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Google Pixel Buds im Test: gut, aber kein Babelfisch

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Die Pixel Buds sind kabellose Kopfhörer von Google, die neben ihrer Funktion als Headset auch als In-Ear-Übersetzer arbeiten sollen. Seit einigen Wochen testen wir nun die Google Pixel Buds. Ob und für wen sich der Kauf lohnt, zeigt der Test.

Die Kopfhörer kommen in einer kleinen und weißen Umverpackung. Bis auf die Aufbewahrungsbox, in denen sich die Pixel-Buds-Kopfhörer befinden, gibt es noch ein USB-Type-C-Kabel dazu.

Auch nicht dabei, übrigens wie bei den AirPods von Apple (Testbericht): unterschiedliche Polster für passgenaue Form im Ohr. Üblich bei Gehörganghörer sind drei bis vier verschieden große Aufsetzer, damit der Sitz individuell angepasst werden kann. Diese Stöpsel lässt Google weg, das ist jedoch auch nicht tragisch, denn man umgeht das Problem und löst es anderweitig. Dazu nachfolgend mehr.

Google Pixel Buds

Die Google Pixel Buds sind drahtlose Bluetooth-Kopfhörer. Doch im Vergleich zu den True-Wireless-Headsets (Vergleichstest) von Apple, Samsung oder Sony sind nicht beide Ohrstöpsel kabellos; ein Kabel verbindet den linken mit dem rechten Ohrhörer.

Gegenüber True-Wireless-Systemen bietet ein Semi-Wireless-Kopfhörer einen entscheidenen Vorteil: Die Gefahr, dass eines der Hörer abhanden kommt, entfällt. Fun fact: Auf Online-Kleinanzeigen-Portalen und anderen Plattformen wird oft nur ein einziges Hörerteil zum Nachkaufen gesucht.

Google Pixel Buds

Nichtsdestotrotz, Kopfhörer im sogenannten Neck-Design können bei Nichtnutzung schnell um den Hals gelegt werden und bleiben dort auch liegen, wenn man nicht gerade Sport treibt oder tanzt. Und was genau macht das Verbindungskabel bei den Google Pixel Buds? Es hat mehrere Funktionen: Eines der wesentlich wichtigen Aufgaben ist die Übertragung von Energie und Signalen. Anders als bei den AirPods sitzt nicht in jedem Hörer ein Akku, sondern nur im linken Knopf.

Damit die Hörer nicht aus den Ohren fallen, hat sich Google etwas Schlaues überlegt: Um möglichst guten Halt zu bekommen, fungiert ein kleines Stück des textilüberzogenen Kabels als Bügel im Ohr. Die umgekehrte U-Form spannt den Hörer ein: So sitzt er ausreichend fest und fällt nicht bei der kleinsten Bewegung heraus. Damit werden individuelle Polster überflüssig. Im Alltag funktioniert das System gut und ist auch auf Dauer bequem. Das perfekte Einsetzen dauert jedoch ein Sekündchen länger.

Der Textilmantel des Kabels verhinderte im Test zuverlässig, dass es sich verheddert. Dass sich Schleifgeräusche vom Kabel an der Kleidung ins Ohr verstärken, haben wir nicht festgestellt.

Google Pixel Buds (Schwarz)

Google Pixel Buds (Schwarz)

Google Pixel Buds (Weiß)

Google Pixel Buds (Weiß)

Google Pixel Buds (Blau)

Google Pixel Buds (Blau)

Google Pixel Buds

Tasten, Mikrofon oder ähnliches gibt es im Verbindungskabel nicht. Der Akku im linken Hörer hat eine Kapazität von 120 mAh. Laut Google soll er rund 5 Stunden halten und durchgehend Musik abspielen. Im Test erreichen die Pixel Buds eine Wiedergabezeit von 4 Stunden und 31 Minuten bei einer Lautstärke von 50 Prozent. Aufgeladen werden die Kopfhörer in dem mit Textil überzogenen Etui, das ebenso über einen Akku mit 620 Milliamperestunden verfügt und die Kopfhörer bis zu fünfmal ohne Netzspannung unterwegs nachlädt.

Google Pixel Buds

Die 14 Gramm leichten Pixel Buds verbinden sich per Bluetooth mit dem Smartphone. Befindet sich ein Google-eigenes Gerät in der Nähe, so soll das Koppeln nahtloser und schneller funktionieren, ähnlich wie es Apple mit einem iPhone und den AirPods löst. Im Test hat Googles Pairing-Lösung mit einem Pixel 2 XL (Testbericht) nicht funktioniert, wie beworben. Selbst nach einem Zurücksetzen des Telefons, Aktualisierung der Software und anderen experimentellen Bedingungen wie Distanz, erscheint kein Pop-Up-Fenster auf dem Bildschirm des Pixel-Telefons, auf dem steht: „Möchtest Du die Kopfhörer jetzt koppeln?“. Das erschwert die komfortable Nutzung mit unterschiedlichen Geräten.

Wie dem auch sei, ist die Bluetooth-Verbindung einmal hergestellt, steht sie zuverlässig. Auch die Wiederherstellung der Verbindung mit einem bekannten Smartphone funktioniert schnell und automatisch.

Der große Knackpunkt der Google Pixel Buds ist die Bedienung mit der kapazitiven Touch-Fläche auf der Außenseite des rechten Ohrhörers. So intuitiv und einfach, wie Google es sich vorstellt, funktionieren die Berührungsgesten nicht. Das liegt einerseits an der Fläche, die zu klein ist, und andererseits an der Empfindlichkeit. Oft startet die Musikwiedergabe ungewollt oder man löst einen Befehl aus. Selbst das Einsetzen in die Ohren gelingt nicht, ohne dass man mindestens einmal ein durch die Berührung ausgelöstes Klicken hört.

Google Pixel Buds

Der sich auf dem Telefon befindliche Google Assistant kann wahlweise per Sprache durch den gesprochenen Trigger „Okay, Google“ oder durch eine längere Berührung der Touch-Fläche initiiert werden. Letzteres klappt beeindruckend gut und ohne Latenz: Finger drauf, sprechen, Finger runter und die Information kommt. Übrigens, bei einem doppelten Tippen sagt Google die Uhrzeit an und liest alle relevanten Benachrichtigungen vor. Auch das ist praktisch, gerade wenn man auf dem Fahrrad sitzt ist.

Mit einer horizontalen Wischegeste von links nach rechts oder umgekehrt verändert man die Lautstärke. Das funktioniert optimal bei laufender Musikwiedergabe, da der Nutzer so ein besseres Gefühl der Zwischenschritten bekommt. Immerhin verlässt er sich komplett auf sein Hörempfinden und sieht nicht den Lautstärkebalken mit einer Skala.

Ein einmaliges und kurzes Berühren pausiert und setzt die Musikwiedergabe fort. Diese sensible Touch-Geste stört im Alltag oft, häufig beginnt die Wiedergabe vom Musik ungewollt.

Der Klang der Google Pixel Buds ist überraschend gut! Im Vergleich zu den AirPods von Apple ist das Bild satter und druckvoller. Das sollte bei einem Preis von rund 180 Euro auch zu erwarten sein. Nicht fachmännisch gut gelungen ist die Isolierung der Kopfhörer. Hieran ist zu erkennen, dass die Pixel Buds Googles Erstlinge in dieser Kategorie sind. In ruhigen Umgebungen ist die suboptionale Abschirmung kein Problem. Sobald man jedoch auf einer lauten Straße unterwegs ist oder eine Baustelle durchquert, hört man mehr von der Außenwelt, als von der eigenen Musik. Für Pendler ist das nicht besonders vorteilhaft.

Eine besonderes Können der Pixel Buds – zumindest wird sie so von Google hervorgehoben – ist die Übersetzung von Sprache in Echtzeit. Hierzu muss erwähnt werden, dass die eigentliche Funktion nicht komplett autark ist, sondern nur in Verbindung mit einem Pixel-Smartphone und der hauseigenen App Google Translator funktioniert. In der Praxis funktioniert das so: Die Fremdsprache muss in das Google-Smartphone hinein gesprochen werden, die Übersetzung hört man anschließend im Ohr. Möchte man nun selbst etwas in die Fremdsprache übersetzen lassen, so berührt man die Pixel Buds, während man spricht. Die Ausgabe findet dann auf dem Smartphone statt. Wirklich notwendig sind die Kopfhörer für die Übersetzung damit nicht. Der Nutzen ist fragwürdig, und der Traum des Babelfischs wohl noch offen für die Zukunft.

Googles erster Versuch, eigene Kopfhörer herzustellen, ist nicht schlecht gelungen. Die Verarbeitung ist hochwertig und entspricht dem angesetzten Preis. Besonders positiv ist gute Akkulaufzeit sowie der Klang. In der nächste Generation sollte dringend etwas an der Abschirmung gemacht werden.
Die Integration des Google Assistant gefällt uns: Sowohl das Abrufen einer Statusmeldung als auch das Stellen von Fragen funktioniert tadellos. Übrigens, die Pixel Buds arbeiten auch mit Siri auf dem iPhone zusammen. Gleiche Trigger-Geste, anderes System. Nicht wirklich nachvollziehbar ist die vermeintliche Übersetzungsfunktion, zu der die Pixel Buds keinerlei Mehrwert beitragen.

Für den Preis von 179 Euro bekommt der Nutzer trotzdem gute Kopfhörer mit einigen Extras. Mit der Zeit sollte Google jedoch ein Software-Update hinterher schieben und die ungewollten Klicks auf der Touch-Fläche reduzieren respektive optimieren.

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