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Honor 9X Pro im Test: Kampfansage mit 256 GByte

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Mehr Speicher, mehr Leistung und wieder die ausfahrbare Frontkamera – aber keine Google Dienste mehr. Geht das Rezept des Honor 9X Pro im Test auf?

Das Honor 9X (Testbericht) überzeugte uns durchaus. Allerdings gab es zu dem Modell, das vor rund einem halben Jahr auf den Markt kam und eher aus der Not geboren war, schon direkt zum Marktstart bessere Alternativen. Grund waren die US-Sanktionen, die Huawei zwangen, im Prinzip auf ein älteres Modell zurückzugreifen, um trotzdem Google-Dienste verwenden zu dürfen. Am US-Bann hat sich bis heute nichts geändert. Die Huawei-Tochter Honor hat sich daher beim – zumindest in Deutschland – neuen Honor 9X Pro gleich dafür entschieden, auf die Google Mobile Services (GMS) zu verzichten und setzt ausschließlich auf seine eigenen Dienste (HMS). Als Ausgleich lockt das Modell mit besonders viel Speicher, starker Performance und verbesserter Kamera. Zu einem Spitzenpreis.

An der Optik des Honor 9X Pro hat der Hersteller im Vergleich zum normalen Honor 9X (Testbericht) kaum etwas geändert. Allerdings kommt auf der Rückseite zu den Kanten jetzt gerundetes Glas zum Einsatz, der Rahmen besteht hingegen weiterhin aus Kunststoff. Optisch fällt das nicht auf, erst in der Hand spürt man die fehlende Kühle. Auch so ist das mit 164 × 77 × 8,8 Millimeter und fast 200 Gramm gleich große Pro-Modell beeindruckend genug, besonderes Augenmerk verdienen die fehlende Notch im Display und das Design der Rückseite. Den Notch-freien Screen realisiert Honor wie schon beim normalen Modell mittels einer nur bei Bedarf ausgefahrenen Frontkamera, die Rückseite versieht das Unternehmen mit einem schicken Farbverlauf von Dunkelblau zu Lila. Uns gefällt das sehr gut, zumal auch das je nach Lichteinfall erscheinende X wieder vorhanden ist – beim Pro-Modell aber dezenter und nur bei genauem Hinsehen erkennbar.

Alle Bilder zum Honor 9X Pro (12 Bilder)

Hier stört dieses Mal auch kein Fingerabdrucksensor die Lichtspiele, denn der ist jetzt von der Rückseite in die seitliche Power-Taste gewandert und funktioniert gewohnt gut. Insgesamt liegt das Smartphone dank gerundeter Kanten und guter Verarbeitung angenehm in der Hand. Abstriche muss man nur wegen der Größe machen, die die Einhandbedienung verbietet. Außerdem ist das Glas der Rückseite wie immer recht rutschig. Etwas störend fanden wir zudem die ab Werk applizierte Schutzfolie auf dem Display. Sie mag zwar tatsächlich vor Kratzern schützen, ist aber an den Rändern etwas scharfkantig. Entfernen ist hier aber problemlos möglich. Wie der kleine Bruder bietet leider auch das Pro-Modell keinen IP-Schutz.

Die Display-Diagonale misst 6,6 Zoll, die Auflösung beträgt 2340 × 1080 Pixel – offensichtlich verwendet der Hersteller im normalen Modell und im Pro das gleiche Panel. Das legt auch unsere Helligkeitsmessung nahe, die erneut rund 400 cd/m² ergab. Entsprechend überzeugt auch hier die gute Blickwinkelstabilität. Die lässt zwar wie bei den meisten LCDs ab einem bestimmten Blickwinkel reduzierte Helligkeit erkennen, das passiert aber nur verhalten und ohne nennenswerte Farbverfälschungen. Zu den wenigen Einstellungsmöglichkeiten gehören Anpassungen der Farbtemperatur, ein augenschonender Nachtmodus und eine optionale Reduzierung der Full-HD+-Auflösung auf HD+ zum Stromsparen. Ein Always-on-Display gibt es nicht.

Die Triple-Cam des Honor 9X Pro entspricht bei der Hardware genau dem Arrangement im Honor 9X (Testbericht): Hauptkamera mit 48 Megapixel und Blende von f/1.8, Superweitwinkel mit 8 Megapixel und f/2.4er Blende. Die dritte Kamera ist wieder eine Datenblatt-schmückende Alibi-Linse zur Tiefenerkennung mit 2 Megapixel. Eigentlich müssten die Ergebnisse dann auch gleich ausfallen, doch weit gefehlt. Grund dürfte der neue Chipsatz des Pro-Modells sein, der eine NPU und andere Bildbearbeitungseinheiten verwendet. Im Resultat geraten Fotos mit der Hauptkamera schärfer; die Dynamik-Unterschiede zwischen Haupt- und Weitwinkelkamera fallen wesentlich schwächer aus. Die sichtbar niedrigere Bildschärfe des Weitwinkels bleibt leider. Insgesamt ist der Sprung in Sachen Qualität nicht riesig, aber bemerkbar, sodass jetzt durchaus von ordentlicher Mittelklasse-Qualität gesprochen werden darf – zumindest im unteren Preisbereich.

Fotos mit dem Honor 9X Pro (7 Bilder)

Einen weiteren Unterschied gibt es bei Nachtaufnahmen. Hier steigt ebenfalls die Bildschärfe an, außerdem werden Aufnahmen besser aufgehellt. Hinzu kommen ein passenderer Weißabgleich und ein erweiterter Dynamikumfang, wodurch etwa leuchtende Motive wie Werbeschilder nun besser zu erkennen sind. Videos profitieren nicht von der verbesserten Bildschärfe. Da bei FHD/60-Auflösung Schluss ist, fehlt es einfach grundsätzlich an Bildpunkten, auch bei der Bildstabilisierung gibt es keinen nennenswerten Fortschritt.

Bei der Kamera macht sich der neue Kirin 810 im Honor 9X Pro schon positiv bemerkbar, beim täglichen Gebrauch hingegen kaum. Das hat zwei Gründe: Einerseits performte schon das normale Modell richtig gut, mit rund 300.000 Punkten im Antutu-Benchmark ist das Pro-Modell aber auf dem Papier auch nur etwa 10 Prozent schneller – das ist tatsächlich im Alltag kaum zu bemerken. Neben der NPU, deren künstliche Intelligenz unter anderem für bessere Fotos zum Einsatz kommt, ist der neuere Chip außerdem im 7-Nanometer-Verfahren hergestellt. Das verspricht niedrigeren Stromverbrauch.

Der Rest ist weitestgehend mit dem normalen Honor 9X (Testbericht) identisch. So ist etwa wieder schnelles 5-GHz-WLAN an Bord. Zusätzlich gibt es endlich auch einen NFC-Chip. Neben einem USB-C-Anschluss hat das Handy zudem eine klassische Kopfhörerbuchse – gut für Freunde des analogen Ports. Massig nachgelegt hat Honor beim Speicher. 6 GByte RAM und satte 256 GByte interner und zusätzlich erweiterbarer Speicher sind in der 250-Euro-Klasse eine Kampfansage. Ein Grund für die plötzliche Spendabilität des Herstellers: Als Huawei-Tochter ist auch Honor vom US-Bann betroffen und darf unter anderem keine Google-Dienste mehr verwenden.

Das bedeutet: Kein Google Maps, kein Google Drive, kein Play Store und einiges mehr. Zwar arbeiten Huawei und Honor weiterhin mit Hochdruck daran, entsprechende Gegenstücke bereitzustellen, das klappt aber längst nicht in allen Bereichen – und wenn, dann nicht immer genauso gut. So gibt es zwar Cloud-Speicher, ein vorinstalliertes Maps-Pendant fehlt derzeit aber noch. Auch die App Gallery, Huaweis Counterpart zum Play Store, weist noch lange nicht alle Apps aus dem Google-Appstore auf. Die Fortschritte im Vergleich zu einer Zeit vor wenigen Monaten sind hier zwar durchaus zu sehen, je nach Nutzungsverhalten finden sich aber immer noch eine Menge Apps, die fehlen oder einfach nicht richtig funktionieren. Bisweilen gibt es auch nur Links zu den offiziellen Download-Seiten einzelner Anbieter wie Whatsapp. Dort können Interessenten dann zwar ohne Sicherheitsrisiko die gewünschte App herunterladen, automatische Updates funktionieren aber unter Umständen nicht. Alternativ bieten sich App Stores von Drittanbietern an, etwa FDroid oder PureAPK.

Übrigens lief auf unserem Testgerät nur Android 9 mit EMUI 9.1.1 als Nutzeroberfläche und der Sicherheits-Patch stammte von November 2019. Das wirkt beinahe so, als hätten wir ein Modell aus China erwischt – dort gibt es das Honor 9X in der Form, die wir in Deutschland jetzt als Pro-Modell haben, schon wesentlich länger. Eigentlich muss unabhängig vom Preis hierzulande Android 10 installiert und der Sicherheitspatch deutlich aktueller sein.

Wie beim Honor 9X (Testbericht) hat der Akku des Honor 9X Pro ebenfalls eine Kapazität von 4000 mAh. Dennoch hält das neuere Modell im Battery Test von PCmark eine gute Stunde länger durch – wie das? Grund dürfte der bereits angesprochene, energieeffizientere Kirin 810 sein. Das macht zwar auch das Pro-Modell nicht zum Dauerläufer, zwei Tage normale Nutzungsdauer sollten aber meist drin sein. Schnellladetechnik gibt es weiterhin nicht, im Karton liegt nur ein Ladegerät mit 10 Watt. Dafür gehen die rund 1,5 Stunden Ladezeit sogar voll in Ordnung.

Knapp 250 Euro verlangt Honor für das deutsche 9X Pro in der UVP. Wer über die Website des Herstellers bestellt, bekommt das kabellose Headset Honor Sport Pro im Wert von 40 Euro kostenlos dazu. Außerdem sinkt der Kaufpreis durch einen auf der Website angegebenen Rabattcode auf knapp 220 Euro. Andere Speicherkonfigurationen gibt es dort nicht, außerdem nur die Farbgebung Phantom Purple, die auch unser Testmodell hat.

An der Hardware gibt es in Anbetracht von 220 Euro inklusive kabellosem Headset nichts auszusetzen: Schneller und vergleichsweise sparsamer Prozessor mit NPU, ordentlich RAM, richtig viel interner Speicher und im Gegensatz zum normalen 9X auch endlich NFC sind top. In Kombination mit dem schicken Design und dem jetzt noch ausdauernderem Akku überzeugt das 9X Pro eigentlich auf ganzer Linie. Aber eben nur eigentlich.

Denn einerseits ist die Kamera angesichts des niedrigen Preises zwar absolut in Ordnung, letztendlich gibt es da trotz Verbesserung aber noch Luft nach oben – ansonsten wäre das 9X Pro schon fast Konkurrenz für Geräten mit doppeltem Preis. Wichtiger sind aber die fehlenden Google-Dienste. Denn aktuell ist das Angebot von Konzernmutter Huawei bei Apps noch nicht auf Augenhöhe mit Google und das macht den Umgang mit dem Honor 9X Pro für den Großteil der Interessenten derzeit noch vergleichsweise unkomfortabel. Wer das nicht scheut, bekommt viel Hardware für wenig Geld.

Wie gut die Hardware wirklich ist, geht aus unserer Bestenliste: Top 10 der Smartphones bis 200 Euro hervor – so viel Speicher gibt es dort nicht zu finden. Da müssen Kaufinteressenten schon deutlich tiefer in die Tasche greifen, wie etwa unserer Ratgeber: Die besten Smartphones bis 400 Euro zeigen. In beiden Fällen geht es um den Straßenpreis, Honor verlangt die im Text genannten 220 Euro hingegen als Angebotspreis direkt vom Händler. Die eigentliche Preisempfehlung ist mit 250 Euro auch nicht viel höher.

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