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FDM-3D-Drucker Qidi X-Plus im Test: Auspacken und Loslegen

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Der X-Plus bietet einen geschlossenen Bauraum, WLAN-Anbindung und zwei verschiedene Extruder. TechStage hat getestet, ob sich der vergleichsweise hohe Preis für den Filamentdrucker rechnet.

Die Tatsache, dass die meisten 3D-Drucker mit Filament erst vom Nutzer zusammengebaut werden müssen oder aber mehrere tausend Euro kosten, schreckt viele Interessenten ab. Viele wollen zwar 3D-Modelle drucken, sich aber nicht mit der Technik, dem Aufbau und dem Tuning der Geräte beschäftigen. In genau diese Kerbe schlägt der Hersteller Qidi Tech mit dem fertig montierten X-Plus.

In den letzten Monaten haben wir uns vorrangig mit SLA-Druckern wie dem Elegoo Mars (Testbericht) oder dem Nova3d Elfin (Testbericht) beschäftigt. Diese härten Harz mit UV-Licht aus und eignen sich vor allem für kleinere Gegenstände mit extrem hoher Auflösung. Ob nun Filament- oder Harzdrucker für den eigenen Bedarf besser geeignet sind, zeigt unser Ratgeber UV-Harz oder Kunststoff-Filament: 3D-Drucker im Vergleich.

Der X-Plus bietet auf den ersten Blick eine vergleichbare Ausstattung wie zahlreiche andere FDM-Drucker: Einen Bauraum mit 27 × 20 × 20 cm, ein beheiztes Druckbett und einen farbigen Touchscreen zur Bedienung. Trotzdem unterscheidet sich der vergleichsweise teure Drucker deutlich von günstigen Budget-Modellen wie der Creality-Ender-Serie (Ratgeber).

Zuallererst kommt der Drucker fertig montiert zum Kunden; zeitaufwendiges und nervenaufreibendes Zusammenbauen ist somit nicht nötig. Als Nächstes ist da der geschlossene Bauraum, welcher die Verarbeitung von Filamenten wie ABS, PA (Nylon) oder flexiblem TPU erlaubt. Mehr dazu im Ratgeber zu Standardfilament. Für die Nutzung der vollen Bandbreite an unterschiedlichen Filament-Typen legt der Hersteller außerhalb zwei verschiedene Druckköpfe bei: Ein Standardmodell und einen Hochtemperatur-Druckkopf. Das bis 120 Grad Celsius beheizbare Druckbett ist magnetisch und die biegsame Druckauflage somit bequem aus dem Innenraum entnehmbar. Auffällig sind auch die gut überlegten Kleinigkeiten. So sind beispielsweise die Schrauben zur Druckbett-Kalibrierung durch Konter-Muttern gesichert. Ein unbeabsichtigtes Verstellen durch Vibrationen während des Betriebs ist somit ausgeschlossen.

Qidi X-Plus (7 Bilder)

Über einen Filamentsensor verfügt der X-Plus übrigens nicht. Der Drucker bemerkt also nicht automatisch, falls das Filament zu Ende geht. In der Praxis ist das allerdings nur selten ein Problem. Der für eine einfache Kalibrierung benötigte Näherungssensor ist aber vorhanden, was das Leveln des Druckbetts deutlich bequemer gestaltet.

Wer den Drucker nicht per Netzwerkkabel oder per Speicherstick mit Druckdaten füttern möchte, kann sie bequem per WLAN an den X-Plus senden. Die WLAN-Funktion haben wir nur kurz ausprobiert. Sie funktioniert, die Verbindung war im Test allerdings nicht stabil. Das ist in der Praxis zwar ärgerlich, aber für einen erfolgreichen Druck unproblematisch. Denn der jeweilige Druckauftrag wird komplett übertragen, bevor der Drucker startet. Bei Abbruch der Verbindung ist dann allerdings keine Beobachtung per Software möglich. Nach dem Druckvorgang schaltet sich der X-Plus automatisch ab – wenn die entsprechende Funktion aktiviert ist.

Als Slicing-Software für den Drucker ist eine stark modifizierte Version von Cura auf dem mitgelieferten USB-Stick gespeichert. Alternativ funktioniert der X-Plus auch mit anderen Slicern, so ist beispielsweise ein passendes Druckerprofil für die Software Simplify3D auf dem Speicherstick hinterlegt. Wir arbeiten im Test mit der modifizierten Cura-Version, welche wir allerdings direkt von der Herstellerseite beziehen, da die beigelegte Version nicht mehr ganz aktuell ist. Zur Datenübertragung nutzen wir den beigelegten USB-Stick.

Neben einer Handvoll verschiedener Anleitungen für Installation, Druckkopfwechsel oder Fehlerkorrekturen sind etwas Werkzeug, eine Ersatzdüse für den Standarddruckkopf, ein Spachtel und ein Klebestift im Lieferumfang enthalten. Auch eine 1-KG-Rolle PLA-Filament ist beigepackt, damit ist der Drucker out-of-the-box sofort einsatzbereit.

Der Lieferumfang ist vorbildlich.

Die Inbetriebnahme ist denkbar einfach und nicht mit denen von Bausatz-Druckern vergleichbar. Mit Abmessungen von 71 × 54 × 52 cm braucht der X-Plus zwar verhältnismäßig viel Platz, dafür sieht das Gerät mit dem geschlossen und beleuchteten Gehäuse deutlich hochwertiger und schicker aus als günstige Modelle.

Die Vorbereitungen für den ersten Druck sind schnell abgespult: Nach dem Auspacken werden die Transportsicherungen entfernt, die Druckplatte nivelliert, das beigelegte Filament eingelegt und der durchsichtige Kunststoffdeckel aufgesetzt – das ist alles. Die einzelnen Schritte sind in den bebilderten Anleitungen einfach und nachvollziehbar dargestellt und so vergehen zwischen dem Öffnen des Paketes und dem Start des ersten Drucks gerade einmal 15 Minuten. Zum Vergleich: Die bisher getesteten FDM-Drucker, die als Bausatz geliefert wurden, benötigten für den Aufbau zwei bis sechs Stunden!

Qidi X-Plus im Detail (15 Bilder)

Das im Lieferumfang beigelegte Filament haben wir außerhalb des Bauraums aufgehängt.

Die Filament-Rolle kann sowohl außerhalb des Druckraums als auch im Inneren platziert werden. Wir hängen das mitgelieferte PLA-Filament außerhalb des Druckraums auf. Andere Filamente, wie ABS oder PA, sollten allerdings im Inneren platziert werden, um sie ausreichend aufzuheizen. Mehr dazu im Ratgeber zu exotischen Filamenten. Das Ausrichten des Druckbetts geschieht mit Hilfe einer beigelegten Kalibrierkarte. Was an dieser Stelle positiv auffällt: Das Druckbett ist bereits im Auslieferungszustand perfekt kalibriert und so müssen wir nicht weiter eingreifen. Das haben wir bei anderen Druckern, etwa dem Ender 3 (Testbericht), schon ganz anders erlebt.

Als Nächstes ändern wir die Menüsprache auf Deutsch und starten den Druck der auf dem USB-Stick gespeicherten Demodatei. Vor dem eigentlichen Druckvorgang werden Druckkopf und Heizbett auf Betriebstemperatur vorgeheizt (220 und 100 Grad Celsius). Dies dauert knapp 7 Minuten, dieser Zeitraum ist mit anderen Druckern vergleichbar. Wer mit ABS arbeitet, muss mehr Zeit einplanen und zusätzlich den Druckkopf wechseln. Bis die Temperatur im geschlossenen Druckraum 35 Grad erreicht, vergehen etwa 20 Minuten – abhängig von der Raumtemperatur.

Der Druckvorgang selbst ist zwar nicht flüsterleise, aber der X-Plus macht deutlich weniger Lärm als beispielsweise der kürzlich getestete Großraumdrucker Tronxy X5SA (Testbericht). Das liegt unter anderem am geschlossenen Gehäuse und der Tatsache, dass die Lüfter nur bei Bedarf anspringen und nicht dauerhaft unter Volllast laufen. Der Hersteller gibt eine Lautstärke von 40 dBA an, im Test haben wir in eineinhalb Metern Abstand Werte zwischen 38 und 42 dBA gemessen; ein wirklich gutes Ergebnis. Der erste Testdruck, ein symmetrisches Gebilde, funktioniert problemlos und liegt nach einigen Stunden sehr ordentlich gedruckt auf dem Druckbett.

Das Druckergebnis der Demodatei.

Der X-Plus musste nach der Demodatei noch eine ganze Handvoll Objekte für uns drucken. Das klappte insgesamt sehr gut und ohne zwischenzeitliche Neukalibrierung des Druckbetts. Unsere Druckergebnisse sind zwar nicht perfekt, das ist aber den Einstellungen der Slicing-Software geschuldet. Wer die Einstellungen für Temperatur und Materialfluss optimiert, erreicht mit dem X-Plus ein optimales Druckbild. Aber selbst in den Standardeinstellungen sind wir mit den Ergebnissen äußerst zufrieden. Eine derart gute Qualität haben wir beispielsweise beim Anet ET4 (Testbericht) erst nach vielen Stunden und einer ganzen Reihe Tuning-Maßnahmen hinbekommen.

Ein Teil der ersten Druckversuche.

Die Haftung auf dem Druckbett ist zwar grundsätzlich in Ordnung, bei größeren Objekten heben sich allerdings die Ecken minimal. Qidi Tech empfiehlt für solche Fälle die Nutzung des mitgelieferten Klebestifts. In der Praxis funktioniert das sehr gut und zuverlässig. Das Ablösen der Druckobjekte ist dank der flexiblen Druckunterlage auch ohne Spachtel erfreulich einfach.

Der Wechsel von Standard-Druckkopf auf den High-Temp-Extruder gestaltet sich erstaunlich unkompliziert. Insgesamt müssen für den Umbau nur fünf Schrauben gelöst und wieder eingedreht werden. Der Austausch dauert mit etwas Übung nur etwa fünf Minuten. Was uns hier aufgefallen ist: Der Hersteller gibt für die Hochtemperatur-Variante einen maximalen Heizwert von 300 Grad Celsius an. In der Qidi Software lassen sich allerdings maximal 280 Grad Celsius einstellen. In der Praxis hat das nicht gestört, da dies für ABS und PA locker ausreicht.

Im Test haben wir ausschließlich mit dem mitgelieferten PLA gearbeitet. Von anderen Nutzern wissen wir aber, dass auch andere Materialien gut funktionieren. Selbst das nicht einfach zu verarbeitende TPU scheint dem X-Plus keine Probleme zu machen.

Der X-Plus ist zum Recherchezeitpunkt ab 745 Euro im Preisvergleich gelistet. Wer das Gerät aus dem tschechischen Lager von Banggood bestellt, zahlt 679 Euro. Noch günstiger wird es mit dem Gutscheincode BGXPlus. Dann kostet der Drucker nur noch 560 Euro.

Wer sich für das Thema 3D-Druck interessiert und keine Lust auf Montage und Tuning eines Bausatzes hat, kann beim X-Plus von Qidi-Tech guten Gewissens zuschlagen. Für die Inbetriebnahme und Nutzung sind weder handwerkliches Geschick noch umfangreiche Vorkenntnisse notwendig. Verglichen mit anderen 3D-Druckern mit ähnlichen Abmessungen ist der X-Plus nicht gerade günstig. In Anbetracht der guten Druckleistung, Ausstattung und der Tatsache, dass das Gerät out-of-the-box sehr ordentliche Ergebnisse erzielt, halten wir den Preis aber für fair und angemessen.

Insbesondere das Handling, die sehr gute Dokumentation inklusive deutscher Menüführung und die sehr ordentlichen Druckerzeugnisse mit Standardeinstellungen sind im Test positiv aufgefallen. Dank des geschlossenen Bauraums und der zwei beigelegten Druckköpfe ist der X-Plus für eine große Anzahl an Filament-Typen geeignet. Durch die niedrige Lautstärke und das schicke Design muss man das Gerät auch nicht zwingend in einen Kellerraum verbannen

Einzig für den hohen Preis und das Fehlen eines Filamentsensors gibt es minimalen Punkteabzug.

Wer einen größeren Bauraum benötigt, sollte sich den Testbericht vom Großraumdrucker Tronxy X5SA (Testbericht) ansehen. Dieser muss allerdings erst montiert werden. Weitere Budget-Modelle zeigen wir im Ratgeber: Die 15 günstigsten 3D-Drucker.

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