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Günstiger Kurzdistanz-Beamer Xiaomi Laser Projector im Test

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Laser-Lichtquelle, 4K-Upscaling, Android TV, 150-Zoll-Bild mit 50 cm Abstand – und das für unter 1700 Euro. Wir testen den Kurzdistanz-Beamer Xiaomi Laser Projector.

Der schicke Xiaomi Laser Projector ist bereits seit über einem Jahr in China auf dem Markt. Seit kurzem verkauft Xiaomi ihn auch in Europa offiziell. Größter Unterschied zur chinesischen Version: Der DLP-Kurzdistanz-Beamer setzt nun auf Android TV 8.1 statt vorher MIUI TV. Die Benutzeroberfläche ist nun komplett lokalisiert (wenn auch mit einigen Rechtschreibfehlern) und es gibt den Google Playstore. Dafür soll die Bildqualität einen Hauch schlechter sein, 3D wird nicht mehr unterstützt und die Bildeinstellungen wurden beschnitten. Wir haben uns den Xiaomi Laser Projector im Test ganz genau angeschaut.

Der Xiaomi Laser Projector projiziert mit einem Abstand von 50 cm ein knapp 4 m (über 150 Zoll) großes Bild auf die (Lein-)Wand. Bei 30 cm verringert sich die Größe auf 3 m (etwa 120 Zoll), bei 10 cm auf 2 m (80 Zoll). Damit bietet er ein deutlich höheres Projektionsverhältnis als der Optoma GT1080 Darbee (Testbericht), kommt aber nicht ganz an den Ultra-Kurzdistanzbeamer LG HF85JS (Testbericht) heran.

Schon bei sehr geringem Abstand erzeugt der Xiaomi Laser Projector ein großes Bild.

Der Xiaomi Laser Projector kann das Bild vertikal und horizontal zu spiegeln, um ihn für Rückprojektion zu nutzen oder ihn an einer Decke zu montieren. Über vier Gewinde an seiner Unterseite hält er an einer als Zubehör erhältlichen Deckenhalterung.

Geometrische Verzerrungen gleicht der Beamer digital aus, eine mechanische Linsenverstellung fehlt. Allerdings war dies im Test dank fein über Drehrädchen justierbarer Füßchen auch nicht nötig.

Nutzer sollten unbedingt auf eine plane Projektionsfläche achten. Denn wegen des sehr spitzen Projektionswinkels führen schon kleine Unebenheiten der Wand oder der Leinwand zu deutlicheren Verzerrungen im Bild, als das bei konventionellen Beamern der Fall ist.

Xiaomi gibt die Helligkeit mit 5000 Lumen an. Sie wird über die drei Modi Standard, Ansichtsmodus und Markiermodus reguliert und verteilt sich gleichmäßig über das gesamte Bild. Im Test ist der Xiaomi Laser Projector trotz der vergleichsweise hohen Helligkeit nur bei einer geringen Bildgröße von 70 Zoll annähernd für Tageslicht geeignet, lässt sich so aber gut in nur leicht abgedunkelten Räumen nutzen. Wie bei Projektoren dieser Helligkeit üblich, zeigt er nur bei einem komplett abgedunkelten Raum sein bestes Bild. Als vollwertiger Ersatz für einen Fernseher dient er deshalb nur im Einzelfall.

Der Xiaomi Laser Projector setzt auf ein ALPD-3.0-Lasermodul als Lichtquelle. Das hat den Vorteil einer längeren Lebensdauer und geringerer Abwärme sowie Stromverbrauch. Laut Xiaomi besitzt das Lasermodul eine Lebensdauer von 25.000 Stunden – mehr als das Zehnfache konventioneller Lampen. Die geringere Abwärme resultiert leider nicht in einer geringeren Lüfterlautstärke. Ganz im Gegenteil: Der Xiaomi Laser Projector surrt deutlich hörbar vor sich hin. Zum monotonen Störgeräusch gesellt sich bei unserem Modell noch ein hochfrequentes Pfeifen.

Über einen gewölbten Spiegel projiziert der Xiaomi Laser Projector ein sehr gutes Bild an die Wand.

Der Xiaomi Laser Projector setzt auf die weit verbreitete DLP-Technik. Der 0,47 Zoll große DMD-Chip kann maximal 1920 × 1080 Pixel darstellen. Allerdings beherrscht der Xiaomi Laser Projector 4K-Upscaling, indem er seine Pixel schnell – und damit für das Auge unsichtbar – horizontal und vertikal verschiebt. Das Ergebnis beeindruckt und ist kaum schlechter als das von nativen 4K-Beamern, die noch immer mindestens 4000 Euro kosten. Hier haben wir eine Marktübersicht bezahlbarer 4K-Beamer zusammengestellt.

Auf dem Papier bietet der Xiaomi-Beamer ein Kontrastverhältnis von 3000:1 und damit deutlich weniger als der LG HF85JS (Testbericht) mit 150.000:1 Im Test fiel der Unterschied nicht auf. Der Xiaomi-Kurzdistanz-Projektor zeigt sehr gute Schwarzwerte.

Nicht ganz so gut gefällt uns in den Werkseinstellungen die Farbwiedergabe. Sie wirkt kühl und auf Verkaufsräume abgestimmt. Der RGB-Farbraum kann nicht angepasst werden. Allerdings empfehlen wir den Modus Filmwiedergabe für ein wärmeres und deutlich ausgewogeneres Gesamtbild.

Wer direkt in die Lichtquelle schaut, kann seine Augen schädigen. Deswegen schalten Sensoren das Bild dunkel, sobald sie vor der Lichtquelle Bewegung erkennen. Dies kann in einigen Fällen zum Beispiel bei einer Vorführung vor Kindern sinnvoll sein. Dieses Feature lässt sich in den Optionen deaktivieren.

Das Sound-System sorgt für außergewöhnlich guten Klang.

Den Klang gibt der Beamer über zwei Vollfrequenzlautsprecher und zwei Hochtöner wieder, die sich hinter der schicken, schwarzen Front verstecken. Dabei verbaut Xiaomi das gleiche Soundsystem wie in seinen TV-Geräten und unterstützt Dolby Audio und DTS HD. Das Ergebnis kann sich hören lassen und übertrifft die meisten Konkurrenzprodukte um Längen. Es ist laut, bietet klare Höhen und einen erstaunlichen Bass.

Audiophile werden dennoch ihre eigene Anlage anschließen. Dafür steht ihnen ein digitaler optischer Ausgang und ein analoger 8,5-mm-Klinkenstecker zur Verfügung. Wer mag, kann dem Gerät über einen zusätzlichen Klinkenstecker auch Audio zur Ausgabe zuspielen.

Der Xiaomi Laser Projector setzt auf Android TV 8.1.

Die Initialisierung von Android TV 8.1 geht innerhalb von zehn Minuten über die Bühne. Neben dem Google-Konto können Nutzer auch ihr Smartphone verknüpfen, um davon Inhalte zu streamen oder es als alternative Fernbedienung zu nutzen. Das ist vor allem immer dann sinnvoll, wenn Text eingegeben werden soll. Über die virtuelle Tastatur des Smartphones geht das deutlich schneller von der Hand als mit der umständlichen Buchstabensuche per Fernbedienung.

Der Xiaomi-Beamer unterstützt zum Beispiel zur schnelleren Texteingabe den Google Assistant. Dafür halten Nutzer den Mikrofon-Knopf auf der Fernbedienung gedrückt und sprechen ihren Befehl. Die aufgeräumte und optisch ansprechende Fernbedienung verbindet sich über Bluetooth mit dem Projektor.

Xiaomi installiert einige Apps wie Youtube, Red Bull TV und Ted vor. Weitere Apps wie Zattoo, Dazn und Kodi stehen im Google Playstore bereit. Allerdings fehlen viele beliebte Apps wie Netflix oder Amazon Instant Video. Auf Nachfrage verriet uns Xiaomi, dass sie sich der Problematik bewusst sind und an einer Lösung arbeiten.

Bild: Die Fernbedienung verfügt für den Google Assistant über ein Mikrofon.

Die fehlenden Apps lassen sich nur über Umwege auf dem Gerät installieren, denn von Haus aus erkennt der Beamer den an einen der zwei verfügbaren USB-Ports angeschlossenen Stick nicht als Datenspeicher. Stattdessen will er ihn so formatieren, dass er den internen Speicher von 16 GByte (8,8 frei) erweitert.

Allerdings kann man über den Google Playstore einen Browser wie Puffin und einen Datei-Explorer installieren. Wer nun über den Browser eine APK herunterlädt, kann sie nach der Freigabe von Dritt-Apps in den Einstellungen über den Datei-Explorer installieren. Oder man kopiert APKs vom Rechner auf einen USB-Stick und öffnet diesen auf dem Projektor mit dem Datei-Explorer. Uns gelang es so zum Beispiel in Kombination mit einer Maus Netflix zum Laufen zu bringen. Einfacher wird die Suche nach passenden APKs über alternative App-Stores wie dem Aptoide TV. Im Netz kursieren auch Anleitungen zum Root des Geräts.

Wer keine Lust auf derartige Experimente hat, den empfehlen wir einen externen 4K-Zuspielern wie den Fire TV Stick 4K (Testbericht), die Playstation 4 Pro (4K-Test), die Xbox One X (4K-Test), Chromecast, Apple TV 4K und so weiter über einen der drei HDMI-Ports anzuschließen.

Amazon Fire TV Stick 4K mit Alexa Sprachfernbedienung (53-008357)

Fire TV Stick 4K

Sony PlayStation 4 Pro - 1TB schwarz

Playstation 4 Pro

Microsoft Xbox One X - 1TB schwarz

Xbox One X

Google Chromecast Ultra

Chromecast Ultra

Apple TV  4K 32GB (MQD22FD/A)

Apple TV 4K 32 GByte

Derzeit kostet der Xiaomi Laser Projector 1700 Euro. Allerdings war er in den letzten Wochen auch schon auf 1450 Euro reduziert. China-Shops wie Gearbest oder Bangood führen ihn dauerhaft für etwa 1500 Euro.

Der Xiaomi Laser Projector ist fast schon alternativlos. In seiner Preisklasse bietet kein anderer Beamer ein derart stimmiges Gesamtpaket aus hoher Helligkeit mit Laser-Lichtquelle, toller Bildqualität mit 4K-Upscaling, Kurzdistanztechnik, schickem Design, guter Klangqualität, vielen Anschlüssen und Android-TV-Betriebssystem. Schade ist allerdings, dass beliebte Apps wie Netflix und Amazon Instant Video nicht ohne Umwege installierbar sind. So richtig hat uns eigentlich nur das recht laut und teilweise hochfrequente Lüftergeräusch gestört.

Wer dennoch nach einer Alternative sucht, sollte sich den LG HF85JS (Testbericht) genauer anschauen. Er kostet nur wenig mehr, ist kompakter, etwas leiser und bietet ein etwas höheres Projektionsverhältnis. Dafür kann er kein 4K, ist langsam, hat keinen guten Klang und nervt mit dem umständlichen und unflexiblen Web-OS-Betriebssystem.

Eine weitere Alternative im Bereich der Kurzdistanz-Projektoren ist der Optoma GT1080 Darbee (Testbericht). Er ist dem Xiaomi Laser Projector zwar in so gut wie allen Bereichen unterlegen, sicherte sich im Test aber dennoch die Note 2. Noch dazu kostet er mit gut 800 Euro nur die Hälfte.

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