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Elephone U5 im Test: So gut ist das Billig-Phone aus China

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Quad-Cam, großer Full-HD+-Screen, 4/128 GByte Speicher, Octa-Core, NFC, USB Typ C und Android 10 für 140 Euro UVP – wie geht das denn? TechStage hat das im Test überprüft.

Der Name Elephone dürfte nur wenigen Nutzern in Deutschland ein Begriff sein, dabei ist der chinesische Hersteller in Asien schon eine recht große Nummer. Die Philosophie des in Shenzen ansässigen Herstellers lautet vereinfacht: Bring tolle Hardware möglichst günstig zum Kunden. Das ist zwar nicht sonderlich einfalls-, aber offenbar ziemlich erfolgreich. Seit 2014 baut der Konzern inzwischen Smartphones, inzwischen sind Actioncams, Smartwatches, Headsets und einiges mehr hinzugekommen. Vor allem bei Smartphones schaffte er es mehrfach, zumindest in Fachkreisen selbst in Europa aufgrund eines enorm guten Preis-Leistungs-Verhältnisses immer mal wieder für Aufsehen zu sorgen. Wir wollten wissen, ob das gerechtfertigt ist und haben uns das neue Elephone U5 genau angeschaut.

Für 140 Euro kann man natürlich kein hochwertiges Design erwarten – sofern man Elephone nicht kennt. Denn das Elephone U5 sieht gar nicht nach einem besonders günstigen Einsteigermodell aus. Curved-Design und Metallrahmen sucht man hier zwar vergeblich, dennoch überrascht der schmale Rahmen, der sich um das große Display zieht. Er ist sogar oberhalb und seitlich gleich schmal, nur unterhalb ist er leicht breiter als an den anderen Seiten. Da sich die Abweichung in Grenzen hält, geht das aber in Ordnung, auch wenn wir die angegebene Screen-to-Body-Ratio von 93,38 Prozent für übertrieben halten. Die Frontkamera ist in einer Punchhole-Notch untergebracht, das sieht ebenfalls modern aus.

Der Rahmen besteht wie erwähnt aus Kunststoff, ist aber gut verarbeitet und fasst sich dank Rundung angenehm an. Das gilt auch für die Rückseite, die trotz des niedrigen Preises aus Glas besteht. Sie ist gerade zu den langen Seiten hin noch stärker gerundet, dadurch liegt das nur 180 Gramm schwere und 185 × 76 × 9 Millimeter große Modell angenehm in der Hand. Nur wer mit dem Finger von der Rückseite über den Übergang zum Kunststoffrahmen fährt, wird eine minimale Scharfkantigkeit spüren. Ansonsten ist die Verarbeitung klasse. Auch unter Druck oder bei kräftiger Verwindung gibt das Elephone U5 keine Geräusche von sich. Lediglich beim Draufklopfen klingt die Rückseite mittig leicht hohl – einem so günstigen Modell verzeiht man das aber gern. Lautstärkewippe und Powerbutton samt integriertem Fingerabdrucksensor sind perfekt eingepasst und weisen guten Druckpunkt und Tastenhub auf.

Ansonsten überzeugt die Rückseite mit ihrem hübschen Blauton, der je nach Betrachtungswinkel auch mal leicht türkis aussieht. Ansonsten ziehen hier das Herstellerlogo und die Kameraeinheit den Blick auf sich. Das Linsen-Array ist in der oberen linken Ecke positioniert und besteht aus vier Sensoren mit bis zu 48 Megapixel, wie ein kleiner Aufdruck verrät. Das ganze Modul steht zwar leicht aus dem Gehäuse hervor, allerdings deutlich moderater als bei vielen aktuellen Top-Smartphones, die fast das zehnfache kosten. Außerdem lässt sich das mit dem im Lieferumfang enthaltenen Schutz-Cover komplett kaschieren. Funfact: Das Herstellerlogo könnte mit etwas Fantasie einen stilisierten Elefantenkopf darstellen – passend zum “Eleph” (Englisch Elephant für Elefant) in Elephone.

Alle Bilder zum Elephone U5 im Test (15 Bilder)

Elephone U5

Das IPS-LCD des Elephone U5 misst 6,4 Zoll in der Diagonalen und bietet eine Auflösung von 2310 × 1080 Pixel. Das entspricht einer Bildschärfe von knapp 400 Pixel pro Zoll (ppi) und sorgt für scharfe Darstellung. Im Betrieb gefällt das Display mit sehr guten Blickwinkeln bei von der Seite betrachtet zwar recht früher, aber insgesamt sehr schwacher Abschattung. Die Darstellung istnatürlich mit einem leichten Hang zur kühlen Farbwiedergabe. Größtes (aber für sich gesehen nur sehr kleines) Manko sind die leichten Lichthöfe bei der Darstellung von Schwarz, die in den gerundeten Ecken und um die Punchhole-Notch auftreten. Da das bisweilen aber auch bei deutlich teureren Smartphones auftritt, dürfte hier niemand Elephone ernsthaft Vorwürfe machen.

Den günstigen Preis sieht man dem Screen ansonsten bestenfalls noch bei der maximalen Helligkeit an, die mit gemessenen 380 cd/m2 nicht übermäßig hoch ist. Während sie in Innenräumen und auch draußen im Schatten dank guten Kontrasten noch problemlos reicht, wird es bei direkter Sonneneinstrahlung problematisch. Alles in allem schneidet das Elephone U5 in Anbetracht des niedrigen Preises beim Display ordentlich ab.

Es wurde bereits angedeutet: Die Kameraeinheit des Elephone U5 besteht gleich aus vier Linsen. Das dürfen Nutzer im Jahr 2020 durchaus erwarten – nur nicht zu diesem Preis. Zeigt dann ein genauerer Blick auch noch, dass die Hauptkameras mit 48 Megapixel für den Hauptsensor und 13 Megapixel für den Weitwinkel daherkommen, ist das durchaus beachtenswert. Über die letzten beiden Sensoren kann man wie immer streiten, wir halten von Makrokamera (5 Megapixel) und Tiefensensor (2 Megapixel) nichts. Hält man sich aber vor Augen, dass solche Kameras auch in drei bis viermal so teuren Smartphones eingebaut sind, steht das Elephone U5 erneut richtig gut dar.

Die Kamera ist für 150 Euro richtig gut

Das bringt natürlich nichts, wenn die Bildqualität nicht stimmt. Ein Blick auf die (vom Hersteller nicht kommunizierte) Blende von bestenfalls f/2.8 lässt für Rauschverhalten und Lichtempfindlichkeit bei Aufnahmen mit wenig Licht Böses erahnen. Doch hier überrascht Elephone erneut – und zwar mit erstaunlich guter Software im Zusammenspiel mit der AI-Processing Unit des eingebauten Mediatek Helio P60. Im Werkszustand sind HDR und AI in der Kamera-App ausgeschaltet. Fotos bei schlechtem Licht bringen die befürchteten Resultate, auch wenn auch das deutlich schlechter geht: Die Helligkeit geht zwar in Ordnung, allerdings macht sich überall deutliches Bildrauschen breit. Mit aktivierter AI werden diese Pixelfehler erstaunlich gut herausgerechnet, ohne dass das Ergebnis hinterher matschig wird. Im Gegenteil: Bearbeitete Aufnahmen sind bisweilen sogar schärfer. Das haben wir nicht erwartet.

Alle Originalaufnahmen mit der Kamera des Elephone U5 (22 Bilder)

Lowlight ohne AI

Bei Tag geht die Bildschärfe in Ordnung, kommt aber natürlich nicht ganz an deutlich teurere Modelle heran. Auch hier zeigt sich die AI überlegen, sie holt doch noch mehr Details heraus und auch die Bilddynamik wird damit besser. Insgesamt werden Grüntöne leider etwas stark betont und hinzu kommt ein Gelbstich. Der Weitwinkel hingegen ist deutlich dunkler und stellt Farben kühler dar – suboptimal. Dafür überraschte uns der Makrosensor mit weitestgehend brauchbaren Bildern, auch wenn denen ein paar Megapixel mehr guttun würden. Die Frontkamera mit 24 Megapixel knipst Fotos mit ausreichender Bildschärfe. Die Portraitfunktion mit künstlichem Bokeh überzeugt uns wegen kleinerer Bildfehler auch in der Voreinstellung nicht wirklich – trotz speziellem Tiefensensor. Videos mit der Hauptkamera lassen sich nur in 1080p/30 aufnehmen und sind weder scharf genug, um von guter Qualität sprechen zu können, noch verfügt das Smartphone über eine ordentliche Bildstabilisierung. Zumindest beim Thema Video passt die Qualität zum aufgerufenen Preis – beides ist niedrig.

Dass Elephone bei seinem U5-Smartphone auf Mediatek als Chiplieferanten setzt, dürfte dem Preis geschuldet sein. Das macht aber nichts, denn der verwendete Helio P60 galt mit seinen acht CPU-Kernen eigentlich als Chip der oberen Mittelklasse, inzwischen wurde er aber von moderneren Chipsätzen eher in die untere Mittelklasse verdrängt. Da das Elephone U5 so viel wie ein gehobenes Einsteigermodell kostet, ist das immer noch gut. Im Antutu-Benchmark erreicht er zusammen mit der verwendeten Mail-G72MP3-GPU knapp 155.000 Punkte. Das ist ausreichend und gibt die Marschrichtung vor: Im Alltag weitestgehend flüssig, bei höheren Grafikanforderungen wie in aufwändigen 3D-Spielen dann letztendlich aber doch etwas überfordert stellt das U5 dem Nutzer in den meisten Lebenslagen ausreichend Leistung zur Verfügung. Dass der Chip dann inzwischen doch schon etwas betagt ist, merkt man etwa beim Öffnen von Apps, dem automatischen Ausrichtungswechsel von Display-Inhalten oder gelegentlichem Hakeln bei Animationen. Das ist alles noch im Rahmen, hier leistet die Mittelklasse aber noch einmal klar mehr.

Spannend wir des beim Speicher: Satte 4 GByte RAM und 128 GByte interner Speicher stecken im Elephone U5. Selbst bei der restlichen Ausstattung ist nirgends ein dicker Rotstift angesetzt worden. So kommt das Gerät mit 5-Ghz-WLAN, NFC, Fingerabdrucksensor und LTE inklusive Band 20, das hierzulande von O2 verwendet, allerdings ohne Band B32, das Telekom und Vodafone vor allem auf dem Land einsetzen. Auch an anderer Stelle ist nicht mehr alles taufrisch, so kommt etwa Bluetooth 4.2 zum Einsatz. Das dürfte aber kaum einen Nutzer wirklich stören. Der Fingerabdrucksensor hat uns nicht so gut gefallen. Seine Erkennungsrate lag im Test bei vielleicht 70 Prozent und damit zu niedrig.

Bei der Software setzt Elephone beim U5 auf Android 10 mit leicht angepasster Oberfläche. So tauscht der Hersteller viele App-Icons aus und integriert DuraSpeed, das nach Angaben des Features Vordergrund-Apps optimiert, indem Hintergrund-Apps beschränkt werden. Im gleichen Atemzug warnt Elephone allerdings davor, dass eventuell Nachrichten von Hintergrund-Apps verzögert oder gar nicht mehr ankommen – da sollten Interessente sich gut überlegen, ob sie dieses Feature wirklich nutzen wollen. Anstatt so eine Funktion zu implementieren, hätte der Hersteller vielleicht lieber den Sicherheits-Patch aktuell halten sollen – auf unserem Testgerät stammt der noch von Juni 2020. Eine Seltenheit ist das aber bei so günstigen Phone allgemein eh nicht.

4000 mAh leistet der Akku des Elephone U5 – das klingt besser, als es sich im Test zeigte. Denn im Battery Test von PCmark schaffte das Smartphone nur etwas mehr als 7 Stunden Dauernutzung, das ist eher wenig. Über den Tag dürften Normalnutzer trotzdem ganz gut, wer aber ohne minütlichen Blick auf sein Smartphone nicht auskommt, ist hier wohl falsch. Auch beim Aufladen ist das Modell nicht sonderlich flott, Schnellladen gibt es hier nicht. Entsprechend dauert es gute 2 Stunden, bis der Akku wieder voll ist.

Die UVP des Herstellers liegt mittlerweile bei 160 statt 190 US-Dollar, das entspräche eigentlich 135 bis etwa 160 Euro. Bei China-Shops wie Banggood und Gearbest ist das Gerät für knapp unter 160 Euro zu bekommen. Wer das U5 hier in Deutschland bei Amazon kaufen will, muss rund 85 Euro mehr auf den virtuellen Tisch legen. Dafür gibt es dann aber auch keine Probleme mit der Garantie und die Lieferung sollte deutlich schneller da sein. Zur Auswahl stehen die Farben Blau und Schwarz. Im Preisvergleichs-Widget zeigen wir vergleichbare Smartphones auf, die in etwa in der Preisregion von 160 und 250 Euro sind.

Technik entwickelt sich weiter, klar. Allerdings geben die Hersteller die dadurch niedrigeren Preise hierzulande aus diversen Gründen (Garantiebestimmungen, Abgaben für Speicher...) nicht 1 zu 1 an den Kunden weiter. Bei Elephone ist das anders, zumindest wenn man das Gerät bei diversen China-Shops bestellt, denn dann kostet das Modell gerade einmal 150 Euro. Dafür gibt es hierzulande keine besseren aktuellen Smartphones. Klar ist auch das U5 nicht makellos – zaubern kann auch Elephone nicht. So stört das immer mal wieder auftretende Ruckeln und der Akku ist trotz 4000 mAh etwas schwachbrüstig. Auch die Display-Helligkeit könnte besser sein. Das alles sind Dinge, die wir für einen Preis von 250 Euro auch deutlich mehr kritisieren würde. Darum ist das Modell nur etwas für Interessenten, die sich nicht scheuen, im Ausland zu kaufen.

Trotz allem punktet das Elephone U5 mit hübschem Design und guter Verarbeitung, einem abgesehen von der Helligkeit tollen Display, ordentlich Speicher und sehr passabler Kamera. Zumindest als Zweitgerät oder Smartphone für die jüngeren Kinder ist das U5 aus China eine gute Wahl.

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