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Gigabyte Gaming Box RX 580 im Test: eGPU für's Notebook

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Eine externe Grafikkarte für's MacBook oder Windows-Notebook sorgt per USB-C für die 3D-Power eines Gaming-PCs; unterwegs bleibt der Rechner aber leicht und portabel – das klingt genial. Überzeugt das Konzept auch in der Praxis?

Die Idee, Grafikleistung bei Bedarf extern ans Notebook anzuschließen, ist nicht neu. Schon vor fast zehn Jahren gab es ein marktreifes Gerät von Fujitsu mit Grafik-Einheit von AMD, doch durchgesetzt hat sich das Konzept bislang nicht. Dabei ist die Idee doch so einfach wie genial. Ein mobiler Rechner, der unterwegs seine Vorteile ausspielt: leicht, sparsam, lang haltender Akku. Und wenn man zum Zocken am Wochenende oder zum 3D-Rendern im Büro die Grafikleistung eines Desktop-PCs braucht, schließt man eine externe Grafikkarte an.

Mit einer aktuellen Generation von eGPUs, die sich über USB-C respektive Thunderbolt 3 mit dem Notebook verbinden, nehmen die Hersteller einen neuen Anlauf. Praktischerweise handelt es sich bei den eGPUs nun um einen Quasi-Standard, der mit unterschiedlichen Notebook-, eGPU- und Grafikkarten-Anbietern zusammenarbeitet. Wir haben das mit der Gigabyte Gaming Box RX 580 und einem aktuellen MacBook Pro mit 15-Zoll-Display sowie einem Lenovo T570 ausprobiert.

Mehr Informationen zu eGPUs und einen Blick auf alle verfügbaren Modelle gibt es in unserer Marktübersicht eGPU.

Die Gaming Box ist ein rechteckiger Kasten aus Metall, 2,39 kg schwer, und besteht an den Seiten fast ausschließlich aus Lüftungsgittern. Sie sieht aus wie ein kleiner Computer, hat allerdings keinerlei Bedienelemente – weder Status-LEDs noch ein kleines Display oder gar einen Ein-Ausschalter.

Auf der Rückseite findet sich ein großer Stapel Anschlüsse, darunter eine Kaltgeräte-Buchse für die Stromversorgung, ein USB-C-Port für die Verbindung zum Computer, vier USB-Ports für Festplatten, Maus oder Tastatur sowie diverse Grafikausgänge (Displayport und HDMI) zur Verbindung mit dem Monitor.

Keine LED? Naja, zumindest nicht an der Vorderseite. Stattdessen sind gleich ganze LED-Reihen im Innenraum hinterm Lüftungsgitter verbaut, die in allen Farben des Regenbogens für Lichteffekte sorgen. Nicht sonderlich auffällig immerhin, aber auch nicht abschaltbar – und letztlich die einzige Möglichkeit, wie der Nutzer feststellen kann, ob die eGPU auch arbeitet.

Der Name verrät es bereits: In dieser Gaming Box ist eine RX 580 verbaut. Es gibt auch Versionen mit einer GeForce 1070 oder 1080; die Radeon-Karte liegt preislich zwischen den beiden Nvidia-Geräten.

Besonders praktisch: Freilich ist ein starkes Netzteil eingebaut, um die energiehungrige Grafikkarte auch standesgemäß mit Strom zu versorgen. Dabei fällt auch noch genügend ab, um das per USB-C angeschlossene Notebook oder MacBook zu laden. So entpuppt sich die Gaming-Box als Dock für den Arbeitsplatz: Man muss nur ein Kabel verbinden, darüber laufen die Grafikkarte, die Energie-Versorgung des Notebooks und die an der eGPU angeschlossenen USB-Geräte.

Leider ist der Anschluss eines externen Monitors obligatorisch. Das Zurückleiten der Grafikausgabe auf das interne Display ist nicht ohne weiteres möglich. Dementsprechend ist die eGPU auch nicht für den mobilen Einsatz gedacht. Sie passt zwar noch recht gut zusammen mit dem Notebook in einen großen Rucksack, aber der dazugehörige Bildschirm definitiv nicht.

Viele Mac-Nutzer kennen nur zwei Arten von Geräten: Die, die ohne Zutun des Nutzers direkt nach dem Anschließen funktionieren und die, die es gar nicht tun. Das Suchen und Installieren von Treibern spielt in der Praxis nur bei exotischer Hardware eine Rolle. Erfreulicherweise gehört die Gigabyte Gaming Box zu Variante 1. Strom, Bildschirm und USB-C anstecken, ein paar Sekunden warten – und der Mac-Desktop ist auf unserem 4K-Bildschirm zu sehen. So einfach? Wir können es kaum glauben, werfen einen Blick in Steam. Und tatsächlich: Die Spiele laufen nun auf der externen RX 580 statt auf der dedizierten GPU des MacBooks.

Erfreulicherweise funktioniert das auch mit den kleineren MacBooks ohne dedizierte Grafikkarte (wenngleich wir das nicht ausprobiert haben), unter Windows, das per Bootcamp auf dem MacBook läuft – und natürlich auf Windows-Notebooks, die mit USB-C / Thunderbolt 3 ausgestattet sind.

Ein absolutes Highlight: Steam VR, konkret die HTC Vive, läuft mit der eGPU – und damit auch auf MacBooks und Notebooks, die ihren Namen auch verdienen. Ab Werk für VR taugliche Notebooks sind nämlich so groß und schwer, dass sie für den mobilen Einsatz kaum noch zu gebrauchen sind. Dass Steam VR unter OS X zwar funktioniert, es aber praktisch keine Spiele gibt, steht auf einem anderen Blatt. Immerhin läuft die eGPU ja auch mit Bootcamp unter Windows.

Unter Windows 10, Update-Version 1809, lief die Installation nach dem Anstecken komplett automatisch, allerdings wenig transparent. So wussten wir nicht, ob und was das Betriebssystem gerade macht. Nach ein paar Minuten tauchte die eGPU im Systemmanager auf, zugleich war ein Neustart fällig.

Anschließend die die Karte und der angeschlossene Monitor problemlos in Windows 10 ansprechbar. Wir empfehlen, den Monitor an der eGPU in den Anzeigeneinstellungen als primäres Gerät zu definieren. Dann erkennen und nutzen Spiele oder andere Vollbildanwendungen die eGPU automatisch. Windows 10 zeigte sich erstaunlich robust. Wird die Karte im laufenden Betrieb abgesteckt, ohne sie auszuwerfen, wechselt das System sofort zur internen Grafik zurück. Grafikfehler oder Abstürze hatten wir im Test nicht.

Um es klar zu sagen: Die Leistung eines echten Gaming-PCs mit High-End-Grafikkarte erreicht die Kombination aus Notebook und eGPU nicht. Spezielle Gaming-Notebooks steckt sie aber in die Tasche. In Zahlen: Wir haben mit einem 15-Zoll-MacBook-Pro und der Gaming Box beim 3DMark Time Spy Benchmarks in mehreren Durchläufen immer knapp unter 4000 Punkte erreicht. Das reicht, um quasi alle aktuellen Spiele mit vollen Details in Full-HD zocken zu können. Etwas ältere Spiele wie Counter Strike: Global Offensive laufen sogar in 4K-Auflösung mit vollen Details.

Im Vergleich zur internen Grafikkarte sorgt die Gaming Box für einen enormen Leistungssprung. Von 1278 Punkte im Time Spy Benchmark mit der internen Radeon Pro 555 auf die externe RX 580 mit 3955 Punkten ist ein Plus von 210 Prozent. Das 13-Zoll-MacBook-Pro mit Intel-Grafik kommt übrigens auf einen Wert von etwa 630 Punkten.

Ein Benchmark-Lauf in Far Cry 5.

Ein weiteres gutes Beispiel für die Leistung der eGPU ist Far Cry 5. Das Spiel sieht toll aus, fordert aber den Rechner entsprechend. Für den Test nutzten wir ein Notebook vom Typ Lenovo T570. Es hat eine Core i7-7600 CPU mit 2,80 GHz/2,90 GHz. Dazu kommen 16 GByte RAM. Das Notebook besitzt zwei interne Grafikkarten, eine Intel HD 620 und eine Nvidia Geforce 940MX. Nach dem Anschließen der eGPU erkannte Far Cry 5 nur noch die Intel-GPU sowie die Radeon RX580 der externen Lösung. Die Tabelle zeigt deutlich, wie viel mehr Leistung die eGPU bringt:

Benchmark Far Crz 5
Intel HD 620 Intel HD 620 Intel HD 620 eGPU RX 580 eGPU RX 580 eGPU RX 580
Auflösung 1920 x 1080 3840 x 2160 3840 x 2160 1920 x 1080 3840 x 2160 3840 x 2160
Grafikvoreinstellung High High Ultra High High Ultra
Max FPS 7 2 2 57 21 25
Min FPS 5 1 1 26 23 20
Durchschnitt FPS 6 1 1 45 27 22
VRAM 2727/128 MByte 4068/128 MByte 4095/128 MByte 2727/8140 MByte 4068/8140 MByte 4095/8140 MByte

Neben der deutlich höheren Grafikleistung ist es vor allem der VRAM, also der der Grafikkarte zur Verfügung stehende Arbeitsspeicher, der die eGPU für Spieler so wertvoll macht. Die Angaben sind kein Tippfehler, sondern zeigen schön das Problem der internen Karte. Sie besitzt gerade einmal 128 MByte, Far Cry muss also Elemente ständig auslagern. Mit den 8 GByte liegt die Gaming Box klar vorne. Die Kombination der beiden Faktoren sorgen dafür, dass ein Grafikmonster wie Far Cry 5 auf einem Laptop bei Full-HD-Auflösung sehr gut und bei UHD noch immer akzeptabel spielbar ist. Bei der UHD-Auflösung würden wir im Alltag etwas an den Einstellungen schrauben und etwa Schatten oder die Spiegelung zurückdrehen – dann kann man auch mit hoher Auflösung gut spielen.

Die Gigabyte Gaming Box macht wirklich Spaß. Spiele in voller Auflösung bei allen Details auf dem 4K-Bildschirm, und unterwegs ein kleiner, leichter Rechner – das ist eine geniale Kombination. Schade, dass ein externer Bildschirm immer nötig ist. Aber das ist nicht das größte Problem der eGPU.

Eingangs haben wir es schon erwähnt: Es gibt keine Status-LED und keine Bedienelemente. Man weiß nie so recht, was in der Gaming Box gerade vorgeht. Braucht man ja auch nicht, könnte man meinen: Anschließen und funktioniert. Doch wie so oft klappt in der Praxis nicht, was die Theorie verspricht. Oft haben wir die eGPU angeschlossen, die sich dann nur wie ein Netzteil verhält: Bling, das Notebook lädt. Aber keine bunten LEDs, kein Bild auf dem Schirm, kein Lüftergeräusch.

Was wir inzwischen reproduziert haben: MacBooks wollen nicht im Standby-Modus um eine Grafikkarte erweitert werden. Die Grafikkarte funktioniert dann einfach nicht, umstecken, abstecken, vom Strom nehmen hilft manchmal, aber nicht immer. Anderer USB-Port kann helfen, noch einmal Standby-Modus, wieder aufwecken und erneut anschließen kann auch helfen. Manchmal löst ein Neustart des MacBooks das Problem, manchmal will es ganz abgeschaltet werden, hin, her, stecken, schalten, Frust.

Aber so ist das halt, wenn man an vorderster Front der Technik mitspielt: Das ist alles noch nicht ganz so fein und sauber abgestimmt, wie wir es uns wünschen würden. Dazu gehört auch, dass unser MacBook nach dem sauberen Auswerfen der externen Grafikkarte grundsätzlich nicht mehr aus dem Standby-Modus aufwacht und neu startet. Nun – jetzt wissen wir's und fahren den Rechner einfach herunter. Problem gelöst, wenn auch nicht auf die ganz feine Art.

Gigabyte RX 580 Gaming Box (GV-RX580IXEB-8GD)

RX580

Gigabyte Aorus GeForce GTX 1070 Gaming Box (GV-N1070IXEB-8GD)

GTX 1070

Gigabyte Aorus GeForce GTX 1080 Gaming Box (GV-N1080IXEB-8GD)

GTX 1080

Grafik-Power zum Nachrüsten fürs Notebook – das klingt irgendwie so, als würde ein kühner Traum wahr werden. In Zukunft muss man kein teures 15-Zoll-MacBook mehr kaufen, wenn man gelegentlich mal spielen möchte; die 13-Zoll-Variante funktioniert genauso. VR mit dem Notebook, volle Rendering-Power bei der Videobearbeitung – und das immer bei Bedarf. Das ist so genial, dass wir der Gaming Box auch die gelegentlichen Probleme beim Verbinden verzeihen (nur nicht in dem Moment, wo sie nicht will).

Der Preis ist auch deutlich günstiger als ein VR-tauglicher Gaming-PC, den man zusätzlich zu seinem Notebook kaufen müsste.

Alternativen zu diesem Modell zeigen wir in unserer Marktübersicht eGPUs.

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