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Egret Ten V4 im Test: Der fast perfekte E-Scooter

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Der E-Scooter Egret Ten V4 ist kräftig, flexibel, durchdacht und insgesamt sehr gut – hat jedoch einen großen Haken. Wir haben den elektrischen Tretroller getestet.

Es ist Sommer 2012. E-Scooter sind noch weit von ihrer Straßenzulassung entfernt, als wir mit 35 km/h mit dem Egret One durch die Gegend gleiteten. Elektrisch angetriebene Tretroller waren damals Exoten und zogen ungläubige Blicke auf sich. Gut sieben Jahre später rollen wir durch München. Diesmal ganz legal mit dem auf 20 km/h gedrosselten Egret Ten V4 und dank eines Überangebots an Leihrollern (Lime, Tier, Bird, Circ, Jump & Voi: E-Scooter-Verleih im Vergleich) völlig ohne neugierige Blicke. Die sieben Jahre nutzte Egret, um einen guten E-Scooter zu einem sehr guten zu machen. Tatsächlich zeigt unser Test des Egret Ten V4 nur wenige Schwachstellen. Eine davon ist sein hoher Preis. Die andere könnte vor allem größeren Personen Probleme bereiten. Viele weitere Tests und einiges mehr haben wir auf unserer Themenseite E-Scooter gesammelt.

Am Egret Ten V4 sitzt die Lenkstange fest, das hintere Schutzblech wackelt nicht und die Rückleuchte ist integriert. Etwas, was man vom Frontlicht nicht behaupten kann: Es liegt dem Lieferumfang bei und muss vor der ersten Fahrt angesteckt werden. Da es nicht am Stromkreislauf hängt, muss der Fahrer das Licht stets manuell ein- und wieder ausschalten. Damit kann man leben, aber es nervt. Zumindest gibt es an der Lichtleistung nichts auszusetzen. Weniger gut haben uns die zwei dicken Kabelbäume gefallen, die vom Lenker in die Lenkstange führen. Unschöner ist das nur beim ansonsten sehr guten Metz Moover (Testbericht) gelöst.

Egret Ten V4 (22 Bilder)

Das Display mit Gaszug wirkt altmodisch und aus der Zeit gefallen. Zum einen ist das hintergrundbeleuchtete, monochrome LC-Display unförmig. Es zeigt die Geschwindigkeit mit einer Nachkommastelle, die Akkuladung in fünf Balken, die Fahrstufe und die Gesamtkilometer an. Zum anderen steht es wie ein Fremdkörper vom Lenker ab, wirkt wie nachträglich aufgesetzt und wenig stabil. Der Gashebel sitzt oberhalb des Lenkers. Üblicherweise sitzt er unterhalb des Lenkers und wird mit dem Daumen gedrückt; hier kommt der Zeigefinger zum Einsatz. Einige Käufer beschweren sich in Foren über den Zeigefingerzug des Egret Ten V4. Wir finden die Lösung ziemlich gut, da so auch bei längeren Fahrten kaum Ermüdungserscheinungen auftreten. Was ebenfalls hilft, sind die breiten Auflageflächen der gummierten Handgriffe.

Positiv erwähnenswert ist noch die 2 × 7,7 Zentimeter breite Öse zum Festschließeh des E-Scooters, auch wenn sie für einige Schlösser zu schmal sein könnte. Etwas Probleme haben wir mit dem Standfuß, der nicht richtig halten will und stets wieder einklappt.

Der Clou am Egret Ten V4 ist sein Klappmechanismus. Die Mechanik am unteren Ende der Lenkstange ist hochwertig und stabil. Sie macht den Eindruck, so einiges auszuhalten. Außerdem ist der Egret Ten V4 der einzige E-Scooter unserer Testreihe, der auch die Lenkergriffe anlegen kann. So verringern sich seine Maße in allen Dimensionen von ausgeklappt 115 × 54,5 × 95-115 Zentimeter auf zusammengeklappt 107 × 18,5 × 38 Zentimeter. So sollte er auch in sehr kleine Kofferräume passen. Im zusammengeklappten Zustand kann man den 17 Kilogramm schweren E-Scooter an der Lenkstange auch vergleichsweise komfortabel mal ein paar Meter tragen.

Zusammengeklappt ist der Egret Ten V4 extrem kompakt.
Der starke und leise Motor des Egret Ten V4 sitzt im Heck, was für einen E-Scooter eher ungewöhnlich ist.

Der Power-Button des Egret Ten V4 sitzt direkt unterhalb des Displays, ist also gut erreichbar. Nach dem Einschalten startet der E-Scooter immer in Stufe 1, die den Motor drosselt und die maximale Geschwindigkeit auf 7 km/h begrenzt. Der Fahrer muss also bei jedem Start zunächst viermal die Plus-Taste drücken, um auf Stufe 5 zu kommen. Uns erschließt es sich nicht, warum es überhaupt Stufen gibt. Schließlich justiert der Gashebel sehr fein die gewünschte Geschwindigkeit. Zumindest hätte Egret direkt mit der Stufe 5 starten können, welche wohl die meisten Fahrer überwiegend einsetzen.

In Stufe 5 regelt der Egret Ten V4 bei etwa 20 km/h ab. Dank des starken Motors mit einer Nennleistung von 500 Watt beschleunigt der Egret Ten V4 so kräftig wie kaum ein anderer E-Scooter. So macht e-rollern richtig Spaß – kein Vergleich zu dem schwachbrüstigen Trekstor EG 6078 (Testbericht). Dabei bleibt der Motor im Gegensatz zum Motor des ebenfalls sehr flotten Metz Moover (Testbericht) stets leise.

Die 10 Zoll großen Luftreifen fangen die meisten Unebenheiten ab.

Das Trittbrett ist mit einer Länge von 47 und einer Breite von 18 Zentimetern angenehm groß. Lange Füße sind also kein Problem, eine überdurchschnittliche Körpergröße dagegen möglicherweise schon. Denn die höhenverstellbare Lenkstange misst vom Trittbrett nur maximal 95 Zentimeter. Der Testfahrer ist 186 Zentimeter groß und hat damit keine Probleme. Wer allerdings größer ist und/oder lange Beine oder kurze Arme hat, sollte dringend vor dem Kauf Probefahren. Dauerhaft leicht gekrümmt zu cruisen ist nicht nur unangenehm, sondern auch ungesund. Das maximale Zuladegewicht liegt bei 100 Kilogramm.

Die 10 Zoll großen Luftreifen laufen sehr widerstandsarm. Das spart nicht nur Akku, sondern erleichtert auch das manuelle Treten, sollte zum Beispiel mal der Akku leer sein. Auch fangen die Luftreifen dank ihrer Größe schon die gröbsten Ruckler ab, eine zusätzliche Federung wie sie zum Beispiel beim Mytier E-Scooter (Testbericht) und Trekstor EG 3178 (Testbericht) wegen ihrer Vollgummireifen zum Einsatz kommen, ist nicht nötig. Dafür besteht die Gefahr einer Reifenpanne.

Der Egret Ten V4 hat am Hinterrad eine hydraulische und am Vorderrad eine mechanische Scheibenbremse. Die Bremshebel befinden sich am Lenker. Im Bremstest schneidet der E-Scooter hervorragend ab. Ähnlich wie der Metz Moover (Testbericht) benötigt er bei einer Vollbremsung von 20 auf 0 km/h bei einem 85-Kilogramm-Fahrer weniger als 2 Meter.

Der Egret Ten V4 ist ein Akkumonster! Sein 48-Volt-Li-Ion-Akku ist mit einer Kapazität von 11,6 Ah und der daraus resultierenden Leistung von 557 Wh sogar größer als der 461-Wh-Akku des Mytier E-Scooter (Testbericht). Er kommt bei uns im Test mit knapp 30 Kilometer deutlich weiter als der generalüberholte Tier. Das liegt unter anderem am sehr geringen Rollwiderstand des Egret Ten V4.

Der Egret Ten V4 kommt zu einem stolzen Preis von 1580 Euro (Stand: 01/20). Im Testfeld bewegt sich lediglich der Metz Moover in einem vergleichbar hohen Preissegment.

Der Egret Ten V4 überzeugt vor allem durch sein exzellentes Fahrgefühl. Das Trittbrett ist riesig, der leise Motor beschleunigt so stark wie kaum ein anderer, die Bremsen greifen zuverlässig, nichts wackelt und die großen Luftreifen fangen die meisten Unebenheiten zuverlässig ab. Der Klappmechanismus ist zuverlässig, die Griffe lassen sich ebenfalls umklappen, um die Maße weiter zu verringern – eine echte Seltenheit unter den E-Scootern.

Das Display ist altmodisch, doch der Zeigefingergashebel überzeugt. Das selbstständige Einklappen des Ständers nervt. Ein richtiges K.O.-Kriterium könnte für größere Personen die etwas kurze Lenkstange sein. Niemand will dauerhaft leicht gebückt rollern. Unbedingt vor dem Kauf probefahren. Abgesehen davon ist der Egret Ten V4 ein hervorragender E-Scooter der Premium-Klasse, der trotz seines recht hohen Preises unsere volle Kaufempfehlung erhält.

Im ähnlichen Preissegment bewegt sich der Metz Moover (Testbericht). Er ist ebenfalls ein sehr guter E-Scooter, dessen Lenkstange im Gegensatz zum Egret Ten V4 ausreichend hoch ist. Ein richtig gutes Preis-Leistungs-Verhältnis bietet der Mytier E-Scooter (Testbericht), aber auch der Trekstor EG 3178 (Testbericht) ist richtig gut und deutlich günstiger als der Egret Ten V4. Alle Einzeltest und noch mehr haben wir auf der Themenseite E-Scooter zusammengefasst.

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