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Günstiger 3D-Drucker mit 2K-Auflösung: Longer Orange 30

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Ein Resin-Drucker mit hoher Auflösung für 240 Euro klingt vielversprechend. TechStage hat das Einsteiger-Modell Orange 30 getestet und verrät, wie es sich gegenüber der Konkurrenz schlägt.

3D-Drucker locken mit mittlerweile günstigen Preisen und einer hohen Druckqualität. Neben den bekannteren FDM-Druckern, die mit Filament arbeiten, werden auch die SLA-Drucker immer interessanter. Diese belichten flüssiges Harz und erreichen so beeindruckende Detailgenauigkeit.

Zum Thema SLA-3D-Druck sind unter anderem folgende Artikel erschienen:

Der Orange 30 ist für ein Low-Budget-Produkt erfreulich ordentlich verpackt in der Redaktion an. Nach dem Öffnen des ordentlich gepackten Kartons vermissen wir zunächst die orange Kunststoffhaube des Druckers. Zu unserer Überraschung muss man diese erst selbst zusammenbauen – ein klarer Minuspunkt, auf den wir weiter unten noch einmal eingehen. Ansonsten entspricht das Design anderen Resin-Druckern wie dem Elegoo Mars (Testbericht). Die Abmessungen des Druckers entsprechen etwa der vom Anycubic Photon (Testbericht). Der Druckraum des Orange 30 beträgt 120×68×170 mm, die minimale Schichtdicke 0,01 mm.

Der Drucker hat ein hochwertiges, schwarzes Metallgehäuse und einen farbigen Touchscreen zur Bedienung. Der Netzschalter des Orange 30 ist auf der Rückseite installiert. Warum der USB-Slot ebenfalls rückseitig installiert ist, bleibt rätselhaft. Da Druckdaten nur per Speicherstick übertragen werden, wäre eine Positionierung an einer der Seiten oder an der Front deutlich praktischer gewesen.

Der Aufbau des Druckers ist dem von anderen Modellen sehr ähnlich.

Die orangene Kunststoff-Haube zum Aufsetzen ist der vom Elegoo Mars recht ähnlich, allerdings muss der Nutzer sie zunächst zusammensetzen; mit einfachen Gummibändern! Das hat sicherlich Kostengründe und ermöglicht außerdem eine kompaktere Verpackung. Trotzdem würden wir uns hier eine andere Lösung wünschen. Zum einen ist der Zusammenbau sehr fummelig und zeitaufwendig, – alleine das Abziehen der Schutzfolien dauert eine gefühlte Ewigkeit. – Zum anderen ist die Lösung weniger stabil und zudem nicht dicht. Im Ergebnis dringt deutlich mehr Resin-Geruch aus dem Drucker als es bei anderen Modellen der Fall ist. Mittelfristig empfehlen wir das nachträgliche Abdichten mit Silikon oder Epoxidharz. Für eine bessere Stabilität gibt es außerdem Tuning-Teile zum selbst ausdrucken. Wegen deren großer Abmessungen, muss man diese aber auf einem größeren FDM-Drucker ausdrucken. Immerhin erlauben die orange gefärbten Scheiben einen Blick ins Innere und halten gleichzeitig das UV-Licht draußen. So ist das empfindliche Resin geschützt und härtet nicht unbeabsichtigt aus.

Druckplattform und Resin-Behälter bestehen zwar aus Metall, wirken aber wegen der groben Bauweise nicht so wertig, wie der Rest vom Orange 30. Insbesondere die sichtbaren Schweißpunkte am Tank wirken eher provisorisch als professionell. Die eloxierten Wannen beim Anycubic Photon oder Mars Elegoo sind deutlich schicker. Letztlich ist die Konstruktion aber stabil und erfüllt ihren Zweck.

Der Resin-Tank ist zwar nicht sexy, aber funktionell.

Die Bedienung per Touch-Eingabe ist intuitiv und übersichtlich gestaltet. Die Druckdaten werden sogar als Grafik angezeigt, was die Auswahl des gewünschten Modells erleichtert.

Neben dem Drucker gehören USB-Stick, Anleitung, Gummihandschuhe, Staubschutzmasken, Einwegfilter, Metall-Spachtel und Werkzeug zum Lieferumfang. Auch eine Flasche (1000 ml) durchsichtiges Resin liegt bei. 

Beim Blick auf den mitgelieferten USB-Stick sind wir positiv überrascht. Neben Anleitung, Kurzanleitung, Slicing-Software (für Mac und Windows) und einigen Test-Objekten, hat der Hersteller eine ganze Reihe an Video-Tutorials auf den Speicher gepackt. Diese erklären jeden Arbeitsgang sehr anschaulich und erleichtern den Einstieg. Die Suche nach Anleitungen auf Youtube kann man sich getrost sparen.

Der eigentliche Aufbau ist dank der Kurzanleitung unkompliziert. Der Nutzer muss lediglich die Schutzhaube zusammensetzen, den Druckkopf am Drucker anbringen und ihn dann kalibrieren. Das geht einfach von der Hand: Zuerst wird der Resin-Tank entfernt. Dann werden die vier Schrauben der Druckplattform gelockert und dieser auf ein auf dem Display liegendes Blatt Papier abgesenkt. Nun wird die Plattform mit der Hand auf das Display gedrückt und die Schrauben angezogen. Nach dem Anheben der Plattform kommt der mit Harz befüllte Resin-Tank auf den Drucker. Das Festschrauben des Resin-Tanks ist dabei weniger komfortabel als beispielsweise der Schiebemechanismus beim Nova3d Elfin (Testbericht).

Die Touch-Bedienung ist intuitiv und klappt problemlos.

An Software wird lediglich der sogenannte Slicer benötigt. Dieser wandelt das 3D-Objekt in einzelne Schichten um und erklärt dem Drucker, mit welchen Belichtungszeiten und mit welcher Schichtdicke er arbeiten soll. Im Test nutzen wir die herstellereigene Slicing-Software. Hier sind die wichtigsten Funktionen intuitiv verfügbar und das Unterteilen des 3D-Modells in einzelne Schichten klappt verhältnismäßig schnell. Eine praktische Besonderheit des Programms: Die 3D-Objekte werden vor dem Slicen auf Fehler geprüft und bei Problemen direkt repariert. Im Normalfall benötigt man für diesen Schritt eine zusätzliche Software.

Alternativ funktioniert beispielsweise auch die kostenlose Software Chitubox, mit der wir bereits Erfahrungen beim Test des Elegoo Mars gesammelt haben. Vorbildlich: Für den kostenlosen Slicer bietet Longer sogar ein vorgefertigtes Druckerprofil für den Orange 30 an. Zum Erstellen von 3D-Objekten ist die Slicing-Software allerdings ungeeignet. Hier lohnt der Blick auf die 3D-Software von Windows oder das deutlich komplexere Autodesk Fusion360.

Praxistipp: Damit es dann tatsächlich losgehen kann, sind aber erst noch ein paar Dinge nötig, die bei keinem Drucker im Lieferumfang enthalten sind. Dazu gehört eine UV-Lampe zum endgültigen Aushärten des 3D-Drucks. Für die Reinigung von Druckplattform, Resin-Tank, Spachtel und fertigem Druckerzeugnis sind außerdem Isopropanol und Toilettenpapier nötig. Um eine größere Sauerei zu vermeiden braucht es außerdem eine Unterlage aus Pappe oder Papier. Latexhandschuhe, Atemschutzmaske und Resin-Filter gehören zwar zum Lieferumfang, trotzdem sollte man sich gleich einen kleinen Vorrat davon zulegen. Die Filter kommen immer dann zum Einsatz, wenn nach dem Druck übriggebliebenes Harz zurück in die Vorratsflasche gefüllt wird. Wer nicht händisch trocknen und nachhärten will, sollte sich die Cure&Wash-Station von Anycubic (Testbericht) ansehen. Alternativ empfehlen wir den Artikel 3D-Drucker: Das wichtigste Zubehör für Resin-Drucker .

Die Kalibrierung ist denkbar unkompliziert.

Zuerst drucken wir Objekte vom mitgelieferten USB-Stick. Die erste Testdatei dauert knapp über vier Stunden. In dieser Zeit sind vom Drucker lediglich der Schrittmotor der Z-Achse und der Lüfter zu hören. Die Lautstärke ist niedriger als beispielsweise beim Elegoo Mars; flüsterleise ist der Orange 30 aber auch nicht.

Nach Ablauf der Zeit hängt an der ganz nach oben gefahren Druckplattform unser erstes Testobjekt. Die kleine Büste ist sehr gut gelungen; die Druckqualität überzeugt auf ganzer Linie. Die Oberfläche ist spiegelnd glatt, die Kanten scharf und die einzelnen Schichten praktisch nicht zu erkennen. Selbst sehr feine Details sind perfekt gedruckt und gut zu erkennen. Dank der hohen Auflösung stehen die Druckergebnisse denen vom teureren Nova3d Elfin oder dem Elegoo Mars in Nichts nach.

Die Druckqualität überzeugt auch im Vergleich zu anderen Druckern.

Unser erster Versuch mit eigener Vorlage funktionierte leider nicht. Das Problem war in weiteren Durchgängen mit eigenen Daten allerdings nicht reproduzierbar.

Was uns gut gefällt ist die Temperaturmessung während des Druckvorgangs. Wird es im Inneren des Orange 30 zu heiß, unterbricht er die Arbeit, bis er abgekühlt ist. Das ist sehr vorbildlich, um das Display zu schonen. Noch besser als die Pausefunktion wäre natürlich ein zweiter Lüfter, um die Abwärme aus dem Gehäuse zu bekommen. Trotzdem ist die Funktion lobenswert, denn hohe Temperaturen sorgen bei anderen Druckern, wie dem Nova3D Elfin, immer wieder zu Problemen und zerstören die empfindlichen Displays.

Bei einem Druck auf die Pausetaste, bleibt der Orange 30 stehen. Im Gegensatz zum Elegoo Mars fährt die Druckplattform während der Unterbrechung nicht nach oben. So kann man weder vernünftig Resin nachfüllen, noch nachsehen, ob der Druck überhaupt an der Plattform haftet. Wir selbst nutzen die Funktion in der Praxis zwar nur selten, trotzdem hoffen wir, dass der Hersteller hier mit einer neuen Firmware nachbessert.

Praxistipp: Während des Drucks und bei Nichtbenutzung sollte die Haube des Orange 30 aufgesetzt sein. Das reduziert Ausdünstungen und schützt das Resin vor UV-Strahlung. Sobald wir mit dem Resin arbeiten, benutzen wir grundsätzlich Handschuhe und Atemschutz. Dies ist wichtig, da das Harz im flüssigen Zustand gesundheitsschädlich ist und über Haut und Ausdünstungen aufgenommen wird. Während der Arbeiten am Drucker sorgt ein gekipptes Fenster für zusätzliche Frischluftzufuhr. Der Geruch des Longer-Resins ist vergleichsweise zurückhaltend, bei offenem Fenster nimmt man kaum etwas davon wahr. 

Longer Orange 30 (23 Bilder)

Das bei unserem Drucker mitgelieferte Resin des Herstellers Longer ist aktuell von keinem Händler im Preisvergleich gelistet. Das ist allerdings nicht weiter schlimm, da der Orange 30 ebenso gut mit dem Verbrauchsmaterial anderer Hersteller funktioniert. Entscheidend ist, dass das Resin bei einer Lichtwellenlänge von 405 nm aushärtet. In unserem Resin-Vergleich: Fünf Harze für SLA-Drucker im Test zeigen wir die Unterschiede beim Material.

Der Folienboden des Resin-Tanks ist austauschbar. Ersatzfolien sind von verschiedenen Herstellern verfügbar. Verbrauchsmaterial, wie Filter, Handschuhe, Isopropanol oder Staubmasken sind, ebenso wie zahlreiche Ersatzteile, beispielsweise auf Amazon erhältlich.

Zum Testzeitpunkt ist der Orange 30 für knapp 240 Euro zu bekommen. Damit gehört er zu den günstigsten Resin-Druckern, die über ein 2K-Display verfügen. Nur Geräte mit geringerer Auflösung sind noch deutlich billiger zu bekommen. Allerdings sind die Geräte von Anycubic, Elegoo und Nova3d in den letzten Monaten ebenfalls erheblich günstiger geworden und teilweise günstiger zu bekomen.

Wer einen günstigen und gut funktionierenden SLA-Drucker sucht, bekommt mit dem Longer Orange 30 einen guten Drucker für Einsteiger. Neben dem fairen Preis überzeugen die einfache Bedienung, das gute Druckergebnis und die hilfreichen Video-Tutorials.

Das Handling des Orange 30 ist intuitiv und unkompliziert. Lediglich die Platzierung des USB-Slots und die Selbstbauhaube geben Punkteabzug. Ist der kleine Bauraum ausreichend, kann man beim Orange 30 guten Gewissens zuschlagen.

Wer seinen Drucker per WLAN ansteuern möchte, sollte sich alternativ den Nova3d Elfin (Testbericht) ansehen. Dieser ist stark im Preis gefallen und aktuell nur knapp 10 Euro teurer als der Orange 30. Der Elegoo Mars (Testbericht) verzichtet zwar auf WLAN, dafür ist er ab 220 zu bekomen.

Noch billiger sind FDM-Drucker. Der Artikel UV-Harz oder Kunststoff-Filament: 3D-Drucker im Vergleich zeigt, wie sich die Geräte unterscheiden. Ein weiterer Vorteil der Filamentdrucker: Wegen des größeren Bauraumes ermöglichen sie Drucke, die vier bis sechsmal größer sind als die von Resin-Druckern. Wir empfehlen beispielsweise ein Modell aus der Creality-Ender-Reihe (Ratgeber) oder den XL-Drucker Tronxy X5SA (Testbericht).

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