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Honor 20: Günstiges Highend-Smartphone im Test

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Das Honor 20 sieht aus wie das teurere Topmodell Honor 20 Pro. Es hat ebenfalls 4 Hauptkameras, viel Speicher und den gleichen, schnellen Prozessor. Damit gibt es eigentlich keinen Grund, zum Pro-Modell zu greifen. Oder doch?

Honor 20 Lite, Honor 20 und Honor 20 Pro (Testbericht) sind die neusten Modelle der Huawei-Tochter. Besonders das tolle Preis-Leistungsverhältnis des Honor 20 macht es schwer, da nicht zuzugreifen. Denn das Gerät ist äußerlich kaum vom Pro-Modell zu unterscheiden und technisch fast genauso gut ausgestattet.

Auf den ersten Blick sehen sich Honor 20 und Honor 20 Pro zum Verwechseln ähnlich. Die Größe ist identisch, die Kameraeinheit ist auf der Rückseite oben links platziert, der Metallrahmen sanft gerundet und der Powerbutton samt Fingerabdrucksensor auf der rechten Seite angebracht. Bei genauerem Hinschauen – oder beim Blick ins Datenblatt beider Modelle – gibt es dann doch Unterschiede. So sind Honor 20 und Honor 20 Pro mit 154,3 × 74 Millimeter tatsächlich gleich groß, das Pro-Modell ist aber mit 8,4 statt 7,9 Millimeter minimal dicker. Auch beim Gewicht liegt das Pro-Modell mit 182 Gramm vor dem Honor 20, das 8 Gramm leichter ist. Ansonsten ist zumindest vorn und an den Seiten alles gleich. Das Honor 20 bietet das gleiche, knapp 6,3 Zoll große IPS-LCD mit Punchhole-Notch oben links für die Frontkamera. Rechts sind im gerundeten Rahmen Lautstärkewippe und Powerbutton samt Fingerabdrucksensor eingelassen. Sogar der IR-Blaster auf der Stirnseite des Smartphones ist identisch.

Ratespiel: Welches Gerät ist das Honor 20? Auflösung: Das untere.

Das gilt auch für die tolle Verarbeitung. Das günstigere Honor 20 hat im Metallrahmen die gleichen Antennenstreifen aus Kunststoff wie das Pro. Die sieht man aber nur bei genauem Hinsehen, beim Drüberstreichen mit dem Finger kann man sie nicht erfühlen. Auch sonst ist die Verarbeitung tadellos. Unterschiedlich sind die Farben der beiden Modelle. Beim Pro-Modell changieren sie je nach Lichteinfall und Farbvariante von Schwarz zu Türkis oder von Schwarz zu Lila, das Honor 20 gibt es in Blau oder Schwarz – ohne Farbverlauf. Das deutet der Hersteller mit der Namensgebung allerdings nur an: Beim Pro-Modell heißen die Farben etwas mysteriös Phantom Blue und Phantom Black, beim Honor 20 recht aussagekräftig Midnight Black und Sapphire Blue. Schick ist unser blaues Testmodell aber auch ohne Farbspielchen, zumal Licht auffällig reflektiert wird und einen ähnlichen Tiefeneffekt wie das Pro-Modell aufweist. Bei sehr flachen Betrachtungswinkeln geht das Dunkelblau trotz angeblich fehlendem Farbverlauf in Schwarz über.

Kameraanordnung und Beschriftung unterscheiden sich leicht.

Die Kamera auf der Rückseite ist zwar fast gleich positioniert, die Anordnung der einzelnen Elemente innerhalb des langgezogenen Kameramoduls fällt aber unterschiedlich aus. So positioniert der Hersteller unter den drei Kameralinsen im Pro-Modell den Laser-Autofokus, während der LED-Blitz zusammen mit der Makrolinse daneben untergebracht ist. Im günstigeren Honor 20 gibt es keinen Laser-Autofokus, an seiner Stelle ist hier der LED-Blitz untergebracht. Die ebenfalls neben der Dreier-Kamera angebrachte Makrolinse steht daher allein. Auch die Beschriftung der Kameras unterscheidet sich – Peanuts. Insgesamt wirkt das Honor 20 genauso hochwertig, wie sein großer Bruder.

Im Honor 20 steckt das gleiche, hochwertige IPS-LC-Display wie im Honor 20 Pro. Es misst 6,26 Zoll, hat eine Auflösung von 2340 × 1080 Pixel und kommt somit auf eine hohe Bildschärfe von 412 Pixel pro Zoll. Auch die restlichen Parameter wie Helligkeit, Farbwiedergabe und Blickwinkelstabilität überzeugen. Wie beim Pro-Modell fehlt aber auch hier ein Always-on-Display. Mehr Informationen zum Display gibt es im Test des Honor 20 Pro.

Vier Kameras sind vier Kameras, also sind Honor 20 und Honor 20 Pro bei Fotos und Videos gleich gut – könnte man meinen. Das dem nicht ganz so ist, wird beim Blick ins Datenblatt klar. Denn zwar sind die Hauptkamera mit ihren 48 Megapixel und der f/1.4-Blende, die Superweitwinkeloptik mit 16 Megapixel, f/2.2 und 117 Grad Blickfeld und die Makrokamera mit 2 Megapixel und Offenblende von f/2.4 grundsätzlich gleich. Unterschiede gibt es aber bei der vierten Kamera. Beim Pro-Modell handelt es sich um eine Teleoptik mit f/2.4-Blende und 3-facher Vergrößerung, im Honor 20 steckt hingegen nur eine 2-Megapixel-Kamera zur Tiefenerkennung. Oder um es deutlicher zu sagen: Das Honor 20 hat kein Teleobjektiv. Das ist noch nicht alles. Denn das günstigere Honor 20 muss zudem nicht nur ohne Laser-Autofokus auskommen, sondern auch ohne optischen Bildstabilisator (OIS) – den haben mittlerweile aber schon Smartphones bis 300 Euro! Die Frontkamera ist dann wieder gleich, sie ermöglicht Fotos mit 32 Megapixel und f/2.0.

Der Kamera des Honor 20 fehlt das Teleobjektiv des Pro-Modells.

Bei der Bildqualität macht sich das im Hellen nicht bemerkbar. Hier reicht das Licht aus, um kurze Belichtungszeiten zu erlauben. Das führt zu verwacklungsfreien und entsprechend scharfen Fotos. Ein Unterschied bei der Bildqualität in Bezug auf Schärfe, Detailreichtum und Bilddynamik ist dann nicht auszumachen. Den merkt man erst bei wenig Licht. Denn hier fehlt dem Honor 20 der optische Bildstabilisator, entsprechend kann die Blende wegen der Gefahr von Verwacklern nicht lange offen gehalten werden. Als Resultat sinkt die Bildschärfe. Dank des speziellen Nachtmodus mit seiner Dauerbelichtung samt AI-Bildstabilisation schlägt sich das günstigere Honor-Phone für ein Smartphone ohne OIS aber immer noch sehr passabel.

Im Alltag stört daher eher das Fehlen eines anderen Features. Während das Honor 20 Pro 3-fache optische Vergrößerung, 5-fachen Hybridzoom und bis zu 30-fachen digitalen Zoom bietet, gibt es beim Honor 20 lediglich 2-fachen Hybridzoom und bis zu 10-fachen digitalen Zoom. Beim Hybridzoom geht die Qualität in Ordnung, die digitale Vergrößerung sollte man aber lieber gleich ignorieren. Dadurch ist die fotografische Freiheit des Nutzers deutlich reduziert. Hat man beim Pro-Modell des Öfteren die Möglichkeit, ohne Standortverlegung qualitativ hochwertige Aufnahmen auch von weiter entfernten Motiven zu knipsen, fehlt dem Honor 20 diese Option fast gänzlich. Da wirkt es schon beinahe wie Hohn, dass die Telelinse des Honor 20 Pro beim Honor 20 gegen eine Optik zur Tiefenerkennung ersetzt wurde – zumal Portraitaufnahmen mit künstlichem Bokeh dadurch nicht besser als beim Pro-Modell werden. Das umfangreiche Software-Angebot der Kamera-App ist hingegen bei beiden Modellen gleich. Mehr dazu findet sich im Test des Honor 20 Pro.

Das Honor 20 wird wie der teurere Bruder vom Kirin 980 angetrieben, dem Topprozessor von Huawei. Er kommt zwar bei der Leistung in Benchmarks nicht ganz an sein Gegenstück von Qualcomm, den Snapdragon 855, heran, bietet aber dennoch deutlich mehr Power, als aktuelle Apps fordern. Antutu etwa bescheinigt dem Smartphone knapp 287.000 Punkte, das ist ein außerordentlich guter Wert. Wegen des gleichen Chipsatzes sind auch die restlichen Hardware-Features wie WLAN, Bluetooth und GPS identisch. Hauptunterschied zum Pro-Modell bei der Ausstattung sind Arbeitsspeicher und interner Speicher, hier bietet das Honor 20 „nur“ 6 statt 8 GByte RAM und 128 statt 256 GByte interner Speicher. Erweiterbar ist er auch beim „kleinen Topmodell“ nicht. Auch der Fingerabdrucksensor im Powerbutton, den man als Rechtshänder bequem mit dem Daumen verwenden kann, reagiert genauso schnell und zuverlässig wie beim teureren Modell.

Der Fingerabdrucksensor im Powerbutton funktioniert genauso gut wie beim Pro-Modell.

Ebenfalls gleich: die Software. Honor installiert auf beiden Honor-20-Modellen Android 9 mit Magic UI 2.1 als Nutzeroberfläche. Der Sicherheitspatch stammt noch vom 1. April 2019, hier sollte der Hersteller schnellstens nachlegen. Was Magic UI verändert und weitere Angaben zu Soft- und Hardware finden sich im Test des Honor 20 Pro.

Der Akku ist die letzte Sache, bei der sich Honor 20 und Honor 20 Pro unterscheiden. Während das Pro-Modell mit einem 4000-mAh-Akku ausgestattet ist, hat der Akku im Honor 20 mit 3750 mAh eine etwas geringere Kapazität. Wegen der sonst weitestgehend identischen Ausstattung – gerade bei Display und Prozessor – überrascht es daher nicht, dass das günstigere Modell auch etwas kürzere Laufzeiten hat. Schaffte die Pro-Version in unserem Videotest noch fast 13 Stunden, so sinkt dieser Wert beim Honor 20 auf knapp 12 Stunden. Das ist immer noch gut, je nach Nutzungsverhalten sind damit 1 bis 3 Tage machbar. Kabelloses Laden gibt es auch beim Honor 20 nicht. Da es sich hier aber nicht um das Topmodell handelt, ist das eher als beim Honor 20 Pro zu verschmerzen. Auch das Honor 20 braucht für eine volle Akkuladung rund 1,5 Stunden.

Das Honor 20 gibt es in zwei Farbvarieanten: Midnight Black und Sapphire Blue. Die Speicherausstattung ist mit 6 GByte RAM und 128 GByte internem Speicher immer gleich und auch der Preis ist mit 499 Euro (UVP) identisch.

Honor 20 128GB midnight black

Honor 20 128GB sapphire blue

Ist das Honor 20 ein gutes Smartphone? Ja, für sich allein gesehen schon. Aber ist es wirklich nötig? Nein, ist es nicht. Denn es ist einfach zu nah am Pro-Modell, preislich und technisch. Gleicher Prozessor, gleiches Display, gleiches Design – das kann man positiv sehen, weil man für noch einmal weniger Geld als bei der Pro-Version richtig viel geboten bekommt. Denn auch wenn Speicherausstattung und Kamera abgespeckt wurden, ist beides noch gut aufgestellt. Andererseits kann man für nur 100 Euro mehr eben auch gleich zum Honor 20 Pro greifen. Das bietet doppelt so viel Speicherplatz, noch mehr RAM und eine Kamera mit zusätzlicher 3-facher Vergrößerung, 5-fach Hybridzoom und optischem Bildstabilisator. Hinzu kommt ein noch einmal stärkerer Akku – warum dann noch das Honor 20 kaufen? Eine stärkere Differenzierung hätte dem Smartphone gut getan.

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