HTC One mini 2 im Hands-on: Design vor Technik | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

HTC One mini 2 im Hands-on: Design vor Technik

von  //  Twitter

Ich mag Minis. Ja, die Autos auch, zumindest ein bisschen. Aber ich mag kleine Smartphones. Größer als 5 Zoll kann im Notfall ja ganz praktisch sein – wenn man zum Beispiel auf einer einsamen Insel gestrandet ist und für sein Floß noch ein Paddel braucht. Aber um im Großstadtdschungel nach dem Fahrplan zu suchen oder mit seinen Freunden zu kommunizieren? Da habe ich lieber etwas Handliches dabei.

Etwas handliches wie das Android-Smartphone HTC One Mini 2 zum Beispiel. Still und heimlich vorgestellt, ohne großes Tamtam, ab Juni überall verfügbar, als Vorab-Modell schon jetzt für ein ausführliches Hands-On auf meinem Schreibtisch. Das Gerät ist Vorserie, die Software ist nicht final, viele Dinge können sich noch ändern – deswegen lehnen wir uns mit der Kritik nicht aus dem Fenster. Bis zur Markteinführung wird sich noch einiges ändern. Nur eine Sache nicht: Das One Mini 2 gefällt mir. Sehr sogar, allerdings primär von außen. Aber immer der Reihe nach.

Ganz im Ernst: Ich könnte auf die Knie fallen. Genau SO muss ein Smartphone aussehen, genau SO muss es sich anfühlen. Zumindest dann, wenn es nach meinem Geschmack geht. Abgesehen von Kleinigkeiten sieht das One Mini 2 exakt so aus wie der große Bruder, das neue HTC One M8 – nur, dass ich es fast problemlos mit einer Hand bedienen kann.

Mein Testgerät ist in Grau gehalten. "Gunmetal Gray" nennt HTC diese Variante offiziell. Die Rückseite besteht aus gebürstetem Metall, nur unterbrochen von Kunststoff-Linien, die für die Antennen notwendig sind. Das Gehäuse fühlt sich stabil, kühl, hochwertig an. Wäre es ein Auto, würden die Türen beim Zuschmeißen satt ins Schloss fallen. "S-Klasse statt Dacia" denke ich mir, während ich die Rückseite streichel.

Im Detail hat HTC aber getrickst. Während das große One eine Unibody-Metallschale hat, die sich um den Rahmen zieht und sogar das Display umfasst, beschränkt sich der Alu-Anteil beim One Mini 2 wirklich nur auf den Akkudeckel. Die Bezeichnung ist zwar falsch, denn der Akku ist fest verbaut und die Rückschale lässt sich nicht abnehmen. Aber sie grenzt an Kunststoff, der sich seitlich um das Gehäuse zieht. Mir gefällt die Lösung beim großen Bruder besser, aber lägen die beiden Geräte nicht nebeneinander auf dem Tisch, wäre mir der Unterschied wohl nicht mal auf den zweiten Blick aufgefallen.

Kunststoff: Der Rahmen ist beim Mini im Gegensatz zum großen Bruder nicht aus Metall.

Das Mini ist etwas dicker als das große One. Ein Millimeter blos, und dank der abgerundeten Form merkt man es wieder nur, wenn beide Geräte nebeneinander auf dem Tisch liegen. In der Praxis stört mich das überraschenderweise gar nicht, obwohl ich diesen Punkt beim Lesen des Datenblatts als einen großen Haken eingeschätzt hätte.

Was mich beim One Mini 2 mehr stört, ist die vermeintliche Platzverschwendung. Zwar freue ich mich sehr über die Boom-Sound-Lautsprecher ober- und unterhalb des Displays. Aber irgendwie wirkt das One Mini auf mich einen halben Zentimeter zu lang. Ich kann es gerade nicht mehr mit einer Hand bedienen, ohne umzugreifen, und das Display fängt "zu weit oben" an. Irgendwie nicht Mini. Unten gibt es erst einen Zentimeter Lautsprecher, dann einen Zentimeter HTC-Logo, erst dann gibt's Touchscreen. Schade. Auch links und rechts des Displays ist der Rahmen breiter als bei anderen aktuellen Smartphones. Das ist nicht unbedingt schlimm, wirkt aber im direkten Vergleich etwas unmodern und will nicht so ganz zur ansonsten so genialen Optik passen.

Das HTC-Logo ist übrigens nicht nur Werbung mit Luft dahinter. Der Platz ist nötig, dahinter befinden sich Platinen, Akkus, Technik. Hätte man es weggelassen, hätte man Batteriekapazität oder Funktionen opfern müssen. Aber trotzdem, irgendwie wirkt es ... komisch.

Dass ich das Folgende jemals sagen würde, hätte ich nie gedacht. Aber: Ich wünsche mir den Ein-Aus-Taster auf der rechten Gehäuseseite statt oben. Der Grund: Selbst meine Pranken sind nicht groß genug, um das Handy ohne Umgreifen einschalten oder in den Schlaf schicken zu können.

Wirklich "Mini" finde ich 4,5 Zoll nicht. Es sind immerhin 0,5 Zoll mehr in der Diagonalen als das aktuelle Top-Smartphone von Apple zu bieten hat. Ohnehin ist der Vergleich zum iPhone 5S nicht von der Hand zu weisen: Beide Geräte haben eine Pixeldichte von exakt 326 ppi (Pixeln pro Zoll) – also könnte man die Anzeige des HTC One Mini 2 problemlos als "Retina" bezeichnen. Machen aber weder wir noch HTC, liebe Apple-Anwälte ;-)

Dennoch: Obwohl die Pixeldichte – und damit die Schärfe der Darstellung – eigentlich identisch sein sollte, sieht die Anzeige des One Mini 2 nicht so scharf aus. Homogene Flächen wirken irgendwie leicht pixelig, Weiß irgendwie nicht so Weiß, Bilder etwas ausgefranster als beim iPhone. Nicht schlimm. Jammern auf hohem Nievau. Aber wie immer: Im direkten Vergleich zum großen Bruder, zum sogar etwas günstigeren Huawei Ascend P7 und zum iPhone merkt man den Unterschied. Wir sind gespannt, ob sich daran bis zur offiziellen Markteinführung noch etwas tut. Mit harten Messwerten halten wir uns bis dahin vornehm zurück.

Aaaah, herrlich. Neben der Optik ist dieser Part sicherlich das Highlight des One Mini. Nach der Installation von Spotify und dem Start meiner Playlist lehne ich mich zurück. Fragen sammeln sich in meinem Kopf. Warum packen nicht alle Smartphone-Hersteller ihre Lautsprecher an die Front? Warum hat nicht jedes Handy Stereo-Sound? Warum klingt der Sound beim HTC so schön satt, so wenig blechern und bleibt noch bei voller Lautstärke klar und unverzerrt?

Und jetzt frage ich: Muss ich noch mehr sagen? Ich denke nicht. Na klar, wir haben hier keinen 5.1-Klang einer sündhaft teuren Bose-Heimkinoanlage. Und auch nicht den Klang einer Stereo-Anlage aus dem mittleren Preissegment. Aber wir haben mehr, als fast alle anderen Smartphones zu bieten haben. Punkt. Wer sein Handy nutzt, um damit laut Musik zu hören, kommt an HTC BoomSound derzeit nicht vorbei.

Wirklich "Mini" ist das Smartphone nicht – aber zumindest etwas kleiner. Glücklicherweise gilt das nicht für den Sound. Der ist auch beim Mini ganz großes Kino.

Auf Anhieb sieht der Unterschied zwischen One M8 und One Mini 2 bei der Kamera nicht nach Rückschritt aus. Ganz im Gegenteil. Während das große Modell Fotos mit 4 Megapixeln schießt (die dort Ultrapixel heißen und eine zweite 2-Megapixel-Kamera für 3D-Informationen mit an Bord ist), nimmt das Kleine Bilder mit ganzen 13 Megapixeln auf. Ist das nicht sogar besser?

Nicht unbedingt. Denn jeder einzelne Pixel hat bei der 4-Megapixel-Kamera des großen One deutlich mehr Platz als jeder einzelne Bildpuntk auf dem 13-Megapixel-Sensor des One Mini. Das bedeutet Nachteile für das Mini bei Aufnahmen in dunklen Umgebungen, eine geringere Serienbildgeschwindigkeit und weniger coole Aufnahme-Funktionen.

Die Highlight-Funktion, die automatisch Videos aus Fotos und kurzen Clips zusammenschneidet, gibt's auch beim One Mini. Die Zoe-App ist installiert, startet bei unserem Vorseriengerät aber noch nicht. Wohl erst zur Markteinführung werden wir herausfinden, was sie für einen genauen Funktionsumfang hat.

Beim ersten Blick auf die Aufnahmen können sich die Fotos durchaus sehen lassen. Sie weisen die typischen Schwächen von Handy-Kameras wie Bildrauschen bei dunkleren Umgebungen auf. Aber für Facebook, Instagram & Co. sind sie mehr als ausreichend.

Links das große One mit Dual-Kamera und Zweifarb-Blitz, rechts das kleine One mit 13-Megapixel-Digicam und Foto-LED.

HTC hat das One Mini 2 ganz klar ein gutes Stück entfernt vom One M8 positioniert, zumindest, was die technischen Daten angeht. Quad-Core-Prozessor ja, aber hier kommt "nur" ein Snapdragon 400 zum Einsatz. Dazu gibt es nur einen halb so großen Arbeitsspeicher. Klingt zunächst mal etwas unterdimensioniert, aber zumindest nach ein paar Stunden Praxiserfahrung vermissen wir die zusätzliche Power des großen Bruders nicht. Die Navigation durch die Menüs flutscht, Foto-Ansichten und Webseiten sind angenehm flüssig. Kein Problem. Und dank flottem LTE-Datenfunk ist auch der typische Flaschenhals der Internet-Verbindung keine Bremse.

Problematisch ist höchstens die Ausstattung im Verhältnis zum Preis. Denn in der mobilen Mittelklasse gehört das One Mini 2 definitiv zu den teureren Produkten. Zum Vergleich, für weniger Geld gibt's das Huawei Ascend P7. Ja, Huawei klingt chinesisch und nicht so toll wie HTC (wobei wir da mal schnell vergessen, dass HTC für High Tech Computer steht). Aber das Ascend P7 (Hands-on-Video) hat eine unverbindliche Preisempfehlung von 419 Euro. Dafür gibt's ebenfalls Glas und Metall statt Plastik, ein größeres Display mit Full-HD-Auflösung und so weiter. Größeres Display? Ja, genau – da sind wir wieder. Wer etwas kleineres haben will, muss halt mit der abgespeckten Ausstattung zurecht kommen. Eine weitere Alternative könnte das Sony Xperia Z1 compact (Hands-on-Video) sein – ähnlich klein wie das One Mini 2, aber dank Snapdragon 600 und 2 GByte RAM mit mehr Power.

Der 16 GByte große interne Speicher hingegen sollte den meisten Anwendern ausreichen. Für Fotos, Filme und Musik gibt's ja auch noch einen microSD-Speicherkartenslot. Über die weiteren Ausstattungsmerkmale des One Mini 2 informiert das folgende Datenblatt.

Hersteller HTC
Straßenpreis unbekannt
Betriebssystem Android
Display 4,50 Zoll / LCD
Auflösung 1280 × 720 Pixel / 326 ppi
Kamera 13 Megapixel / BSI-CMOS
Blitz, Videoleuchte Foto-LED
Bildstabilisator nein
Auflösung (Video) 1920 x 1080
Frontkamera 5 Megapixel
Prozessor Qualcomm Snapdragon 400 / 1,2 GHz / 4 Kerne
Speicherkartenslot ja / microSDXC bis 128 GByte
LTE ja / 800, 1800, 2600
WLAN 802.11 a/b/g/n
Bluetooth 4
NFC ja
GPS / Glonass ja / ja
Radio / FM-Transmitter ja / nein
Akku-Kapazität 2100 mAh / k. A.
Standby / Gesprächszeit 2G k. A. / k. A.
Standby / Gesprächszeit 3G 556 h / 16,2 h
Abmessung 65 × 137 × 11 mm
Gewicht 136 Gramm

Da es sich bei unserem One Mini 2 noch um ein Vorserienmodell handelt, verzichten wir auf Benchmark-Tests. Auf Anhieb würde ich sagen, dass die Power für den normalen Alltag absolut ausreichen sollte. Nerviges Geruckel gab es bei uns nicht.

Die Batterie hat eine Kapazität von 2100 mAh. Das liegt für diese Display-Diagonale etwa im Schnitt. Ausführliche Testergebnisse liegen uns noch nicht vor; wir warten auf das finale Gerät.

Die Software kennen wir schon. Auf dem Mini 2 laufen Android 4.4 alias KitKat und die HTC-eigene Sense-Oberfläche in der Version 6.0. Das sieht gut aus, funktioniert gut, hat viele Funktionen. Für mich persönlich gehört Sense neben der Sony-UI weiterhin zu den attraktivsten Hersteller-Oberflächen bei Android-Smartphones.

Zur Software des HTC One Mini 2 werden wir demnächst noch mehr zeigen.

Das HTC One Mini 2 gefällt mir optisch wahnsinnig gut. Fast schon unschlagbar gut sind Lautsprecher und Verarbeitungsqualität. Display und Power sind angemessen – hier fällt aber im direkten Vergleich zu anderen Geräten auf, dass es noch besser ginge. Mit ein paar Details komme ich aber nicht so ganz klar. Der Ein-Aus-Taster sitzt an der falschen Stelle und die Anzeige sitzt etwas zu weit oben. Und dann ist da noch der Preis. Gehobene Mittelklasse, ganz klar, und irgendwie scheint das One Mini 2 sein Geld auch wert zu sein. Allein schon, wenn ich wieder über das Gehäuse streichel ...

Aber in Hinblick auf die Konkurrenz, allen voran auf die Neuankömmlinge aus China, passt das irgendwie nicht. Da erscheint mir das neue HTC zumindest zum Preis seiner unverbindlichen Preisempfehlung einfach zu teuer zu sein. Ich bin gespannt, wie schnell und wohin die Kosten fallen. Denn echte Ladenpreise gibt's noch nicht.

HTCs Vorteil ist aber an dieser Stelle der Formfaktor. Denn auch die chinesischen Hersteller bauen eher Paddel als "Handys" – und wer deutlich unter fünf Zoll bleiben möchte, stolpert mangels Alternativen somit automatisch über das One Mini 2. Und ganz klar: Ein schlechter Kauf wird das nicht sein.

HTC One Mini 2 im Hands-on (16 Bilder)

HTC One Mini 2: Isometrisch

Hier ist das neue HTC One Mini 2 von vorne zu sehen. Es sieht dem One M8 zum Verwechseln ähnlich – nur die Proportionen sind eben ein wenig anders.

Einloggen, um Kommentare zu schreiben