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Google Pixel 4 (XL): Radarauge und 90-Hz-Display im Test

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Das neue Google Pixel 4 (XL) bringt bessere Hardware und neue Features. Wir erklären, ob Radar, 90-Hz-Display und Super-Zoom die Pixel-Phones konkurrenzfähig machen.

Die Pixel-Phones waren als Nachfolger der Nexus-Reihe schon immer der feuchte Traum von Puristen – genauer: von Android-Puristen. Denn die von Android-Hauptentwickler Google entworfenen Smartphones sind nicht nur Showcases, wie sich der Internet-Riese ein optimales Android-Smartphone vorstellt. Sie nutzen zudem Vanilla-Android ohne Zusätze als Betriebssystem und Nutzeroberfläche. In 2019 gehört zu diesem Smartphone-Ideal ein Radar-Sensor und endlich auch eine zweite Kameralinse auf der Rückseite.

Aussehen ist immer Geschmackssache. Uns gefällt das Google Pixel 4 (XL) nicht – zumindest nicht auf der Front. Das liegt vor allem an der sehr hohen „Denkerstirn“, also dem extrem breiten Rand über dem Display. Das passt einfach nicht mehr ins Jahr 2019, in dem sich die Hersteller mit möglichst viel Display-Fläche in Relation zum Gehäuse übertrumpfen und dafür teils sogar auf Popup-Kameras wie beim Xiaomi Mi 9T Pro (Testbericht) setzen. Denn die erlauben es Smartphones, selbst auf eine kleine Notch für die Frontkamera zu verzichten. Google macht das beim Pixel 4 anders und auch beim größeren, technisch und optisch fast identischen XL-Modell ist das genauso. Das hat zwar einen guten Grund, aber zumindest aus Design-Sicht heiligt der in diesem Fall nicht die Mittel.

Der Grund ist ein eingebauter Radar-Sensor, der – obgleich längst viel kleiner als bei ersten Prototypen, die größer als das ganze Smartphone waren – offenbar immer noch zu groß sind, um schöner als unter einem fast 1 Zentimeter breiten Rand versteckt zu werden. Hinzu kommt, dass der untere Rand gerade einmal halb so breit ist, das wirkt unproportional. Davon abgesehen ist das neue Google Pixel 4 gerade in der „kleinen“ Version mit seinen 147,1 × 68,8 × 8,2 Millimeter und 162 Gramm Gewicht ein richtiger Handschmeichler. Denn einerseits ist die Größe genau richtig, damit Nutzer das Smartphone mit einer Hand halten und bedienen können, andererseits fühlt sich das Modell beinahe seidig an.

Wenig spektakulär auf der Front, noch dazu unproportional

Das liegt an Form und Oberfläche von Alu-Rahmen und Glas-Rückseite. Der Rahmen ist sanft gerundet und schafft so einen harmonischen Übergang von Front- zu Rückseite, die beide nur an den äußersten Rändern minimal gerundet sind. Außerdem ist er mit einer rutschfesten, aber dennoch beinahe organischen Oberfläche überzogen, die sich angenehm anfasst. Noch „weicher“ - im positiven Sinne wohlgemerkt – fühlt sich die Oberfläche der Rückseite an. Sie ist zwar rutschiger als der Rahmen, fasst sich aber noch seidiger an. Der schwarzen Farbvarianten fehlt dieser haptische Eindruck. Sie setzt auf eine spiegelnde Oberfläche, die für sichtbare Fingerabdrücke deutlich anfälliger ist als die orange oder weiße Variante. So oder so: Insgesamt liegt das Pixel 4 einfach toll in der Hand. Wasser- und staubdicht nach IP68 ist es obendrein.

Dicke Denkerstirn

Optisch geht es auf der Rückseite dezent zu. Von der farblichen und materiellen Zweiteilung der Vorgängermodelle fehlt jede Spur. Die orangene Farbe unseres Testgerätes, bei der es sich nach Angaben von Google um eine Sonderedition handelt, ist neben der quadratischen Kameraeinheit im oberen linken Eck des Smartphones mit das auffälligste Feature. Die Kameras stehen leicht aus dem Gehäuse hervor, wegen der quadratischen Auslegung wackelt das Pixel 4 (XL) aber kaum, wenn es auf dem Tisch liegend bedient wird. Nicht so gut gefallen hat uns die Power-Taste. Sie hebt sich farblich vom Rest des Gerätes ab, allerdings verwendet Google dabei nicht passend das auffällige Orange der Rückseite, sondern einen Hautton. Dieses "Schweinchen-Rosa" passt irgendwie nicht so recht, doch auch hier gilt wohl: Geschmackssache. An der Verarbeitungsqualität gibt es hingegen wenig zu bemängeln. Zwar gibt es minimal unterschiedliche Spaltmaße zwischen Rahmen und Rückseite. Auch klappern die gut bedienbaren Hardware-Tasten auf der rechten Gehäuseseite, wenn man das Pixel 4 schüttelt. Das sind aber nur Kleinigkeiten.

Trotz guter Verarbeitung empfehlen wir für das Pixel 4 dringend eine Hülle und einen Displayschutz. Hier hilft unsere Kaufberatung Google Pixel 4: Hüllen, Cases & Displayschutz weiter.

Das Display ist einer der Hauptunterschiede zwischen Google Pixel 4 und Pixel 4 XL, der andere ist der Akku. In unserem Testgerät Pixel 4 misst der OLED-Screen 5,7 Zoll und bietet FHD+-Auflösung, sodass eine Pixeldichte von 444 Pixel pro Zoll vorliegt. Im XL-Modell misst der Screen 6,3 Zoll bei QHD+-Auflösung und bietet sogar 537 ppi – das ist knackscharf. Probleme mit der Ablesbarkeit gibt es aber auch beim normalen Pixel 4 nicht. Daran haben die ausreichende Bildhelligkeit, intensive Farben und die perfekte Blickwinkelstabilität einen guten Anteil. Beim Pixel 4 haben wir rund 400 cd/m² gemessen – das ist zwar kein überragender Wert, im Alltag sollten damit aber keine Probleme auftreten. Der Screen beherrscht HDR.

Die Farbintensität dürfen Nutzer anpassen, ein Always-on-Display gibt es ebenfalls. Neu in der Pixel-Familie ist die hohe Bildwiederholungsfrequenz von 90 Hz. Das beherrschen aktuell nicht viele Smartphones, eines davon ist das ebenfalls erst kürzlich vorgestellte Oneplus 7T (Testbericht). Vorteil der Darstellung von Inhalten mit 90 Bildern pro Sekunde ist eine flüssigere Darstellung bei bewegten Inhalten, etwa beim Scrollen von Text oder bei Games. Die höhere Frequenz – normal sind 60 Hz – wirkt sich allerdings nachteilig auf den Stromverbrauch aus. Google schaltet sie daher bei Nichtgebrauch automatisch ab.

Übrigens: Der neue Radar-Chip soll unter anderem dafür sorgen, dass das Display deaktiviert wird, wenn „ihr nicht in der Nähe seid“. Das hat bei uns im Test leider nicht funktioniert.

Pixel 3 (Testbericht) und Pixel 3a (Testbericht) hatten fraglos eine tolle Kamera, entsprechend haben beide Geräte es in unsere Top 10 der besten Kamera-Smartphones geschafft. Das Problem: Beide Modelle hatten nur eine einzelne Hauptkamera, die in bestimmten Situationen trotz insgesamt beeindruckender Ergebnisse nicht an die Multi-Linsen-Kameras der Konkurrenz herankommen. Das hat offenbar auch Google erkannt und spendiert den Pixel-4-Modellen nun erstmals eine Dual-Kamera. Die besteht aus einer Optik mit 16 Megapixel, 1,0 µm großen Pixel und einer f/2.4-Blende. Die zweite Kamera erlaubt Bilder mit 12,2 Megapixel, 1,4 µm großen Pixel und einer Blende von f/1.7. Beide Linsen sind optisch und elektronisch bildstabilisiert. Während die Konkurrenz inzwischen überwiegend auf Normal-, Ultraweit- und Telelinse setzen, bleibt Google bei Normal- und Telelinse. Das Pixel 4 beherrscht damit 1,8-fache Vergrößerung per Festbrennweite, bis zu 3-fache Hybridvergrößerung und bis zu 8-fache Vergrößerung per sogenanntem Super Resolution Zoom.

Immerhin schon mal zwei Linsen - warum nicht drei?

Entgegen der Konkurrenz gibt es keine virtuellen Bedienelemente in der Kamera-App mittels derer die originalen Vergrößerungen der beiden Objektive angewählt werden könnten. Stattdessen Zoomen Anwender stufenlos per Pinch-to-Zoom-Geste. Alternativ lässt sich auch der Sucher kurz antippen, woraufhin am rechten Rand ein vertikaler Zoom-Balken angezeigt wird, der dann mit einem Finger bedienen werden kann. Dann kommen außerdem zwei weitere Einstellungselemente zum Vorschein: Mit dem ersten Schieberegler können Nutzer die Belichtung eines Fotos steuern, mit dem zweiten die HDR-Intensität. Auf diese Weise können Fotografen etwa Aufnahmen, bei denen sich Motive stark vor einem hellen Hintergrund absetzen, entweder relativ gleichmäßig ausleuchten, oder ein Scherenschnitt-artiges Aussehen verpassen.

Die Frontkamera erlaubt weitwinkelige Fotos (90 Grad) mit bis zu 8 Megapixeln bei 1,22 µm Pixelgröße und einer Blende von f/2.0. Die Aufnahmen damit sind ausreichend scharf und weisen für Selfies eine gute Bilddynamik auf. Der Portraitmodus arbeitet überwiegend zuverlässig, leider wird das künstliche Bokeh nicht live im Kamerasucher angezeigt. Das Ergebnis sieht der Nutzer entsprechend erst nach dem Auslösen, darf es dann aber an- und abschalten. Im Gegensatz zum Bokeh sehen Anwender das Ergebnis von HDR-Eingriffen beim Pixel 4 nun direkt vor dem Knipsen eines Bildes. Möglich macht das die neue Live-HDR+-Funktion. Der auch in Pixel 3 (Testbericht) enthaltene HDR+-Standard erlaubte diese Live-Ansicht nicht.

Und wie ist die Kamera jetzt? Mit einem Wort: klasse! Zumindest auf den ersten Blick. Auf dem Monitor im Vollbild betrachtet wirken Aufnahmen knackscharf, bilden Farben kräftig, aber natürlich und protzen mit hervorragender Bilddynamik. Bildrauschen ist nicht zu sehen. Anders sieht das in der Vergrößerung am PC aus. Dann treten schnell Pixelgruppen in den Vordergrund, die beim Nachbearbeiten der Bilder durch die App entstehen. Was vorher noch klasse aussah, ist im Detail eher grobkörnig und nicht mehr so recht scharf. Das erinnert an LG-Smartphones, die in der Vergangenheit ähnlich ausgelegt waren. Vielleicht reichen die 12,2 Megapixel aber auch einfach nicht, um noch mehr Details darstellen könenn – Huawei hat mit 40 Megapixel solche Probleme zumindest nicht.

„Nicht so richtig scharf“ trifft auch auf den Zoom zu. Dafür ist die zweite Kamera des Smartphones zuständig, die eine 1,8-fache Vergrößerung per Festbrennweite erlaubt. Das ist ein seltsamer Wert, der aber beim Übergang von Festbrennweite zu Hybridzoom bisweilen negativ sichtbar wird – und zwar in Form von Farbänderungen der Motive. Davon abgesehen geschieht der Übergang unbemerkt, zumindest auf dem Display sieht man keine geringere Bildschärfe. Das ändert sich, sobald man Zoomaufnahmen am PC betrachtet. Dann sind Bilder mit vollem Zoom zwar alles andere als schlecht, aber dennoch deutlich unschärfer, als ohne Zoom. Ein Huawei P30 Pro liefert hier bei gleicher Zoomstufe die klar besseren Ergebnisse, schließlich verfügt das Konkurrenzmodell über eine 5-fachen optische Vergrößerung.

Bei abnehmendem Licht schleicht sich erstaunlich starkes Bildrauschen in die Fotos, das macht etwa ein Huawei P30 Pro (Testbericht) im Automatik-Modus besser. Das ändert sich im Nachtmodus, hier herrschen beim Pixel warme Farben vor, die Bildschärfe ist ausreichend – aber nicht überragend – und die Bilddynamik ist sogar besser als bei Huawei. Auch wenn Bildrauschen hier schwächer als im Automatik-Modus ausgeprägt ist – im Vergleich zum P30 Pro ist es klar stärker vorhanden. Vorteil Pixel 4: Der Nachtmodus ist deutlich schneller, während er beim Huawei-Konkurrenten bei unseren Testaufnahmen immer rund 5 Sekunden dauerte.

Das ändert sich, sobald das Pixel 4 (XL) Motive bei extrem wenig Licht vor die Stativ-beruhigte Linse bekommt. Das Pixel 4 erkennt anhand feiner Bewegungen, ob es in der Hand gehalten wird oder auf ein Stativ geklemmt ist. Im ersten Fall verwendet es den beschriebenen Modus, ansonsten aktiviert es automatisch eine Astromodus genannte Dauerbelichtung, die bis zu 5 Minuten dauern kann. Aufnahmen sehen dann selbst in stockfinsterer Nacht wie Bilder aus, die bei einem kräftigen Gewitter mit düsterem Himmel aufgenommen wurden. Während das Auge teilweise nichts mehr erkennt, erschafft das Pixel 4 erstaunlich scharfe und detailreiche Aufnahmen – faszinierend. Bildrauschen sucht man dann vergeblich – das macht kein anderes Smartphones aktuell so gut wie das Pixel 4. Damit lassen sich dann sogar Sterne am Firmament in den Speicher bannen – wenn nicht, wie während unserer Testphase, Dauerbewölkung herrscht. Die Frage ist aber nach wie vor, was wirklich gewünscht wird, wenn man Nachtaufnahmen macht: Nachtsicht-ähnliche Bilder oder doch eher natürliche Aufnahmen? Mit letzterem haben die Pixel-4-Bilder – so faszinierend und qualitativ hochwertige sie auch sein mögen – nichts zu tun.

Ein tolles Ergebnis liefert der Portraitmodus. Durch die zusätzliche Kamera schneidet er noch besser ab, als bei den bisherigen Pixel-Modellen – eben, weil er (fast) nichts abschneidet. Das typische Problem von abgeschnittenen feinen Strukturen – etwa einzelne Haare – gibt es beim Pixel 4 kaum. Auch typische Bildfehler konnten wir bei Testaufnahmen nicht feststellen – klasse! Tatsächlich beherrschte Google diese Disziplin aber auch schon mit nur einer Linse beim Pixel 3 (Testbericht) und Pixel 3a (Testbericht) hervorragend. Das gilt auch für Aufnahmen mit der Frontkamera, die insgesamt aber etwas weniger natürlich wirken, ansonsten aber in puncto Bildschärfe und Bilddynamik ein gutes Ergebnis abliefern.

Videos sehen einerseits in 4K sehr scharf und plastisch aus, enttäuschen aber mit maximal 30 Bildern pro Sekunde. Die Konkurrenz schafft ausnahmslos 60, das sieht man bei Schwenks anhand der Bewegungsunschärfe. Die Bilddstabilisierung ist dafür auf dem Pixel 4 auch bei 4K-Aufnahmen ziemlich ordentlich. Eine Superzeitlupenfunktion mit rund 1000 Bildern pro Sekunde gibt es nicht.

Insgesamt ist die Kamera toll, im Detail aber längst nicht mehr so gut, wie der Vorgänger in Relation zur Konkurrenz war. Das liegt unter anderem daran, dass Google auf einen Ultraweitwinkel und stärkeren optischen Zoom verzichtet hat. Abgesehen vom Astromodus und dem Zoom gibt es nicht viele Verbesserungen im Vergleich zum Vorgänger.

Der Antrieb des Pixel 4 (XL) ist auf aktuellem Stand der Spitzentechnik – fast zumindest. Denn inzwischen ist in ersten Smartphones wie etwa dem Oneplus 7T (Testbericht) der Qualcomm Snapdragon 855 Plus zu bekommen, in den Pixel-Modellen steckt noch der „einfache“ Snapdragon 855. Unterstützung erhält er von 6 GByte RAM, außerdem steckt noch ein Titan-M-Sicherheitschip im Gehäuse, zudem ein sogenannter Pixel Neural Core. Der Titan M sorgt dafür, dass sensible Nutzerdaten für Dritte ohne Erlaubnis nicht zugänglich sind, Google spricht dabei von branchenführendem Schutz. Der Neural Core ist für Aufgaben der Künstlichen Intelligenz und des Machine Learning zuständig. Damit wird es zukünftig auch ohne Internet-Verbindung möglich sein, etwa mittels der neuen Audiorecorder-App gesprochenen Text direkt in geschriebenen Text umzuwandeln oder dem Google Assistant Befehle zur Steuerung des Smartphones zu geben. In der „Abschrift“ einer Sprachaufzeichnung dürfen Anwender dann sogar nach Stichworten suchen – grandios! Derzeit ist das Transkribieren allerdings nur auf Englisch möglich und die neuen, erweiterten Funktionen des Google Assistant kommen auch erst in einigen Monaten.

Klingt beinahe wie Beta, doch das, was funktioniert, funktioniert gut. Leider ist das auch in einem anderen Fall nicht übermäßig viel: beim Radar-Chip. Das Soli genannte Bauteil ermöglicht eine Gestensteuerung, mit einfachen Wischbewegungen lassen sich Songs zu skippen oder Alarme und Anrufe stummschalten. Das funktioniert in etwa bis zur halben Armlänge, muss also recht nach vor dem Display geschehen. Da war Qualcomms Lösung über die Frontkamera schon vor Jahren weiter, beim Chiphersteller klappte das bis auf 10 Meter Entfernung. Allerdings war für die nie in ein Smartphone eingebaute Gestensteuerungsoption auch ordentliches Licht nötig, die Radar-Lösung von Google braucht gar kein Licht. Endlich also mal ein ordentlicher Soli, Potenzial steckt auf jeden Fall in der Radar-Lösung. Leider nutzt Google es bislang kaum aus. Das soll sich in Zukunft ändern, der Hersteller will auch Drittanbietern Zugriff auf diese Funktion geben, die dann eigene Ideen verwirklichen können.

Ähnlich wie bei Apples Face-ID verwendet Google im Pixel 4 ebenfalls Infrarot zur Gesichtserkennung, das ist deutlich sicherer als die Verwendung einer einfachen Frontkamera. Hier kommt beim Pixel 4 auch wieder der Radar-Chip zum Einsatz. Nähert sich etwa die Hand des Besitzers, um das Smartphone aufzuheben, werden die Entsperrmechanismen vorsorglich schon einmal in Aktion versetzt. Als Resultat funktioniert die Entsperrung mittels Gesichtserkennung nicht nur sehr zuverlässig, sondern auch sehr schnell. Auf einen Fingerabdrucksensor verzichtet Google daher – ebenfalls wie Apple. Allerdings gibt es eine Schwachstelle bei Googles Vorzeige-Smartphone: Die Entsperrung funktioniert auch bei geschlossenen Augen und könnte so bei schlafenden Personen ausgenutzt werden.

Power-Taste in "Schweinchen-Rosa"

Technisch hat das Pixel 4 einiges zu bieten, vergeblich suchen Interessenten allerdings nach einem 3,5-Millimeter-Anschluss, 5G und Speichererweiterbarkeit. Ein Headset ist nicht im Lieferumfang enthalten, stattdessen ein Kabel mit USB-C-Anschlüssen an beiden Enden und außerdem ein Adapter USB A auf USB C. Es gibt zwei Speichervarianten des Pixel 4 (XL): 64 und 128 GByte. Beide Versionen haben 6 GByte RAM. Der Stereolautsprecher ist überraschend laut und voluminös.

Starker Lautsprecher

Auf dem Pixel 4 ist natürlich Android 10 installiert, das unter anderem einen Dark-Modus und neue Gesten enthält. So werden Apps mit einem schnellen Fingerwisch von unten in den Hintergrund geschickt, die gleiche Geste mit kurzem, per Vibration bestätigtem Verharren in der Display-Mitte führt in den Taskswitcher. Der Google Assistant lässt sich zudem mit einer Wischbewegung aus der unteren linken oder rechten Ecke aufrufen. Die bisher verwendeten virtuellen Android-Tasten sind verschwunden, auf Wunsch aber alternativ wieder einstellbar. Einer der Vorteile von Vanilla-Android von Google: Der Hersteller verspricht Sicherheits- und Versions-Updates über 3 Jahre hinweg. Negativ: Beim Pixel 4 fehlt die Möglichkeit, Fotos in Originalgröße ohne Mengenbegrenzung in Google Fotos zu speichern. Das klappt jetzt nur noch im eigenen Drive oder in reduzierter Qualität. Das Pixel 4 ist nicht das einzige Smartphone mit dem neuen Betriebssystem. Hier zeigen wir, welche Smartphones Android 10 erhalten.

Der Akku im Pixel 4 besitzt eine Kapazität von lediglich 2800 mAh – das ist einfach zu wenig für ein modernes Smartphone. Klar steckt moderne Technik und ein vergleichsweise kleiner Screen im Gehäuse, dennoch wäre hier mehr nötig gewesen. Zum Testzeitpunkt stand unser Standard-Test – Battery Test von PCmark – wie auch andere Benchmarks noch nicht für das Pixel 4 zur Verfügung, inzwischen ist das anders. Das Ergebnis wird in den nächsten Tagen nachgereicht. Unserer Erfahrung nach dürfte sich das Ergebnis aber klar unter 10 Stunden einpendeln, was ein tägliches Nachladen in den meisten Fällen – abhängig natürlich vom Nutzungsverhalten der Besitzer – nötig machen dürfte. Das Aufladen des Smartphones klappt dafür aber dank 18 Watt mit etwa 1,5 Stunden ziemlich schnell und ist auch kabellos möglich.

Das Pixel 4 XL kommt mit 3700 mAh starkem Akku, wir werden unsere Eindrücke dazu schildern, sobald ein Gerät in der Redaktion eintrifft.

Das Google Pixel 4 ist in Weiß, Schwarz und Orange erhältlich, das Pixel 4 XL nur in Schwarz und Weiß. Die Preise der 64-GByte-Version sind im Vergleich zum Vorjahr überraschend sogar etwas gefallen, dennoch sind die Geräte mit 749 und 899 Euro keine Schnäppchen. Die Versionen mit 128 GByte Speicher sind jeweils 100 Euro teurer.

Google Pixel 4  64GB just black

Google Pixel 4 XL  64GB just black

Pixel 4 XL 64 GB

Google Pixel 4 XL  64GB clearly white

Pixel 4 XL 64 GB

Google Pixel 4  64GB clearly white

Pixel 4 64 GB

Google Pixel 4  64GB oh so orange

Pixel 4 64 GB

Pixel-Phones sind immer auch eine Art Showcase, was machbar und/oder sinnvoll ist - zumindest in den Augen Googles. „Volle Hütte“ muss dafür offenbar nicht unbedingt sein. Entsprechend gibt es nicht den aktuellsten Snapdragon 855 Plus, nur 64/128 GByte nicht erweiterbaren Speicher, „nur“ 6 GByte RAM und kein 5G. Stattdessen probiert der Hersteller eine andere Neuerung aus: Radar zur Gestensteuerung. Hat uns diese Funktion vom Hocker gehauen? Sicherlich nicht, zumindest nicht zum jetzigen Zeitpunkt. Denn dafür sind die aktuell gebotenen Anwendungsmöglichkeiten schlichtweg noch zu eingeschränkt.

Ansonsten ist das Pixel 4 (XL) ein ziemlich gutes Phone: tolles Display, schneller Chipsatz, tolles Design, klasse Kamera und Vanilla-Android mit Update-Versprechen. Bei der Kamera hätte Google aber ruhig etwas mehr zur Konkurrenz schielen dürfen – eine Ultraweitwinkelkamera und mehr optischer Zoom hätten das Paket noch weiter abgerundet. Hoffentlich kommt der Live-Transcribe-Modus auch bald auf Deutsch! Konkurrenzfähig sind die Pixel-4-Modelle also durchaus, die besten Android-Smartphones auf dem Markt aber nicht.

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