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Honor Play im Test: günstiges Smartphone für mobile Gamer

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Grafikpower für PUBG Mobile und Fortnite: Wir zeigen im Test, wo das Honor Play auftrumpft und wo die Designer seltsame Entscheidungen getroffen haben.

Honor, die günstigere Marke von Huawei, hat die Gamer für sich entdeckt. Das Honor Play lockt diese Zielgruppe mit Funktionen wie einem ordentlichen Grafikchip, genügend Rechenleistung und einem schönen Display. Hardwareseitig bringt das Play genügend Power für Spiele wie Fortnite und PUBG Mobile mit. Im Test hat uns eher die Software und die Platzierung der Anschlüsse genervt.

Man merkt, dass Honor zu Huawei gehört. Wie beim aktuellen Huawei Mate 20 Pro (Testbericht) oder beim Huawei P20 Pro (Testbericht) setzt das Unternehmen auf ein Gehäuse aus Metall. Unser Testgerät besteht aus einem blauen Metallblock, es fühlt sich gut an und sieht ebenso aus. Spaltmaße konnten wir im Test nicht erkennen, auch knarzt nichts. Das Display besitzt gebogene Kanten, die gut aussehen, aber beim Spielen nerven (mehr dazu weiter unten). Die Glaskante der Front endet knapp vor dem Rand, es gibt also keine über die Kanten gezogenen „Edges” wie beim Mate 20 Pro. Alles in allem fasst sich das Smartphone richtig gut an. Insgesamt ähnelt das Design dem des ZTE Axon 9 Pro (Testbericht).

Der Lieferumfang des Honor Play.

Auf der Rückseite sitzt links oben eine Dualkamera, das Design erinnert ans Huawei P20 Pro. Mittig oben ist der gut zugängliche Sensor für den Fingerabdruck untergebracht. Der erkennt den Benutzer in der Praxis erfreulich schnell, was aber nichts über die Sicherheit aussagt. Am unteren Rand sitzen die Lautsprecher, mittig ein USB-C-Anschluss und links zusätzlich eine Buchse für 3,5-mm-Klinkenstecker. Dieser ist inzwischen eine Seltenheit.

Im Paket liegen neben dem Smartphone eine Silikonhülle, ein Quick-Charge-Adapter von Huawei, ein knapp ein Meter langes USB-A- zu USB-C-Kabel sowie Kopfhörer mit Klinkenstecker. Ein Adapter von Klinke auf USB-C ist nicht dabei.

Im Inneren des Smartphones arbeitet eine CPU vom Typ Hisilicon Kirin 970 mit insgesamt acht Prozessorkernen. Diese liefern einen Takt zwischen 509 MHz und 2361 MHz. Intensive Applikationen wie Spielen hilft zusätzlich eine Grafikeinheit Typ Mali-G72 MP12. Dazu kommen 4 GByte RAM.

Bei den Benchmarks erreicht das Honor Play im 3DMark für Android im Slingshot-Extreme-Test 2293 Punkte mit Opengl ES 3.1 und 3265 Punkte mit der Vulkan-Grafikengine. Im direkten Vergleich von 3Dmark liegt das Honor Play deutlich hinter dem Top-Gerät, das AGM X3 erreicht dort 4665 Punkte. Zum Vergleich, das Google Pixel 3 XL kommt auf 4275 Punkte. Im VRmark schafft das Smartphone im Amber Room 2489 Punkte, was ein durchschnittlicher Wert ist.

USB-C und Kopfhörer-Buchse, das Honor Play besitzt beide Anschlüsse.

Inhalte stellt das Gerät auf seinem IPS-Display mit einer Auflösung von 2340 × 1080 Pixel dar. Der 6,3-Zoll-Bildschirm hat damit eine Pixeldichte von 409 ppi. Das ist ein guter Wert, den die meisten aktuellen Smartphones erreichen, und sorgt für eine gestochen scharfe Darstellung. Wie viele akutelle Geräte hat auch das Honor eine Notch für verschiedene Sensoren und die Frontkamera im Display. Wer das nicht mag, kann sie in den Einstellungen deaktivieren (und sollte das zum Zocken auch tun).

Im Antutu Benchmark schafft das Honor Play 205.772 Punkte. Zum Vergleich: Das Mate 10 Pro (Testbericht) erreicht 172.023 Punkte, das Galaxy Note 9 (Testbericht) 206.349 Punkte. Beide Geräte sind deutlich teurer als das Honor Play.

Im PCMark erreicht das Smartphone im Szenario „Work 2.0 Performance“ insgesamt 7359 Punkte. Dieser Benchmark simuliert alltägliche Arbeitsaufgaben des Smartphones. Damit liegt das Gerät im Vergleich mit anderen Android-Smartphones weiter hinten. Der Grund dafür ist der Arbeitsspeicher: 4 GByte RAM sind zwar okay, ein Gaming-Smartphone dürfte aber ruhig 6 oder 8 GByte haben.

Daten können Nutzer auf 64 GByte internem Speicher ablegen. Nach dem ersten Start stehen davon 51,65 GByte zur Verfügung, das sind knapp 80 Prozent, ein vergleichsweise guter Wert. Neben dem Betriebssystem sind eine ganze Reihe von Applikationen vorinstalliert, etwa Netflix, Amazon oder verschiedene Honor-Apps. Diese lassen sich leider nicht komplett deinstallieren, sodass der Platz immer belegt bleibt.

Das Honor Play hat einen Slot für Micro-SD-Karten. Es handelt sich dabei allerdings um einen Hybrid-Slot, der entweder eine Speicherkarte oder eine zweite SIM für Dual-SIM-Funktionen aufnimmt. Im Storage-Benchmark des PCMark erreicht das Smartphone 14.385 Punkte und landet damit unter den Top 10 der verglichenen Smartphones. Im Alltag reicht der Platz problemlos aus. Selbst Speicherfresser wie Fortnite mit seinen 1,72 GByte finden darauf genügend Platz. Die Spiele bestätigen in der Praxis übrigens die Ergebnisse des Benchmarks: Sie laden angenehm schnell.

Benchmark-Tabelle
Antutu VRMark PC Mark 3D Mark Slingshot Extreme
Work Battery Storage OpenGL ES 3.1 Vulcan
Honor Play 205.722 2489 7359 8:01 Stunden 16.200 2993 3286

Der Name verrät es, Honor sieht im Play vor allem auch ein Smartphone für Zocker. Die technischen Daten stützen das; vor allem der schnelle Grafikchip passt hier gut ins Bild. Für den Test haben wir uns vor allem in PUBG Mobile gestürzt. Selbst in den höchsten Einstellungen bei Grafik und Framerate gab es weder Ruckler noch sonstige Denkpausen. Das Spiel lief stets flüssig, die Eingaben wurden sauber umgesetzt.

Die Notch nervt: Fortnite (links) schneidet sie ab, dadurch verliert man aber Platz. PUBG Mobile legt sie übers Spiel, dadurch verdeckt sie teilweise Spielelemente.

Während der Spieltests fielen uns mehrere störende Faktoren im Design auf: Das Honor Play wird ziemlich warm, bis zu 40 °C maß unser Infrarot-Thermometer an einzelnen Stellen. Das ist selbst durch die mitgelieferte Silikonhülle deutlich bemerkbar. Störend ist außerdem die Positionierung des USB-C-Anschlusses sowie der Kopfhörerbuchse. Hält man das Gerät in beiden Händen, muss man um die jeweiligen Stecker herumgreifen. Das ist nicht gerade intuitiv, hier gefällt uns der Designansatz des Asus ROG Phones besser: Das hat den USB-C-Anschluss seitlich.

Der letzte Punkt betrifft das Display. Zuerst die Dislplay-Einkerbung aka Notch: Die nervt beim Spielen. Entweder wird der Bereich ignoriert und abgeschnitten, wie es etwa Fortnite macht. Oder sie legt sich einfach übers Spiel und verdeckt die Sicht, wie in PUBG Mobile. Punkt Nummer 2 sind die gerundeten Displayecken. Das sieht als Design sicher gut aus, im Spiel geht Platz verloren. In PUBG Mobile etwa sieht man unten links den Akkustand des Smartphones nicht mehr.

Der nächste Kritikpunkt sind die Lautsprecher. Die liefert zwar einen ordentlichen Sound, im Spielmodus verdeckt man sie aber leicht mit der Hand. Die Folge ist ein dumpfer Klang, mit dem die Ortung der Gegner schwerfällt. Wir raten daher beim Spielen in jedem Fall zu Kopfhörern, idealerweise sollten es welche mit Bluetooth (Übersicht) sein. Im Test mit den Bose Soundsport Wireless (Testbericht) und den Oneplus Bullets Wireless (Testbericht) kam ein ziemlich gutes Spielgefühl auf, bei dem wir die Gegner anhand ihrer Geräusche gut orten konnten.

Honor setzt beim Play auf eine Dualkamera, die mit „künstlicher Intelligenz” verstärkt gute Bilder schießen soll. Das funktioniert im Alltag sehr gut. Je nachdem, worauf man die Kamera richtet, lädt sie Voreinstellungen wie „Essen”, „PKW”, „Pflanze” oder „Herbstlaub”. Die Bilder wirken intensiv und sehen gut aus – allerdings nur bei genügend Licht. Sobald es dunkel wird, hat das Honor Play schnell Probleme.

Auf dem Smartphone ist Android 8.1 Oreo installiert, die Sicherheits-Patches stammen vom Juni 2018. Dass es selbst im November 2018 noch keine aktuelleren Updates gibt, spricht nicht für den Hersteller. Dafür soll das Smartphone noch im November 2018 Android 9 Pie erhalten. Wir aktualisieren den Artikel, wenn das Upgrade eintrifft.

Honor verwendet die Emui-Oberfläche von Huawei, auf dem Testgerät war die Version 8.2.0 installiert. Wie die meisten Launcher ist Emui Geschmackssache. Es setzt auf große Icons und orientiert sich am klassischen iOS-Look ohne App-Drawer. Das muss nicht schlecht sein, und wer damit partout nicht leben will, der kann einen der vielen alternativen Launcher wie den Nova Launcher problemlos installieren.

Honor bietet dem Nutzer an, dass er ungenutzte Apps aus dem System werfen kann. Das Problem dabei: Das betrifft scheinbar auch die Game Suite. Die ist aber unter anderem notwendig, damit das „4D Smart Shock”-Feature genutzt werden kann. Dadurch soll das Smartphone in wenigen unterstützten Spielen wie das Gamepad einer Konsole mit Rütteleffekten verschiedene Aktionen kommentieren. Honor bietet keine Option, diese App wieder zu installieren, weder über den Google Play Store noch über das Huawei-App-Portal. Die einzige Möglichkeit ist, die Anwendung als APK aus dem Web zu laden und manuell zu installieren. Da es aber keinen offiziellen Download gibt, muss man die Anwendung irgendwo im Web suchen und anschließend die Installation aus unbekannten Quellen erlauben – und hebelt so das Android-Sicherheitssystem aus. Aber, ganz ehrlich, auf die App kann man auch verzichten. Sie löst weder das Notch-Problem, noch bringt sie andere, nennenswerte Vorteile. Auch die Rüttel-Funktion konnten wir trotz intensiver Suche nicht mehr finden.

Die Akkulaufzeit messen wir mit dem Akkutest des PCMark für Android. Das Smartphone startet vollgeladen, die Bildschirmhelligkeit ist auf 200 cd/m2 kalibriert. Das entspricht in diesem Fall etwa drei Viertel der maximal möglichen Helligkeit. Der Test simuliert dauerhaftes Arbeiten, vom Scrollen durch Dateien bis hin zur Manipulation von Bildern. In diesem Dauertest hielt das Honor Play 8:01 Stunden durch. In der Praxis geht das noch länger, in der normalen Nutzung sind zwei Tage locker machbar.

Power-Taste und Lautstärkeregler sitzen auf einer Seite.

Anders sieht es aus, wenn man längere Spiele-Sessions plant. Bei einem vollgeladenen Gerät mussten wir nach vier bis fünf Runden PUBG Mobile wieder an die Ladebuchse. Das zeigt, wie sehr das Spiel das Smartphone fordert. Gamer sollten sich also zusätzlich eine Powerbank mit ordentlicher Kapazität (Übersicht) zulegen. Geladen war das Honor Play nach rund 90 Minuten, ein normaler Wert für diese Geräteklasse.

Honor liefert das Play in fünf verschiedenen Ausführungen. Diese unterscheiden sich nur durch die verwendeten Farben. Drei sind normal: Blau, Schwarz und Violett. Dazu kommen zwei Player Editions in den Farben rot und schwarz. Technisch unterscheiden sich diese Geräte nicht, sie bieten aber ein verziertes Gehäuse. Ob das den Aufpreis von fast 50 Euro wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Honor Play  64GB/4GB blau

Honor Play, blau

Honor Play  64GB/4GB schwarz

Honor Play, schwarz

Honor Play  64GB/4GB violett

Honor Play, violett

Honor Play  64GB/4GB Player Edition rot

Honor Play, Player Edition, rot

Honor Play  64GB/4GB Player Edition schwarz

Honor Play, Player Edition, schwarz

Als Mittel- bis Oberklasse-Smartphone macht das Honor Play eine sehr Figur. Doch um als „Gaming”-Smartphone Erfolg zu haben, reicht ein hipper Name nicht. Offensichtlich hat man sich bei Honor nur wenig Gedanken darüber gemacht, wie man das normale Handy-Design ändern müsste, damit es für Spieler taugt. Das beginnt bei den Anschlüssen. Beim Spielen muss man komisch umgreifen, denn gerade bei Vollbildtiteln will man beide Hände bequem am Display haben. Dann die Software, gerade der Fauxpas mit der Game Suite ist eigentlich zu peinlich, als dass es durch die Qualitätsprüfung rutschen dürfte.

Dabei ist das Smartphone eigentlich nicht schlecht. Wer mit den runden Bildschirmecken und der Notch leben kann, wer die (überflüssige) Game Suite ignoriert, der bekommt ein kleines Kraftpaket, das auch bei anspruchsvollen Spielen einen guten Job macht. Und das zu einem Preis ab unter 300 Euro.

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