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Google Pixel 4a im Test: Klein aber oho!

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Die letzten Pixel-Phones waren teuer und konnten sich nur bedingt gegen die Konkurrenz durchsetzen. Das Pixel 4a geht wieder Back to the Roots, ist günstig und trotzdem gut. Wir haben es getestet.

Vor geraumer Zeit wurde aus den Nexus-Modellen von Google die Pixel-Reihe. Mit dem Namenswechsel stiegen die Preise und auch wenn die aktuellen Google-Smartphones gut sind, haben sie es doch schwer, mit der Konkurrenz mitzuhalten. So wie zuletzt Oneplus mit dem neuen Nord (Testbericht) besinnt sich Googleauf seinen Ursprung zurück - zumindest auf seinen Ursprung bei Handys. Entsprechend ist das neue Pixel 4a nicht nur kleiner als vorherige Modelle, sondern auch günstiger. Wir wollten vor dem offiziellen Marktstart Anfang Oktober wissen, wie sich das Modell schlägt.

Back to the Roots ist eigentlich meist positiv gemeint, dabei war früher gar nicht alles besser. Beim Pixel 4a etwa setzt der Hersteller wie zu früheren Zeiten nicht auf Glas, sondern auf Kunststoff als Material für die Rückseite. Was sicherlich einige Konkurrenten belächeln werden, erweist sich für das Pixel 4a als gute Wahl. Denn neben den typischen Vorteilen wie besserem Empfang und höherer Schadenstoleranz punktet das verwendete Material dank seiner matten, seidigen Oberfläche mit toller Haptik. Das Smartphone ist nicht so rutschig wie durchschnittliche Glas-Smartphones und fasst sich zusammen mit den angenehmen Rundungen der Rückseite richtig toll an. Fingerabdrücke sind ebenfalls kein Thema. Warum also kein Kunststoff hernehmen, zumal das beim Preispunkt des Pixel 4a weit weniger stört als bei einem Samsung Galaxy Note 20 (Testbericht)?

Der zweite Punkt, der eine Reminiszenz an frühere Modelle zu sein scheint, ist die Größe. Das Pixel 4a misst nur 144 × 69 × 8,2 Millimeter und kommt gerade mal auf 143 Gramm – das ist für heutige Smartphones richtig klein und handlich und dürfte damit jene Zielgruppe ansprechen, die in Foren immer wieder lauthals nach “kleinen Smartphones” lechzt. Bemerkenswert ist dabei, dass das Display mit seinen 5,8 Zoll sogar noch recht groß ist, neben einem Riesengerät wie einem Samsung Galaxy Note 20 Ultra (Testbericht) wirkt das Pixel 4a geradezu wie ein Spielzeug. In der Hosentasche fällt das Google-Smartphone kaum auf.

Passend zum Preis versteckt sich der Fingerabdrucksensor nicht unter dem Display-Glas, sondern er wurde auf der Rückseite platziert. Insgesamt ist er dort gut positioniert, wegen der vergleichsweise geringen Größe des Smartphones hätte der Sensor für große Hände eher noch etwas weiter oben liegen dürfen. Da er aber gut erfühlbar ist, klappt Entsperren im Test normalerweise direkt und problemlos. Anders sieht das bei den auf der rechten Seite platzierten Hardware-Buttons aus. Google baut die Lautstärkewippe relativ mittig ein und platziert den farblich auffällig abgesetzten Powerbutton darüber. Uns ist es gerade anfangs oft passiert, dass wir statt Power- den Lautstärke-Button erwischt haben.

Alle Bilder aus dem Test des Google Pixel 4a (15 Bilder)

Google Pixel 4a

Ansonsten gibt es kaum etwas zu meckern. Die Verarbeitung ist gut, das Smartphone sieht dank ausreichend schmaler Display-Ränder trotz des Kunststoffgehäuses durchaus modern und hochwertig aus. Well done, Google!

5,8 Zoll sind eigentlich nicht klein, heutzutage kommt dennoch fast jedes Smartphone mit größerem Screen zum Kunden und nur sehr günstige Modelle haben kleinere Bildschirme. Von “billig” kann beim Panel des Pixel 4a aber keine Rede sein. Denn die gemessene Helligkeit von bis zu 450 cd/m² ist für einen OLED-Screen durchaus in Ordnung, auch wenn Top-Smartphones mit OLED zumindest im Automatik-Modus noch einmal deutlich höher kommen. Da stört uns schon mehr die relativ große Differenz zwischen am oberen Bildschirmrand gemessener Helligkeit von rund 415 Candela zu den 450 am unteren Rand. Die angegebenen 1000 cd/m² bei HDR-10-Inhalten konnten wir nicht messen, im Freien hatten wir allerdings keine Probleme mit der Ablesbarkeit.

Punchhole-Notch

Die Blickwinkelstabilität ist insgesamt auch recht gut, allerdings verändert sich der ansonsten eher warme, gelbliche Farbton bei Weiß-Darstellung mit zunehmenden Winkeln zu kühlerem Blau. Der Schwarzwert ist hingegen wie immer bei OLED vorbildlich und die Bildschirmschärfe kann sich dank 2340 × 1080 Pixel und daraus resultierenden 443 ppi durchaus sehen lassen. Kleines Manko: Die Frontkamera scheint nicht ganz mittig in der Punchhole-Notch zu sitzen. Das ist aber Meckern auf sehr hohem Niveau. Dank Always-on-Display haben Nutzer alle Informationen stets im Blick, weitere Einstellungsmöglichkeiten wie etwa für die Farbintensität geben Nutzern viele Freiheiten. Vielleicht größtes Manko des Pixel-4a-Screens: Das eingebaute OLED beherrscht nur 60-Hertz-Wiedergabe. Das macht die ähnlich viel kostende Konkurrenz inzwischen besser.

Übrigens: Vorgänger Pixel 3a hatte trotz größeren Ausmaßen ein kleineres Display – ein weiteres Beispiel dafür, dass der oft in Foren kolportierte Ruf nach “kleineren Displays” nach wie vor nur bedingt richtig ist.

Beim Pixel 4 setzt Google erstmals auf eine Dual-Kamera, beim günstigen Pixel 4a verzichtet der Hersteller darauf wieder. Das ist schade, zumal fast alle Hersteller in der Mittelklasse mittlerweile zusätzliche Weitwinkel- und teilweise sogar Telelinsen liefern. Das sorgt bei ordentlicher Bildqualität schlichtweg dafür, dass der Nutzer deutlich flexibler bei der Jagd nach den besten Bildern ist und bietet somit mehr Komfort. Immerhin bläst Google seine Datenblatt nicht künstlich durch überflüssige Objektive für Makro- oder Portrait-Aufnahmen auf – das ist lobenswert. Stattdessen beschränkt sich der Hersteller auf eine 12-Megapixel-Optik mit lichtempfindlicher f/1.7-Blende und optischem sowie elektronischer Bildstabilisierung (OIS und EIS). Damit verwendet das Pixel 4a die gleiche Hauptkamera, wie das teurere Google Pixel 4 (Testbericht), auch wenn andere Bildprozessoren im Hintergrund werkeln.

Die Kamera kommt zwar nur mit einer Linse, ist aber richtig gut

Im Alltag überzeugt die Kamera mit toller Bildschärfe und hohem Detailgrad, Farbwiedergabe und Bilddynamik liegen auf Spitzenniveau. Bildrauschen ist bei Tageslicht so gut wie nicht vorhanden, entsprechend gehört die Hauptkamera des Pixel 4a nicht nur in der Mittelklasse zum Besten, was es für unter 500 Euro zu haben gibt. Auch Modelle wie ein Oneplus Nord oder unser Gesamtsieger in dieser Preisklasse, das Xiaomi Poco F2 Pro (Testsieger) kommt je nach Situation nicht ganz an das Google-Smartphone heran. Highlight ist wie zuletzt immer bei Pixelphones der Nachtmodus. Auch das Pixel 4a beherrscht Astrofotografie, bei der das Smartphone bis zu 15 je bis zu 16 Sekunden lange Dauerbelichtungen zu einem Foto zusammensetzt und dabei Bewegung herausrechnet. Als Ergebnis werden etwa durch die Erdrotation entstandene Bewegungsspuren von Sternen entfernt, dennoch sieht das Endergebnis nicht künstlich aus – beeindruckend. Das klappt aber nur bei entsprechender Dunkelheit und der Nutzung eines Stativs, in diesem Artikel geben wir Tipps, wie das mit der Mondfotografie am besten gelingt.

Alle Bilder der Kamera des Google Pixel 4a (19 Bilder)

Normal

Im Gegensatz dazu springt der Nachtmodus auch bei Freihandnutzung an und erlaubt dann immerhin mehrsekündige Dauerbelichtungen. Das Resultat überzeugt normalerweise und sorgt für atmosphärische Aufnahmen, die rauscharm und dennoch scharf sind. An diese Qualität kommt nur Huawei heran. Dessen Smartphones haben aber inzwischen – je nach Preis – bei Videos mehr zu bieten. Zwar überzeugen Bewegtbilder des Pixel 4a weitestgehend mit toller Bildstabilisierung, allerdings ist bei 4K/30 Schluss.

Als Antrieb werkelt im Google Pixel 4a ein Snapdragon 730G von Qualcomm. Der im 8-nm-Verfahren hergestellte Chipsatz schlägt sich nicht nur beim Stromverbrauch gut, sondern bietet mit seinen acht Kernen auch ordentliche Leistung. Damit kommt das Smartphone zwar nicht ganz an die Leistung des Oneplus Nord (Testbericht) mit seinem Snapdragon 765G und erst recht nicht an den Snapdragon 865 im Poco F2 Pro (Testbericht) heran, schlägt sich aber insgesamt sehr gut. Der größte Unterschied zum Oneplus-Modell scheint bei der Bedienung im Alltag in erster Linie an dessen 90-Hertz-Display zu liegen – das fehlt dem Pixel 4a und es wirkt daher nicht ganz so überlegen flüssig. Im Antutu-Benchmark kommt das Pixel auf rund 275.000 Punkte, das Nord auf 320.000 Punkte. Das Pocophone der zweiten Generation bringt es hier auf stramme 570.000 Punkte und spielt damit in einer anderen Liga – eben Ober- statt Mittelklasse.

Für dieses Ergebnis reichen dem Pixel 4a 6 RAM, intern verfügt das Modell über 128 GByte (UFS 2.1), die leider nicht erweiterbar sind. Damit wird es unter Umständen bei mehreren modernen Top-3D-Games knapp, die mittlerweile gern auch mal mehrere Gigabytes an Platz beanspruchen. In puncto Leistung gibt es da hingegen wenig zu meckern, die meisten Spiele laufen auch mit hohen Grafikdetails flüssig. Nur die anspruchsvollsten Games sind besser auf dem Poco F2 Pro mit seinem Spitzenprozessor aufgehoben. Ansonsten gibt es bis auf 5G alles, was derzeit in der Mittelklasse wünschenswert wäre. Dazu gehören USB C 3.1, WLAN ac, Bluetooth 5.1, NFC und sogar ein 3,5-Millimeter-Anschluss für herkömmliche Kopfhörer. Ein passendes Headset liegt dem Google-Modell wie immer nicht bei, wohl aber ein Adapter von USB A auf USB C.

TechStage hat das Google Pixel 4a als Testgerät von Google schon früher zur Verfügung gestellt bekommen, tatsächlich wollten wir aber mit dem Test bis zur Verfügbarkeit von Android 11 warten. Die ist jetzt gegeben, entsprechend ließ sich die neue Version problemlos installieren. Mit ihr kam auch ein neuer Sicherheits-Patch von September, zuvor stammte der noch von Mai. Damit stellt sich auch wieder eines der größten Argumente für ein Google-Smartphone ein: Die Aktualität bei Patches und die Update-Garantie von versprochenen 3 Jahren. Das beinhaltet mindestens volle Updates auf Android 12 und 13, eigentlich sollte sogar noch Android 14 drin sein.

Große Akkus spendiert Google seinen Smartphones selten, beim Pixel 4a sind es nur 3140 mAh. Das war vor wenigen Jahren noch ein guter Wert, heute bietet aber fast jedes Mittelklasse-Smartphone in der 300-Euro-Klasse mehr. Zum Vergleich: Das Oneplus Nord (Testbericht) kommt auf 4115 mAh, das Xiaomi Poco F2 Pro (Testbericht) auf 4700 mAh – beide Geräte kosten in der “kleinen” Konfiguration kaum mehr als das Pixel 4a.

Da wundert es nicht, dass das Pixel im Battery Test von PCmark zwar keinen schlechten, angesichts der stromsparenden Technik wie Snapdragon 730G mit 8 Nanometer und OLED-Screen mit nur 60 Hertz auch keinen überragenden Wert abliefert. Die beiden genannten Kontrahenten schaffen bei 60 Hertz klar mehr Dauernutzung als die knapp 10 Stunden des Pixel 4a. Das passt zwar zur Herstellerangabe von 24 Stunden gemischter Nutzung und im Alltag sind zumindest bei gemäßigter Nutzung auch 2 Tage drin. Mehr als Durchschnitt ist das aber leider nicht.

Das Google Pixel 4a ist ab dem 1. Oktober 2020 im Handel verfügbar. Bei der Farbe hält es der Hersteller mit Henry Ford: Interessenten bekommen das Smartphone in jeder gewünschten Farbe – Hauptsache, es ist Schwarz. Auch bei der Hardware gibt es keine Alternativen, etwa mit mehr Speicher. Die UVP des Modells liegt bei 349 Euro. Selbst eine beim Vorgänger verfügbare XL-Version war zum Testzeitpunkt noch nicht bestätigt.

Mehr Auswahl gibt es beim Zubehör, wir haben die lohnendsten Investitionen bereits in einem Artikel zusammengefasst.

Das Google Pixel ist für alle, die ein handliches Smartphone bis 400 Euro suchen, eine klare Empfehlung. Es ist im Alltag schnell genug, um den Wunsch nach einem Spitzenprozessor gar nicht erst aufkommen zu lassen und punktet weiterhin mit einem tollen OLED-Screen. Ebenfalls sehr gut gefallen hat uns die Kamera, die der im teureren Pixel 4 (Testbericht) in nichts nachsteht und auch der Speicher geht für den aufgerufenen Preis in Ordnung. Weiterer Pluspunkt: Das Update-Versprechen von Google spricht ebenfalls für das Pixel 4a, die so kurz nach der Veröffentlichung von Android 11 verfügbare OS-Version belegt die verlässliche Umsetzung des Versprechens. Die Verwendung von Kunststoff als Material kreiden wir dem Pixel 4a wegen dessen hoher Güte nicht an.

Gegen das Pixel 4a spricht eigentlich nichts, dennoch sind Kunden, die nicht zwingend ein besonders handliches Smartphone suchen, mit anderen Modellen besser bedient. Das liegt etwa am Akku, der nur Durchschnitt ist und obwohl die Hauptkamera wirklich gut ist, fehlt ihr die Flexibilität zusätzlicher Weitwinkel- und Telelinsen. Besonders schade finden wir außerdem das Fehlen eines 90- oder gar 120-Hz-Displays, nicht nur hier hat die Konkurrenz inzwischen mehr zu bieten – und ist damit längst auf dem Markt. Auf das Pixel müssen Fans noch warten.

Entsprechend sehen wir insgesamt die bereits im Text erwähnten, kaum teureren Modelle Oneplus Nord (Testbericht), vor allem aber das Xiaomi Poco F2 Pro (Testbericht) mehr oder weniger deutlich vorn.

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