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Honor 20 Pro: Top-Smartphone mit Spitzenkamera im Test

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Das Honor 20 Pro bietet Spitzentechnik, schickes Design und gleich vier Kameras – und das zum Schnäppchenpreis. Wir klären im Test, ob das Modell mit der Smartphone-Elite mithalten kann.

Bei der Vorstellung der Honor-20-Reihe hatte der Hersteller richtig Pech. Denn kurz zuvor hatte US-Präsident Donald Trump seinen Bann über chinesische Firmen verhängt, der ihnen den Zugriff auf US-amerikanische Technologie unmöglich machen soll. Zu den betroffenen Firmen gehören auch Huawei und Tochterfirma Honor. Beide setzen bei ihren Smartphones auf Android als Betriebssystem, was bekanntlich vom US-Konzern Google stammt. Durch den Bann darf Google nun aber keine Technologie mehr an Honor liefern – auch keine Software. Entsprechend war die Aufregung zum Vorstellungsdatum groß: Sind Honor 20 und Honor 20 Pro mangels Software-Support schon vor Marktstart Rohrkrepierer?

Inzwischen ist bekannt: Keine Regel ohne Ausnahme, außerdem sind chinesische Firmen dank Regierungszugeständnissen im Handelskrieg offenbar doch plötzlich nicht mehr ganz so böse. Sowohl Huawei als auch Honor haben inzwischen ein Update-Versprechen auf einer eigens dafür eingerichteten Internet-Seite gegeben. Darin heißt es ausdrücklich, dass Sicherheitspatches weiterhin verteilt werden und jeder, der bereits ein Honor-Smartphone gekauft hat oder noch kaufen möchte, weiterhin auf den Play Store zugreifen können wird. Explizit für die Honor-20-Serie wird zudem ein Update auf Android Q versprochen. Entsprechend sollten eigentlich alle Bedenken, die vom Kauf eines Honor 20 Pro abhalten könnten, beseitigt sein, oder?

Das Design sollte zumindest kein Hindernisgrund sein, denn das ist richtig schick geworden. Honor spricht von Dynamic Holographic Design und begründet diese sperrige Begrifflichkeit mit drei Glas-Schichten, aus denen die Rückseite des Honor 20 Pro gefertigt ist. Die Äußere ist dabei für den Schutz des Gerätes zuständig, eine weitere für den Farbton und die dritte Schicht für die optische Tiefe. Honor bringt dafür nach eigenen Angaben mikroskopisch kleine Prismen in die dritte Schicht ein, durch die optisch eine gewisse Dreidimensionalität entsteht. Dieser Vorgang ist offenbar sehr schwierig, nach Angaben des Herstellers genügen nur rund 20 Prozent der hergestellten Rückseiten den Qualitätsansprüchen für das Honor 20 Pro. Aber wenn es klappt, sieht es gut aus: Das Design des Topmodells dürften die meisten Interessenten als gelungen bezeichnen. Die Farben unseres Testmodells changieren dank der aufwändigen Produktionstechnik geheimnisvoll zwischen Schwarz und Türkis und der Blick des Betrachters scheint sich tatsächlich in der Tiefe des Smartphones zu verlieren – sehr schick! Eine Einschränkung gibt es aber dann doch. Denn genau in der Mitte der Rückseite zieht sich ein feiner Strich von Stirn- zu Fußseite des Modells – ganz so, als handele es sich dabei um eine Naht, an der das schicke Farbdekor zusammengelegt wurde. Das sieht man aber nur bei genauem Hinsehen, normalerweise herrscht bei Betrachtung des Smartphones der faszinierende Ersteindruck vor.

Der hält sich auch, wenn man das Gerät in die Hand nimmt. Denn die Glasrückseite ist zu den Rändern hin sanft geschwungen und geht in einen ebenfalls sanft gerundeten Metallrahmen über. Insgesamt liegt das Modell dadurch angenehm in der Hand, sofern man sich mit der generellen leichten Rutschigkeit von Glas-Smartphones abfinden kann. Als störend könnte manch Nutzer allerdings die deutlich hervorstehende Kameraeinheit auf der Rückseite empfinden. Wie bei den Huawei-Modellen der P-Serie ordnet Honor drei der vier Kameralinsen des 20 Pro untereinander in einer langgezogenen Einheit an. Da die einen guten Millimeter aus dem Gehäuse hervorsteht, kippelt das Smartphone auf einem Tisch liegend bei Bedienungsversuchen munter vor sich hin – das nervt. Abhilfe schafft die in der Verkaufsversion des Honor 20 Pro beiliegende, durchsichtige Kunststoffschützhülle. Damit schließt die Kameraeinheit, die ungeschützt durch eine Öffnung in der Hülle schaut, nahezu plan mit dem geschützten Gehäuse ab.

Bei der Verarbeitung gibt es hingegen nichts zu mäkeln, auch wenn man die Übergänge vom Gehäuse zum Rahmen minimal erfühlen kann. Spaltmaße sind sehr gleichmäßig und fallen höchst moderat aus, die Lautstärkewippe ist fest in den Rahmen des Smartphones eingesetzt und klappert nicht. Druckpunkt und Tastenhub sind optimal gewählt. Eine Besonderheit ist der unterhalb der Wippe angebrachte Powerbutton. Er beinhaltet wie bei einigen älteren Sony-Modellen gleichzeitig den Fingerabdrucksensor. Während die Lautstärkewippe wie gewohnt aus dem Gehäuse hervorsteht, ist der Sensor leicht in den Rahmen eingelassen.

Die Front wird vom großen Display dominiert, das zwar sichtbare, insgesamt aber recht schmale Ränder aufweist. Die Frontkamera lugt durch eine Punchhole-Notch in der oberen linken Ecke des Screens. Insgesamt wirkt das Honor 20 Pro modern und frisch.

Honor setzt beim 20 Pro auf ein knapp 6,3 Zoll großes IPS-LCD mit einer Auflösung von 2340 × 1080 Pixeln. Das sorgt für eine hohe Bildschärfe von 412 Pixel pro Zoll (PPI), insgesamt wirkt die Darstellung dank intensiver Farben und ordentlicher Kontraste sehr plastisch. Die Helligkeit geht mit gemessenen 440 cd/m² im manuellen Modus ebenfalls voll in Ordnung. Tadellos ist auch die Blickwinkelstabilität. Zwar setzt mit zunehmend flacherem Betrachtungswinkel eine leichte Abschattung ein, die fällt aber so dezent aus, dass sie kaum auffällt. Eine nennenswerte Farbverfälschung gibt es nicht. Im Einstellungsmenü für das Display lassen sich Farbtemperatur, Augenschonmodus und sogar die Auflösung des Panels an die eigenen Bedürfnisse anpassen. Die kleine Punchhole-Notch darf auf Wunsch sogar mit einem schwarzen Balken maskiert werden. Ein Always-On-Display wie beim Huawei P30 Pro gibt es mangels AMOLED-Display nicht, auch beim Schwarzwert kann der Screen des Honor 20 Pro trotz aller Qualitäten nicht ganz mithalten.

Gleich vier Kameramodule integriert Honor in sein Spitzenmodell: Die Hauptkamera hat 48 Megapixel und f/1.4-Blende, die Teleoptik f/2.4-Blende und 3-fache Vergrößerung. Hinzu kommen eine Superweitwinkeloptik mit 2 Megapixel, f/2.2 und 117 Grad Blickfeld und eine Makrokamera mit 2 Megapixel und Offenblende von f/2.4. Die Frontkamera erlaubt Fotos mit 32 Megapixel und f/2.0. Auto-HDR gibt es nicht, allerdings ist der Unterschied von HDR- zu LDR-Aufnahmen dank der künstlichen Intelligenz der Kamera-App marginal.

Die große Hauptkamera hat einen 1/2-Zoll großen Sony-IMX586-Sensor mit 1.6 µm großen Pixel. Diese rechnerische Größe entsteht durch Pixelbinning, bei Honor „4-in-1-Lichtfusion“ genannt. Dabei werden in der Grundeinstellung die Informationen aus immer vier Pixel genommen und zu einem Bildpunkt zusammengefasst. Das soll generell, vor allem aber bei wenig Licht für bessere Bildqualität sorgen – wie später noch zu lesen sein wird, klappt letzteres aber nur bedingt. Fotos mit vollen 48 Megapixel sind auf Wunsch auch möglich. Dabei gibt es zwei Möglichkeiten: Einmal einen „normalen“ 48-Megapixel-Modus und außerdem einen sogenannten AI-Ultra-Clarity-Modus, der ebenfalls Bilder mit 48 Megapixel knipst. Insgesamt steigen bei den hohen Auflösungen zumindest bei gutem Licht die Bildschärfe und der Detailgrad noch einmal leicht an, im AI-Ultra-Clarity-Modus werden zusätzlich noch wie bei HDR mehrere Aufnahmen zusammengefasst, um den Dynamikumfang zu steigern. Das klappt aber trotz der generell sehr guten Bildstabilisierung nur mit Stativ und unbewegtem Motiv gut. Dann kommen teils sehr beeindruckende Aufnahmen zustande, die allerdings tendenziell im Vergleich zu AI-Aufnahmen in Bezug auf die Stimmung leicht surreal wirken.

Die Tele-Linse erlaubt neben 3-facher verlustfreier Vergrößerung auch noch 5-fachen Hybridzoom, bei dem die Qualitätseinbußen durch die zusätzliche 2-fache Vergrößerung noch nicht sichtbar sein sollen. In der Praxis kommt das auch sehr gut hin, erst in der Vergrößerung der Bilder fällt ein Qualitätsrückgang bei 5-fach-Vergrößerung auf. Rein elektronisch ist sogar 30-facher Zoom möglich, dann mit den typischen Nachteilen elektronischer Vergrößerung. Die AI-Funktion muss dabei auf jeden Fall eingeschaltet sein, damit die Bildqualität dann noch erträglich bleibt. Wirklich sinnvoll erscheint der elektronische Zoom aber in höheren Zoomstufen nicht. Haupt- und Teleobjektiv sind optisch bildstabilisiert, die anderen beiden Module nur elektronisch. Die Bildstabilisierung ist insgesamt hervorragend. Die Superweitwinkeloptik zeigt deutlich mehr vom Motiv als die anderen Linsen – und das verzerrungsfrei, da die typische Froschaugen-Optik per Software herausgerechnet wird. Die Bildqualität geht dabei voll in Ordnung, allerdings kommt es manchmal vor, dass die extremen Weitwinkelaufnahmen andere Farben und insgesamt eine andere Stimmung als die anderen Linsen transportieren. Verlässlich reproduzieren konnten wir dieses Verhalten aber nicht. In allen anderen Fällen bietet der Weitwinkel einen echten Mehrwert.

Gerade in Bezug auf den niedrigen Verkaufspreis des Honor 20 Pro müsste das Smartphone ein echtes Kamera-Schnäppchen sein. Um niemanden unnötig auf die Folter zu spannen: Ist es auch, ohne allerdings ganz an die Qualität eines Huawei P30 Pro heranzukommen. Dennoch ist die Gesamtqualität der Kamera in vielen Situationen richtig gut und die meisten Hobbyfotografen werden richtig tolle Bilder mit dem Honor-Topmodell knipsen, die selbst bei moderater Vergrößerung noch klasse aussehen. Das liegt häufig an der Software, die enorm in die eigentlichen Bilder eingreift und durch ihre Nachbearbeitung teilweise überraschende Ergebnisse liefert. Nicht ohne Grund gibt es längst den Begriff der Computional Photography, der nichts anderes meint, als dass die Bildqualität nicht mehr nur von der Hardware, sondern vor allem von der Software kommt. Das klappt beim Honor 20 Pro allerdings längst nicht immer.

Bei Tageslicht sind die Bilder meist richtig gut. Farben werden vor allem ohne aktivierte AI-Funktion sehr natürlich in den Speicher gebannt, Bildschärfe und Details sind gut, aber nicht übertrieben herausgearbeitet. Selbst beim Hereinzommen in die Bilder wirken die Aufnahmen lange nicht matschig und es lassen sich noch viele Details erkennen. Bildrauschen ist dabei bestenfalls leicht ausgeprägt und die Bilddynamik in den meisten Fällen gut. Aber es gibt auch Ausnahmen. Sobald die Lichtbedingungen schwieriger werden – etwa bei Gegenlicht oder starken Hell-Dunkel-Gegensätzen in einem Bild – sinkt die Bilddynamik bisweilen dramatisch, Aufnahmen wirken dann mal blass, mal dunkel und flach. Dann gibt es zwei Möglichkeiten: Entweder schaltet man umständlich HDR händisch hinzu, was die Bilddynamik normalerweise dramatisch verbessert, oder man aktiviert mit einem Klick die AI-Funktion. Die steht der HDR-Funktion in puncto Dynamik nichts nach und verbessert die Bildqualität in vielen Fällen entsprechend ebenfalls stark, macht aber leider noch mehr. So werden nicht nur einzelne Bildbereiche nachgeschärft, sondern etwa bestimmte Farben gesondert hervorgehoben, beispielsweise das Blau von Wasser oder Himmel und das Grün von Rasen oder anderen Pflanzen. Das wirkt aber schnell übertrieben. Einzeln abschalten darf der Nutzer solche Betonungen nicht – warum eigentlich?

Die eigentliche Frage lautet aber: Warum schaltet das Honor 20 Pro im Automatikmodus bestimmte Modi nicht selbständig ein, um die Bildqualität zu verbessern? Bestes Beispiel ist der Nachtmodus. Bei Dunkelheit produziert der Automatikmodus schnell sehr unansehnliche, matschige Aufnahmen. Schaltet der Nutzer manuell in den Nachtmodus, so sehen Motive gleich deutlich schärfer und detaillierter aus – auch aus freier Hand, sofern es mit der Belichtungszeit nicht übertrieben wird. Die passt das Smartphone zwar in Abhängigkeit vom Motiv selbständig auf bis zu mehrere Sekunden an, der Nutzer darf sie aber jederzeit durch einen zweiten Klick auf den Aufnahmebutton beenden. Generell leistet der Nachtmodus schon recht ordentliche Arbeit, er hellt Motive teils stark auf und die Bildschärfe ist in Ordnung. Das führt bei kompletter Nutzung der vom Honor 20 Pro angedachten Belichtungszeit aber auch fast immer dazu, dass auf den Bildern hinterher mehr zu sehen ist, als das menschliche Auge zuvor tatsächlich wahrnehmen konnte. Dennoch arbeitet das Gerät nicht nur Details, sondern auch Licht und Schattenwürfe so stark heraus, dass eine ganz besondere Stimmung entsteht, die durchaus interessant ist. Leider schleicht sich sogar bei Aufnahmen per Stativ sichtbares Bildrauschen in einheitlichen Flächen wie etwa einem Nachthimmel ein, das müsste eigentlich nicht sein. Hier hat die teurere Konkurrenz aus eigenem Hause die Nase vorn. Die besten Ergebnisse erzielt der Nachtmodus natürlich bei unbewegten Motiven – Bewegungen sind hingegen der Feind von Langzeitbelichtungen.

Bessere Qualität bekommt wie so oft bei Smartphones auch beim Honor 20 Pro im Pro-Modus, bei dem der Fotograf Einfluss auf ISO, Blendenöffnungszeit, Weißabgleich und vor allem den Fokus hat. Damit lassen sich mit etwas Rumprobieren bei Tag und Nacht richtig tolle Aufnahmen erstellen.

Bei der Software haben sich die Ingenieure von Honor sichtbar bei Mutterkonzern Huawei bedient und es ähnlich krachen lassen. Grundsätzlich gibt es zwei Optionsebenen: Direkt neben dem Sucherfenster befinden sich scrollbare Schnellzugriffe, auf der gegenüberliegenden Seite gibt es dann noch ein Einstellungssymbol, hinter dem sich unter anderem Dinge wie die Auflösung von Foto und Video verbergen. Unter den zuerst genannten Schnellzugriffen befinden sich Modi für Blende, Nacht, Portrait, (normales) Foto, Video und „Mehr“. Der Blendenmodus erlaubt in erster Linie das Einbringen von künstlichem Bokeh in normale Aufnahmen, während der Portrait-Modus Bokeh in mehreren Designs bei Aufnahmen mit Personen implementiert. Das klappt insgesamt sehr gut, nur feine Strukturen wie einzelne Haare werden gern mal mit entfernt. Der Nachtmodus wurde bereits erwähnt, ebenfalls der normale Fotomodus. Der Videomodus liefert zwar insgesamt gute Ergebnisse in Bezug auf die Bildqualität in Full-HD und 4K, leider sind 4K-Aufnahmen nur mit 30 Bildern pro Sekunde möglich. Das wirkt sich besonders bei Schwenks durch störende Unschärfe aus. Besonders schade ist das, weil das Honor 20 Pro auch bei Videos eine sehr gute Bildstabilisierung vorweisen kann. Die Bildqualität bei Videos über die anderen Linsen, also mit 3-fach-Vergrößerung und Weitwinkel, weist sichtbare, aber noch tolerierbare Qualitätseinbußen auf.

Ein Highlight ist der „Mehr“-Schnellzugriff. Hier verbergen sich allerhand spannende Untermodi, darunter die schon erwähnten HDR- und Pro-Modi, aber auch Supermakro, Lichtmalerei, AR-Objektiv, Zeitraffer und Zeitlupe. Weitere können heruntergeladen werden, zum Testzeitpunkt standen aber keine anderen Modi zur Verfügung. Der Supermakro-Modus ist die einzige Möglichkeit, die Makro-Linse mit ihren 2 Megapixel aktiv verwenden zu können. Während man mit der normalen Kamera gute 8 bis 10 Zentimeter vom Motiv entfernt sein muss, erlaubt die Makrolinse eine Annäherung auf 4 cm. Trotz der vergleichsweise geringen Auflösung sind entsprechende Bilder erstaunlich gut, dennoch leidet die Supermakro-Funktion unter drei Problemen: Einerseits muss man sehr nah an das entsprechende Objekt heran, dadurch wirft man beim Fotografieren häufig Schatten, die auf den Aufnahmen zu sehen sind. Außerdem verfügt die Makrolinse nur über einen Fixfokus, Scharfstellen funktioniert daher nur über Distanzanpassung des Smartphones zum Motiv. Da der Schärfebereich sehr knapp ausfällt, kann man zwar einerseits sehr schön mit verschiedenen Schärfeebenen arbeiten, bekommt aber gerade bei Aufnahmen in freier Natur oftmals den eigentlich gewünschten Bereich nicht scharf, weil man das auf dem Display nicht immer so genau erkennen kann. Last but not least ist es meist einfacher und qualitativ besser, einfach im normalen Fotomodus ein Bild aus größerem Abstand zu machen und anschließend hineinzuzoomen. Hart aber ehrlich: Bis auf einige wenige Einsatzzwecke ist die Makrolinse des Honor 20 Pro überflüssig.

Das gilt auch für „AR-Objektiv“, mit dem man sich wie bei Apple und Samsung entweder einen animierten Tierkopf aufsetzen oder diverse andere AR-Funktionen ausprobieren kann. Nette Spielerei, wenn das Handy neu ist, oft verwenden dürften das aber wohl nur die wenigsten Nutzer. Die Super-Zeitlupe, die das Honor 20 Pro in Full-HD mit bis zu 960 Bildern pro Sekunde beherrscht, ist da vielleicht häufiger im Einsatz. Sie verleiht alltäglichen Vorgängen bisweilen ganz neue Ästhetik. Hilfreich ist dabei die Möglichkeit, einen Bereich zu definieren, durch den bei Bewegung darin aus einem normalen Video erst die Superzeitlupe wird. Das funktioniert richtig gut und die Bildqualität ist bei ordentlichem Licht beeindruckend. Übrigens: Statt Google Lens hat das Honor 20 Pro HiVision mit an Bord, das eine sehr ähnliche Funktionalität bietet.

Bei der Ausstattung macht dem Honor 20 Pro so schnell kaum ein anderes Smartphone etwas vor. Als Antrieb setzt Honor auf den aktuellen Spitzen-Chipsatz aus Huawei-Produktion, nämlich den Kirin 980. Der im 7-Nanometer-Verfahren erstellte Octa-Core mit Dual-NPU (Neural Processing Unit) für Aufgaben der künstlichen Intelligenz bietet im Zusammenspiel mit seiner Mali-G76-Grafikeinheit Spitzenleistung, die derzeit von keinem noch so anspruchsvollen 3D-Spiel umgesetzt werden kann – so viel Power braucht einfach kein Mobile Game. Entsprechend ist auch die Bedienung des Honor 20 Pro in allen Lebenslagen flüssig und direkt. Wegen der stolzen 8 Gbyte Arbeitsspeicher kommt man auch zu keinem Zeitpunkt in ein Multitasking-Limit. Selbst 20 offene Tabs beeinflussen die Bediengeschwindigkeit nicht spürbar. Im Antutu-Benchmark erreicht das Spitzen-Smartphone übrigens über 292.000 Punkte – ein sehr guter Wert, wenn auch deutlich weniger als Konkurrenten mit Snapdragon 855.

Beim Speicher für Apps und Daten gibt es hingegen sehr wohl eine Einschränkung: Es gibt keine Speichererweiterungsmöglichkeit per microSD. Das mag zwar für viele Nutzer bei den gebotenen 256 GByte internem und schnellem UFS-Speicher locker ausreichen, wer aber viele Filme oder Spiele mitnehmen will, der wird sich so eine Erweiterbarkeit schnell herbeiwünschen. Stattdessen nimmt das Honor 20 Pro zwei Nano-SIMs auf. Ansonsten gibt es an der eingebauten Technik wenig auszusetzen. Der in die seitliche Power-Taste integrierte Fingerabdruckscanner arbeitet sehr schnell und zuverlässig, alternativ darf auch die Frontkamera zum Entsperren herangezogen werden. Das klappt bei halbwegs ordentlichem Licht genauso schnell und zuverlässig, allerdings muss dann noch der Sperrbildschirm beiseite gewischt werden.

Zur weiteren Ausstattung gehören NFC, Bluetooth 5.0, WLAN ac und n mit 2,4 und 5 GHz, LTE Cat. 21 und je nach Netzbetreiber bis zu 1400 Mbit/s, ein IR-Blaster, Dual-Frequency-GPS und ein USB-C-Anschluss zum Laden, Datentransfer und Anschluss von Kopfhörern. Unserem Testgerät lag leider kein Headset bei, sodass wir zum Klang des in der offiziellen Verkaufsversion beiligenden Headsets derzeit keine Aussage treffen können. Der Monolautsprecher ist ziemlich laut und klar, übersteuert dabei nicht, transportiert aber wie fast immer bei Smartphones üblich kaum Tiefton.

Bei der Software setzt Honor derzeit nach wie vor auf Android, wegen der eingangs angedeuteten Querelen arbeitet die Konzernmutter Huawei aber längst an einem eigenen, auf AOSP basierendem Betriebssystem. Das dürfte dann wohl auch Honor zukünftig nutzen. Als Version hat sich der Hersteller für das aktuelle Android 9 entschieden, über daser seine Nutzeroberfläche Magic UI in Version 2.1 stülpt. Das Sicherheitspatch auf unserem Testgerät stammte vom 5. Juni 2019. Insgesamt müssen sich Interessenten wegen des ebenfalls bereits eingangs angesprochenen Update-Versprechens von Huawei und Honor kein Sorgen wegen zukünftiger Updates oder Zugang zu Google-Diensten haben – zumindest nach heutigem Stand.

Neben der typischen Dreingaben wie dem GPU-Turbo, der den Flaschenhals zwischen Grafik-Hardware und Software optimiert, kommt Magic UI unter anderem mit der Option, auf die typischen Android-Tasten zu verzichten und stattdessen mittels Gesten durch das System zu navigieren. Die genaue Vorgehensweise ist sehr gut erklärt. An dieser Stelle wollen wir außerdem die Tipps-App lobend hervorheben. Sie gibt dem Nutzer übersichtlich illustriert hilfreiche Informationen zu allen möglichen Funktionen des Honor 20 Pro. Bloatware wie Fortnite, Amazon Shopping und Booking.com hätte sich der Hersteller hingegen lieber sparen sollen.

Der Lithium-Polymer-Akku des Honor 20 Pro fasst 4000 mAh, das ist ein sehr guter Wert. Der Hersteller spricht von „ganztägigem Akkubetrieb“ und das trifft es ziemlich gut. Zumindest bei härterem Einsatz. Denn der Kirin 980 ist dank seiner 7-Nanometer-Fertigung ziemlich energiesparend, sofern ihm seine zur Verfügung stehende Leistung nicht gerade voll abverlangt wird. Da das aber außer in Benchmarks nie der Fall ist, sollten auch Heavyuser einen Tag gut überstehen. Wenignutzer müssen sich auch am zweiten Tag ohne Nachladen keine Gedanken darüber machen, ob das Smartphone noch bis zum Abend durchhält – das klappt. Selbst ein dritter Tag ist möglich, dann aber eher unter Verwendung der diversen Energiesparmodi, die Honor anbietet. Beleg für diese Aussage ist die Laufzeit, die das Honor 20 Pro in unserem Ausdauertest erreichte. Dabei haben wir ein 1080p-Video bei 200 cd/m² abgespielt und die Laufzeit gemessen: 12 Stunden und 41 Minuten ist ein sehr guter Wert. Aufgeladen ist das Honor 20 Pro dank schneller 22,5-Watt-Lader innerhalb von etwa 1,5 Stunden, rund die Hälfte der kompletten Ladung ist in den ersten 30 Minuten da. Das ist ordentlich, wenn auch etwas langsamer als beim Spitzenprodukt von Huawei, das in 30 Minuten rund 75 Prozent schafft. Eine andere Fähigkeit, die eines Topmodells würdig wäre, fehlt dem Honor 20 Pro leider: Kabelloses Laden per Induktion.

Das Honor 20 Pro gibt es in Deutschland in zwei Farben: Phantom Black und Phantom Blue. Beide Bezeichnungen sind unglücklich gewählt, denn Phantom Black bezeichnet eine Farbvariante, die von Schwarz zu dunklem Lila changiert. Phantom Blue hat ebenfalls Schwarz als Grundton, wechselt aber je nach Lichteinfall zu Türkis. Klare Definition geht anders. Das alles ändert aber nichts am guten Preis-Leistungsverhältnis des Smartphones: Beide Farbvarianten gehen für 599 Euro (UVP) über die Ladentheke.

Das Honor 20 Pro hat es grundsätzlich erst einmal recht schwer. Das liegt nicht nur daran, dass der Handelsstreit zwischen den USA und China immer noch wie ein Damoklesschwert über dem Hersteller schwebt und Interessenten trotz aller gegenteiligen Beteuerungen damit rechnen müssen, zukünftig Probleme mit Updates oder dem Zugriff auf Google-Apps zu haben. Zusätzlich hat Honor es sich auch noch selbst schwer gemacht. Denn der neue Pro-Namenszusatz schlägt noch mehr als früher eine direkte Brücke zu den Topmodellen der Konzernmutter und das weckt beim Käufer natürlich Erwartungen. Genau die sind möglicherweise auch der Grund, warum unsere anfängliche Begeisterung im Laufe des Tests dann doch wieder auf ein normales Maß geschrumpft ist. Nicht, weil das Honor 20 Pro schlecht wäre, sondern weil Marketing und Namensgebung einfach noch mehr versprechen, als das Smartphone zu geben in der Lage ist.

Um es klar zu sagen: Das Honor 20 Pro ist ein richtig gutes Smartphone. Das Display ist groß, scharf und überzeugt mit starken Werten. Das Gehäuse ist richtig schick, auch wenn sich manch einer möglicherweise am vorstehenden Kameramodul stört. Kirin 980, 8 GByte RAM und 256 GByte interner Speicher sind ebenfalls Kampfansagen an die Konkurrenz und der ausdauernde Akku mit seinen 4000 mAh rundet das tolle Gesamtpaket gut ab. Das eigentliche Highlight, die Quad-Kamera mit zusätzlichem Weitwinkel, Zoom und Makro, kann die hohen Erwartungen aber nicht ganz erfüllen. Nicht, weil sie schlecht wäre, sondern weil das P30 Pro einfach noch besser ist. Übermäßig groß ist der Unterschied aber nicht und als Ausgleich schickt Honor das 20 Pro zu einem derartig niedrigen Preis in die Schlacht, das Huawei eigentlich richtig Muffensausen bekommen müsste. Denn insgesamt ist das Honor 20 Pro ein tolles Highend-Smartphone, auch wenn ihm Speichererweiterung, AMOLED-Display und kabelloses Laden fehlen. Diese Features hätten das Honor 20 Pro noch besser vom Honor 20 differenziert.

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