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Ezviz C3A: günstiger Arlo-Konkurrent im Test

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Kabellose Überwachungskameras sind praktisch, aber teuer. Dass es auch billiger geht, zeigt Ezviz mit der C3A – und wir haben getestet, ob billig auch gut sein kann.

Die Zahl der Wohnungseinbrüche ist zwar in 2018 erstmals seit über 10 Jahren wieder gesunken, dennoch ist die Angst vor einem derartigen Vorfall bei vielen Menschen groß. Denn ein Täter entwendet dabei nicht nur Besitz und verwüstet womöglich noch das Mobiliar, sondern er dringt in die Privatsphäre der Bewohner ein – mit manchmal lang anhaltenden psychischen Folgen.

Lieferumfang der Ezviz C3A.

Eine Abhilfe versprechen Sicherheitskameras. Sie sollen Einbrecher abschrecken, weil sie im Optimalfall später identifiziert werden können. Außerdem erlauben IP-Kameras direkte Kommunikation mit den Tätern und/oder das Auslösen von Alarm. Nicht immer ist es möglich, solche Aufnahmegeräte an den gewünschten Stellen mit Strom zu versorgen, hier kommen kabellose WLAN-Kameras ins Spiel. So eine Kamera ist die Ezviz C3A des chinesischen Herstellers Hikvision, der einer der größten Anbieter von Videoüberwachungsprodukten ist. Unser Testmodell tritt in direkte Konkurrenz zu Arlo-Kameras (Testbericht) – und sieht auch so aus.

Insgesamt ist die Ezviz C3A so groß wie ein platter Tennisball: schmaler, dafür aber etwas höher. Das Gehäuse aus weißem Kunststoff sieht ausreichend wertig aus, durch seine geschwungenen Formen sticht die Kamera auf dem Bücherregal nicht gleich als kaltes, technisches Objekt ins Auge. Der Aufbau entspricht dabei grob dem der Arlo-Kameras: Der hintere Bereich lässt sich über einen Druckknopf öffnen, darunter befindet sich ein würfelförmiger Akku, außerdem ein Einschub für microSD-Karten. Zudem gibt es an der Rückseite eine Aufnahme für eine im Lieferumfang enthaltene Wandbefestigung und einen Micro-USB-Anschluss. Im vorderen Teil des Gehäuses befindet sich die eigentliche Kameraeinheit mit Objektiv, Mikrofon, PIR-Sensor, Photodiode, LED-Betriebsanzeige und Lautsprecher. Oben auf dem Gehäuse ist der einzige Steuerungsknopf des Gerätes angebracht, der mit „SYNC“ beschriftet ist.

Das Design ist stark an die Arlo-Cams angelehnt.

An einer Stelle gibt es dann doch Kritik an der Verarbeitung: Das Objektiv unserer Testkamera war leider nicht ordentlich eingeklebt. Das wirkt wenig hochwertig, schränkte aber die Funktion der Kamera nicht ein. Nach Angaben des Herstellers ist die Kamera gemäß IP68 gegen Wasser und Staub geschützt und kann somit auch im Außenbereich zum Einsatz kommen. Das erscheint aber riskant: Die Kameras sind leicht und klein und dürften je nach Aufstellungsort schnell verschwinden.

Im Gegensatz zu den Arlo-Kameras, die zwingend mit einer Basisstation verbunden werden müssen, haben Nutzer der Ezviz-Kamera die Wahl: Entweder sie kaufen ein Set bestehend aus Kameras und Basisstation oder sie besorgen sich alternativ eine einzelne Kamera – beides funktioniert. Wir haben für den Test eine einzelne Kamera ausprobiert, die wir mit einem bestehenden WLAN-Netzwerk verbunden haben. Das klappt genau so einfach, wie es der Name des Produktes (EZ Viz – Easy Videos) verspricht: Einfach die App auf iPhone oder Android-Smartphone (Play Store) herunterladen, einen Account anlegen und den Hinweisen in der App sowie der englischen Sprachausgabe der Kamera folgen. Nach kaum zwei Minuten ist das Aufnahmegerät betriebsbereit.

Wir haben die kabellose Überwachungskamera Ezviz C3A mit einem Android-Smartphone ausprobiert. Die App teilt sich in drei Hauptbereiche auf: Die Startseite mit verfügbaren Kameras, Meldungen mit Kameraaufzeichnungen und generelle Einstellungen zu Bereichen wie Account und Cloud.

In die Kameraeinstellungen kommt man durch einen Fingertipp auf den Namen der Kamera. Hier lässt sich eistellen, ob die Kamera auch Audio aufzeichnen soll, bei Aktivität eine Indikator-LED leuchten soll, die Kamera bei schlechten Lichtbedingungen auf Infrarot umschaltet und einiges mehr. Im Bereich der Mitteilungen sind chronologisch aufgelistet Screenshots von durch Bewegung ausgelöste Aufzeichnungen zu sehen.

Die App ist Dreh- und Angelpunkt der Kamera.

Die generellen Einstellungen erlauben das Einladen weiterer Nutzer, die auf die Kamera zugreifen dürfen. Außerdem lassen sich hier Accounteinstellungen wie Nutzername und Passwort ändern, Pushnachrichten bei Aktivierung der Kamera ausschalten, Cloud-Einstellungen wie Zahlungsarten anpassen und noch mehr. Etwas störend ist der Umstand, dass der Zurück-Button von Android nicht zurück in vorherige Menüebenen führt, sondern die App beendet.

Einen Web-Zugriff über einen Browser gibt es im Gegensatz zu früher nicht mehr, stattdessen bietet der Hersteller die Software Ezviz Studio an, mit deren Hilfe Zugriff auf die Kameras vom Computer aus möglich ist.

An den im Lieferumfang enthaltenen Wandhalter dockt die Ezviz-Kamera wie die Arlo-Modelle magnetisch an und lässt sich wegen des kugelförmigen Gelenks sehr frei positionieren. Alternativ steht die C3A auch sicher auf geraden Oberflächen. Die Funktionsweise ist einfach: Erkennt der Bewegungssensor der Ezviz C3A Bewegung, aktiviert er die Kameraaufzeichnung und sendet eine Push-Nachricht an die Smartphone-App. Die Aufnahme läuft normalerweise 15 Sekunden, danach geht die Kamera zum Energiesparen wieder aus. Länger andauernde Aktivitäten sind dadurch später nie komplett zu sehen. Eine Aktivierung der Kamera durch akustische Überwachung erfolgt nicht. Eine Definition bestimmter Bildbereiche, in denen keine Erkennung erfolgt, fehlt ebenfalls.

Die Bildqualität ist durchaus ansprechend. 1080p gibt der Hersteller als Auflösung an, die Bildschärfe ist entsprechend gut. Die typischen Verzerrungen der 120-Grad-Weitwinkelaufnahmen werden allerdings nicht herausgerechnet. Probleme machen zudem starke Helligkeitsunterschiede im Aufzeichnungsbereich, durch die schlechte Bilddynamik saufen Details in dunkleren Bereichen ab. Gleichzeitig brennen helle Bildbereiche aus. Das kann die Aufstellungsmöglichkeiten durchaus einschränken: Wer eine Terassentür bewachen will, erkennt auf den Aufnahmen hinterher vermutlich kaum etwas, weil sich die Kamera entweder auf das Tageslicht hinter der Tür oder auf das Dämmerlicht im Inneren der Wohnung einstellen muss.

Normale Aufnahme bei ausreichendem Licht.

Anders sieht das aus, wenn das Licht so weit abnimmt, dass die Kamera auf Infrarotlicht umschaltet. Sie nimmt dann zwar nur noch in Schwarz-Weiß auf und Details sind reduziert. Bis zu einer Reichweite von rund 5 Metern bleiben Helligkeit und Bildschärfe aber hoch. Mit größerem Abstand sinkt die Ausleuchtung. Die Erkennungsrate des Bewegungsmelders ist in drei Stufen einstellbar. Auf niedriger Einstellung beträgt die Erkennungsreichweite bis zu 3 Meter Entfernung, in mittlerer und hoher Einstellung erhöht sich die Reichweite auf 5 und 7 Meter. Die Erkennung von Bewegung signalisiert die Kamera durch eine blaue LED, die Kameraaufnahme durch orangenfarbiges LED-Licht.

Aufnahme mit Nachtsicht.

Die Kamera erlaubt 2-Wege-Kommunikation. Entsprechend ist eine Verständigung per App mit Personen möglich, die im Sucher zu sehen sind. Der Ton aus dem kleinen Kamera-Lautsprecher ist dabei ziemlich leise, die Tonaufzeichnung über das Mikrofon hingegen ausreichend laut und klar. Ton- und Bildqualität hängen stark von der Stärke des WLANs ab.

Der Akku der Ezviz-Kamera hat eine Kapazität von 5500 mAh. Hikvision verspricht, dass eine Akkuladung bei 10 Alarmen pro Tag rund 3 Monate hält. Rein rechnerisch entspricht das einer Daueraufzeichnung von gerade einmal etwa 75 Minuten, allerdings berücksichtigt das nicht die Energie, die die Kamera im Standby benötigt. Während des Testszeitraums, in dem gerade zu Beginn viel mit der Kamera herumgespielt und viel in der App ausprobiert wurde, verlor der Akku teilweise fast einen Prozentpunkt pro Stunde. Im Alltag sollten aber eine echte Laufzeit von rund 2 Monaten möglich sein.

Der Akku ist für etwa 2 Monate Laufzeit gut.

Das Problem dabei: Je mehr Auslöser, desto mehr Videoaufzeichnungen, desto kürzer die Akkulaufzeit. Da der Nutzer weder Auslösebereiche einrichten, noch die Kamera automatisch per Geofencing deaktivieren kann, dürften vermutlich zahllose Aufnahmen pro Tag anlaufen, die den Nutzer selbst zeigen. Das ist nicht nur schlecht für die Akkulaufzeit, sondern dürfte wohl den meisten Nutzern nicht gefallen, weil sie sich in ihren eigenen vier Wänden ausspioniert fühlen. Eine Basisstation erweitert übrigens den Verbindungsbereichs per WLAN und kann so für bessere Akkulaufzeiten sorgen.

Eine Möglichkeit, bestimmte Dinge zu automatisieren, bietet der Dienst IFTTT. Zahlreiche Rezepte helfen dann etwa dabei, die Kamera beim Betreten des Eigenheims selbständig in den Schlafmodus zu versetzen oder bei Bewegungserkennung Licht anzuschalten. Aufs Wort hört die Ezviz-Kamera per Amazon-Alexa-Skill und auch mittels des Google Assistant. Eine Unterstützung von Apple Homekit gibt es nicht. Zur vollständigen Ausnutzung der Möglichkeiten benötigt der Nutzer nicht nur Smart-Speaker, sondern Smart-Displays wie das von Lenovo. Per Sprache kann der Nutzer dann Kameras deaktivieren oder Live-Bilder auf seinem Smart-Display betrachten.

Alarmvideos oder manuell aufgezeichnete Screenshots landen wahlweise auf bis zu 128 GByte großen microSD-Karten. Der Slot für die Karten befindet sich im Inneren des Kameragehäuses. Im Falle eines Einbruchs, bei der der Täter die Kamera findet und gleich ganz mitnimmt, sind dann auch die Aufnahmen verloren. Daher bietet der Hersteller auch einen Cloud-Service an, bei dem die Kamera Aufzeichnungen direkt via Internet auf Server des Unternehmens sendet. Stiehlt der Einbrecher dann die Kamera, sind wenigstens die Aufnahmen noch abrufbar.

Das hat allerdings seinen Preis. Hikvision verlangt pro Kamera nach dem ersten kostenlosen Probemonat mindestens 5 Euro pro Monat – oder 50 Euro im Jahr. Dafür hält der Hersteller Aufnahmen eine Woche vor und überschreibt sie erst danach wieder. Für monatlich 10 Euro oder im rabattierten Jahresabo für 100 Euro sind Aufzeichnungen 30 Tage in der Cloud sicher. Das ist bei vier oder fünf Kameras schnell recht teuer – zumal die Geräte selbst ja auch noch rund 100 Euro pro Stück kosten. Die Ausgaben für die Cloud-Speicherung übersteigen im Laufe der Zeit schnell den Hardware-Preis der Kameras um ein Vielfaches.

Daten werden verschlüsselt auf die Server von Hikvision geschickt. Die stehen übrigens in Irland und sollten so zumindest in der Theorie europäischem Datenschutz und der DSGVO unterliegen. Wer einen Sprachassistenten nutzen möchte, muss die Datenverschlüsselung deaktiveren.

Zwei C3A-Kameras kosten zusammen mit der Basisstation W2D zum Testzeitpunkt ab 291 Euro – dafür gibt es von Konkurrent Arlo nur eine Kamera und die Basisstation. Eine einzelne Kamera ist aktuell für rund 127 Euro zu haben, der Preis lag auch schon bei etwa 100 Euro.

Ezviz C3A (CS-C3A-A0-1C2WPMFBR)

Ezviz C3A Duo Pack inkl. W2D Basisstation (CS-W2D-B2-EUP-EU-STD)

Arlo Pro 2 Kit, 2 Kameras, Set (VMS4230P-100EUS)

Arlo Pro Kit, 1 Kamera, Set (VMS4130-100EUS)

Die Ezviz-C3A-Überwachungskamera erinnert stark an die Arlo Pro 2 (Testbericht). Sie sieht ähnlich aus, kommt ohne Kabel und liefert ein annähernd genauso gutes Bild. Sie bietet sogar einen Vorteil: Abgesehen vom niedrigeren Preis kommt sie ohne Basisstation aus. Die Installation ist simpel. Nachteile gibt es im direkten Vergleich aber auch. Funktionen wie Geofencing fehlen der Ezviz-App, die Alarmsirenen-Funktion der Arlo-Cams (kommt dort aus der Basisstation) ebenfalls. Außerdem ist der Cloud-Service von Hikvision zumindest bei mehreren Modellen ganz schön teuer. So richtig günstig ist der Arlo-Konkurrent also gar nicht, eine interessante Alternative hingegen schon.

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