Test bald deaktivierten.

Die dritte Funktion ist ein Atemtraining. Dieses soll helfen bewusst ein- und auszuatmen. Das ist ein nettes Gimmick und offensichtlich der Versuch, ein wenig auf den „Achtsamkeit“-Trend aufzuspringen. Wer es mag, kann es nutzen, wer es ignoriert, dem fehlt auch nicht wirklich etwas.

Das Band 2 Pro zeichnet automatisch den Puls des Nutzers auf. Im Normalmodus erfolgt das alle 30 Minuten, bei einem Workout jede Sekunde. Gerade über einen längeren Zeitraum gibt das einen guten Überblick zum eigenen Puls. Dabei ist der Tracker aber weniger genau als etwas ein Pulsgurt oder die Messung im Ohr. Entsprechend sollte man sich nicht stur daranhalten, sondern es eher als Trend sehen.

Der Pulsmesser des Huawei Band 2 Pro. Er misst den Puls alle halbe Stunde, während eines Workouts geschieht das jede Sekunde.

Das Band 2 Pro bietet direkt die Funktion, ein einfaches Lauftraining zu starten. Das Armband zeichnet dann die Strecke per GPS, die Pulsrate im Sekundentakt und die Zeit auf. Die Daten fließen zurück in die App auf dem Smartphone, die daraus eine Übersicht zum jeweiligen Lauf bastelt. Das sieht gut aus, vor allem bei regelmäßiger Nutzung zeigen sich Trends sehr klar. Wer strukturiert laufen möchte, dem bietet Huawei Health mehrere Laufpläne sowie die Möglichkeit, eigene Trainingspläne zu erstellen. Die App wertet die Trainingsdaten in Kooperation mit dem Anbieter Firstbeat aus. Das Ziel ist eine Verbesserung der Ausdauer des Anwenders. Trainingspläne reichen vom Heranführen an einen 5-km-Lauf bis zum Marathon. Gerade für Anfänger ist das ein guter Start, da die App sowohl an Laufeinheiten erinnert wie auch das Tempo während des Laufs überwacht. Sie ersetzt aber keinen professionellen Coach. Wer bei null anfängt, sollte sicherheitshalber in die ein oder andere Trainingsstunde investieren, damit sich keine Fehler einschleichen. Der Tracker erkennt Laufpausen nicht automatisch.

Neben normalem Outdoor-Laufen ist auch Indoor-Training, Radfahren oder Schwimmen möglich. Die jeweiligen Aktivitätskarten lassen sich über Huawei Health zuweisen und sortieren. Eine clevere Besonderheit gibt es beim Schwimmen: Die Aufzeichnung wird hier nicht über die Taste, sondern über zweimaliges Klopfen mit dem Fingerknöchel gestartet. Das macht Sinn, da der kapazitive Taster im Wasser nicht zuverlässig funktioniert.

Ein Wermutstropfen bleibt aber: GPS saugt die Batterie leer. Unser Testgerät fiel nach einer knappen halben Stunde Laufen von 50 Prozent auf 0 Prozent Batterieleistung. Für längere Laufstrecken muss das Band 2 Pro also voll geladen sein – blöd, wenn man das Laden vergisst. Allerdings sind 0 Prozent nicht gleich leerem Akku. Wir konnten das Training bequem abschließen und auslaufen, die Daten wurden immer noch übertragen. Wer GPS nicht nutzt, sondern nur seine Bewegungen im Alltag und den Schlafrhytmus überwacht, kommt mit einer Akkuladung 1,5 bis 2 Wochen aus.

Das Tracking des Schlafverhaltens zeigt gut, wann man wie lange in welcher Phase geschlafen hat.

Die Überwachung des Schlafs hat uns sehr gut gefallen. Das Armband ist beim Schlaf nicht störend, erkennt das Einschlafen automatisch und zeichnet leichten wie tiefen Schlaf sowie Wach- und REM-Phasen sauber auf. Alle Informationen fließen in die App, die daraus ein übersichtliches Schlafprofil erstellt. Darauf basierend gibt Huawei Health Tipps für einen besseren Schlaf. Mangels Labor lassen sich diese Daten nicht wirklich objektiv nachvollziehen. Während des Tests konnten wir den eigenen Schlaf aber subjektiv verbessern, indem wir uns an Tipps zu Schlafdauer, Sport oder Ernährung hielten. Nachmittägliche Nickerchen fließen ebenfalls ins Tracking mit ein, zumindest, wenn sie nicht zu kurz sind.

Während der Nacht lassen sich Phasen definieren, in denen das Armband automatisch in einen Nicht-Stören-Modus wechselt. Dabei wird auch das Aufleuchten des Displays durch Bewegung deaktiviert, so dass es nachts nicht stört. Um wieder aufzuwachen, lassen sich mehrere Wecker einrichten, etwa getrennt nach Werktagen und Wochenende. Das Band 2 Pro bietet dabei eine smarte Weckfunktion. Diese legt das Signal in einen Zeitraum von zehn Minuten. Erkennt der Tracker, dass wir gerade am Aufwachen sind oder eine Tiefschlafphase verlassen, weckt es innerhalb dieses Zeitraums über einen Vibrationsalarm. Subjektiv macht dies das Aufstehen leichter, wobei der Tester eher zu den Morgenmuffeln zählt. Der lautlose Alarm weckt allerdings keine Mitschläfer (Frau, Kind), was durchaus positiv ist.

In Android kann in der App die Benachrichtigung für jedes Programm definiert werden. In iOS übernimmt Huawei die systemweiten Einstellungen für Push-Dienste

Das Band 2 Pro empfängt Benachrichtigungen vom Smartphone per Bluetooth. Bei iOS lassen sich Push-Nachrichten schicken, der Tracker empfängt dann die Push-Nachrichten, die zentral erlaubt wurden. Android-Nutzer können in der Health-App entscheiden, welche Applikationen Nachrichten schicken dürfen. Das Armband zeigt bei E-Mails oder Chat-Nachrichten den Betreff oder Inhalt der Nachrichten an. Das geschieht über maximal drei Bildschirme, längere Mitteilungen werden abgeschnitten. Das reicht aber um zu sehen, ob eine eingehende Nachricht wichtig ist.

Gleiches gilt für Anrufe: Die Nummer oder Kontaktdaten des Anrufes zeigt das Armband, von einer Vibration begleitet, auf dem Display an. Über einen langen Druck lässt sich der Anruf ablehnen, ein kurzer nimmt ihn am Smartphone an. Während das Ablehnen von Anrufen durchaus praktikabel ist, ist die Funktion zum Annehmen auf diese Weise eher sinnlos.

In der Praxis haben wir viele Benachrichtigungen nach dem Einschalten gleich wieder deaktiviert. Besonders wenn viele E-Mails eingehen, vibriert das Gerät zu oft, das reißt schnell aus der Konzentration. Wichtig: Die Benachrichtigungen klappen auf Android zuverlässig, im Web melden Nutzer aber Probleme mit iOS.

Das Ladegerät ist klein - fast zu klein.

Ohne GPS-Nutzung ist die Akkulaufzeit bei allen aktivierten Funktionen gut. Nach einer Woche waren wir bei 50 Prozent Ladeleistung, trotz Benachrichtigung und Schlafüberwachung. Eineinhalb bis zwei Wochen sind problemlos möglich. Wie oben erwähnt, frisst das GPS-Tracking beim Training massiv Strom, 50 Prozent in einer halben Stunde sind durchaus realistisch.

Aufgeladen ist das Band 2 Pro in knapp 90 Minuten. Wenig gefallen hat uns die Ladeschale. Diese ist so klein, dass wir mehrfach Angst hatten, sie zu verlieren. Ja, es ist löblich, dass Huawei ein wechselbares Kabel eingebaut hat. Weil sich der Tracker aber ohne die kleine Ladeschale nicht mehr aufladen lässt, hätten wir uns eine Lösung gewünscht, die man nicht so leicht übersieht oder die nicht einfach aus der Tasche fallen kann.

Huawei Band 2 Pro

Für den Preis ist das Huawei Band 2 Pro ein sehr gutes Allroundgerät, der gerade auch Sportmuffeln hilft, die allgemein mehr aktiv sein wollen. Das Gerät zählt Schritte realistisch, die Auswertung des Schlafs ist sehr gut. Die zugehörige App führt an das Thema Laufen gut heran, der Fortschritt ist dabei gut zu sehen. Nervig ist, dass die App zwingend einen Account einfordert, damit der Tracker in Betrieb genommen werden kann.

Die Akkulaufzeit ist sehr gut, zumindest solange kein GPS-Tracking aktiv ist. Bei längeren Laufstrecken fällt aber die stromfressende GPS-Funktion negativ auf, diese saugt den Akku zu schnell leer. Gerade bei einem Gerät, das mit Ausdauertraining wirbt, passt das nicht. Hier wäre ein größerer Akku Pflicht.

Positiv ist das angenehme Tragegefühl. Trotz eines Armbands aus Gummi, das zur Pulsmessung stramm angelegt werden muss, fällt das Band 2 Pro im Alltag und beim Schlafen nicht störend auf. Da es sich an beiden Armen problemlos tragen lässt, kann es auch zusätzlich zu einer normalen Uhr getragen werden. Unterm Strich liefert Huawei mit dem Band 2 Pro einen guten Fitness-Tracker mit einem soliden Preis-Leistungsverhältnis für Gelegenheitssportler und Leute, die „endlich mal mehr tun“ möchten.

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