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Eufy Robovac L70 Hybrid: Saugen, mappen, moppen im Test

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Anker baut auch Staubsaugerroboter – bislang aber nur einfache. Der neue Robovac L70 Hybrid vermisst erstmals den Raum per Laser und lässt sich sinnvoll per App steuern.

Eufy ist ein Tochterunternehmen des chinesischen Herstellers Anker und stellt neben Smart-Home-Geräten auch Saugroboter her. Die waren bislang eher günstig und saugten nach dem Chaos-Prinzip. Mit dem neuen Eufy Robovac L70 Hybrid wird das anders. Das erst zur IFA 2019 vorgestellte Gerät vermisst die zu saugenden Räumlichkeiten mit einem Laser und orientiert sich so im Raum. Entsprechend fährt er geregelte Bahnen und erlaubt das Festlegen von No-Go-Areas per App. Wischen kann er ebenfalls und vergleichsweise günstig ist er dabei auch noch – da muss doch irgendwo ein Haken sein?

Der Eufy Robovac L70 ist rund – eine Form, die gerade zum Reinigen von Ecken grundsätzlich schon mal eher unpraktisch ist. Als Ausgleich verfügt der Sauger über eine auf der rechten Seite angebrachte, besonders lange Bürste, die Schmutz vom Rand zur Mitte des Gerätes befördern soll. Das weiße Kunststoffgehäuse erweckt insgesamt einen durchaus wertigen Eindruck, auch wenn es nicht ganz mit dem Design von einigen deutlich teureren Modellen mithalten kann.

Lieferumfang - außerdem gibt`s noch ein Handbuch, Ersatzmaterial wie Filter oder Bürsten fehlen.

Hinten befinden sich große Gitter, durch die der Roboter die eingesogene Luft wieder ausbläst. Im hinteren Bereich auf der Oberseite platziert Eurfy einen runden Lidar-Turm, dessen oberste Abdeckung den Eufy-Schriftzug trägt und Chrom imitiert. Auf der Oberseite vorn sind die einzigen beiden Hardware-Tasten, die mit Symbolen für Power und Laden beschriftet sind und blau leuchten. Das sieht schick aus, ist nachts aber recht hell und lässt sich auch nicht anpassen oder abschalten. Davor gibt es eine ebenfalls blau leuchtende Anzeige für WLAN. Zwischen Lidar-Turm und Bedienelementen installiert Eufy eine große Klappe, über die der Staub- und Wasserbehälter bequem entnommen werden kann.

Der vordere Bereich ist etwas weicher als das Hartplastik des restlichen Gehäuses gehalten. Dabei handelt es sich um den Bumper, der den Sauger spätestens bei Kontakt mit anderen Gegenständen zum Anhalten bewegt. Vorn, rechts und links sind Sensoren sichtbar, mit deren Hilfe der Staubsaugerroboter an Hindernissen entlang oder um sie herum navigieren kann. Der höchste Punkt des Robovac L70 Hybrid ist der Laser-Turm, dort ist der Sauger knapp 11 Zentimeter hoch und kommt so auch unter die meisten Möbelstücke.

Der L70 von unten mit aufgestecktem Wischmodul.

Im Lieferumfang befindet sich abgesehen vom Sauger die Ladestation, in der sich der ungenutzte Teil des Netzkabels praktisch verstauen lässt. Außerdem ist eine durchsichtige Unterlage für den Wischmodus des Saugers enthalten, die Tropfnässe unter dem Roboter im Ladezustand verhindern soll. Des Weiteren enthält der Lieferkarton eine Kurzanleitung in Papierform und einen Wischaufsatz. Ersatzbürsten oder -filter sind nicht dabei. Die Bürste wird außerdem von einer Schraube gehalten und lässt sich daher nicht ohne Werkzeug wechseln.

Es wurde bereits angedeutet: Der neue Eufy Robovac L70 Hybrid verlässt sich nicht mehr wie seine Vorgänger auf stumpfes Zufallsprinzip, sondern zieht geordnete Bahnen. Dafür greift er auf das Lidar-System oben auf dem Gehäuse zurück, mit dessen Laser er seine Umgebung millimetergenau erfasst und in einer Karte festhält. Zusätzlich ermöglichen Infrarotsensoren vorn und auf der rechten Seite genaue Navigation im Nahbereich. Zu guter Letzt fungiert der Frontbumper als letzte Sicherung und Sensoren an der Unterseite sollen Abstürze, etwa von Treppenabsätzen, verhindern.

Der Laser-Turm ermöglicht präzise Vermessung.

Neben Saugen beherrscht der Robovac L70 Hybrid auch Wischen – oder besser gesagt: feuchtes moppen. Dazu verfügt der Staubbehälter über einen separaten Bereich für Wasser, das er im Wischmodus per App einstellbar unterschiedlich stark auf ein Wischmodul abgibt. Dieses Wischmodul muss manuell hinten an die Unterseite geclippt werden und aktiviert automatisch den Wischmodus. Das Reinigungstuch ist per Klettband am Wischmodul befestigt und kann zur Reinigung des Tuchs abgenommen werden.

Die Navigation und Hinderniserkennung funktioniert sehr gut. Zwar fährt der Roboter immer wieder auch vor erkannte Hindernisse, der Kontakt mit dem Frontbumper fällt aber so leicht aus, dass Nutzer keine Angst um Möbel haben müssen. Anders sieht das aus, wenn das Gerät unter Möbel fahren will, die zwar hoch genug für den Korpus, nicht aber den Laserturm des Saugers sind. Dann prallt der Turm auch schon mal recht rustikal gegen eine Schrankunterseite. Da der Robovac im Gegensatz zu einigen Neato-Modellen keinen Extrasensor am Turm hat, drückt der Sauger gern auch weiter, obwohl er am Turm hängen bleibt. Das führt dann irgendwann zu einem abrupten Richtungswechsel, was erneut zur harten Kollision des Laser-Turms mit dem Möbelstück führt. Dabei machten wir uns im Test weniger Sorgen um die Möbel, sondern viel mehr um die Langlebigkeit des Laser-Turms.

Der Zugriff auf den Staub- und Wasserbehälter ist einfach, dessen Entleerung nicht.

Davon abgesehen ist die Navigation vorbildlich, auch an Wänden oder Möbeln entlang navigiert der Eufy-Roboter normalerweise sehr souverän. Genau das tut der Sauger zu Beginn jeder Reinigung: Er versucht, die Ränder eines Raumes – oder bei zu großen Räumen zumindest eines Raumteils – abzufahren. Dabei generiert er beim ersten Versuch eine Karte seiner Umgebung, später korrigiert er etwaige Änderungen. Danach fährt er regelmäßige, sich überlappende Bahnen und erreicht so eine effiziente Reinigung des kompletten Bodens in kurzer Zeit. Bei Spot-Reinigung fährt der Roboter zudem nicht nur horizontale, sondern anschließend darüber noch einmal vertikale Bahnen, sodass der Reinigungsverlauf in der App wie ein Schachbrettmuster aussieht.

Kritik müssen wir am Staub- und Wasserbehälter üben. Er lässt sich zwar sehr leicht und von entsprechender Sprachmitteilung kommentiert entnehmen und wieder einsetzen, die Reinigung ist aber unpraktisch. Staub und Schmutz vom Saugen muss entleert werden, indem der Nutzer den Filter (kein Hepa-Filter) herausnimmt. Der sitzt aber recht fest, ohne Zuhilfenahme der zweiten Hand klappt das nicht. Die Ränder des recht großen Behälters sind so hoch, dass es nur schwer möglich ist, ohne anschließende Sauerei auch die letzten Staub- und Sandkörner zielgerichtet in den Mülleimer zu befördern. Ähnliches gilt auch für den Wassertank, dessen von einer einfachen Gummilippe verschlossene Öffnung nicht in einer Ecke des Tanks platziert wurde. Entsprechend ist eine vollständige Entfernung des Wischwassers ohne viel Herumgeschüttel nicht möglich – das nervt.

Wer nicht jedes Mal zur Inbetriebnahme des L70 Hybrid das Smartphone aus der Tasche kramen oder zum Roboter gehen und die Knöpfe drücken möchte, der darf ihm auch Sprachbefehle geben. Derzeit hört der Roboter auf Alexa und den Google Assistant. Wer sich dann exakt an die Befehle „Alexa/Hey Google, sag Robovac, er soll mit der Reinigung beginnen/das Staubsaugen beenden/zurückfahren“ hält, erzielt dann auch per Stimme den gewünschten Erfolg.

Sollte sich die Akku-Leistung einmal während der Säuberung dem Ende zuneigen, fährt der L70 wieder zurück zur Ladestation, lädt auf und setzt die Reinigung an der letzten Stelle fort. Im Test kam es dazu aber nicht – trotz mehrmaliger Reinigung einer 80qm-Wohnung (befahrbare Fläche vermutlich etwa 40qm) am Stück hatte der Sauger immer noch mehr als ausreichende Reserven. Der Hersteller spricht von einer Reinigungszeit bis zu 2,5 Stunden – eine sehr hohe, aber vermutlich im niedrigsten Saugmodus sogar zutreffende Angabe.

Zwar saugt der Robovac L70 Hybrid auch bei Betätigung der Powertaste auf dem Gehäuseoberteil, Dreh- und Angelpunkt der Bedienung ist aber eigentlich die EufyHome-App, die es für Android und iOS gibt. Nach der Schritt-für-Schritt-Einrichtung des Roboters sieht der Nutzer darauf die zuletzt erstellte Karte, samt letzter Fahrstrecke des Roboters, außerdem gibt es Schnellzugriffe für Saugstärke, Start/Stopp, Aufladen, Zonenreinigung, Planung und den Reinigungsverlauf der letzten Wochen.

Exakte Karte mit Nogo-Areas.

Die Saugstärke lässt sich in den Stufen Leise, Standard, Turbo und Maximalmodus einstellen, bis auf den stärksten Modus kann der Nutzer zusätzlich die BoostIQ-Funktion zuschalten. Sie sorgt dafür, dass der Roboter seine Saugkraft etwa auf Teppichboden automatisch erhöht. Dabei variiert die Lautstärke im Abstand von etwa einem Meter von knapp über 50 bis knapp unter 70 Dezibel. Im leisen Modus sind die bisweilen etwas fiepsigen Fahrgeräusche des Antriebs lauter als das Sauggeräusch, ab dem Turbo-Modus kehrt sich das Verhältnis um. Auf niedrigster Saugstufe ist der L70 Hybrid so leise, dass er im Nebenzimmer kaum noch gehört wird.

Spannend ist die Zonenreinigung. Hier darf der Nutzer auf der Karte der Reinigungsfläche ein in der Größe frei wählbares Rechteck platzieren, das der Roboter dann auf Kommando anfährt, um nur innerhalb dieser virtuellen Grenzen eine Spot-Reinigung durchzuführen. Über den Planungs-Button ist die Zeitplanung für automatisierte Reinigung möglich. Leider wird jeder Reinigungsvorgang, für den jedes mal auch die Saugleistung und somit die Lautstärke angepasst werden darf, einzeln untereinander aufgeführt. Eine typische Kalenderansicht wäre hier übersichtlicher gewesen. Über den Button „Karte ändern“ ist zudem das Festlegen von No-Go-Bereichen möglich – getrennt nach „Kein Wischen“ und „Kein Wischen + Saugen“. So können Nutzer dem Roboter ohne Zusatz-Gerätschaften wie IR-Leuchttürmen oder Magnetband den Zugang zu bestimmten Bereichen von Wohnung oder Haus verbieten. Apropos Haus: Mehrere Karten für mehrere Etagen behält der L70 Hybrid leider nicht.

Über das Gerätemenü können Nutzer zudem anderen Bewohnern des Haushalts Zugriffsrechte geben, die Wasserintensität im Wischmodus einstellen, die Sprache ändern, Firmware-Updates durchführen, den Sauger manuell steuern und noch einiges mehr. Die Sprache ertönt übrigens sehr laut, etwas blechern und auf hoher Lautstärke scheppernd aus dem Gehäuse des Saugers. Uns reichte im Test eine Lautstärke von etwa 60 Prozent.

Im Alltag waren wir mit der Reinigungswirkung des Eufy Robovac L70 Hybrid im Saugmodus sehr zufrieden. Auch die typischen kleine Krümel von Katzenstreu wurden auf kurzflorigem Teppich, auf Fliesen sowie Laminat gut aufgenommen. Grund zur Kritik gab es hier nur, weil der Roboter auf einem Teppich mit schwarzen Quadraten Abgründe vermutete und diese partout nicht befahren wollte – ein Problem, das auch andere Roboter bisweilen haben.

In unserem Laborversuch, den wir unter anderem auch dem Billigsauger Vileda VR 102 (Testbericht) unterzogen haben, konnte der Anker-Roboter nicht voll überzeugen. Von der verstreuten Goldhirse sammelte das Gerät rund 81 Prozent wieder auf, statt der eingeplanten 10 Minuten brauchte der Sauger dafür knapp 9 Minuten. Einen Unterschied zwischen minimalem und maximalem Saugmodus, in dem der Eufy-Bot 2200 Pa erreichen soll, konnten wir dabei nicht feststellen. Der vermutliche Grund dafür: Auch die unterste Saugkraftstufe reicht für die sehr leichten Hirse-Körnchen, der Großteil der übriggebliebenen Krümmel sammelte sich allerdings an den Rändern. Selbst die lange Außenbürste reichte hier offensichtlich nicht aus, um die Hirse vom Rand weg und hin zum Saugschlitz samt Bürstenrolle in der Mitte des Saugers zu bugsieren. Dafür kam der Sauger auch mit Tierhaaren auf mehr oder weniger hochflorigem Teppich klar. Höhenunterschiede bis zu 2,5 Zentimeter soll er dabei überwinden können, tatsächlich fuhr sich der Anker-Bot im Test nicht selbstverschuldet fest.

Geladen wird an der Ladestation mit Kabelmanagement.

Die Wischfunktion halten wir wie bei fast allen Saugrobotern, die ähnlich wie der L70 arbeiten, eher für ein nettes Gimmick. Denn mehr als Staubwischen ist das aufgrund der Konstruktion nicht, der Roboter zieht einfach ein befeuchtetes Tuch hinter sich her. Mangels Gewicht und Schrubb-Funktion werden auf diese Weise nicht einmal Wasserlecken entfernt. Zudem muss vor jedem Modus-Wechsel von Saugen zu Wischen erst einmal manuell Hand angelegt werden, indem das Wischmodul angebracht wird. Je nach Wohnungsbeschaffenheit ist es dem Roboter dann unmöglich, ohne mit dem feuchten Wischlappen Teppich zu überfahren, um zur eigentlichen Wischzone zu kommen.

Der Eufy Robovac L70 Hybrid war zum Testzeitraum kaum bei Dritthändlern verfügbar, lediglich auf der Homepage des Herstellers und bei Amazon war er für 499,99 Euro zu haben. Eine andere Farbe als Weiß gab es nicht.

Das ist schon ziemlich ordentlich, was Anker mit dem Eufy Robovac L70 Hybrid abliefert. Die Navigation ist erfreulich ausgereift, die Objekterkennung gelungen. Festgefahren hat sich das Testmodell nur, wenn der Mensch Kabel oder ähnliches Unbill herumliegen ließ. Die Kartierungsfunktion funktioniert sehr zuverlässig, gleiches gilt für die Spot-Reinigungsfunktion und die No-Go-Areas, die in der App mit wenig Aufwand eingerichtet werden können. Hinzu kommen eine regelbare Saugleistung und zahlreiche Ansteuerungsoptionen, darunter auch per Sprache. Weitere Pluspunkte sind eine sehr lange Akkulaufzeit und die schnelle Reinigungsgeschwindigkeit. Die Wischfunktion ist zudem ein ebenfalls gut funktionierendes, aber eher zweitrangiges Gimmick.

Leichte Defizite beim Randreinigen sind uns nur im Labortest aufgefallen, im Alltag war davon nichts zu bemerken. Hier überzeugte der Roboter auf ganzer Linie. Bei Möbelstücken, die ein Unterfahren erlauben, kann es wegen des Laser-Turms zu Problemen kommen. Auch die Konstruktion des Staub- und Wassertanks ist nicht optimal umgesetzt, eine vollständige Entleerung der Kammern ist schwierig. Alles in allem sind das aber eher Kleinigkeiten, die die Konkurrenz auch nicht immer besser löst. Insgesamt ist die gebotene Leistung in Relation zum Preis richtig gut. Ähnlich gute erzielt der inzwischen etwas günstigere Vorgänger des aktuellen Roborock S6, nämlich der Roborock S5 (Testbericht). Ebenfalls überzeugend waren die Modelle iRobot Roomba i7+ (Testbericht) und Vorwerk Kobold VR300 (Testbericht).

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