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Gimbal DJI OM4 im Test: sehr gut, aber nicht alternativlos

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Das neue Gimbal von DJI verspricht perfekte BIldstabilisierung, viele Zusatzfunktionen und eine kompakte Bauform. TechStage testet, ob der hohe Preis gerechtfertigt ist.

Das DJI Osmo Mobile (Testbericht) wurde im Herbst 2016 vorgestellt und war damals mit einer UVP von 340 Euro richtig teuer. Im Januar 2018 kam dann der Nachfolger Osmo Mobile 2 (Testbericht) und Ende 2019 das Osmo Mobile 3 (Testbericht) auf den Markt. Im Spätsommer 2020 hat DJI die neueste Version mit dem verkürzten Namen OM4 vorgestellt. Die UVP von 150 Euro entspricht der des Vorgängermodells. Das aktuelle Gimbal des Anbieters, der vor allem für seine Video-Drohnen (Bestenliste) und auch für den Gopro-Konkurrenten DJI Osmo Action (Testbericht) bekannt ist, hat vor allem einige Detailänderungen erfahren, die den Gebrauch noch einmal erleichtern sollen. Neben der absoluten Qualität des Produktes wollten wir auch herausfinden, ob der Mehrpreis im Vergleich zu günstigeren Produkten gerechtfertigt ist. Zu diesem Zweck haben wir das OM4 gegen ein deutlich günstigeres Modell von Rollei antreten lassen.

Das OM4 ist mit 276 × 120 × 104 mm ohnehin schon etwas kompakter als der Vorgänger. Mit 163 × 100 × 47 mm lässt sich das Gerät im gefalteten Zustand außerdem deutlich besser transportieren als die meisten Konkurrenzmodelle. Mit 390 g ist es minimal leichter als sein Vorgänger.

Das Tischstativ gehört zum Lieferumfang.

Der Griff des hellgrauen OM4 liegt sehr gut in der Hand und ist durch die gummierte Oberfläche auch mit feuchten Händen oder Handschuhen gut zu greifen. Motorengeräusche des Gimbals sind auf den Videoaufnahmen nicht zu hören. Die Verarbeitung ist insgesamt hochwertig und gibt keinen Anlass für Beschwerden. Eine IPX-Zertifizierung hat das Gerät allerdings nicht und so sollte man Feuchtigkeit und feinen Sand vom Gerät fernhalten.

Das neue OM4 macht grundsätzlich das Gleiche wie die Vorgängermodelle: Es stabilisiert das Smartphone und ermöglicht ruhige Videos auch bei Bewegung des Filmers.

Das neueste Modell geht aber einige Dinge anders heran. So ist das OM4 im Vergleich zu anderen Smartphone-Gimbals um ein ganzes Stück kompakter. Das erreicht der Hersteller durch einen Klappmechanismus und das Weglassen einer klobigen Halterung. Zwar ist auch hier eine klassische Klemmhalterung im Lieferumfang enthalten, diese ist allerdings sehr kompakt. Alternativ legt DJI ein magnetisches Klebe-Pad bei. Dieses wird dauerhaft direkt auf das Smartphone oder dessen Hülle geklebt und verbindet das Gerät zuverlässig mit dem Gimbal.

Die beiden magnetischen Smartphone-Halterungen.

Ebenfalls neu ist die Tatsache, dass das Smartphone endlich ohne fummeliges Einstellen und Ausrichten der Gimbal-Arme in der Waage gehalten wird. Einrichtung und Inbetriebnahme sind dadurch deutlich bequemer als bei anderen Gimbals. Ganz perfekt funktioniert das aber nicht. Bei unserem Test stand das Handy anfangs minimal schief und wir mussten per Software nachkalibrieren, da die automatische Kalibrierung zu keiner Besserung führte. Danach gab es keine Probleme mehr.

Heftiges Zittern des Gimbals beim Einschalten oder bei einem nicht perfekt mittig ausgerichteten Smartphone tritt beim OM4 nicht auf. Wird die sehr feste Magnetverbindung zwischen Smartphone und Gimbal getrennt, geht das Gerät automatisch in einen Standby-Modus. Wer beispielsweise einen Anruf entgegennimmt, kann das Gimbal dann beiseitelegen, ohne dass es gleich verrücktspielt.

Entlang der Schwenkachse sind nach Herstellerangaben Winkel von -161,2 Grad bis 171,95 Grad möglich, beim Rollen -136,2 bis 198 Grad und beim Neigen -106,54 Grad bis 235,5 Grad. Das ist ein bisschen mehr als beim Osmo Mobile 3 und so passierte es in der Praxis nicht mehr, dass die Bewegungsfreiheit unabsichtlich überreizt wird. Die Motoren sind kräftig und stabilisieren das Aufnahmegerät auch bei Wind und starken Bewegungen sehr zuverlässig.

Wie bei den Vorgängern ist der Einsatz der zugehörigen App nicht zwingend nötig, das OM4 stabilisiert auch ohne App-Anbindung. Das ist ein nicht zu unterschätzender Vorteil, denn so ist auch die Nutzung von alternativen Kamera-Apps möglich.

Smartphone-Gimbal DJI OM4 (15 Bilder)

So ist das OM4 verpackt.

An der Unterseite des Griffs ist ein Standard-Stativgewinde eingelassen. Die Montage an einem festen Ort mag auf den ersten Blick dem Anwendungszweck widersprechen, bei Zeitrafferaufnahmen und Panoramabildern ist diese Möglichkeit aber essenziell, um ordentliche Ergebnisse zu bekommen.

Was uns beim OM4 auffällt: Nach dem Einschalten steht das Smartphone immer hochkant. Das ist für Instagram, Tiktok und Facebook zwar passend, wer lieber im klassischen Querformat filmt, muss die Ausrichtung immer erst per Knopfdruck ändern. Eine Einstellungsmöglichkeit dafür fehlt bisher in der Mimo-App von DJI. Hier bleibt zu hoffen, dass der Hersteller per Update nachbessert.

Die Mimo-App von DJI ist übersichtlich gestaltet und bereits vom Osmo Mobile 3 (Testbericht) oder dem Osmo Pocket (Testbericht) bekannt. Die Steuerung erfolgt sowohl per App als auch über Joystick und Tasten am Gimbal. Wie gehabt erfolgt die Verbindung über Bluetooth Low Energy 5.0. Das Gimbal kommt dabei auch mit älteren Bluetooth-Geräten zurecht, Bluetooth 5.0 ist abwärtskompatibel.

Zwar steht auch bei vielen anderen Gimbals eine Trackingfunktion zur Verfügung, beim OM4 kommt allerdings das bereits bei der Drohne Mavic Air 2 (Testbericht) bewährte Active Track 3.0 zum Einsatz. Zu viel sollte man trotzdem nicht erwarten. Bei sehr plötzlichen Richtungswechseln oder bei Hindernissen zwischen Motiv und Kamera kommt das Tracking auch bei DJI an seine Grenzen. Um moderat bewegende Objekte zu verfolgen ist die Funktion trotzdem bequemer und besser als das händische Ausrichten per Joystick. DAs Fokussieren eines Motivs während sich die Kamera bewegt funktioniert ebenfalls sehr gut. So bleibt beispielsweise der Baum immer in der Bildmitte, während wir gemütlich drum herumspazieren. Das würde zwar auch ohne Automatik funktionieren, so können wir uns allerdings auf das Laufen statt auf die Kamera konzentrieren.

Besonders gut gefällt uns das Tracking in Verbindung mit der Hyperlapse-Funktion. Hyperlapse ist letztlich eine Abwandlung vom klassischen Zeitraffer, mit dem Unterschied, dass sich die Kamera während der Aufnahme bewegt. Wer bewegte Timelapse-Videos drehen möchte, kann dem Gimbal insgesamt vier Positionspunkte vorgeben, welche dann in einem festgelegten Zeitraum abgefahren werden. Das Intervall der Bilder ist ebenfalls einstellbar. Während Hyperlapse sehr gut aus der Hand funktioniert, sollte bei Zeitraffern ein Stativ zum Einsatz kommen. Ein entsprechendes Tischstativ gehört, genau wie eine Tragetasche und eine Handschlaufe, zum Lieferumfang.

Spannend ist auch die Stories-Funktion. Diese ist auch für das Vorgängermodell und das DJI Osmo Pocket  verfügbar. Damit lassen sich fest definierte Kamerafahrten-Kombinationen automatisch abrufen. Der Kameramann zielt lediglich auf das gewünschte Motiv und startet die Aufnahme. Die Stories enthalten allesamt mehrere Bewegungsabläufe, die die App hintereinander aufnimmt und automatisch zu einem Video schneidet. Für Instagrammer und Youtuber ist das eine praktische Funktion, die direkt im Smartphone abläuft. Passenderweise gibt es die Posting-Funktionen für soziale Netzwerke direkt in der App.

Die Möglichkeit, den Zoom des Smartphones mit dem OM4 zu steuern, ist zwar generell praktisch, allerdings vermissen wir hier einige Einstellungsmöglichkeiten. Bei dem von uns genutzten Huawei P20 Pro (Testbericht) hätten wir beispielsweise gerne nur den optischen Zoom genutzt und auf den Digitalen verzichtet. So muss man ständig aufpassen, nicht zu weit hineinzoomen.

Ein nettes Feature ist der integrierte Dollyzoom – zumindest theoretisch. Bei dieser Aufnahmemethode bleibt ein Objekt in der Bildmitte zentriert, während sich der Motivrahmen verändert. Das funktioniert weitgehend automatisch. Der Nutzer wählt das gewünschte Motiv und geht entweder darauf zu oder entfernt sich davon. Während der Bewegung zoomt das Handy dann gleichzeitig heraus oder hinein. In der Praxis ist das Endergebnis allerdings stark vom genutzten Smartphone abhängig. Bei unserem P20 Pro ist der Zoom nicht völlig stufenlos und so sind die fertigen Videos ruckelig und alles andere als beeindruckend.

Die magnetische Verbindung hält zuverlässig.

Wie der Vorgänger eignet sich auch der DJI OM4 zur Aufnahme von Fotos. In der Praxis ist das beispielsweise bei der Aufnahme von mehrreihigen Panoramabildern sinnvoll. Dann bewegt das Gimbal das Smartphone in mehreren Zeilen so, dass zwischen den Einzelaufnahmen leichte Überlappungen entstehen. Das Zusammensetzen geschieht anschließend automatisch. Aber auch hier überzeugt das Endergebnis nicht immer. Je nach Motiv sind die Bilder nicht immer perfekt aneinandergereiht und so kommt es vereinzelt zu Bildfehlern und leichten Verschiebungen.

Bei Aufnahmen von sich selbst hilft die Gestensteuerung. Anhand einer gehobenen Hand erkennt die App, wann sie mit der Aufnahme starten soll. Dies funktioniert allerdings nur in einem Abstand von vier bis fünf Metern. Für Ein-Mann-Filmteams ist das Feature trotzdem praktisch.

Das Gimbal hat zwei USB-Anschlüsse: USB-C zum Aufladen und einen mit einem Gummideckel geschützten USB-A-Anschluss, um das angeschlossenes Smartphone mit dem internen 2.450-mAh-Akku mit Strom zu versorgen. Das Kabel sollte allerdings mindestens 20 bis 25 cm lang sein, damit sich das Gimbal auch wirklich frei bewegen kann. Wenn kein zusätzlicher Verbraucher am OM4 angeschlossen ist, erreicht die Akkulaufzeit laut Hersteller 15 Stunden. Erfahrungsgemäß ist die tatsächliche Nutzungsdauer etwas kürzer, was allerdings immer noch vollkommen ausreichend ist. Der genutzte 18650-Li-Ion-Akku, ein handelsüblicher Standard-Akku, ist nicht austauschbar. Ist er defekt, muss das Gerät zum Hersteller. Das ist zwar schade, aber leider bei vielen Gimbals so.

Um zu sehen, was das OM4 im Vergleich zu einem deutlich günstigeren Modell leistet, haben wir es während des Tests mit dem Steady Butler Mobile von Rollei (Testbericht) verglichen.

Am augenscheinlichsten ist der enorme Größenunterschied der beiden Geräte. Der nicht zusammenklappbare Steady Butler Mobile wirkt im direkten Vergleich riesig. Wer das OM4 allerdings neben die Gimbal-Kamera DJI Osmo Pocket legt, wird feststellen, dass es trotzdem nicht gerade winzig ist.

Von links nach rechts: DJI Osmo Pocket, DJI OM4 und das Gimbal von Rollei.

Die Ersteinrichtung beim OM4 ist deutlich unkomplizierter als beim Steady Butler Mobile. Hier hat DJI ganze Arbeit geleistet. Beim Rollei-Gimbal müssen, wie auch bei anderen Gimbals, erst die Ausleger an die Smartphone-Größe angepasst werden, um einen zuverlässigen Betrieb zu gewährleisten.

In Sachen Stabilisierung kann das günstige Modell von Rollei allerdings erstaunlich gut mit dem Topmodell von DJI mithalten. Unter normalen Drehbedingungen und der richtigen Handhabung sind hier keine signifikanten Unterschiede feststellbar. Lediglich bei extremen Bewegungen des Kameramanns kommt das Rollei schneller an Grenzen.

Anders sieht es bei der Software aus. Die App von Rollei ist deutlich weniger intuitiv und bietet außerdem weniger Funktionen. Dollyzoom oder Gestensteuerung gibt beispielsweise nur beim OM4. Eine Trackingfunktion ist aber auch beim billigen Rollei-Gimbal vorhanden. In der Praxis funktioniert sie zwar, sie verliert das getrackte Motiv aber deutlich schneller und arbeitet insgesamt weniger exakt. Konkret bleibt das Motiv nicht immer in der Bildmitte. Während die Bewegungen beim DJI-Modell sehr ruhig und rund ablaufen, wirken sie beim Steady Butler Mobile sehr abgehakt.

Das Hauptargument für die verhältnismäßig teuren Gimbals Osmo Mobile 3 und OM4 von DJI bleiben deren kompakte Abmessungen im zusammengefalteten Zustand und die leistungsstarke App; auch wenn es hier noch Verbesserungsbedarf gibt. Bei der reinen Stabilisierung machen auch andere Geräte einen guten und brauchbaren Job. Wer nicht (semi)professionell mit dem Gimbal arbeitet, kann also auch auf eine günstiger alternative zurückgreifen.

Hauptvorteil der anderen Geräte ist ganz klar der niedrigere Preis. So kostet schon das ebenfalls sehr gute Vorgängermodell gut ein Drittel weniger als das OM4. Da sich das aktuelle Gimbal nur marginal vom Vorgänger unterscheidet, lohnt sich ein Upgrade aus unserer Sicht nicht.

Wer mehr zu günstigeren Alternativen wissen will, sollte sich den Vergleichstest: Sechs Smartphone-Gimbals ab 70 Euro ansehen.

Eine weitere überlegenswerte Alternative wären Actioncams mit guter elektronischer Bildstabilisierung oder Gimbal-Kameras wie das DJI Osmo Pocket (Testbericht) oder dessen Klon von Xiaomi.

Das DJI OM4 kostet inklusive Tischstativ und Schutztasche 150 Euro. Der Preis ist zwar verhältnismäßig hoch, dafür bekommt man aber auch das derzeit beste Smatphone-Gimbal. Für Nutzer mit hohem Anspruch und dem Bedarf an einem möglichst geringen Packmass, ist der Preis gerechtfertigt.

Wer ein Smartphone-Gimbal sucht, bekommt derzeit kein anderes Modell mit so vielen Funktionen, einer ähnlich kompakten Bauweise und einer derart unkomplizierten Einrichtung. Das DJI OM4 ist trotz einiger Kleinigkeiten das derzeit beste Smartphone-Gimbal am Markt. Allerdings lässt sich das DJI entsprechend teuer bezahlen.

Für Smartphone-Filmer mit gehobenen Ansprüchen ist das OM4 somit uneingeschränkt zu empfehlen. Allerdings bleibt zu bemerken: Das beste Gimbal nützt wenig, wenn die Kamera nicht gut ist. Die derzeit besten Modelle haben wir in der Bestenliste: Die zehn besten Kamera-Smartphones zusammengefasst.

Wer sein Gimbal nur selten nutzt und nicht ständig mit sich herumtragen will, kann getrost zu einem anderen Modell greifen und so ordentlich Geld sparen. Mehr dazu im Vergleichstest: Sechs Smartphone-Gimbals ab 70 Euro.

Wer eher eine für die Hosentasche geeignete Kombination aus Kamera und Gimbal sucht, sollte sich das DJI Osmo Pocket (Testbericht) ansehen. Weitere Gimbals aus teilweise anderen Preis- und Leistungskategorien beleuchten wir in unserem Vergleichstest: Sechs Smartphone-Gimbals ab 70 Euro.

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