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Garmin Zumo XT im Test: Flaggschiff-Navi für Biker

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Mit dem Zumo XT will Garmin den Ton im Bereich Motorrad-Navigation bestimmen. TechStage testet das Biker-Navi und prüft, ob es wirklich alles besser kann als die Vorgänger.

Ein Navi-Gerät ist für viele Motorradfahrer heutzutage selbstverständlich geworden, doch die Bandbreite in der Qualität und Zuverlässigkeit ist groß. Wer einfach nur sein Smartphone am Lenker mit einer Halterung aus dem Zubehör festklemmt und sich per Google Maps dirigieren lässt, riskiert, dass sich das teure Smartphone während der Fahrt durch die Erschütterung löst, die Technik durch Vibrationen beschädigt, im Regen nass und in der Sonne heiß wird.

Daher ist ein für Motorräder entwickeltes Navi-Gerät meist die bessere Lösung. Die beiden Marktführer sind Garmin und Tomtom, die sehr gute, wenn auch leider oft recht teure Geräte bieten. Für diesen Test fühlen wir dem Zumo XT auf den Zahn, einem der teuersten Produkte, mit denen man sich auf dem Motorrad leiten lassen kann.

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Das Zumo XT ist erst seit wenigen Monaten auf dem Markt und soll dem Vorgängermodell Zumo 595 in jeder Hinsicht überlegen sein. Das neu geformte Gerät ist mit seinem 5,5-Zoll-TFT-Display auf jeden Fall größer und bleibt dennoch mit 262 Gramm akzeptabel leicht. Die Auflösung wurde von 800 × 480 Pixel auf 1280 × 720 Pixel erhöht, ist damit aber immer noch weit von Smartphone-Displays entfernt. Vor allem ist das Zumo XT deutlich heller geworden, was die Ablesbarkeit wesentlich erleichtert. Allerdings verzichtet Garmin auf ein transflektives Display. Schade, denn so lässt sich das Zumo XT kaum noch ablesen, wenn die Sonne ungünstig steht. Das kommt in der Praxis selten vor, ist aber dann umso ärgerlicher.

Das Menu des Zumo XT ist logisch und übersichtlich aufgebaut, so dass auch während der Fahrt eine schnelle Einstellung möglich ist. Garmin hat seinem neuen Flaggschiff reichlich Funktionen mit auf den Weg gegeben.

Dass ein Flaggschiff-Navi wasserdicht nach der Norm IPX7 ist, darf man erwarten, doch laut Garmin ist es sogar für die US-Militär-Norm MIL-STD-810 qualifiziert und damit auch weitestgehend resistent gegen heftige Erschütterungen wie Stürze. Die von Garmin mitgelieferte Befestigung ist sehr stabil und einfach zu installieren. Wer sich nicht gut mit Elektrik auskennt, sollte den Anschluss an das Bordnetz aber besser einem Fachmann überlassen. Wichtig dabei ist, die Stromversorgung nicht direkt an die Batterie, sondern an die Zündung zu legen, so dass das Navi bei ausgeschaltetem Motor keinen Strom saugen kann. Ohne Stromanschluss gibt Garmin zwar optimistische dreieinhalb Stunden Akku-Laufzeit bei 100 Prozent Helligkeit für das Zumo XT an, jedoch dauert es in der Praxis nur eineinhalb Stunden, bis das Display schwarz wird.

Man sollte sich genau überlegen, wo man das Zumo XT am Lenker befestigt (einige wenige Motorräder bieten auch Streben im Cockpit), da es recht groß ist und die Instrumente im Cockpit teilweise verdecken könnte. Praktischerweise kann das Gerät sowohl waagerecht als auch senkrecht benutzt werden, die Kartendarstellung dreht sich automatisch mit. Neu geformt ist die Halterung, an der das Navi eingeklinkt wird, es soll jetzt noch sicherer sein. Das Zumo XT lässt sich ohne Kraftaufwand befestigen und wieder abnehmen – was bei früheren Geräten keine Selbstverständlichkeit war.

Kommen wir zum eigentlichen Zweck eines Navi-Geräts: Der Routenführung. Das Zumo XT deckt serienmäßig ganz Europa (46 Länder) ab und hat neben den HERE-Straßenkarten auch topografische Karten vorinstalliert. Als Clou stehen Birds-Eye-Satellitenbilder zum kostenlosen Download bei Garmin bereit, was einer Navigation nach Google Maps Earth entspricht. Das ist besonders für Motorradfahrer interessant, die sich auch abseits befestigter Straßen bewegen. Das Zumo XT verfügt über einen 500 GByte großen internen Speicher um das aufwendige Kartenmaterial aufnehmen zu können, darüber hinaus stehen noch 32 GB als interner Speicher zur freien Verfügung. Wer will, kann den Speicher mit SD-Karten zusätzlich erweitern.

Das Menu ist logisch und übersichtlich angelegt. Die Berechnung selbst aufwendiger Routen erledigt der Prozessor recht schnell, so dass der Fahrer nie lange warten muss, bis er starten kann. Über die Aufteilung der Display-Anzeigen beim Bedienen kann man sich streiten: Einerseits versucht Garmin, möglichst viele Informationen zu liefern, andererseits fällt die Darstellung der Karte dadurch kleiner aus. Während der Fahrt kann unter drei Darstellungs-Modi gewechselt werden.

Erfreulich ist, dass das Zoomen durch die Zwei-Finger-Bewegung, wie man es vom Smartphone kennt, endlich auch bei einem Garmin zur Verfügung steht. Es funktioniert sogar mit Handschuhen im Regen problemlos und erspart einem das mehrfache Tippen auf das Plus-Symbol. Es gibt mehrere Routenfunktionen, unter Motorradfahrern ist die Funktion „Adventurous Routing“ sehr beliebt, da das Navi dann kurvige und landschaftlich schöne Strecken aussucht. Ein Sicherheitsplus ist die Funktion für Warnhinweise wie scharfe Kurven, Geschwindigkeitsbegrenzungen, Bahnübergängen und Ähnliches. Es warnt zwar auch vor Radarkontrollen, allerdings ist diese Funktion während der Fahrt in Deutschland nicht erlaubt.

Garmin Zumo XT (7 Bilder)

Das neue Garmin Zumo XT ist größer und heller als das Vorgängermodell Zumo 595. Es arbeitet schnell und zuverlässig. Allerdings kann das Navi Teile des Cockpits verdecken und der Touchscreen ist zwar nicht entspiegelt, funktioniert aber auch mit Handschuhen selbst im Regen.

Am Computer können Routen geplant und anliegende Updates auf das Zumo XT entweder ganz klassisch per Kabel oder nun auch per WLAN-Schnittstelle übertragen werden. Die von Garmin bereitgestellte Software „Basecamp“ ermöglicht die Routenplanung mit dem gleichen Kartenmaterial wie auf dem Zumo XT. Andere Kartenhersteller funktionieren zwar auch, aber so vermeidet man Irritationen. Wer die Garmin Drive-App installiert hat, kann auch eine Bluetooth-Verbindung zum Smartphone herstellen. So kann das Zumo XT etwa auf Wetter-Apps und Verkehrsdaten zugreifen. Für die Route führt das Garmin Tankstopp-Hinweise und für Motorradfahrer interessante Orte wie Werkstätten auf. Wer sich bei der Plattform explore.garmin.com registriert, kann Tracks, Points of Interest (POIs) und Routen synchronisieren. Mittels der neuen Track-Record-Funktion lassen sich Routen speichern und mit anderen teilen. Das Zumo XT nutzt zudem Foursquare, um potenziell interessante Orte zu zeigen und lädt Hotel- und Restaurantbewertungen von Tripadvisor.

Bild: Garmin Das Zumo XT deckt serienmäßig ganz Europa (46 Länder) ab und hat neben den HERE-Straßenkarten auch topografische Karten vorinstalliert. Als Clou stehen Birds-Eye-Satellitenbilder (Foto) zum kostenlosen Download bei Garmin bereit, was einer Navigation nach Google Maps Earth entspricht.

Für eine neue Route kann man die anzufahrenden Punkte wahlweise über die Suchfunktion, über die POIs oder in der Karte hinzufügen. Einmal gesetzte Punkte lassen sich aber leider nicht mehr verschieben, sondern nur löschen und neu anlegen, was einen unnötigen Mehraufwand bedeutet. Ärgerlich ist auch, dass man beim Erstellen der Route keine zusammenhängende Strecke angezeigt bekommt, die ist erst nach der Fertigstellung ersichtlich.

Das Zumo XT kann mit kompatiblen inReach-Geräten verbunden werden, so lässt sich auch in entlegenen Gegenden ein Notruf mittels des integrierten SOS-Knopf mit den exakten Ortskoordinaten via Satellit absetzen. Per Bluetooth überträgt das Garmin MP3-Dateien, um auf der Tour Musik zu hören, und der Fahrer kann auch Telefonanrufe vom Smartphone entgegennehmen. Die Sprachausgabe für die Routenanweisungen ist akustisch gut, entweder per Lautsprecher oder auf ein Bluetooth-Headset im Helm (Ratgeber).

Der UVP des Garmin Zumo XT liegt bei knapp 500 Euro. Der Straßenpreis pendelt sich aktuell um die 450 Euro ein.

Das neue Garmin Zumo XT überflügelt das Vorgängermodell tatsächlich in jeder Hinsicht. Das größere Display ist heller und schärfer, die Routenberechnung erfolgt schneller. Die drei unterschiedlichen Kartendarstellungsmodi stellen jeden zufrieden und die Geräte-Ausstattung ist umfangreich. Zwar sind knapp 500 Euro viel Geld, doch das Zumo XT ist seinen Preis wert, zumal es solide verarbeitet ist und kostenlose Karten-Updates eine lange Nutzung gewährleisten.

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