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Huami Amazfit Stratos im Test: günstige GPS-Sportuhr

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Fünf Tage Laufzeit, GPS und Pulsmesser sowie Trainingsfunktionen. Die Huami Amazfit Stratos macht im Test viel richtig, schwächelt aber bei der Software.

Der Hersteller Huami ist eng mit Xiaomi verflochten und produziert teilweise unter einem Eigenlabel, teilweise unter dem Xiaomi-Brand Fitness-Tracker und andere Wearables. So ist beispielsweise der Tracker Mi Band 3 (Testbericht) bei Xiaomi angesiedelt, die Sportuhr Amazfit Stratos kommt dafür von Huami selbst.

Die Uhr kann durchaus beeindrucken: Mit ordentlicher Akkulaufzeit, eigenem GPS und Platz für Musik tritt sie in direkte Konkurrenz zur Garmin Vivoactive 3 Music (Testbericht) – kostet aber 80 Euro weniger.

Direkt nach dem Auspacken hinterlässt die Amazfit Stratos einen guten Eindruck. Sie ist hochwertig verarbeitet. Das Keramik-Gehäuse in Kevlar-Optik sieht allerdings deutlich schwerer aus, als es in Wirklichkeit ist. Eine Metalllünette umschließt das runde Display aus Gorilla-Glass, auf der rechten Seite sind drei Knöpfe angebracht. Lediglich das mitgelieferte Silikonarmband wirkt etwas billig. Huami nutzt einen Standardschnellverschluss für Armbänder. Wer möchte, kann ohne Werkzeug ein beliebiges anderes Armband mit Schnellverschluss einsetzen, solange es 22 mm breit ist.

Um die Uhr in Betrieb zu nehmen, muss sie mit der Smartphone-App gekoppelt sein. Dazu zeigt sie einen QR-Code auf dem Display, den die App einscannt und so die Verbindung herstellt. Die eigentliche Einrichtung geht dann zügig vonstatten. Negativ ist, dass man die Uhr nur mit einem Account bei Huami nutzen kann. Im Testfeld war bislang nur die Suunto 3 Fitness (Testbericht) ohne Kontozwang einsatzfähig.

Die App zur Amazfit Stratos ist einfach gehalten. Die Statusanzeige liefert die wichtigsten Daten im Überblick. Dazu gehören die Schritte, der Puls und aufgezeichnete Schlafdaten. Schade ist, dass der Minimalismus auf Kosten der Übersicht geht. Bei den Schlafdaten etwa hätte sich Huami ein Beispiel an Fitbit oder Huawei nehmen können – die Daten sind einfach unübersichtlich aufbereitet. Ein weiteres Manko: Uhr und App sind nicht auf Deutsch übersetzt. Chinesisch muss man aber auch nicht lernen, die englische Sprache ist gut umgesetzt.

In den Einstellungen zur Uhr kann man zwischen 15 verschiedenen Ansichten für die Ziffernblätter wählen oder ein eigenes Bild verwenden. Ansonsten gibt es relativ wenig zu tun, Funktionen wie etwa das Setzen eines Alarms sind auf die Uhr ausgelagert.

Sowohl die App wie auch die Software auf der Uhr wirken, als wären sie mit der heißen Nadel gestrickt worden. Beide sind nicht schlecht, aber gerade im Bereich Nutzerführung gibt es viel Luft nach oben.

Die Steuerung der Uhr ist sehr gewöhnungsbedürftig. Die Kombination aus Wischgesten, kurzem und langem Druck auf die Tasten ist wenig durchgängig. Mal muss man auf dem Display wischen, mal einen Knopf drücken. Dazu kommt die reine Funktionsvielfalt der Uhr. Selbst komplette Trainings lassen sich direkt auf der Amazfit Strato planen, allerdings nicht in der App – was deutlich bequemer wäre. So kommen zahlreiche Kleinigkeiten zusammen, die das Betriebssystem der Uhr einfach unfertig wirken lassen.

Auf der anderen Seite sind viele gute Funktionen in Uhr und App integriert. Nicht nur lassen sich Musik-Dateien per Bluetooth auf die Uhr laden, das geht auch mit GPX-Streckendaten. Parallel dazu lassen sich zu allen Trainings die Daten speichern und auf den PC herunterladen.

Die Uhr zeichnet ständig Herzfrequenz und Bewegung auf. Wir hatten allerdings im Test den Eindruck, dass sie auf Schritte weniger gut reagiert als die Fitbit Versa (Testbericht), die Garmin Vivoactive 3 Music (Testbericht) oder die Huawei Fit (Testbericht). Wir mussten den Arm deutlich mitbewegen, damit Schritte gezählt wurden, oft sprang die Zahl erst nach einer längeren Pause nach oben. Es reicht dennoch, um einen groben täglichen Überblick über die eigene Aktivität und die zurückgelegten Schritte zu erhalten. Wir würden raten, die Tagessziele etwas niedriger zu setzen als bei anderen Trackern. Anders als die Garmin-Geräte passt die App zur Amazfit Stratos das Ziel nicht automatisch an.

Die Trainingsansicht zeigt alle relevanten Daten, verschiedene Ansichten lassen sich durchschalten.

Beim Thema Training kann die Uhr so richtig punkten. Dank Bluetooth, eigenem GPS-Modul und Platz für Musik kann man das Smartphone getrost daheimlassen, wenn man eine der 14 hinterlegten Aktivitäten angeht. Neben den Klassikern Laufen, Walken und Radfahren sind auch Schwimmen (im Pool und dem offenen Wasser), Skifahren, Tennis, Fußballspielen oder Seilspringen hinterlegt.

In einem Probelauf hat sich die Uhr als solider Begleiter erwiesen. Vom Start bis zum GPS-Fix dauert es etwa drei Minuten, danach zeichnet sie die Strecke zuverlässig auf. Die Musikwiedergabe per Bluetooth funktioniert gut, allerdings kann man während des Trainings nicht auf Playlisten zugreifen. Im Test mit dem OnePlus Bullet Wireless (Testbericht) konnten wir Songs über ein doppeltes Drücken auf die Kabelfernbedienung weiterschalten. Auch die Kontrolle der Lautstärke war kein Problem.

Neben den aktuellen Laufdaten kann man über den mittleren Knopf weitere Ansichten durchschalten. Dazu gehören etwa die aktuelle Herzfrequenzzone oder die zurückgelegte Strecke. Einzelne Laufstrecken lassen sich vorab im GPX-Format auf die Uhr übertragen, beim Training kann die Amazfit Stratos auf die Daten zugreifen und sie anzeigen. Dieses Feature ist etwa bei Garmin den Uhren der Oberklasse vorbehalten. Nach dem Ende des Trainingslaufs kann man sich von der Uhr sogar zum Ausgangspunkt zurücklotsen lassen. Hier schlägt aber die unreife Software wieder zu: Die Funktion muss ausgewählt werden, bevor man das Training komplett beendet.

Überhaupt verstecken sich viele Funktionen in Untermenüs. Ein Beispiel: Die Uhr kann sich eigentlich mit einem Bluetooth-Pulsgurt verbinden. Das Pairing läuft aber nicht über das Standardmenü, über das man etwa auch Bluetooth-Kopfhörer anmeldet, sondern über den Punkt Accessories, der bei den sportlichen Aktivitäten zu sehen ist. Triathleten sollten zudem ebenfalls vorsichtig sein, wie die Seite The5KRunner meldet, lassen sich bei der Trainingsart Triathlon keine GPX-Daten exportieren.

Während des Trainings waren die Informationen gut zu erkennen, das Display war beim bewölkten Training draußen gut abzulesen.

Der Musik-Player ist schlicht, aber funktional.

Der integrierte Musik-Player ist relativ simpel aufgebaut: Er spielt auf der Uhr gespeicherte MP3s ab, wahlweise nacheinander oder im Zufallsmodus. Im Test gefällt, dass sich MP3s sowohl über die USB-Ladeschale wie auch direkt vom Smartphone auf die Uhr hochladen lassen. Am PC ist dabei keine zusätzliche Software notwendig, die Uhr meldet sich als MTP-Gerät im Dateimanager.

Integration in Streaming-Dienste wie Spotify oder Deezer, wie es die Fitbit Versa oder die Garmin Vivoactive 3 Music bieten, hat die Amazfit Strato nicht an Bord. Schade, denn mit dem integrierten WLAN könnte man so vor dem Lauf noch aktuelle Podcasts oder eine passende Playlist synchronisieren. Wenn man aber die Probleme sieht, die die Streaming-Dienste in den Tests zur Versa und Vivoactive 3 Music machen, ist die einfache Integration des MP3-Players ein guter Weg.

Auf der Uhr werden die Schlafphasen gut dargestellt.

In der Nacht stört die kleine und leichte Uhr nicht. Sie erkennt die verschiedenen Schlafphasen und zeichnet diese auf. Dabei sind die Informationen solide und vergleichbar mit den Ergebnissen anderer Sportuhren und Fitness-Tracker. Der Wecker lässt die Uhr vibrieren und ist stark genug, um den Tester zuverlässig wachzubekommen. Leider ist es kein smarter Wecker wie beim Huawei Band 2 Pro (Testbericht). Dort lässt sich ein Weckzeitraum einstellen. Erkennt der Tracker in dieser Zeit, dass der Nutzer aus dem Tiefschlaf aufwacht, aktiviert er den Wecker in dieser Aufwachphase.

Nicht gefallen hat uns die Präsentation in der App. So werden etwa die Farben der Graphen nicht den einzelnen Schlafphasen zugewiesen. Das machen die Apps von Fitbit, Huawei oder Garmin deutlich besser. Schade, denn in der Uhr selbst sind die Daten zum Schlaf deutlich übersichtlicher aufbereitet.

Die Amazfit Stratos integriert sich sehr gut in die Benachrichtigungen von Smartphones. Die Macher nutzen den verfügbaren Platz intelligent, so dass man auch längeren Nachrichten problemlos folgen kann. Die Uhr macht sich mit einer leichten Vibration bemerkbar, die Benachrichtigung erscheint direkt auf dem Display. Das gleiche gilt für eingehende Anrufe. Diese lassen sich auf der Uhr aber weder annehmen noch ablehnen: Mikrofon oder Lautsprecher hat sie nicht, so dass das Telefonat am Smartphone stattfindet.

Im Alltag hielt die Huami Amazfit Stratos bis zu fünf Tage durch, bevor sie wieder an die Steckdose muss. Stromfresser sind die WLAN-Funktion, GPS, aber auch die kontinuierliche Herzfrequenz-Messung. Auch Trainingseinheiten machen sich verstärkt bemerkbar. Die maximale Akkulaufzeit mit GPS gibt Huami mit 35 Stunden an. Die Uhr selbst gibt eine grobe Vorhersage aufgrund der Akkukapazität: Bei einem Ladestand von 38 Prozent verspricht sie immer noch 13 Stunden GPS-Nutzung. In der Realität sollte man etwas vorsichtiger sein. Eine 20-minütige Laufrunde mit GPS verschlang knapp sieben Prozent der Akkuleistung.

Ein weiteres Problem scheint es bei Firmware-Updates zu geben. Nach dem Update auf die Firmware 2.3.6.0 war die Uhr innerhalb von zwei Tagen komplett leer – und das bei normaler Nutzung ohne Sporteinheiten. Nach dem Neustart hatte sich das Problem behoben, aber insgesamt scheint die aktuelle Firmware mehr Strom zu benötigen als die Vorgänger. Das weist auf versteckte Stromfresser hin.

Die Huami Amazfit Stratos ist bei folgenden Anbietern verfügbar:

Huami Amazfit Stratos schwarz

Amazfit Stratos, schwarz

(Kein Produktbild vorhanden)

Edelstahlarmband

Anzeige: Wir haben unser Testgerät vom China-Shop TomTop erhalten. Leser von TechStage.de erhalten die Uhr mit Gutscheincode dort knapp 20 Euro günstiger. Dazu müssen sie nur diesem Link folgen und beim Checkout den Promotion-Code SJAMAZFIT eingeben. Der Versand erfolgt aus China.

Keine Frage, die Huami Amazfit Stratos ist ein absoluter Preiskracher. Als Sportuhr macht sie dazu einen ordentlichen Job, auch wenn sie im Test Schritte weniger präzise aufzeichnet als etwa Geräte von Fitbit oder Garmin. Dafür ist sie im Training ein vollwertiger Ersatz für ein Smartphone, im Testfeld steht sie damit mit der Garmin Vivosport 3 Music allein.

Das größte Manko ist die Software: Nicht nur ist sie nicht übersetzt, viele Funktionen sind in Untermenüs versteckt oder einfach nicht ohne weiteres aufzufinden. Schade, denn eigentlich ist die Amazfit Stratos eine rundum gelungene Uhr für Sportler, die nicht wie ein Pulsmesser aussieht.

Wer mit diesen Einschränkungen leben kann, sollte zuschlagen.

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