TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Heizen per App: smartes Thermostat Eberle Wiser im Test

1
von  // 

Eberle Wiser Heat steuert die Temperatur am Heizkörper automatisiert und per App. Das bringt Komfort und soll die Umwelt schonen. Wir haben das smarte Thermostat getestet.

Die Thermostate Wiser Heat von Eberle regeln die Temperatur am Heizkörper nicht nur nach einem vorher bestimmten Zeitprogramm, sondern beachten auch die tatsächliche Außentemperatur, zum Lüften geöffnete Fenster, ob Bewohner im Haus sind und natürlich den vorher definierten Heizplan.

Die zentrale Steuereinheit von Wiser ist die App. In Verbindung mit den Sprachassistenten von Google und Amazon – bald auch Apple – reagiert Wiser auf Zuruf. Mit Wiser soll sich die Raumtemperatur also einfacher, ortsunabhängig und auch effizienter regeln lassen, als durch das Drehen an den altbekannten Heizkörperthermostaten. Ob das stimmt und wie gut Wiser Heat funktioniert, klärt der Test.

Im Rahmen unserer Themenwelt smarte Heizkörperthermostate testen wir folgende Produkte und fassen die Ergebnisse anschließen in einem Vergleichstest zusammen.

In das Wiser Heat Starter Kit packt der zu Schneider Electric gehörende Hersteller Eberle zwei Thermostate und einen Hub. Eberle setzt zur Kommunikation zwischen Thermostat und Hub zwar auf den weit verbreiteten Funkstandard Zigbee. Trotzdem sind die Thermostate nicht zum Hue-Hub oder dem Amazon Echo Plus (Testbericht) kompatibel und funktionieren nur mit den Eberle-Hub. Auf Nachfrage versprach uns der Hersteller, dass dies für die Zukunft geplant ist.

Zur Installation schließt man zunächst den Hub an den Strom an und lädt die Wiser-Heat-App für iOS oder Android herunter. Diese führt Schritt für Schritt durch den Installationsprozess. Der Nutzer wird unter anderem aufgefordert, eine E-Mail-Adresse und eine Postadresse für die lokalen Wetterdaten anzugeben. So ganz ohne Cloud-Anbindung funktioniert Wiser nicht, allerdings steckt auch kein mit Zusatzkosten verbundenes Abomodell dahinter.

Der Lieferumfang des Wiser Heat Starter Kits.

Um die smarten Thermostate anzubringen, muss man zunächst die Alten entfernen. Eine Rohrzange löst dafür den Schraubring des alten Thermostats und zieht nach dem Aufstecken des neuen Thermostats dessen Schraubring handfest an. Handwerkliches Geschick ist dafür nur nötig, wenn sich der Heizkörper an einer schwer zugänglichen Stelle befindet. Austretendes Wasser muss niemand befürchten, da das im Heizkörper eingebaute Ventil erhalten bleibt.

Dank normierter 30-mm-Verschraubung sollten die Thermostate auf die meisten Heizkörperventile passen. Alternativ legt Eberle je ein Gewindeadapter und ein Danfoss-RA-Ventiladapter aus Kunststoff bei. Wer ein exotischeres, inkompatibles Heizventil hat, kann weitere Adapter für wenige Euro hinzukaufen.

Die Thermostate Wiser Heat von Eberle sind ähnlich groß wie klassische Thermostate.

Die smarten Heizungsthermostate sind mit einer Länge von 75 und einem Durchmesser von 50 mm ähnlich kompakt wie ein mechanisches Standardthermostat. Leider haben sie kein Display für die Temperaturanzeige, lediglich drei farbige Status-LEDs.

Dreht man ihn jedoch kurz in Richtung Minus, senkt sich die aktuelle Solltemperatur für eine Stunde um zwei Grad. Die blaue Status-LED bestätigt dies. Äquivalent erhöht das kurze Drehen in Richtung Plus die Raumtemperatur für eine Stunde um zwei Grad. Die rote Status-LED leuchtet dabei. In der Praxis macht dies bei einzelnen Heizkörpern zum Beispiel im Bad Sinn. Zur gleichzeitigen Steuerung mehrerer Wiser-Thermostate sind App oder Sprachassistent komfortabler.

Nach dem Anlernen der einzelnen Thermostate tauchen diese in der App auf. Wir haben derer vier im System; drei im Wohnzimmer eines im Bad. Insgesamt soll Wiser bis zu 16 verschiedene Zonen respektive Zimmer unterscheiden können.

Wiser-Thermostat und Hub unter der Haube.

In der Raumübersicht stellt die App übersichtlich die verschiedenen Räume mit Soll- und Isttemperatur dar. Die tatsächliche Temperatur zieht sich das System aus den Sensoren in den Thermostaten. Bei einer etwa hinter Küchenschränken montierten oder hinter dem Sofa versteckten Heizung kann sich die Wärme jedoch stauen. Das Thermostat zeigt dann eine zu hohe Temperatur an und regelt herunter, obwohl es im Raum noch kühl ist. Ein sogenannter Offset, also der Unterschied zwischen der realen Raumtemperatur und der vom Thermostat gemessenen Temperatur, kann nicht per App festgelegt werden. Allerdings ist in Form eines Raumthermostats ein zusätzlicher Temperaturfühler erhältlich, der außerdem als Steuereinheit dient. Auf Nachfrage verriet uns Eberle, dass die dort gemessene Temperatur dann als führender Richtwert dient.

Der motorgetriebene Stift steuert das Heizungsventil.

Aus der Raumübersicht der App führt ein Klick in die Steuerung des jeweiligen Raumes. Dort bestimmt der Nutzer die Solltemperatur. Stellt er diese zum Beispiel hoch, dauert es bis maximal 60 Sekunden, bis der leise surrende Motor der Thermostate das Ventil öffnet.

Auf Wunsch verstellt man die Solltemperatur auch zeitlich begrenzt in den Intervallen 30 Minuten, ein, zwei und drei Stunden. Das Zeitprogramm bestimmt für jeden Wochentag in bis zu acht Zeitintervallen eine individuelle Solltemperatur. Das kann bei vielen Zeitintervallen pro Tag ganz schön fummelig werden. Praktischerweise gibt es eine Kopierfunktion, um zum Beispiel den Montag auf alle anderen Werktage zu übertragen.

Der Heat Report in der Tagesansicht.

Der optionale Eco Mode lernt anhand lokaler Wetterdaten die thermische Charakteristik eines Raumes kennen. Einfach gesagt: Heizt sich ein Raum bei Sonnenschein stark auf, weiß dies das System irgendwann und macht die Stellmotoren zu. Der Comfort Mode bewirkt, dass die eingestellte Temperatur zur eingestellten Zeit erreicht wird, indem die Thermostate frühzeitig aufdrehen. Der Abwesenheitsbetrieb senkt die Solltemperatur auf 16 Grad oder eine Wunschtemperatur.

Wiser kommt mit einer Fensteroffenerkennung, zumindest in der Theorie. So soll ein Thermostat abregeln, wenn es einen plötzlichen Temperaturabfall entdeckt, um unsinniges Heizen bei offenem Fenster zu verhindern. In der Praxis funktioniert das unzuverlässig. Auch eine bei Minusgraden minutenlang sperrangelweit geöffnete Terrassentür veranlasste keines der Thermostate zum Abdrehen. Nachdem wir einen Kühlbeutel aus dem Gefrierfach direkt auf ein Thermostat legten, benötigte es fast 2,5 Minuten, bevor der Motor das Ventil zuschraubte. Separate Fensterkontakte bietet Wiser nicht an.

Wiser ist erst seit einigen Monaten am Markt und Eberle ergänzte sein System bereits per Update mit neuen Features. Relativ frisch ist der Heat-Report, der in der App den Suffix Beta trägt. Dort stellt ein Diagramm je nach Raum in einer Tages-, Wochen-, oder Monatsansicht den Temperatursollwert, die Raumtemperatur und gleichzeitig die Außentemperatur sowie Sonnenauf- und Sonnenuntergang grafisch dar.

Wiser integriert sich anstandslos in bestehende Alexa- und Google-Home-Systeme und regelt fortan die Temperatur auf Zuruf. Mit Apple Homekit geht das nicht, noch nicht. Eberle verspricht, dies zukünftig zu unterstützen.

Wer direkt am Theromstat dreht, hebt oder senkt die Temperatur für eine Stunde um zwei Grad.

Leider unterstützt Wiser aus der App heraus kein Geo-Fencing. Es weiß also nicht, ob der Nutzer das Haus verlassen hat, um die Heizung selbständig herunterzuregeln. Bastler stört dies eher nicht, da sich Wiser mit IFTTT versteht. Die Plattform verbindet kompatible Produkte und Apps miteinander. Über Trigger genannte Auslöser leitet IFTTT so auf Wunsch komplexe Aktionen ein. Geo-Fencing ist über diesen Umweg möglich. Auf Wunsch lässt IFTTT auch die Hue-Lampen rot blinken, wenn die Thermostate die Solltemperatur erreichen, dreht die Heizung auf, wenn die Außentemperatur einen bestimmten Wert unterschreitet und vieles mehr. Wer bei IFTTT Wiser Heat in die Suchleiste eingibt, bekommt unzählige Rezeptvorschläge.

Das Wiser Heat Starter Kit inklusive des Hubs und zwei Thermostaten kostet 215 Euro, jedes weitere Thermostat etwa 50 Euro. Das optionale Raumthermostat kostet zusätzlich 65 Euro. Eberle hat außerdem eine Wiser Verteilerleiste für Fußbodenheizsysteme und einen Wiser Smart Plug angekündigt. Beide sollen sich in das System integrieren lassen.

(Kein Produktbild vorhanden)

Wiser Heat Starter Kit

Eberle Wiser Heizkörperthermostat (WV704R0A1804)

Wiser Heizkörperthermostat

Eberle Wiser Raumthermostat (WN704R0A1804)

Wiser Raumthermostat

Uns hat besonders das durchdachte Gesamtkonzept beeindruckt. Denn obwohl Wiser erst wenige Monate auf dem Markt ist, vermissen wir keine wichtigen Funktionen: Timer, Zeitpläne, Abwesenheits-Betrieb, Eco- und Comfort-Mode, Heat Report sowie über IFTTT sogar Geo-Fencing – alles ist an Bord. Lediglich die Fensteroffenerkennung enttäuschte. Optionale Fenstersensoren gibt es nicht.

Schade finden wir, dass Wiser zwingend das eigene, im Starter Kit enthaltene Hub benötigt, obwohl es auf den weit verbreiteten Zigbee-Verbindungstandard setzt. Auch vermissten wir eine Homekit-Integration, schließlich funktionieren Alexa und Google Home problemlos. Jedoch versprach uns Eberle, bei beiden Punkten zukünftig nachzubessern.

Aber kann man nun mit dem smarten Heizsystem trotz hoher Anfangsinvestition Geld sparen? Das lässt sich nicht grundsätzlich bejahen, hier spielen viele Faktoren wie die Größe des Heims, deren Bewohneranzahl und die Dämmung mit ein.

Der vielleicht wichtigste Faktor ist die Heizdisziplin der Bewohner. Wer regelmäßig beim Verlassen des Heims die Heizung abdreht, richtig lüftet und auch das Schlafzimmer nicht überheizt, hat mit Wiser Heat ein geringeres Einsparungspotenzial als weniger aufmerksame Bewohner. Eines gilt jedoch für alle Gruppen: Wiser Heat spart den Gang zu den Thermostaten und bringt so Komfort ins Haus.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige