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HTC Vive Pro im Test: Teures VR-Erlebnis mit Schwächen

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Das VR-Headset HTC Vive Pro lockt im Vergleich zum Vorgänger mit höherer Auflösung und besserem Tragekomfort. Im Test waren wir begeistert – bis die Nachteile auftauchten.

Das Headset kommt mit den notwendigen Kabeln zum Nutzer. Es fehlen allerdings die Sensoren sowie die die Vive-Controller. Hier spaltet HTC die Kundschaft zwischen Privatanwendern und Firmen: Letztere können das „Vive Pro Full Kit“ für knapp 1400 Euro kaufen. Für private VR-Enthusiasten gibt es nur das HMD (Head Mounted Device, also die „Brille“) für knapp 880 Euro, die notwendigen zwei Sensoren und zwei Vive-Controller für Roomscale-VR schlagen mit über 530 Euro extra zu Buche. Preislich ist die „normale“ Vive viel interessanter: Dort kostet das Set mit Brille, Sensoren und Controllern 599 Euro.

Dank des neuen Plastikgestells sitzt die Vive Pro angenehm fest auf dem Kopf. Kopfhörer sind ebenfalls fest integriert.

Die Vive Pro wirkt deutlich wuchtiger als die normale Vive. Das liegt daran, dass die zwei seitlichen Kopfriemen einem Plastikrahmen gewichen sind. Das wirkt auf den ersten Blick seltsam, tatsächlich sitzt das Headset aber angenehm am Kopf – auch bei längeren Sessions. Ähnlich wie bei einem Fahrradhelm lässt sich das Headset mit einer Stellschraube an den Kopf anpassen und passt dann richtig gut. Das gilt auch für die Kopfhörer: Sie sind fest ins Headset integriert und wirken billig. Das täuscht aber, denn sie sitzen nicht nur fest auf den Ohren, sondern bieten auch einen richtig guten Sound.

Der Aufbau des Systems an sich ist erfreulich einfach. Die mitgelieferte Linkbox wird an Strom, USB 3.0 und einen Display-Port-Ausgang der Grafikkarte geschlossen. Anschließend wird das Headset mit einem Stecker an der Front der Box angesteckt, das war’s. HTC arbeitet noch an einer kabellosen Lösung, diese ist aber noch nicht verfügbar.

Zusatzkauf: Die Basistation für den Tracker und Controller liegen dem Vive Pro nicht bei.

Vive übergibt das Setup größtenteils an Steamvr. Dessen Assistent hilft beim Aufstellen der Sensoren, der Kopplung der Vive Controller oder eines Gamepads, dem korrekten Start des Headsets und der Einrichtung der Spielfläche. Dabei führt das System den Nutzer mit gut verständlichen Erklärungen und Grafiken durch die einzelnen Schritte. Wer bereits ein Vive hat, der kann die Konfiguration direkt für das Vive Pro nutzen, lediglich die Controller müssen neu gekoppelt werden. Wer das System komplett neu aufbaut, der braucht dafür in etwa eine halbe bis zu einer Stunde, abhängig vom zu schaffenden Raum. Für Roomscale, also die Nutzung der VR in einem größeren Raum, muss ein Platz von mindestens 1,5 × 2 m freigeräumt werden. Wer den Platz hat, sollte es aber unbedingt tun, denn dadurch wird das VR-Erlebnis noch intensiver.

Um es vorwegzunehmen: Die höhere Auflösung macht das Headset noch besser. Es fiel uns im Test noch einfacher, alles um uns herum zu vergessen und direkt in der Spielwelt aufzugehen. Das Tracking der Bewegungen funktioniert sehr gut, die Controller reagieren ohne Verzögerung. Der Sound ist knackig.

Das Kabel geht am Rücken des Nutzers zum PC. Es ist angenehm lang, wir freuen uns aber auf das kabellose Adapterkit, das HTC plant.

Ein Beispiel: In Skyrim VR hat uns allein die Anfangsszene einen Schauer über den Rücken gejagt. Wir laufen durch das brennende Dorf, der Drache taucht über uns auf und brüllt. Ein echter Schmaus für Augen und Ohren. Später schleichen wir durch Minen, einen Pfeil in den Bogen gespannt und halten den Atem an, wenn ein Bandit zu nahekommt. Der Einstieg in die Welt von Skyrim ist absolut faszinierend, was auch an der Steuerung liegt. Wir sind nicht an einem Punkt fest verwurzelt, sondern können uns durch die Welt teleportieren. Das funktioniert mit etwas Übung auch in den Kämpfen erstaunlich gut. Verglichen mit dem virtuellen Laufen mit einem Gamepad wurde uns dabei nicht übel. Die gleiche Technik kommt beispielsweise in Doom VFR zum Einsatz und funktioniert auch dort überraschend gut. Selbst in größeren Feuergefechten konnten wir flink durch den Raum teleportieren, während wir gleichzeitig den Höllenschergen mit virtuellen Waffen den Gar aus gemacht haben. Das war so überzeugend, dass wir am Ende leicht verschwitzt aus dem Spiel gegangen sind – hier spielt die Vive Pro ihre vollen Stärken aus.

Das Tracking des Nutzers beziehungsweise des Headsets und der Controller funktioniert einwandfrei. In dem Shooter Space Pirate Trainer konnten wir anfliegenden Projektilen sauber ausweichen, während wir gleichzeitig auf die Drohnen feuerten. Bei Eve:Valkyrie hatten wir allerdings Probleme mit der Übelkeit. Das lag allerdings nicht daran, dass das Spiel schlecht gerendert wird, im Gegenteil. Offensichtlich fand es der Körper des Testenden zu realistisch und wunderte sich, warum die Augen zwar einen Bewegungsimpuls liefern, der Rest des Körpers aber stillsitzt.

Alles in allem können wir unser Urteil vom Test der Vive nur wiederholen: Virtual Reality mit den HTC-Geräten ist einfach mitreißend.

Es gibt aber auch Schattenseiten: Zu oft sind wir über das Kabel gestolpert, das sich hinter uns nach unten schlängelt. Einen Teil der Aufmerksamkeit müssen wir entsprechend dafür reservieren, das bricht die Immersion immer wieder auf. Noch schlimmer sind aber die Linsen im Headset. Diese sind offenbar die gleichen wie im normalen Vive. Alles direkt vor uns wirkt scharf, sobald wir aber in den Augenwinkel nach links oder rechts blicken, verschwimmt das Bild. Da hilft es auch wenig, die Pupillendistanz anzupassen. Das hat Oculus beim mobilen Headset Go (Testbericht) deutlich besser gelöst. Schade, dass HTC für sein High-End-Gerät nicht mit ähnlich guten Linsen nachzieht.

Die Leistung der Brille steht und fällt mit dem zuspielenden PC. Ganz ehrlich, ohne eine Nvidia GTX 1080 oder das Pendant von AMD macht es keinen Spaß. Die VR-Leistung setzt die Grafikkarte enorm unter Druck, je langsamer der Bildaufbau, desto schlechter das VR-Erlebnis. Leider sind diese Karten derzeit noch extrem teuer.

HTC Vive Pro (99HANW017-00)

HTC Vive Pro

HTC Vive (99HAHZ0xx-00)

HTC Vive

HTC Vive Controller (99HAFR005-00)

HTC Vive Controller

HTC Basisstation für Vive (99HAFS005)

HTC Vive Basisstation

Die höhere Auflösung sorgt bei Spielen, die das unterstützen, für ein enorm gutes Eintauchen in die virtuelle Welt. Die Vive Pro reagiert flott auf die Bewegungen des Nutzers, Eingaben über die Controller funktionieren super. Allerdings gibt es derzeit kein wirkliches High-End-Spiel, das die Vive Pro voraussetzt. Skyrim VR, Doom VFR, Eve: Valkyrie oder der Space Pirate Trainer – alle lassen sich gut mit der normalen Vive spielen.

Enttäuscht sind wir von den Linsen in der Vive Pro, bei dem Preis hätten wir bessere erwartet. Dass Sensoren und Controller extra gekauft werden müssen, ist ein klarer Haken. Denn zusätzlich zur Vive Pro und dem nötigen Zubehör braucht es einen leistungsstarken Computer, der die höhere Auflösung rendern muss. Unser TechStage-Testssystem schafft das locker, kostet allerdings auch um die 2000 Euro. Wir empfehlen abzuwarten, bis das Headset in vernünftige preisliche Regionen fällt. Denn für 600 Euro samt Zubehör wäre es eine klare Kaufempfehlung. Bis dahin ist dann hoffentlich auch das kabellose Modul von HTC verfügbar. Denn ohne Kabel am Rücken hätte die Vive Pro ein echten Mehrwert gegenüber den anderen VR-Headsets.

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