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Geeetech A10M im Test: 3D-Drucker mit zwei Farben

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Der Geeetech A10M verspricht Zweifarbdruck zum Schnäppchenpreis für unter 300 Euro. Ob und wie gut das funktioniert, zeigt der Test.

Hunderte günstiger 3D-Drucker, die nach dem FDM-Verfahren arbeiten, buhlen bei E-Bay, Amazon & Co. um die Gunst der Kunden – und die meisten sind sich sehr ähnlich. Eine Ausnahme ist der A10M von Geeetech, der eine 2-in-1-Out-Nozzle mitbringt, die nicht nur zwei verschiedene Farben, sondern auch eine Mischung daraus drucken kann.

Dieser Testbericht zum Doppel-FDM-Drucker ist Teil unserer Themenwelt 3D-Drucker.

Auf den ersten Blick erinnert der A10M stark an den Creality Ender 3 (Testbericht) – einen unserer Favoriten unter den günstigen 3D-Druckern und zu Preisen ab gut 150 Euro auch ein echtes Schnäppchen. Der A10M ist aber weiter vormontiert, weswegen der Aufbau deutlich schneller vonstattengeht als beim Ender. Hier wie dort sind Aufbau- und Bedienungsanleitung sehr rudimentär vorhanden, weswegen man einfach genug Zeit einplanen sollte – und sich nicht zu schade sein darf, auch mal länger zu googeln oder in Foren zu lesen. 3D-Drucker in dieser Preisklasse funktionieren halt nicht Out-of-the-box. Für den eigentlichen Aufbau des Druckers haben wir eine gute Stunde gebraucht, aber bis man die ersten, vorzeigbaren Ergebnisse hat, sollte man durchaus ein verregnetes Wochenende einplanen.

Der Aufbau hält wenige Überraschungen parat. Es dominieren schwarz eloxierte Aluminium-Profile, die nicht nur für die nötige Standfestigkeit sorgen, sondern auch als Lager für die Laufrollen der Achsen dienen. Im Detail sind einige Dinge besser, andere schlechter gelöst als bei anderen günstigen 3D-Druckern. Die Führung des Druckbetts läuft bei uns nicht ganz sauber, sondern hakt gelegentlich etwas – woran das liegt, haben wir nicht herausgefunden, in der Praxis hat es aber nicht gestört. Störender sind dagegen die frei baumelnden Kabel, die eine gewisse Gefahr mitbringen, sich bei der Arbeit des Druckers zu verheddern. Hier sollte man zumindest mit Kabelbindern, besser aber mit selbstgedruckten Schleppketten für Nachhilfe sorgen. Ein positives Beispiel sind hingegen die Treiber der Schrittmotoren, die im Vergleich zum Ender 3 flüsterleise arbeiten. Kurz und knapp: Das ist alles weder mechanisch noch elektrisch das Gelbe vom Ei, aber es funktioniert.

Muss das so? Eigentlich wohl nicht, aber der Hersteller hat sich keine bessere Konstruktion für die Kabel überlegt.

Traurige Ausnahme ist das Druckbett. Die vom Hersteller „Superplate“ genannte Borosilikatglasplatte, die auf der Heizplatte liegt, hat zwar eine ordentliche Haftung – aber zumindest unsere ist leider so uneben, dass die erste Schicht beim Drucken nur dann hält, wenn sie nicht gerade in einem „Tal“ beginnt. Das nervt, früher oder später wird man hier wohl eine Alternative suchen und das Druckbett ersetzen. Gute Erfahrungen haben wir bei anderen Druckern beispielsweise mit der Filaprint-Dauerdruckplatte von Filafarm gemacht.

Wie üblich ist das Design rudimentär. Das Netzteil (mit unfassbar lautem, aber zum Glück nicht dauerhaft laufendem Lüfter) hängt am Rahmen, die Bedieneinheit mit Display, Dreh-Drück-Steller und SD-Kartenleser hat kein Gehäuse, überall baumeln dünne und dicke Kabel am Drucker. All das lässt sich beheben und verbessern, aber man muss es eben selbst machen. Passende Gehäuse fürs Display, Kanäle und Schleppketten für Kabel & Co. finden sich zum Ausdrucken bei Thingiverse.

Neben den vormontierten Teilen des Druckers, den nötigen Schrauben, etwas Werkzeug und der Anleitung finden sich noch ein paar Besonderheiten im Karton, die man bei anderen günstigen 3D-Druckern vergeblich sucht. Dazu gehören beispielsweise zwei Filament-Sensoren, die erkennen, wenn das Filament zu Ende geht oder bricht. Der Druck schlägt dann nicht fehl, sondern wird kontrolliert pausiert. Der Drucker macht entweder mit dem anderen Filament weiter oder wartet, bis der Nutzer die Rolle gewechselt hat. Dass die Halterungen der Sensoren schon ab Werk nicht nur wie eine Sollbruchstelle aussehen, zeigt die Tatsache, dass es diverse Alternativen zum Nachdrucken bei Thingiverse gibt, wenn das Original gebrochen ist.

Je nach Ausstattung der Bestellung ist außerdem ein 3D Touch genannter Level-Sensor mit dabei; alternativ kann man ihn sich für 20 bis 30 Euro dazu bestellen. Mit seiner Hilfe tastet der Druckkopf das Druckbett an neun Messpunkten ab und beachtet die Höhenunterschiede beim Drucken. Das hat uns das Leben mit dem krummen und schiefen Bett deutlich vereinfacht, wenngleich die neun Messpunkte in unserem Fall eigentlich nicht ausreichen. Dennoch spart man sich viel Zeit beim nervigen manuellen Ausgleich – also dem händischen Einstellen des Abstands zwischen Druckbett und Druckkopf mit Hilfe von Rändelschrauben. Ganz drumherum kommt man aber auch damit nicht. Wieder ein Hinweis für Einsteiger: Nehmt Euch Zeit, lest viel und experimentiert. 3D-Druck ist super, aber im günstigen Bereich eben nicht ganz einfach.

Der Drucker läuft mit der Open-Source-Software Marlin. Wer den 3D-Touch-Sensor nicht mitkauft, sondern nachrüstet, muss ihn in der Firmware aktivieren. Wer das nicht händisch machen möchte, kann ein fertiges Image für den A10M beim Hersteller herunterladen – in einer Version mit und in einer Version ohne 3D-Touch-Sensor. Zum Aufspielen haben wir das Firmware Toolkit von Geeetech heruntergeladen, das es für Windows und Mac OS X gibt.

Grundsätzlich arbeitet der A10M wie jeder andere FDM-Drucker: Modell bauen oder herunterladen, per Slicer-Software wie Cura, Slic3r oder Simplify3D in Schichten zerlegen und Maschinencode auf eine SD-Speicherkarte schreiben, Karte in den Drucker stecken und Druck beginnen.

Der Bauraum ist mit offiziell angegebenen 220 × 220 × 260 mm etwa gleich groß wie der des Ender 3, in der Praxis geht aber sogar noch ein wenig mehr. Wir haben im Test ausschließlich mit PLA-Filament gedruckt; PETG und PVA sollten ebenso unproblematisch sein. Der Hersteller gibt an, dass der A10M auch ABS druckt – unserer Erfahrung nach wird das ohne einen geschlossenen Bauraum aber keine einfache Angelegenheit. Immerhin, wer möchte, kann den Drucker verkleiden.

Die beiden Extruder-Motoren, die für den Vorschub des Filaments sorgen, sitzen am oberen Rahmen des Druckers. Der Kunststoff wird über zwei Bowdenzüge zum beheizten Druckkopf geführt, wo das Material geschmolzen und durch die Düse („Nozzle“) ausgegeben wird. Aufgrund dieses Konstrukts ist das Drucken von gummiartigem Flex-Filament nicht unproblematisch.

Geeetech A10M (21 Bilder)

Der A10M in ganzer Pracht. Ein Kollege meinte: „Sieht so aus, als hätte ein Kind versucht, einen alten Filmprojektor nachzubauen“

Bei FDM-Druckern gibt es zwei Verfahren für Zweifarbdruck, die jeweils andere Vor- und Nachteile aufweisen: Es gibt immer zwei Filamentspulen und zwei Extrudermotoren, die für den jeweils passenden Vorschub sorgen. Der Unterschied liegt im Druckkopf. Beim A10M werden beide Filamente zusammengeführt und aus einer Nozzle ausgegeben; bei anderen Druckern gibt es zwei oder mehr Nozzels – eine für jedes Filament.

Wer Farben mischen möchte, kann das nur mit der 2-in-1-out-Technik des A10M. Das klappt komfortabel über das Bedienmenü des Druckers, in dem sich vor und während des Druckens das Mischverhältnis zwischen beiden Filamenten einstellen lässt. Auf Wunsch führt der Drucker auch selbsttätig einen Farbverlauf von unten nach oben durch. Alternativ lassen sich auch im Slicer Mischfarben einstellen oder mit der Color Mixer Software des Herstellers fertige Gcode-Dateien nachträglich einfärben.

In der Praxis ist das Mischen aber so eine Sache, denn die Farben werden nicht „verrührt“ – stattdessen hat die linke Seite, an der das eine Filament zugeführt wird, bei Mischfarben immer eine stärkere Tendenz zu dieser Farbe, während die rechte Seite tendenziell in der anderen Farbe erscheint. Der daraus entstehende Effekt sieht nicht schlecht aus, man kann hier aber nicht von einer perfekt gemischten Farbe sprechen. Mischt man rot (linker Extruder) und weiß (rechter Extruder) zu 50 % und druckt einen Würfel, ist die West-Seite rotlastig, die Ost-Seite weißlastig und Norden und Süden sind relativ gleichmäßig rosa gefärbt.

Möchte man starke Kontraste – also einen Teil rot drucken und einen anderen weiß – muss die Mischfarbe weg. In der Slicer-Software gibt es eine entsprechende Einstellung, die parallel zum eigentlichen Objekt einen Turm druckt, in dem die Mischfarben verschwinden: Jeweils nach einem Layer wird beim Farbwechsel eine Ebene Kunststoff in den Turm gedruckt, danach steht dann die andere Farbe zur Verfügung. Das dauert lang und verbraucht viel Material; immerhin ist das Filament wirklich günstig. Unser Beispielmodell, eine Kröte, kommt samt Turm auf etwa 90 Gramm, wovon der Turm circa die Hälfte ausmacht. Eine Spule mit 1 kg kostet derzeit zwischen etwa 15 und 25 Euro. Negativer fällt da schon die Druckdauer auf: Bei einer Auflösung von 0,2 mm pro Schicht hat der Druckvorgang extreme 15 Stunden gedauert. Einfarbig wär's in einem Drittel der Zeit gegangen.

Für echten Zweifarbdruck greift man am besten auf 3D-Modelle zurück, die bereits entsprechend aufgeteilt sind. Statt einer lädt man zwei STL-Objekte in seinen Slicer, die genau übereinander gelegt werden – jeweils ein Objekt wird in der einen Farbe gedruckt, das andere in der anderen. Da die Technik noch recht neu ist, gibt es verhältnismäßig wenig Modelle; eine schöne Auswahl an fertigen Modellen finden sich aber bei Thingiverse mit den Suchbegriffen 2 Color oder MMU / Multi Material – darunter auch die, die wir für diesen Test gedruckt haben.

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Geeetech A10M

A10M

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3D Touch Sensor

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Der A10M gefällt uns wirklich gut. Viele Details sind toll gelöst, das Druckergebnis ist überwiegend sehr gut. Allerdings muss man deutlich dazusagen: Der Geeetech A10M ist kein Drucker für Anfänger. Allein die Möglichkeit des Zweifarbdrucks verdoppelt die Schwierigkeiten und macht es komplexer, die Ursache von Problemen zu erkennen und zu beseitigen.

Das Mischen von Farben funktioniert in der Praxis leider nicht so toll wie in der Theorie. Materialbedarf und Druckdauer sind beim Zweifarbdruck hoch. Dennoch ermöglicht die Technik tolle Ergebnisse, die in ihrer Beschaffenheit noch eine Ausnahme darstellen.

Erfahrenen 3D-Druckern und Bastlern können wir daher guten Gewissens zum A10M raten: Es lohnt sich. Wer aber noch keinen 3D-Drucker im Einsatz hat, sollte besser mit einem einfacheren Modell anfangen.

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