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Grundig 55 GOB 9099: Guter OLED-TV mit Amazon-OS

von  //  Twitter

Fire TV statt Grundig-OS: Der GOB 9099 ist einer der ersten UHD-Fernseher, der komplett auf Amazon Fire TV als Betriebssystem setzt. Wir testen, wie gut das in der Praxis klappt.

Grundig kämpft sich zurück in den TV Markt. Damit das leichter wird, lässt das Unternehmen sein verstaubtes TV-Betriebssystem Vision OS in der Schublade und stattet seine OLED-Fernseher mit dem Fire TV Os von Amazon aus. Im Test zeigen wir, warum das die richtige Entscheidung war.

Der Test des GOB 9099 ist Teil unserer Themenwelt rund um smarte UHD-TVs. Dort haben wir bereits Tests zum Sharp Aquos LC-70UI7652E, zum Sony KD-65AG9 oder zum Philips 55OLED803 veröffentlicht.

Den Aufbau des Grundig 55 GOB 9099 sollten zwei Personen durchführen. Der OLED-TV ist zu sperrig, um ihn allein zu heben. Idealerweise sollte die Schutzfolie auf dem Bildschirm bleiben, dann kann man ihn auf die Front legen, ohne dass es zu Kratzern kommt. Damit das Gerät solide steht, müssen sowohl die silbernen Standfüße wie das (deutlich schlichtere) L-förmige Stück angeschraubt werden. Letzteres sorgt dafür, dass der TV nicht nach hinten umkippt. Es steht aber mit knapp 11 cm vergleichsweise weit nach hinten über, so dass man den TV nicht wirklich plan an eine Wand bekommt.

Gerade beim Übergang zwischen Schwarz und Farbe, wie hier beim Teaser für "Joker" kann der TV dank OLED so richtig punkten.

Die Anschlüsse sind auf der linken Seite des TVs untergebracht. Nach unten zeigen die Buchsen für Kabel/Antenne- oder Satelliten-Tuner, sowie zweimal HDMI, USB, optischer Ausgang und LAN-Anschluss. Auf der linken Seite nach außen sitzen ein weiteren HDMI-Anschluss, ein USB-Port und ein IR-Ausgang. Dieser nimmt den im Lieferumfang enthaltenen IR-Blaster auf. Eine clevere Beilage, mit der man Infrarotsignale beispielsweise an einen im Schrank versteckten Receiver schicken kann. Oben am Anschlussbereich ist der Slot für eine CI-Karte zur Entschlüsselung von Programmen. Einer der HDMI-Ports unterstützt ARC, hier sollten etwaige Soundbars angeschlossen werden.

Die Fernbedienung sieht aus, als hätte man eine Amazon Fire-TV-Bedienung um mehrere Tasten verlängert. Sie schickt Befehle per Bluetooth zum Gerät. Das gefällt uns sehr gut, das Zielen wie bei Infrarot-Fernbedienungen gehört damit der Vergangenheit an.

Sehr praktisch: Beim Sortieren der Sender sieht man bereits ein Vorschaubild des Live-TVs samt einer Einschätzung zur Signalstärke.

Unser Testgerät ist aus der Serie GOB 9099 mit dem Zusatz Fire TV Edition HF. Der Unterschied zur ansonsten recht baugleichen Serie Grundig GOB 9089 Fire TV Edition (ohne HF) sind die integrierten Mikrofone. Die Fire TV Edition HF besitzt mehrere Far-Field-Mikrofone im TV, mit denen sich der Fernseher ohne Fernbedienung steuern lässt. Die Fire TV Edition setzt ebenfalls auf Alexa und Fire TV OS, das Mikrofon ist aber nur in der Fernbedienung enthalten. Sprich, wer nicht möchte, dass der TV eigene Mikros hat, der sollte zur Edition ohne HF greifen.

Was den OLED-TV von Grundig so interessant macht, ist der Einsatz von Amazon Fire TV als Betriebssystem. Das Betriebssystem ist von externen Geräten wie dem Fire Cube (Testbericht, Note 1) oder dem Fire Stick 4K (Testbericht, Note 1) bekannt. Meist ist es aber ein externes Addon, nicht das komplette Betriebssystem. Der erste Eindruck ist enorm gut. Das Setup läuft einfach, von der Einrichtung der Sendekanäle bis hin zur Anmeldung am Amazon-Konto und der Alexa-Einrichtung. Andere Betriebssysteme, etwa vom Sharp Aquos LC-70UI7652E (Testbericht, Note 2) fühlen sich da fast altmodisch an. Fire TV kommt locker an Android OS für TVs heran, wirkt teilweise sogar noch ein bisschen durchdachter.

Grundig liefert den TV in zwei Versionen. Eine besitzt integrierte Mikrofone im Fernseher, die andere lässt sich über das Mikro in der Fernbedienung steuern.

Die Oberfläche nach dem Setup kennt jeder, der schon einmal einen Fire-Stick benutzt hat. Amazon hat so ziemlich alles auf den eigenen Streaming-Dienst angepasst. Es werden Live-Sender und Apps, neue Serien und Filme angezeigt, Prime-Kunden bekommen zudem ihre gekauften Filme sowie alle verfügbaren Inhalte präsentiert. Sehr nervig: Amazon baut einen Werbeplatz prominent auf der Startseite ein. Dort wurden uns unter anderem Werbung für Microsoft Surface oder neue Filme gezeigt. Das ist nicht in Ordnung, allerdings keine Schuld von Grundig, sondern von Amazon.

Die Alexa-Integration ist gut gelöst und an die TV-Bedienung angepasst. Im Test nutzten wir sie bald mehr als die Fernbedienung. „Alexa, wechsle zu Blu-Ray” schaltete etwa auf HDMI1, „Alexa, Tagesschau 24” wechselte nahtlos auf den Live-TV-Sender und „Alexa, Drachenzähmen leicht gemacht” zeigte die Suchergebnisse in Amazon Prime. Allerdings nutzten wir eher die Mikro-Taste an der Fernbedienung als das Codewort - damit kann man gezieltere Ansagen machen und verringert fehlerhafte Ansagen. Das Mikrofon kann man nur direkt am Fernseher ausschalten, der Knopf dazu findet sich rechts neben dem Grundig-Logo. Das wird aber nur während des Setups verraten, in den Optionen findet man dazu nichts.

Alexa abschalten: Es gibt einen Hardware-Knopf, um Alexa zu deaktivieren. Über die Optionen im TV ist das leider nicht möglich.

Übrigens: An der Fernbedienung gibt es nicht nur die allgegenwärtige Netflix-Taste, sondern zusätzilich dedizierte Knöpfe zum Start von DAZN, Prime Video und TV Now. Mit Ausnahme von Prime Video müssen alle Streaming-Anbieter vor dem ersten Start aus dem App-Store von Amazon geladen werden.

Die Bluetooth-Fernbedienung erinnert an die normale Fernbedienung für Fire TV, bringt aber noch mehr Tasten sowie gezielte Schaltflächen für Prime Video, Netflix, DAZN und TV Now mit.

Bei den Apps sind so ziemlich alle wichtigen Dienste vorhanden. Auf den knapp 4 GByte Speicher finden neben den bereits genannten Diensten Angebote wie Zattoo, Waipu oder Magenta-TV Platz. Prominent Abwesend ist Sky mit seinen Apps Sky Go und Sky Ticket. Wer nicht fündig wird, der kann APKs aus unbekannten Quellen installieren, die dafür notwendige Option lässt sich in den „Entwickleroptionen” unter „Gerät und Software” aktivieren.

Wer Dateien auf USB-Speichern anschließt, der muss etwas aufpassen. Im Test konnten wir nicht jeden externen Datenspeicher nutzen. Eine USB-C-SSD etwa konnte der Fernseher überhaupt nicht starten. Bei einer externen HDD mit Micro-USB B Stecker lieferte der TV offenbar nicht genug Strom, um die HDD nur per Micro-USB-Kabel zu betreiben. Mit einem Micro-USB-B-Kabel dagegen funktionierte die NFTS-formatierte Festplatte. Der TV spielt gängige Formate wie MP4 ab. Wenn ein Format nicht unterstützt wird, kann man mit Apps wie dem VLC Media Player nachhelfen. Diese lassen sich aus dem App-Store installieren und integrieren sich perfekt.

Dank des OLED-Panel kann der Grundig 55 GOB 9099 bei Filmen und Spielen so richtig punkten. Das Schwarz lässt die Farben im Kontrast so richtig knackig hervorstechen, ganz ohne Bleeding in dunklen Szenen. Dank HDR kann der TV die Helligkeit in einzelnen Bereichen weiter hochfahren und schafft so einen richtig guten Eindruck. Das merkt man vor allem, wenn die Bildquellen dazu passen. HDR-taugliche Spiele wie Spider-Man oder UHD-Filme wie Fast & Furious 8 liefern ein sehr gutes Bild.

Bei der Helligkeit messen wir im Bildmodus „Dynamisch” bis zu 380 cd/m². In der Nidvallier-Szene in Avengers: Infinity War schafft der Grundig bis zu 400 cd/m². Damit kommt der Grundig-TV nicht ganz an die Brillanz des Sony KD-65AG9 (Testbericht, Note 1) heran, schlägt aber TVs wie den Samsung GQ65Q90R (Testbericht, Note 1) oder den Sharp Aquos LC-70UI7652E . Der Blickwinkel ist sehr gut, selbst wenn man weit seitlich neben dem Gerät sitzt, sieht man die Inhalte deutlich. Wenn wir ein Manko suchen wollen würden, dann vielleicht die Spiegelungen. Fenster und Lampen sieht man im Bild, wenn man sich darauf konzentriert. Nervt das? Nicht wirklich, tagsüber kann man trotzdem problemlos zocken oder Fernsehen.

Für jeden Eingang bzw die Apps kann man eigene Bildeinstellungen definieren.

Interessant ist, dass Amazon und Grundig sehr solide Grundeinstellungen mitliefern. Wir mussten in den Einstellungen zum HDMI-Port nur von „Energiesparen” auf „Dynamisch” wechseln, um ein wirklich solides Bild zu bekommen. Dabei fiel uns auf, dass sich jeder der Eingänge einzeln anpassen lässt. So kann man für jeden HDMI-Eingang, für die Antenne und Apps Optimierungen am Bild vornehmen, die gespeichert und automatisch geladen werden. Eine großartige Idee, die alle anderen TV-Hersteller schleunigst kopieren sollten.

Sehr gut gefallen hat uns die Qualität des Live-TVs. Unsere passive DVB-T2-Antenne hat alle relevanten Kanäle gefunden. Bereits bei der Sendersuche und dem Sortieren zeigt der Grundig die Empfangsqualität sowie ein Vorschaubild an. Die Umschaltzeit liegt zwischen drei und fünf Sekunden. Das ist leider normal, auch wenn es im Vergleich zu Analog-TV deutlich länger dauert.

Die Sendersuche ist vergleichsweise flink. Im Bild sieht man zudem gut, dass der TV gerade bei dunklen Bildern durchaus spiegelt.

Beim Thema Sound zeigt sich der Grundig 55 GOB 9099 als gutes Mittelmaß. Filme, TV und Spiele gibt er verständlich wieder. Wie bei den meisten aktuellen TVs fehlt es ihm aber an Volumen. Kein Wunder, wo soll der Klangkörper bei so einem flachen Gerät herkommen. Wie immer empfehlen wir allen, die etwas mehr Wumms wollen, eine Soundbar an den HDMI-ARC-Anschluss zu stecken. Brauchbare Geräte mit kabellosem Subwoofer zeigt unser Vergleichstest ab 130 Euro.

Nervig: Amazon blendet Werbung ein.

Eine Alternative ist es, einen Kopfhörer per Bluetooth (Ratgeber) zu verbinden. Es lassen sich mehrere verschiedene Kopfhörer oder Lautsprecher verbinden, allerdings lässt sich der Ton nur auf einem Gerät ausgeben. Grundig gibt keine Angaben, ob der Fernseher AptX unterstützt. Im Test hatten wir keine merkbare Audio-Verzögerung mit AptX-Kopfhörern.

OLEDs sind stromhungriger als gleich große LCD-Geräte. Dabei schwankt der Strombedarf teilweise stark, je nachdem, wie viel Fläche der TV ausleuchten muss. Ein Beispiel: Im Home-Menü brauchte der Grundig in unseren Messungen bis zu 164 W. Geht man auf die Suchfunktion, bei der nur noch das Suchfeld und Buchstaben zu sehen sind, fällt der Strombedarf auf 48 W. Bei Filmen spielen nicht nur helle Flächen, sondern auch der gewählte Bildmodus eine Rolle. Mit dem etwas trüben „Energiespar”-Modus verlangt der TV bis zu 64 W, in „Dynamisch” können es schonmal 180 W sein. Im Live-TV haben wir um die 130 W gemessen.

Der getestet 55-Zoll-OLED 55 GOB 9099 kam im November 2019 für knapp 2500 Euro in den Handel. Inzwischen sind die Preise deutlich günstiger, zum Testzeitpunkt lagen sie um die 1350 Euro. Beim 65-Zoll-Gerät ist der Preisverfall ähnlich, er fiel von knapp 4000 Euro bei der Einführung auf um die 2500 Euro. Deutlich billiger sind die Geräte der Serie GOB 9089. Diesen fehlen die im TV integrierten Far-Field-Mikrofone, die Steuerung erfolgt nur über die Mikros an der Fernbedienung. Wer damit leben kann, der spart bis zu 200 Euro gegenüber den Fire TV HF-Versionen mit integrierten Mikros.

Grundig 55 GOB 9099

Grundig 55 GOB 9099

Grundig 55 GOB 9089

Grundig 55 GOB 9089

Grundig 65 GOB 9099

Grundig 65 GOB 9099

Grundig 65 GOB 9089

Grundig 65 GOB 9089

Der Grundig TV gefällt uns im Test gut. Fire TV macht als komplettes Betriebssystem eine sehr gute Figur. Es wirkt durchdacht und integriert Live-TV ebenso wie diverse Streaming-Apps. Die Steuerung per Alexa klappt im Alltag ebenfalls gut, gerade, wenn man die Fernbedienung als Mikrofon nutzt.

Das OLED-Display punktet in enorm vielen Punkten. Die Bildqualität ist super, der Kontrast poppt richtig gut und der Blickwinkel ist exzellent.

Grundig hat mit Fire TV als Betriebssystem einen klugen Schachzug getan. Wer einen vergleichsweise günstigen OLED-TV sucht, der sollte sich die Geräte der Serien GOB 9099 und GOB 9089 genauer ansehen.

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*Update: In einer früheren Version hatten wir angegeben, dass sich die Mikrofone nicht komplett abschalten lassen, das war so nicht korrekt. Wir haben es im Text angepasst.

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