Fiido D11 im Test: Das verbotene Design-Klapprad mit 100km | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

Fiido D11 im Test: Das verbotene Design-Klapprad mit 100km

von  // 

Das E-Klapprad Fiido D11 sieht einfach fantastisch aus, ist leicht und soll mit einer Akkuladung bis zu 100 Kilometer weit fahren. Wir haben es auf Herz und Nieren getestet.

E-Falträder aus China sind preisgünstig, praktisch und illegal. Da bildet auch der aktuelle Spross aus der Fiido-Familie, das D11, keine Ausnahme. Es kostet zum Verkaufsstart bei Geekmaxi (Kauflink) mit dem Gutscheincode NhwHZpL8 nur 857 Euro. Damit ist es zwar eines der teureren E-Klappräder aus China, aber noch immer deutlich günstiger als die allermeisten Konkurrenten mit europäischem Markennamen.

Das Problem fast aller China-E-Bikes (Themenseite): Sie sind für deutsche Straßen nicht zugelassen. Was es beim Kauf eines legalen elektrischen Fahrrads zu beachten gibt, zeigen wir im Beitrag Rechtliche Grundlagen: Alles zu E-Bikes und zulassungsfreien Pedelecs.

Der außergewöhnlich minimalistische Alurahmen des Fiido D11 hat es uns angetan. In mattem blau gehalten verläuft er in einer Linie von der Lenkstange erst gerade, dann leicht abgeknickt bis zur Halterung für das Hinterrad. Die Gabel am Vorderrad besteht gar aus einer Magnesiumlegierung. Dabei ist der Rahmen sehr schlank, fast schon filigran. Da kann man auch über die deutlich zu dicken Schweißnähte hinwegsehen.

Das Geheimnis der dünnen Querstange: Fiido versteckt den großen Akku eben nicht im Rahmen, sondern in der Sattelstange. Egal ob Licht, Sattel, Lenker oder der stabile Ständer: Alles wirkt wie aus einem Guss. Dennoch blitzen immer wieder kleine Ungenauigkeiten hindurch. So reibt etwa die Pedale am ausgeklappten Ständer dessen Lack ab.

Die wilde Kabelführung stört das ansonsten schicke Design.

Trotzdem ist alles superschick, wenn da die unschöne Kabelführung nicht wäre. Wie bei allen von uns bisher getesteten Fiido-Bikes verlaufen viele Kabel über eine Spirale fixiert vom Lenker nach vorn und erst ganz tief am Vorderrad in den Rahmen. Das stört das schlanke Gesamtbild. Wir haben zum Beispiel beim Xiaomi Himo Z16 (Testbericht) gesehen, dass das auch besser geht.

Am Lenker selbst sitzen neben den beiden Bremsgriffen ein Gashebel für den Daumen, die 7-Gangschaltung, zwei Knöpfe für Licht und Hupe sowie der Fahrradcomputer. Der Computer scheint der gleiche wie bei allen von uns bisher getesteten Fiido-Bikes zu sein. Er zeigt neben der aktuellen Geschwindigkeit außerdem die Akkuladung in vier Balken und die gefahrenen Kilometer an.

Der Klappmechanismus funktioniert gut, ohne dabei mit besonderem Einfallsreichtum wie beim Brompton Electric (Testbericht) zu glänzen. Zum Falten schiebt man über den Schnellverschluss die Sattelstange auf Anschlag nach unten, dreht bei Bedarf die Lenker ebenfalls über einen Schnellverschluss um ein paar Grad nach hinten, klappt ihn über einen Sicherungshebel, um anschließend im letzten Schritt auch den Rahmen mittig zu falten. Dieser ist durch einen stramm sitzenden Hebel gesichert. Ungewöhnlich: Die zum großen Teil aus Metall bestehenden Pedale sind nicht anklappbar. Das kostet zusammengefaltet ein paar Zentimeter, dafür machen sie einen stabileren Eindruck als die meisten Klapppedale. Insgesamt verringern sich die Maße in Länge × Breite × Höhe von 142 × 54 × 100 Zentimeter auf 87 × 50 × 74. Damit unterbietet das Fiido D11 keine Rekorde, passt aber auch in kleine Kofferräume. An einen kleinen Magneten wie beim Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht), der das Fahrrad zusammengeklappt hält, hat Fiido nicht gedacht.

Das Fiido D11 klappt gut, aber auch nicht besser als die meisten anderen China-E-Falträder.

Fiido wirbt auf der erfolgreich abgeschlossenen Indigogo-Kampagnenseite des D11 damit, dass das Fahrrad ohne Akkusattelstange nur 12,9 Kilogramm wiegt. Dieses Versprechen hält das fertige Produkt nicht, wiegt es doch 14,6 Kilogramm. Addiert man die 3,3 Kilogramm, die der Sattel zusammen mit dem Akku wiegt, kommt man auf ein Gesamtgewicht von 17,9 Kilogramm. Damit pendelt es sich zwischen dem mit 17,5 Kilogramm leichtesten von uns getesteten E-Klapprad Brompton Electric (Testbericht) und dem mit 18,5 Kilogramm ebenfalls sehr leichten und sehr guten Fiido D4S (Testbericht) ein. Zum Vergleich: Das erst kürzlich getestete Xiaomi Himo Z16 (Testbericht) wiegt 22,5 Kilogramm. Sehr gut: Die maximale Zuladung beträgt 120 Kilogramm.

Die Höhe des Sattels ist mit 85 bis 115 Zentimeter sehr variabel. Trotzdem ist das Fiido D11 für Personen mit einer Körpergröße über 180 Zentimeter nur bedingt geeignet. Denn der Lenker ist fix lediglich 100 Zentimeter hoch und damit kleiner als beim Xiaomi Himo Z16. Beim Fiido D4S (Testbericht) ist der Lenker höhenverstellbar. Wahrscheinlich verzichtete Fiido aus Gewichtsgründen beim D11 darauf.

Die Fahrt gestaltet sich sehr leichtgängig und angenehm. Dank der für ein Klapprad großen 20-Zoll-Felgen mit Luftreifen sind auch Unebenheiten und kleinere Schlaglöcher in Ordnung. Eine Federung gibt es nicht. Allerdings könnte einigen Käufern auf längeren Touren der Hintern schmerzen, denn der Sattel ist nicht besonders weich.

Die 7-Gangschaltung bietet eine gute Übersetzung.

Die 7-Gangschaltung ist richtig gut. Auffällig: Der niedrigste Gang übersetzt fein genug, um auch mal etwas steilere Passagen zu meistern. Auch der höchste Gang eignet sich, um bei 25 Kilometer pro Stunde noch mitpedalieren zu können.

Am Computer kann der Fahrer sich zwischen drei verschiedenen Unterstützungsstufen entscheiden. Die Erste unterstützt bei Treten bis 10, die Zweite bis 15 und die Dritte bis 20 Kilometer pro Stunde. Nur über den ergonomisch gut platzierten Daumenhebel beschleunigt das D11 bis 25 Kilometer pro Stunde – ganz ohne Treten. Dabei ist der 250-Watt-Motor ausreichend stark.

Über den Hebel kann man die Motorkraft fein justieren, die Tretunterstützung kennt nur die Zustände Ein und Aus. Dabei benötigt der Motor recht lang, bevor er sich zuschaltet und ebenfalls recht lang, bevor er sich wieder ausschaltet. Das Fiido D11 konnten wir nicht wie sonst üblich bei Fiido-Bikes über einen einfachen Trick auf höhere Geschwindigkeiten entsperren.

Das Fiido D11 kommt mit einem netten neuen Feature: Drück man den Gashebel für etwa 15 Sekunden komplett durch, „rastet“ er ein und gibt auch nach dem Loslassen weiterhin Vollgas. Das entlastet auf längeren Fahrten den Daumen. Dennoch ist der Gashebel eher Fluch als Segen. Er ist dafür mitverantwortlich, dass das Fiido D11 keine Zulassung für deutsche Straßen hat.

Die mechanischen Scheibenbremsen greifen gut, wenn man sie vor der ersten Fahrt nachjustiert.

Bei Fahrten im Regen oder durch Pfützen wird der Hintern nass, denn Schutzbleche sind nicht dabei. Aber es gibt eine entsprechende Halterung, an die man die optional erhältlichen Bleche anbringen kann.

Die vorderen und hinteren mechanischen Scheibenbremsen müssen möglicherweise vor der ersten Fahrt justiert werden. Dafür liegen dem E-Klapprad entsprechende Inbusschlüssel bei. Einmal eingestellt bremsen sie gut und zuverlässig.

Der Akku sitzt nicht wie üblich im mittleren Teil des Rahmens oder ganz außerhalb wie beim Brompton Electric (Testbericht), beim Fiido D11 versteckt er sich in der Sattelstange. Dadurch ist der Rahmen schlank. Die Sattelstange mit Akku hat einen Durchmesser von etwa acht Zentimetern und kann komplett entnommen werden. So bleibt das Fiido D11 etwa in der Tiefgarage, während der Akku in der Wohnung lädt. Für eine volle Ladung des mit 417,6 Wattstunden recht großen Energiespeichers benötigt das mitgelieferte 82-Watt-Netzteil gut sechs Stunden.

Der Akku "versteckt" sich in der Sattelstange.

Ein dreipoliger Stecker versorgt das E-Klapprad dann mit Strom aus dem Akku. Dieser Stecker macht einen stabilen Eindruck. Allerdings kann es gerade zu Beginn etwas dauern, bis man den Dreh raus hat.

Etwas ungewöhnlich: Vor dem Start schaltet ein kleiner Druckknopf den Akku an, erst danach reagiert der Fahrradcomputer. Direkt unterhalb des Druckknopfes sitzt ein helles Rücklicht, welches beim Betätigen der Bremse anfängt zu blinken.

Fiido wirbt beim D11 mit einer maximalen Reichweite von 80 bis 100 Kilometern im Unterstützungsmodus und 40 bis 50 Kilometer im rein elektrischen Modus. Eine derartige Reichweite kann höchstens unter optimalen Bedingungen erreicht werden. Wir fuhren im Test mit einer Akkuladung, überwiegend auf Asphalt, wenige Höhenmeter, 85 Kilogramm Zuladung und überwiegend im Unterstützungsmodus über 45 Kilometer weit. Das ist noch immer ein sehr guter Wert! Allerdings nicht viel besser als die Reichweite des deutlich günstigeren Fiido D4S (Testbericht).

Das Fiido D11 ist aktuell vorbestellbar und soll Mitte Oktober ausgeliefert werden. Es kostet bei Geekmaxi (Kauflink) mit dem Gutscheincode NhwHZpL8 derzeit 857 Euro. Verschickt wird dann aus einem europäischen Lager.

Wer es zum Teil deutlich günstiger will, kann auch zu einem der im Preisvergleich verlinkten anderen Fiido-Bikes greifen.

Das Fiido D11 ist ein sehr gutes E-Klapprad. Das Design ist abgesehen von den massiven Schweißnähten und dem dicken Kabelbaum am Lenker fantastisch. Das Gewicht ist schön klein, die Reichweite hoch. Den Akku in der entnehmbaren Sattelstange zu integrieren ist clever. Der Motor ist stark genug, die Bremsen gehen in Ordnung und die Gangschaltung ist außergewöhnlich gut.

Als dicken Negativpunkt sehen wir die fixe und zu niedrige Höhe des Lenkers. Damit ist es ergonomisch für Fahrer mit einer Körpergröße jenseits der 180 Zentimeter eher nicht geeignet.

Auch wenn das Fiido D11 mit etwa 850 Euro im Vergleich mit dem Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht) oder Brompton Electric (Testbericht) günstig ist, gehört es unter den China-E-Klapprädern zu den teureren Modellen. So kostet etwa das Fiido D4S (Testbericht) bei Geekmaxi (Kauflink) mit dem Code SHKJcuRz nur 630 Euro, bei Banggood (Kauflink) mit dem Code BGD4S009 sogar nur 559 Euro und ist im Vergleich mit dem Fiido D11 bei den wichtigsten Punkten so gut wie gleichwertig. Einzig sein Akku ist nicht entnehmbar. Dafür eignet es sich dank verstellbarer Lenkstange auch für größere Fahrer.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben