TechStage
Suche

Ein Angebot von

Hands-on: LG G6 – eine ganz andere Strategie

1
von  //  Facebook Twitter Google+

Am gestrigen Sonntag, den 26. Februar 2017, hat das koreanische Unternehmen LG Electronics der Welt sein neues Flaggschiff-Smartphone präsentiert – das LG G6. Während das gesamte Pressevolk nach der offiziellen Pressekonferenz in die Hands-on-Area stürmte und teilweise live vor laufender Kamera seine Eindrücke sammelte, hielt ich mich etwas zurück und schaute aus der Ferne zu. Für das Hands-on für TechStage habe ich mir bewusst mehr Zeit gelassen und verzichtete darauf, einer der Ersten zu sein. Stattdessen ließ ich den Effekt des Telefons auf mich wirken – zu Recht, wie es sich im Nachhinein herausgestellt hat.

Genau wie jeder anderer in dieser Szene bekomme auch ich täglich Gerüchte und Leaks mit. Ein Bild hier, die andere Information da – das erreicht mich. Eines der Geräte mit den meisten durchgesickerten Details in diesem Jahr ist das G6 von LG. Teils angerissen durch den Hersteller selbst, teils von den bekannten Twitter-Leakern. Ich jedenfalls hatte diesem Jahr wenig Euphorie übrig für LG. Die Jungs und Mädels, die in Deutschland hinter den zwei Buchstaben stehen, mag ich gerne. Sie sind hilfsbereit, wo immer es geht, und schenken mir Vertrauen, als wäre es ein unendliches Gut. Nein, der Abstand hatte einen anderen Grund: Im letzten Jahr hat LG so viel Großartiges für das G5 versprochen, aber am Ende nichts Gescheites geliefert. Für die zahlreichen Kunden, die ihr Geld in ein „modulares und nachhaltiges Smartphone“ investiert und nichts Fertiges erhalten haben, gab es noch nicht einmal eine Entschuldigung in einem informellen Newsletter. Anstelle dessen sagte ein Repräsentant auf der Veranstaltung, dass es eine Erfahrung gewesen sei. Versteht mich nicht falsch, ich bin kein Hater. Lest Euch meinen Test zum G5 durch. Die Probleme sah ich schon damals kommen. Trotz meines Enthusiasmus für Smartphones bin vorsichtig an das G6 herangegangen.

LG G6 im Hands-On

Jetzt ist das LG G6 da. Die sechste Generation des damals vorgestellten Optimus G. Natürlich ist es nicht modular. Und ab hier werde ich auch nicht weiter heulen, versprochen. Unter dem Strich ist es ein extrem solides Smartphone mit einem futuristischen Design – das trifft’s. Das wird aber niemand so sehen, solange er das G6 nicht selbst in die Hände bekommt. Und zwar nicht für zwei Minuten, sondern länger. Klar kann man sich Bilder anschauen oder Videos. Meinungen dazu gibt es viele. Wirklich lieben oder hassen wird man es erst nach einer persönlichen Begegnung.

Und was ist nun das Besondere? Es ist das Design! In kurzen Worten: Möglichst viel Display an der Front. Das funktioniert, wenn man auf die vorderen Tasten verzichtet oder den drückbaren Fingerabdrucksensor nach hinten setzt. Der Bildschirm wurde bis zu den Rändern gezogen. Sogar die Radien des Metallgehäuses sind im Einklang: Die Ecken der Anzeige wurden abgerundet. Bei den aktuellen Modellen auf dem MWC sind die Rundungen noch nicht perfekt, sagte man uns. Beim finalen Produkt soll es stufen- und nahtloser aussehen.

Das randlose Display hat ein schlankes Bildverhältnis von 2:1. LG sagt allerdings 18:9, weil es sich eher nach 16:9 anhört; mathematisch ist beides richtig. Die Anzeige misst 5,7 Zoll in der Diagonalen. Von den Dimensionen wirkt das G6 wie ein iPhone 7 oder Galaxy S7. Wie dem auch sei, die Auflösung beträgt 2880 × 1440 Pixel. Genau wie die meisten neuen High-End-Geräte unterstützt auch das Display des LG G6 High Dynamic Range (HDR) – Bilder und Videos wirken dadurch lebendiger.

Das Telefon hat einen Metallrahmen und soll speziell dafür entwickelt worden sein, Alltagsgefahren wie Stürze und Stöße zu überstehen. Es komm in drei unterschiedlichen Farben: Weiß und Schwarz kam mir persönlich etwas plastisch vor, obwohl die Vorder- und Rückseite aus widerstandsfähigem Glas besteht. Wirklich zugesagt hat mir das silberne Modell, das metallisch wirkt. Das Gerät ist nach IP68 zertifiziert und damit staub- und wassergeschützt.

We der Vorgänger hat auch das G6 zwei Kameras auf der Rückseite. Sie bieten einen echten Mehrwert, weil sie unterschiedlich große Brennweiten haben. Beide Sensoren lösen zwar 13 Megapixel auf, sehen aber aufgrund des Blickwinkels von 125 und 71 Grad mehr oder weniger von der Umgebung. Dadurch ist eine Zoom-Funktion möglich. Gut für Situationen, in denen man einfach mehr einfangen will, ohne seine Position zu ändern.

Das Telefon arbeitet mit einem Snapdragon-821-Prozessor von Qualcomm, dazu gibt es vier GByte RAM. Der interne Speicher hat eine Größe von 32 GByte und kann mittels einer Speicherkarte erweitert werden. In anderen Märkten wird es eine Version mit 64 GByte geben. Leider sollen nur in den USA und in Asien erhältliche G6 drahtlos laden. Außerdem integriert ist ein hochwertigerer Digital-Analog-Umwandler, der bei unserem Modell fehlt. Mehr dazu bei mobiFlip.

Es gibt zwar eine 3,5 Klinke, aber ein gutes Lautsprechersystem leider nicht. Im 163 schweren G6 sitzt ein 3300 mAh Akku, der über USB Type C – basierend auf der Spezifikation USB 2.0 – schnell lädt. Noch in der ersten Hälfte des Jahres kommt das Telefon in den Handel. Einen konkreten Preis nennt LG bisher leider nicht.

Das ist es also, das LG G6. Was sind Eure Gedanken? Ich habe ziemlich gemischte Gefühle: Was ist, wenn sich LG in einem Jahr erneut für eine neue Strategie entscheidet und alle G6-Käufer fallen lässt? Die Hardware des Telefons ist nicht topaktuell: es ist „nur“ ein QSD821 drin. Kein Snapdragon 835, für den LG bis Sommer 2017 hätte warten müssen. Und dann bleiben noch zwei Fragen: Wird dieses Modell zuverlässig arbeiten oder Kinderkrankheiten mitbringen wie seine Vorgänger? Und warum bekommen wir in Deutschland nicht genau LG G6, was die Amerikaner und Asiaten bekommen?

Einloggen, um Kommentare zu schreiben

Anzeige