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Game & Watch: Super Mario Bros im Test

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Mit dem Game & Watch: Super Mario Bros belebt Nintendo mit beeindruckender Originaltreue ihren nostalgischen Handheld wieder. Unser Test klärt auf, ob und wann der hohe Preis von 50 Euro gerechtfertigt ist.

Super Mario Bros. wird 35 Jahre alt! Na, herzlichen Glückwunsch! Da kann man nur gratulieren. Denn: Es ist eines der wichtigsten Titel in der Historie der Videospiele. Es war nicht nur ein sagenhafter Erfolg für Nintendo und kurbelte den Verkauf des Nintendo Entertainment System ordentlich an, sondern machte auch Kultfigur Mario mit einem breiten Publikum bekannt. Dem einflussreichen Klassiker und seinen Fans macht Nintendo zum Jubiläum ein ungewöhnliches Geschenk: Das Spiel kommt gemeinsam mit seinem Nachfolger (hierzulande bekannt als “The Lost Levels”) auf einem modernisiertem Game & Watch heraus. Dabei handelt es sich um den Vorgänger des Game Boy, der noch keine austauschbaren Module besaß. Mit dieser Kombination gibt es also gleich die doppelte Nostalgiepackung.

Der Test erscheint in unserer Themenwelt Retro-Konsolen. Dort haben wir beispielsweise die Retro-Konsolen Evercade (Testbericht), Mega Drive Mini (Testbericht), Neo Geo Mini (Testbericht) oder SNES Classic Mini (Testbericht) getestet. Dazu gibt es eine Top-10 der offiziellen Retro-Konsolen.

Nimmt man den Game & Watch in die Hand, hat man fast das Gefühl eine Zeitreise zu machen: Optisch sieht das kleine Gerät tatsächlich so aus, als hätte man es Anfang der 80er gekauft. Damals gab es unterschiedliche Gehäuseformen und diese hier orientiert sich im Wesentlichen an die Widescreen-Serie. Es hat eine längliche, flache Form, die kaum größer ist als ein durchschnittliches Smartphone.

Das Gehäuse hat zwei Elemente: Nintendo-typisches Rot und eine goldene Vorderseite aus gebürstetem Metall. Das wirkt sehr edel und wirkt zudem schön robust. Hält man das Gerät in der Hand, hat man nicht den Eindruck eines billigen Plastikhandhelds, sondern tatsächlich von einem wertigem Stück Retro-Hardware.

Nintendo-typisch ist die Verarbeitung sehr gut.

Schaltet man es ein, wird die Modernisierung aber sofort deutlich: Statt einem eingeschränkten Flüssigkristallbildschirm mit Graustufen hat Nintendo einen guten LCD-Bildschirm im 4:3-Verhältnis eingebaut. Bei seitlicher Betrachtung verfälschen zwar ab einem zu steilen Winkel die Farben, aber ansonsten ist dieser sehr gut. Die Farben kommen kräftig rüber und dreht man die Helligkeit in den Optionen auf Maximum, kann man den Schirm sogar bei Sonnenlicht noch verhältnismäßig gut erkennen. Eine leichte Schlierenbildung bei schnellen Bewegungen konnten wir trotzdem ausmachen, aber bei den vorinstallierten Spielen nimmt man das nicht als allzu störend wahr.

Bei den Knöpfen ist der Game & Watch minimalistisch: Es gibt ein Steuerkreuz, zwei Eingabe-Tasten und drei für Optionen. Das ergibt Sinn, denn für Super Mario Bros. sind auch nicht mehr Tasten nötig. Das Digikreuz ist erstklassig und reagiert einwandfrei auf unsere Eingaben. Die Haptik ist sehr gut, weil es einen gut ertastbaren Druckpunkt gibt. Bei den Handhelds und Controllern von Nintendo gab es mit dem Digikreuz eigentlich selten Probleme, weshalb uns das nicht wundert. Bei den A- und B-Tasten ist aber etwas Eingewöhnung nötig: Sie sind ebenfalls gut verarbeitet und auch hier ist der Druckpunkt leicht zu spüren. Aber sie fühlen sich im Vergleich zu modernen Tasten weicher und eine Spur schwammiger an. Nach einer Zeit konnten wir aber Mario problemlos damit steuern. Menschen mit sehr großen Händen werden aber Schwierigkeiten haben und eventuell versehentlich beide Tasten gleichzeitig drücken. Da die Knöpfe recht weit unten am Gerät liegen, sind die Handballen beim Spielen frei und man hält den Handheld quasi nur mit seinen Fingern fest. Da das ganze Teil nur ungefähr 150 Gramm wiegt, ist das prinzipiell kein Problem, nur etwas gewöhnungsbedürftig.

Nintendo Game + Watch: Super Mario Bros (11 Bilder)

Nintendo Game + Watch: Super Mario Bros

An der linken Seite ist ein kleiner Schlitz für den Lautsprecher untergebracht. Er sieht nicht so aus, aber die Klangqualität daraus ist überraschend gut. Irritierend finden wir nur, dass bei einer höheren Lautstärke die Vibration im gesamten Gehäuse zu spüren ist. Einen Kopfhörer-Ausgang gibt es leider nicht. Dafür finden wir auf der rechten Seite einen USB-C-Anschluss vor, über den der Akku geladen werden kann. Voll aufgeladen ist ein Betrieb bis zu 8 Stunden möglich.

Enthalten sind drei Spiele: Super Mario Bros., Super Mario Bros 2 (The Lost Levels) und Ball. Zu den ersten beiden Spielen muss man eigentlich nicht viel sagen: Jeder Mensch, der sich für Videospiele interessiert, sollte zumindest den ersten Teil einmal in seinem Leben ausprobiert haben. Es ist bemerkenswert, wie gut das Jump`n Run nach 35 Jahren noch funktioniert. Das Leveldesign, das Momentum bei der Steuerung, die Musik - das hat nach all der Zeit wenig von seinem Charme verloren. Die erste Stage wird heute noch in Video-Essays analysiert und von Dozenten an Hochschulen besprochen, weil es auf perfekte Weise Spieler völlig non-verbal die Spielregeln erklärt. Jede gute Game-Design-Ausbildung fängt mit einer Studie des ersten Levels von Super Mario Bros. an. Bei The Lost Levels scheiden sich die Geister allerdings: Hier wirken die Level nicht ganz so ausgereift und der Schwierigkeitsgrad ist nicht so ausgewogen. Spaß macht es trotzdem.

Level 1-1 von Super Mario Bros ist immer wieder eine Runde wert.

Ball ist das erste Game & Watch-Spiel überhaupt, und es hat ein ganz simples Konzept: Man muss dafür sorgen, dass ein Jongleur seine Bälle nicht verliert. Hier wird trotz LCD-Bildschirm die alte Technik von damals simuliert, weshalb es nur ganz wenige Animationen gibt. Für diese Jubiläums-Edition hat man Mario zum Jongleur gemacht, was für einen Schmunzler gut ist. Ansonsten hatten wir nach kurzem Ausprobieren schon genug von Ball. Es ist so simpel, dass es nicht lange bei der Stange hält.

Und … das war es schon an Spielen. Drei Stück sind für den Kaufpreis von 50 Euro tatsächlich überraschend wenig, zumal es zwei Game & Watch-Sammlungen schon auf dem Nintendo DS gab. Diese gab es nur exklusiv für Nintendo Clubmitglieder, weshalb sie heute teure Sammlerstücke sind. Aber dennoch hat es bei solchen Mikrospielen schon damals Sinn ergeben, mehrere zusammenzufassen. Warum also nicht einen Game & Watch rausbringen, der auch tatsächlich eine größere, vielleicht sogar komplette Sammlung bietet? Speicherplatz und Emulation dürften da kein Problem sei, selbst wenn Button-Layouts dann angepasst werden müssten. Das wäre historisch spannend gewesen.

Aber halt! Eine Funktion gibt es noch, über die wir sprechen müssen. Im Produkttitel steht schließlich noch “Watch”, und hier kommt die eingebaute Uhr zum Einsatz. Diese zeigt die Uhrzeit im Stil eines Super-Mario-Levels an, während Mario dort hindurch hüpft und mit Gegnern und anderen Elementen interagiert. Je nach Tageszeit sieht das immer ein wenig anders aus. Zum Beispiel geht abends auf dem Bildschirm die Sonne unter, nachts gibts einen Sternenhimmel. Zahlen zertrümmert Mario oft mit einem Sprung, und ab und zu kommen überraschende Animationen, wie ein Besuch in einem mit Münzen gefüllten Dungeon. Wir sind selbst überrascht, aber: Ja, die Uhr ist tatsächlich das ausschlaggebendste Argument für das Gerät. Schließt man das Teil per USB an eine Stromquelle an und findet einen passenden Ständer, ist es eine charmante Uhr für den Schreibtisch.

Die Uhr ist ein nettes Gimmick für Fans.

Nette Eastereggs runden das Fanpaket ab. Geht der Handheld in den Ruhemodus, bekommt man eine von mehreren Illustrationen der Spielcharaktere zu sehen, die im Zeichenstil der 90er gehalten sind. Sogar der “Wir zeichnen Mario!”-Song ist enthalten. Den bekommt man zu sehen, wenn man im Uhr-Modus für mehrere Sekunden den A-Knopf gedrückt hält. Das ist Liebe zum Detail!

Bei nur drei Spielen, von denen eines auf etlichen Plattformen erschienen ist, wirkt der Preis von knapp 50 Euro für den Game & Watch: Super Mario Bros. als happig. Aber es kommt auf den Betrachtungswinkel an. Wer Fan von Nintendo ist und eine schöne Reproduktion eines klassischen Handhelds in seiner Sammlung besitzen möchte, wird mit dem Gerät trotz der knappen Softwareauswahl zufrieden sein. Es ist zweifelsohne gut produziert. Für Mario-Freunde ist die Uhr zudem eine schöne Sache.

Wer aber mehr erwartet, sollte auf einen Preissturz warten oder ganz verzichten. Es gibt etliche günstigere Möglichkeiten die Klassiker zu spielen, wenn man bereits ein anderes Gerät von Nintendo besitzt.

Übrigens: Natürlich ist die Modding-Community schon dabei den Game & Watch zu hacken, aber besonders viel erwarten darf man nicht. Doom läuft darauf nur auf einer niedrigen Framerate. Wegen des geringen Speicherplatzes von 1.1 MB sogar nur ohne Texturen. Der Game & Watch wird sich also kaum als nächste Emulator-Geheimtipp eignen.

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