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Fender Newport im Test: Sehr guter Klang für 90 Euro

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Der Fender Newport bringt viel Leistung in einen kleinen Bluetooth-Speaker. Der Test soll zeigen, ob sich der Kauf für 90 Euro lohnt.

Mit dem Fender Newport startet der Instrumenten- und Verstärkerhersteller einen Gegenangriff auf einen alten Rivalen. Denn der Verstärkerhersteller Marshall hat sich in den letzten Jahren mit Bluetooth-Lautsprechern und Kopfhörern einen echten Namen in der HiFi-Branche gemacht. Spannend ist daher, was Fender bei seinen Modellen anders oder gar besser macht. Grund genug, den Fender Newport einem ausführlichen Test zu unterziehen.

Wer in der Preiskategorie des Fender Newport weitere gute Lautpsrecher sucht, dem empfehlen wir unseren Ratgeber Die besten Bluetooth-Speaker bis 100 Euro. Zu teuer? Dann könnte unser Beitrag
Günstig & gut: Vergleich von fünf Bluetooth-Speakern unter 50 Euro weiterhelfen.

Der Fender Newport gefällt uns sehr gut. Zwar liegt der Bluetooth-Speaker nur im vergleichsweise langweiligen Schwarzton vor, dennoch weiß die Mischung aus mattem Kunststoff und silbernem Metallgitter zu gefallen. Richtig gut sieht der Newport aber in seinen bunten Farbvarianten aus. Die Farbe Sonic Blue erinnert dabei an den blaugrünen Surfrock-Look Fenders ikonischer Gitarren. Auch Dacota Red findet sich als Farbton bei einigen Instrumenten des Herstellers.

Einen ähnlich großen Wiedererkennungswert haben die drei Drehregler an der Oberseite des Bluetooth-Speakers. Auch diese hat Fender von seinen Gitarrenverstärkern übernommen und überträgt zugleich deren Equalizer-Funktion auf den Bluetooth-Speaker. Doch zu deren Faszination später mehr. Auf der Oberseite findet sich sonst ein schicker An- und Ausschalter sowie Knöpfe zur Annahme von Telefonaten und zum Pairing mit Bluetooth-Geräten.

Fender Newport (10 Bilder)

Die Verarbeitung des Bluetooth-Lautsprechers ist makellos. Zwar setzt Fender beim Newport recht viel Plastik ein, zusammen mit dem hohen Gewicht von 1,5 Kilogramm und dem prominenten Metallgitter auf der Vorderseite wirkt der Lautsprecher aber dennoch hochwertig. Ähnliches gilt für die Knöpfe auf der Oberseite. Die Drehknöpfe bieten einen angenehmen Widerstand und der Kippschalter knallt mit deutlichem Klang von einer Position zur anderen. Lediglich beim Netzteil schwindet Fenders Finesse und der Hersteller legt ein eher mittelmäßiges Fremdherstellerprodukt bei. Auch das Klinkenkabel ist keiner Rede Wert. Hier legt Marshall Produkten wie den Bluetooth-Kopfhörern Marshall Major III deutlich charmantere, eigene Kabel bei.

Mit unserer Test-Playlist für Bluetooth-Speaker auf Spotify haben wir Musik unterschiedlichster Genres und einen Podcast über den Lautsprecher Probe gehört. Aufgrund seiner AptX-Zertifizierung ist der Fender Newport auch für Filme und Spiele interessant.

AptX ist eine Sammlung an Audio-Codecs, die bei der Übertragung von Musikdateien per Bluetooth die Komprimierung und Dekomprimierung gewährleisten. In der Praxis bedeutet das einen Zugewinn an Audioqualität und besonders geringe Latenzen. Bei Filmen im Originalton passen Stimmen perfekt zu den Lippenbewegungen der Schauspieler, Schüsse oder Explosionen in Videospielen sind ebenfalls synchron zum Bild auf dem jeweiligen Ausgabegerät. Hier zeigen wir die besten Bluetooth-Kopfhörer mit aptX bis 60 Euro.

Das Klangbild des Fender Newport ist insgesamt sehr kraftvoll und äußerst fein abgestimmt. Dabei sind es vor allem komplexe Stücke wie Frank Zappas Inca Roads oder Do It Again von Steely Dan, die beim Zuhören ein Lächeln auf die Lippen zaubern. Feine Geräusche im Hintergrund oder leichte Schmatzer beim Singen sind klar identifizierbar. Unterschiedliche Instrumente lösen sich fein voneinander ab, der Fender Newport hat sein eigenes Ensemble sehr gut im Griff. Diesen schönen Klangteppich untermalt der Lautsprecher mit sehr klaren Bässen.

Der Fender Newport hat einen sehr guten Klang, der leider etwas zu gerichtet ist.

Diese sind trotz der kompakten Größe des Fender Newport zwar kräftig, aber nicht aufdringlich. Mit wenig Dröhnen bringt der Lautsprecher nicht gleich bei jedem dezenten Basston den ganzen Tisch zum Vibrieren. Denn auch Töne im Bassbereich teilen sich noch einmal in Höhen und Tiefen und genau das ignorieren viele konkurrierende Modelle. Diffizile Bassläufe wie in Marcus Millers Higher Ground oder Thundercats Them Changes klingen sehr gut und auch kurze Bassschläge wie im Elektro-Klassiker Blue Monday von New Order stehen für einen kurzen Moment schön abgelöst von der übrigen Musik im Raum.

In höheren Lautstärkenbereichen beginnt der Bass langsam aber sicher in den Körper zu dringen. Erinnerungen an den letzten Club-Besuch kommen verwaschen ins Gedächtnis, doch so ganz können sie sich aufgrund der kleinen Größe des 30-Watt-Speakers nicht durchsetzen. Eher ist der Bluetooth-Speaker bei Maximallautstärke als kleine, sehr pointierte, Musikquelle zu laut, als dass er den gesamten Raum mit Musik füllt. Erstaunlich ist dennoch, wie wenig der Lautsprecher unter Volllast zum Übersteuern oder Kratzen neigt.

So machen auch kraftvolle Rocksongs in höheren Lautstärken Spaß. Love is only a feeling von The Darkness oder Devin Townsends Borderlands performt der Fender Newport mit viel Selbstbewusstsein. Dennoch stellt der Lautsprecher seine Interpreten immer auf eine sehr enge Bühne. Die zwei Treiber und der einzelne Hochtöner sitzen für eine breite Klangwiedergabe schlichtweg zu nah aneinander. Hier ist der teurere Fender Monterey eine interessante Alternative. Das größere Modell bietet laut Herstellerangaben eine Ausgangsleistung von 120 Watt und verteilt seine insgesamt vier Treiber Lautsprecher im Vergleich zum Newport auf mehr Fläche. Dafür ist der sieben Kilogramm schwere Lautsprecher aber auch deutlich weniger portabel.

Am unteren Ende des Lautstärkespektrums bietet der Newport mit seinem stufenlosen Regler für alle Podcast- und Hörbuchfans noch einen echten Vorteil. Denn häufig liegt die perfekte Lautstärke zum Einschlafen genau zwischen zwei Lautstärkenstufen. Mit dem stufenlosen Regler des Newport findet man hier genau die Mitte.

Die Bedienelemente zeigen den typischen Fender-Look.

Die Hauptfunktionen des Fender Newport steuern sich über die Bedienelemente sehr komfortabel und zielsicher. Jeden Befehl kommentiert der Lautsprecher dabei mit individuellen Soundschnipseln. Diese bestehen aus kurzen Gitarren-Riffs und sind auch beim mehrfachen Hören nicht aufdringlich oder zu lang. Über den “Pair”-Knopf ganz links im Bedienfeld verbindet man neue Bluetooth-Geräte. Auf die komfortable Verbindungsmöglichkeit per NFC muss man beim Fender Newport verzichten.

Das ist jedoch nicht weiter schlimm, denn dank Bluetooth 4.2 geht die kabellose Verbindung mit dem Handy ebenfalls flott und reibungslos. Mit seinen drei Drehreglern und dem Kippschalter finden sich auf dem Fender Newport Bedienelemente, an die man sich ein wenig gewöhnen muss. Denn der Lautstärkeregler arbeitet unabhängig von der Lautstärkesteuerung am Bluetooth-Gerät. Somit muss man häufig zum Lautsprecher hingehen, um die Lautstärke hochzudrehen. Das ist ein wenig umständlich, kommt bei Bluetooth-Speakern aber immer mal wieder vor.

Den Kippschalter hat der Hersteller mit einem automatischen Abschaltmechanismus kombiniert, sodass der Bluetooth-Speaker sich nach einigen Minuten der Nicht-Benutzung selbst abschaltet. Ob der Fender Newport angeschaltet ist, deutet eine blaue Leuchte direkt neben dem Kippschalter an. Zur Reaktivierung muss der Schalter einmal auf die Aus-Stellung und zurück auf Ein geschaltet werden.

Auf seiner Rückseite bietet der Fender Newport einen vollwertigen USB-A-Port.

Sehr praktisch ist der vollwertige USB-Anschluss an der Rückseite des Fender Newport. Dieser lädt Geräte wie Smartphone, Tablet. Interessanterweise sollte er auch genügend Leistung haben, um Audio-Hardware wie den Google Chromecast Audio (Testbericht) oder den Amazon Echo Input (Testbericht) zu betreiben. So ließe sich der Newport für einen geringen Aufpreis in einen WLAN-Lautsprecher und in einen Smart Speaker verwandeln. Als Audio-Eingang dient in diesem Falle der 3,5-Millimeter-Klinkenanschluss, der sich ebenfalls an der Hinterseite befindet.

Herstellerangaben zufolge reicht die Akkuleistung für das zweimalige Aufladen von Smartphones. Ohne externe Stromfresser soll der Fender Newport zwölf Stunden lang durchhalten. Im Praxistest lag die Akkulaufzeit jedoch eher bei acht bis zehn Stunden. Da der Lautsprecher hier stets auf Zimmerlautstärke arbeitete, ist dieser Wert womöglich der realistischere.

Das spannendste Extra des Fender Newport ist der Zwei-Wege-Equalizer. Diese regeln die Präsenz von Bässen und Tiefen genauso präzise, wie die Gesamtlautstärke. Dabei sind die Regler effektiv genug, um den Klang genau den eigenen Vorlieben nach anzupassen. Die Steuerung ist dabei derart intuitiv, dass man am liebsten jeden Titel im Klang anpassen möchte. Findet man nach erster Begeisterung die Mitte, wird der Equalizer erst anderer Stelle erneut sehr praktisch. Wer in den Abendstunden gerne Musik hört oder mit dem Fender Newport den Klang seines Fernsehers (Kaufberatung) aufbessert, der kann Bässe ohne Umwege aus dem Klang herausdrehen. Gerade in Mehrfamilienhäusern beugt man so vor, dass der Bass durch die Wände bis ins Schlafzimmer der Nachbarn dringt.

Eher herkömmlich ist die eingebaute Freisprechfunktion im Fender Newport. Leider fehlt dem Fender Newport ein integrierter Sprachassistent (Alexa und Google im Vergleich), über den sich Anrufe direkt vom Lautsprecher absetzen ließen. Stattdessen erfolgen Anrufe über das Smartphone und die Gesprächsqualität ist anschließend überraschend klar. Vor allem die Ausgabe von Stimmen über den Fender Newport ist sehr natürlich und erfolgt mit ausreichender Lautstärke. Die Gegenseite lobte im Sprachtest die Mikrofone des Fender Newport. Die Lautstärke könnte in unseren Ohren aber ein wenig höher sein. Gerade die Mikrofone fallen bei günstigen Bluetooth-Speakern (Ratgeber) negativ auf.

Das Netzteil mit seinem proprietären Ladestecker.

Eine Besonderheit des Fender Newport offenbart sich beim Auspacken des Bluetooth-Speakers. Denn neben dem Lautsprecher selbst und einem 3,5-Millimeter-Klinkenkabel findet sich ein proprietäres Netzteil im schlichten Karton. Fender setzt somit nicht auf einen Ladeanschluss, der über standardisierte Anschlüsse wie Micro-USB oder USB-C funktioniert. Im Bereich der Bluetooth-Speaker ist das inzwischen recht selten geworden.

Das ist auch gut so, denn hier zeigt der Fender Newport seinen ersten Makel. Der Einsatz spezieller Ladekabel ist schlichtweg unpraktisch und bringt keinen wirklichen Vorteil mit sich. Denn besonders schnell wird der Bluetooth-Lautsprecher durch das Netzteil auch nicht aufgeladen. Das im Vergleich zu Handyladekabeln recht klobige Netzteil beim Reisen mit dem Fender Newport zu vergessen, ist eine Gefahr, die sich durchaus vermeiden ließe.

Insgesamt ist der Fender Newport ein sehr empfehlenswerter Bluetooth-Speaker. Mit seiner tollen Abmischung hebt ihr sich klanglich von anderen Lautsprechern ab und passt sich dank des Zwei-Band-Equalizers an die Vorlieben des Nutzers an. Zusammen mit der hochwertigen Verarbeitung und dem schicken Design ist es schade, dass der Newport in Deutschland ein Nischenprodukt ist.

Lediglich das proprietäre Netzteil und der baulich bedingt sehr zielgerichtete Klang fallen in der Gesamtwertung negativ auf. Da der Fender Newport inzwischen aber schon für 90 Euro im Internet zu haben ist, sind die beiden Kritikpunkte verkraftbar. In dieser Preisklasse schlägt er viele Alternativen klanglich um Längen. Die unverbindliche Preisempfehlung von 219,99 Euro ist dennoch viel zu hoch angesetzt.

In unserem Vergleich der Bluetooth-Lautsprecher unter 100 Euro hörte sich nur der Dockin D Fine besser an. Der große Lautsprecher bietet den besseren Stereoklang und besitzt mit seinen 50 Watt noch einmal mehr Leistung. Als Bluetooth-Speaker für daheim ist der Fender Monterey mit 120 Watt für 145 Euro zudem ebenfalls sehr interessant. Wem das zu teuer ist, dem empfehlen wir unseren Beitrag Günstig & gut: Vergleich von fünf Bluetooth-Speakern unter 50 Euro

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