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Fitbit Versa im Test: Fitness-Uhr mit Musik-Player

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Die Fitbit Versa tritt als Rundumlösung an: Sie trackt Sport und Alltag, bietet Musikwiedergabe und man kann (eigentlich) mit ihr bezahlen. Wir testen die Sportuhr, zeigen Stärken und Schwächen.

Im Paket liegen neben der eigentlichen Uhr eine Ladeschale, etwas Lesestoff sowie ein längeres Armband. Fitbit setzt wie auch beim Tracker Alta HR (Testbericht) auf leicht zu wechselnde Armbänder, die einfach eingeklickt werden. Am Gerät ist das kürzere Armband vorinstalliert.

Vom Design erinnert die Versa an die erste Apple Watch, ist aber etwas kleiner und quadratisch. Im Test hatten wir die Version mit silbernem Aluminiumgehäuse, der Kontrast zwischen hellem Metall und dunklem Bildschirm kommt dabei gut zur Geltung. Alternativ gibt es noch Versionen mit schwarzem, grauen und rosé-goldenem Aluminium. Den 1,3 Zoll großen Touchscreen schützt eine Schicht aus Gorilla Corning Glass 3 vor Kratzern. Die Uhr sitzt fest am Handgelenk, war aber im Test angenehm zu tragen.

Auf der linken Seite ist eine große Taste angebracht, auf der rechten zwei kleine. Der linke Knopf geht in den Menüs einen Schritt zurück, ein langer Druck zeigt verschiedene Schnelleinstellungen sowie den Musik-Player an. Die beiden rechten Tasten sind vom Kontext abhängig. Im Hauptmenü gibt die obere Taste schnellen Zugriff auf die verschiedenen Trainings, die untere zeigt die Wecker an.

Die Fitbit Versa

Mit dem Smartphone verbindet sich die App per Bluetooth, dazu hat sie noch ein eigenes WLAN-Modul, um Daten herunterzuladen. Das ist etwa zum Übertragen von Musik relevant.

Die Einrichtung ist simpel, sie läuft über die zugehörige App. Leider lässt sich die Uhr nicht nutzen, bis das Setup komplett ist. Ein Haken: Die Versa lässt sich nur in Verbindung mit einem WLAN einrichten, das „normal” per WPA oder WPA2 oder gar nicht gesichert ist. Ein Hotel-Netzwerk etwa, das eine Hotspot-Vorschaltseite zeigt, verhinderte im Test kontinuierlich die Einrichtung. Lästig, denn ein potentielles Firmware-Upgrade lässt sich auch nicht über das Mobilfunknetz herunterladen und installieren. Und ohne die aktuelle Firmware lässt sich die Einrichtung nicht abschließen. Wer die Versa als Geschenk kauft, sollte das im Hinterkopf haben.

Die Fitbit-App zeichnet sich durch ihre Einfachheit aus. Das Design ist ansprechend und überfordert den Nutzer nicht mit Informationen. Ja, es ist ein Account notwendig und ja, Daten gehen in die Cloud, um dort aufbereitet zu werden. Wer das nicht möchte, sollte gleich zu einem anderen Gerät greifen. Die Suunto 3 Fitness (Testbericht) etwa bietet die Grundfunktionen auch ohne Online-Konto an.

Ein Klick auf eine der Informationskacheln führt zu weiteren Daten. So sieht man beispielsweise, an welchem Tag man wie viele Schritte zurückgelegt hat oder wie gut man geschlafen hat. All das ist sinnvoll aufbereitet, Fitbit hat eine angenehm übersichtliche App.

In der App lassen sich neue Uhrenoberflächen und Anwendungen finden und installieren. Das funktioniert sehr gut, der Fitbit-Store ist deutlich aufgeräumter und übersichtlicher als etwa die Samsung-Variante bei der Gear Fit 2 Pro (Testbericht). Gerade bei den Uhrenoberflächen gibt es einige sehr coole Alternativen zur Standard-Anzeige. Per Klick werden sie heruntergeladen und installiert. Etwas nervig ist, dass die App die letzten Designs nicht speichert, wer schnell wechseln will, muss sie immer wieder neu herunterladen.

In der Fitbit-App ist eine Art App-Store für die Uhr integriert, aus dem sich neue Anwendungen kostenlos herunterladen lassen. Bereits jetzt kann man damit Philipps Hue sowie ifttt-Umgebungen steuern oder Infos und Tickets für BA-Flüge anzeigen. Es wäre schön, wenn Fitbit hier am Ball bleibt und Entwickler ermutigt, weitere Programme zu erstellen.

Zusätzlich zum integrierten Training bietet Fitbit einen kostenpflichtigen Coach an. Dieser hilft, der Name verrät es, beim Training und beim Erreichen von Zielen. Das kostet aber extra, Fitbit nimmt für ein Jahresabonnement zum Testzeitpunkt 43,99 Euro.

Die Sensoren zur Pulsmessung sind auf der Unterseite.

Die Uhr ist im Alltag ein zuverlässiger Begleiter. Sie misst die Schritte und erkennt, wenn man Stockwerke steigt. Die Schritterkennung kam uns dabei zuverlässig vor, ohne dass sie zu ungenau ist oder allzu viele „Geisterschritte” misst. Die Erkennung von Stockwerken ist ebenfalls gut, aber teilweise etwas zu großzügig. Wie bei den meisten anderen Trackern sollte man diese Zählweisen eher als Trend denn als 100 prozentig korrekt sehen.Aus der normalen Beweung heraus erkennt die Versa, wenn man länger aktiv ist und versucht, ein passendes Training zu hinterlegen. Das funktioniert mit gehen oder Radfahren ganz gut, einmal wurde Bewegung aber als „Elipsentrainer” erfasst. Einträge lassen sich nachträglich bearbeiten.

Fitbit hat die Uhr als wasserabweisend bis 50 Meter zertifiziert. Schwimmen ist kein Problem, allerdings würden wir von Tauchgängen oder schnellen Sportarten im Wasser (Wasserski oder ähnliches) abraten. Im Wasser schaltet sich der Touchscreen ab.

Über optische Sensoren auf der Rückseite misst die Versa regelmäßig den Puls und gibt so über den Tag einen Trend zur eigenen Herzfrequenz ab. Aus den Werten berechnet die App die eigne Cardiofitness und zeigt zudem, wie lange man sich in welcher Frequenzzone befunden hat.

Neben den klassischen Überwachung zur Aktivität bietet die Versa an, den Menstruationszyklus mit zu tracken. Das soll einen Überblick zu fruchtbaren Tagen geben oder etwa bei Kopfschmerzen über mögliche Ursachen aufklären.

Neben Laufen sind bis zu sechs weitere Sportarten direkt auf der Sportuhr hinterlegbar.

Auf der Uhr lassen sich bis zu sieben Trainingstypen hinterlegen, auf die man anschließend schnell zugreifen kann. Dazu gehören Klassiker wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen genauso wie Intervalltraining, Wandern, Gewichte heben, Yoga oder Kampfsport. Die zugehörige App bietet dazu eine breite Auswahl an Sportarten.

Wer in Streckentrainings die Daten zu Geschwindigkeit und Strecke haben möchte, muss ein Smartphone mit GPS mitnehmen. Nur wenn dieses verbunden ist, kann die Uhr dessen GPS mitnutzen, sie besitzt kein eigenes System zur Positionserkennung. Nach einer Session liefert die App die Daten, unterscheidet dabei aber zwischen geplanten Traininigseinheiten und so aufgezeichneten. Bei ersteren gibt es noch die Karte sowie die Herzfrequenzzonen, bei den anderen gibt es nur rudimentäre Informationen.

Neben den klassischen Trainings gibt es ein geführtes Atemtraining.

Die Deezer-App ist direkt integriert, der Download von Musik ist aber umständlich.

Der große Pluspunkt der Fitness-Uhr ist die integrierte Musikwiedergabe. Neben eigenen Liedern spielt die Fitbit Versa Musik vom Streaming-Dienstleister Deezer ab, allerdings nur für dessen Premiumkunden. Die Wiedergabe erfolgt dabei über Bluetooth-Kopfhörer, das Koppeln entsprechender Geräten ist einfach und intuitiv. Das gilt leider nicht für das Übertragen der Musik. Songs kann man beispielsweise nicht vom Handy direkt per Bluetooth oder Wi-Fi Direct übertragen, sondern muss dazu die Fitbit-App für Windows oder Mac einrichten. Dazu muss die Uhr mit dem gleichen WLAN verbunden und vom Computer aus erreichbar sein.

Bei Deezer ist es ähnlich schmerzhaft: Auf der Uhr selbst lassen sich keine Playlisten oder Songs auswählen, dazu braucht es ein Smartphone mit installierter Fitbit-App samt gekoppelten Deezer-Account. Hier kann man anschließend wählen, welche Playlisten übertragen werden sollen und die Uhr lädt die Lieder, während sie mit einem WLAN verbunden und in der Ladeschale ist. Das ist exakt so kompliziert und unkomfortabel, wie es sich anhört.

Deutlich besser hat uns da die Lösung des Samsung Gear Fit Pro (Testbericht) gefallen. Dieser installiert eine abgespeckte Spotify-App, über die man direkt vom Tracker aus passende Playlisten für Sport oder eigene Wiedergabelisten laden kann. Warum es Deezer und Fitbit so umständlich machen, ein eigentlich cooles Feature zu nutzen, ist schleierhaft.

Was uns nicht gefiel, war die Integration von Musik ins Training. Während einer Session ließ sich die Playliste nicht wechseln, stattdessen musste da Training beendet, eine neue Playliste geladen und das Training neu gestartet werden. Das macht keinen Spaß.

Hier zeigt sich das der Probleme der Versa: Sie kann das Handy im normalen Sport nicht ersetzen. Um GPS nutzen zu können, muss man sowieso ein Smartphone verbunden haben — dann kann man darüber auch gleich Musik hören. Es macht also Sinn, die etwas versteckte Musksteuerung zu nutzen. Wie man sie in der Fitbit Versa aktiviert, steht auf dieser Seite.

Die Schlafüberwachung im Versa ist sehr gut. Die Uhr misst nachts automatisch, die App bereitet dann die Informationen zum Einschlafen, Aufwachen und den verschiedenen Schlafphasen im Detail auf. Wie bei den anderen Geräten ist es schwer, die Daten ohne ein Schlaflabor zu überprüfen. Dennoch liefert die App einen guten Überblick zu den langfristigen Trends. Gerade das Thema Einschlafen und nächtliche Unruhe zeigt sich in der App schön.

Die Uhr enthält einen Wecker, der zu einem festgesetzten Zeitpunkt das Gerät vibrieren lässt. Das war uns im Test aber etwas zu schwach, so dass wir zwei bis drei Wecker setzten.

Die Uhr lässt sich gegen unbefugten Zugriff sperren, bei Nutzung der Zahlungsfunktion ist das Pflicht.

Die Fitbit Versa besitzt eigentlich eine Zahlungsfunktion. Kurz gesagt hinterlegt man eine bestehende Master- oder Visa-Card auf dem Gerät und kann anschließend an kontaktlosen Terminals damit bezahlen. Die Funktion aktuell mit zwei Systemen kompatibel, der BW Bank sowie Boon vom Zahlungsdienstleister Wirecard. Fitbit baut dieses Ökosystem langsam aus.

Boon setzt dabei auf ein Prepaid-Modell, hier richtet man sich quasi eine virtuelle Kreditkarte ein. Bei der BW Bank muss man ein klassisches Konto anlegen. Beide Lösungen Kosten monatlich Geld. Boon nimmt nach drei Testmonaten 1,49 Euro monatlich, die Kreditkarte ist an sich kostenlos. Im Ausland werden 1,25 Prozent des Umsatzes fällig. Bei der BW Bank gibt es die Kreditkarte im Konto extend classic oder extend gold inklusive, dafür werden 6,90 Euro bzw 11,90 Euro fällig. Alternativ gibt es für Kunden eine Prepaid-Visa-Card, diese kostet 35 Euor im Jahr.

Wer also nicht sowieso seine Bank wechseln möchte, der sollte entweder warten oder den Zeitraum bis mehr Institute dabei sind, oder die boon-Variante ausprobieren. Vorsicht, wer sein Android entsperrt hat und mit einem Custom ROM nutzt, der ist für Boon und viele andere Payment-Apps gesperrt.

Wir werden die Funktion nachtesten und den Text entsprechend aktualisieren.

Die Uhr integriert sich nahtlos in das bestehende Benachrichtigungssystem von Apple oder Android. Eingehende Updates, etwa neue E-Mails, Chat-Nachrichten oder ähnliches werden im Display angezeigt. Neben Absender sieht man auch den Betreff oder die ersten Sätze. Das klappte im Test ordentlich. Unter Android zeigt die App standardmäßig die Informationen der Apps für Textnachrichten, Kalenderdaten oder E-Mails. Zudem kann man definieren, welche weiteren Applikationen Benachrichtigungen schicken dürfen. Alles in allem ist das Thema Benachrichtigungen vernünftig gelöst.

Die Fitbit Versa hält in der Praxis knapp fünf Tage durch, ein guter Wert für die Größe und diese Art von Gerät. Die Fitbit Versa liegt bei der Laufzeit in etwa gleichauf mit dem Suunto 3 Fitness (Testbericht), ist allerdings etwas kleiner in den Abmessungen. Geladen ist die Uhr in knapp einer Stunde.

Die Ladeschale zum Fitbit Versa.
Fitbit Versa Aktivitäts-Tracker grey/silver aluminium (FB505SRGY)

Silber/Aluminium

Fitbit Versa Aktivitäts-Tracker black/black aluminium (FB505GMBK)

Versa, Schwarz/Aluminium

Fitbit Versa Aktivitäts-Tracker peach/rosegold aluminium (FB505RGPK)

Versa, Peach/Rosegold

Fitbit Versa Special Editon Aktivitäts-Tracker charcoal woven/graphite aluminium (FB505BKGY)

Versa, Graphite/Silber

Fitbit Versa Special Editon Aktivitäts-Tracker lavender woven/rosegold aluminium (FB505RGLV)

Versa, Lavendel/Rosegold

Fitbit USB-Ladekabel für Versa (FB166RCC)

Ladeschale

Fitbit Ersatzarmband Classic Small für Versa weiß (FB166ABWTS)

Armband, Weiß, small

Fitbit Ersatzarmband Leder Large für Versa cognac (FB166LBDBL)

Armband, Leder, Large

Fitbit Ersatzarmband Feinmaschiger Edelstahl für Versa silber

Armband, Edelstahl, Silber

Als Fitness-Tracker und Sportuhr hinterlässt die Fitbit Versa einen guten Eindruck, wenn auch keinen perfekten. Die Musikwiedergabe ist eigentlich ganz praktisch, da man aber sowieso ein Handy für GPS braucht, macht es die Funktion etwas überflüssig. Dazu kommt, dass die Streaming-Wiedergabe derzeit auf einen Dienst beschränkt und das Übertragen von eigener Musik sehr umständlich ist. Die Payment-Funktion wäre nett, funktioniert derzeit aber nicht.

Davon abgesehen handelt es sich um eine solide verarbeitete Sportuhr mit einigen sehr coolen Oberflächen. Das einfache Wechseln der Armbänder erlaubt es, sich die Uhr dem eigenen Geschmack anzupassen. Als passiver Aktivitäts- und Schlaftracker macht die Fitbit Versa einen guten Job, unterstützt von einer exzellenten App auf dem Smartphone.

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