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Eachine E511: Billiger Mavic-Air-Klon im Test

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1080p, lange Flugzeiten und ein Preis von unter 150 Euro klingen verlockend. Wir zeigen, was der Multicopter Eachine E511 im Design der Mavic-Air in der Praxis leistet.

Drohnen für Luftaufnahmen sind beliebt und in zahlreichen Varianten erhältlich. Die Preise von Markenmodellen liegen allerdings bei 300 bis 1600 Euro. Reichen nicht auch günstigere Modelle für den privaten Gebrauch? In der Vergangenheit haben wir unter anderem folgende günstige Drohnen mit Kamera ausprobiert:

Geht es rein um die Freude am fliegen und nicht um Bildmaterial, sind auch die Modelle Mini-Mario-Copter von Carrera (Testbericht) und die Star Wars Modelle von Propel (Testbericht) sehr interessant.

Wer sich für deutlich teurerer semiprofessionelle Modelle interessiert, sollte sich unsere Video-Drohnen-Bestenliste ansehen. Auch für Interessenten an FPV, dem Flug mit Videobrille, haben wir einen passenden FPV-Ratgeber und Testberichte über die Modelle Blade Inductrix FPV (Testbericht), Revell Quadcopter Spot FPV (Testbericht), Blade Torrent 110 (Testbericht) und Eachine 013 (Testbericht).

Der Eachine E511 kommt zusammen mit einem Akku, einem USB-Ladegerät, zwei Ersatzpropellern, mehreren Schrauben, einem Schraubendreher, vier Propellerschützern und dem Handsender beim Kunden an. Das zum Aufladen benötigte USB-Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang. Das ist aber kein Problem, ein Handy-Netzteil mit Micro-USB lässt sich problemlos nutzen.

Der Lieferumfang beinhaltet zusätzlich noch einen kleinen Schraubendreher.

Beim Design des Multicopters hat sich Eachine die Mavic Air von DJI (Kaufberatung) als Vorbild genommen. Der Eachine-Klon sieht dem Original tatsächlich extrem ähnlich. Auch die Abmessungen von 185 × 108 × 64 mm im zusammengeklappten Zustand entsprechen fast denen der Mavic Air. Flugfertig aufgebaut hat der E511 die Maße 366 × 354 × 73 mm und ein Gewicht von rund 205 g (inklusive Propellerschutz). Eine Namensplakette ist für den Betrieb zwar nicht nötig, eine Modellflugversicherung ist für Flüge im Freien aber Voraussetzung.

Der Großteil des Copters ist weiß mit schwarzen und grauen Akzenten. Die klappbaren Ausleger, Motorträger, Klapp-Propeller und Kamera sind schwarz. Der Akkuschacht sitzt auf der Rückseite des Copters. Der proprietäre Akku wird lediglich eingeschoben, hält aber erstaunlich zuverlässig. Ein Sicherungsmechanismus wäre trotzdem wünschenswert. Die Kamera ist ohne Gimbal zum Ausgleich der Flugbewegungen an der Front verbaut. Der Kamerawinkel ist immerhin verstellbar – allerdings nur händisch. Das Verändern der Kameraposition per Fernsteuerung ist nicht möglich.

Der Kamerawinkel muss händisch verstellt werden..

Der Sender (Fernsteuerung) ist ebenfalls ein Klon des Originals von DJI. Neben den Steuersticks und den Funktionstasten ist auch eine etwas klapprige Smartphone-Halterung verbaut. Diese bietet Platz für Geräte mit einer Größe bis zu sechs Zoll.

Der E511 nutzt eine 2,4 GHz Funkverbindung für die Steuerung und eine WLAN-Verbindung zur Bildübertragung auf ein Smartphone. Die für die Aufnahme von Videos und Fotos notwendige App Eachine FPV ist kostenlos für iOS und Android verfügbar. Das Pairing zwischen Multicopter und einem Huawei Mate10 Pro klappt im Test problemlos.

Wer zur Steuerung lieber sein Smartphone verwendet, kann den E511 auch mit Hilfe der virtuellen Steuerknüppel in der App steuern. Sogar das Lenken per Bewegungssensors des Smartphones ist möglich. Unserer Ansicht nach, ist das eine unnütze Spielerei. Die Bedienung per Fernsteuerung ist deutlich präziser und zuverlässiger.

Zusammengeklappt ist der E511 sehr kompakt.

Eachine verbaut, anders als DJI bei der Mavic Air, verhältnismäßig schwache Bürstenmotoren. Diese sind zwar stark genug, um das Gerät in die Luft zu bekommen, bei stärkerem Wind ist die Leistungsgrenze der Motoren allerdings schnell erreicht. Außerdem verschleißen die Bürsten-Motoren nach einigen Flugstunden. Die Motoren sind mit etwas Geschick austauschbar. Allerdings haben wir bisher noch keine passenden Ersatzmotoren bei europäischen Händlern gefunden.

Anders als beim Modell DJI-Tello, landen die aufgenommen Fotos und Videos nicht nur auf dem Speicher des Smartphones, sondern auf einer separaten Micro-SD-Speicherkarte im Copter. Dies ist ein echter Vorteil, da Bildstörungen auf Grund einer schlechten WLAN-Verbindung nicht im Video zu sehen sind.

Der Multicopter hat ein 6-Achs-Gyroskop an Bord, welches die automatische Stabilisierung der Fluglage ermöglicht. Bekommt der Multicopter keine Steuerbefehle, richtet er sich selbstständig gerade aus. Das macht die Steuerung auch für Anfänger sehr einfach. Zum Halten der Höhe ist ein Barometer verbaut. Das funktioniert in der Praxis, ist allerdings deutlich ungenauer als bei teuren Videodrohnen. Sonstige Sensorik zur Hinderniserkennung ist nicht verbaut.

Der Akku samt Ladegerät. Ein USB-Netzteil gehört nicht zum Lieferumfang.

Der 7,4-Volt-Akku hat eine Kapazität von 1200 mAh und ermöglicht laut Hersteller Flugzeiten von bis zu 17 Minuten. In der Praxis hat der E511 allerdings nicht ganz so lange durchgehalten. Bei leichtem Wind und sehr sportlicher Flugweise ist der Akku im Test nach gut 12 Minuten leer. Eine Batteriewarnung gibt es übrigens nicht. Ist der Akku leer, fällt der E511 zu Boden. Immerhin ist der Copter erstaunlich stabil und hat während der Tests mehrere harte Abstürze unbeschadet überstanden. Das Aufladen eines leeren Akkus dauert knapp eine Stunde.

Es stehen der Standard-Flugmodus mit Höhe-Halten-Funktion und der sogenannte Headless-Mode (Steuerung des Multicopters unabhängig von der relativen Position des Piloten zum Flugobjekt) zur Verfügung. Außerdem ist es möglich, die Empfindlichkeit der Steuerung in drei Stufen zu verändern. Die am wenigsten empfindliche Stufe ist allerdings nur bei absoluter Windstille empfehlen, da der E511 sonst gnadenlos abgetrieben wird. Im Test nutzen wir deshalb die dritte Stufe, mit dem größten Lenkausschlag.

Um den Eachine-Copter zu starten nutzt man entweder die Steuerhebel oder den Taster für die automatische Startfunktion. Landen klappt ebenfalls entweder per Tastendruck oder händisch mit Hilfe des linken Steuerhebels. Wird die One-Key-Return-Taste gedrückt kommt der E511 immerhin grob in Richtung des Piloten zurück. Ohne GPS an Bord, ist diese Funktion allerdings mit Vorsicht zu genießen. Wirklich zuverlässig ist das System nur bei Windstille und bei Flügen in Sichtweite.

Der Handsender sieht dem Vorbild von DJI sehr ähnlich

Nach einem Druck auf die entsprechende Taste des Handsenders und einem anschließenden Lenkausschlag, macht der Multicopter Rollen beziehungsweise Flips. Das sieht am Anfang beeindruckend aus, ist letztlich aber eine unnötige Funktion bei einem Video- und Foto-Copter.

Standardmäßig ist immer erst die Steuerung per Handsender aktiv. Wer die Bedienelemente der App nutzen will, muss dies am Smartphone umstellen.

Dank Lageerkennung und Höhenmesser ist die manuelle Steuerung einfach und komfortabel. Anders als bei Drohne ohne Barometer, muss sich der Pilot nur um Flugrichtung kümmern. Bekommt die Drohne keine Befehle, steht sie stabil in der Luft. Da kein GPS verbaut ist, muss man bei Wind allerdings ständig gegensteuern, um ein Abtreiben zu verhindern.

Die Flugcharakteristik ist überraschend gut.

Die Reichweite liegt bei mindestens 100 Metern. Größere Distanzen sind auf Grund der geringen Größe und der zum Teil schlechten Bildübertragung nicht sinnvoll – die Gefahr eines Verlusts ist einfach zu groß. Eine Begrenzung der Flughöhe ist übrigens nicht vorhanden. Die Drohne fliegt so hoch, wie es der Empfang zulässt. Da der Pilot sein Fluggerät immer im Auge behalten muss sind Flüge höher als dreißig Meter allerdings rechtlich bedenklich – der kleine Copter ist dann gerade noch so zu erkennen.

Steuerbefehle des Handsenders setzt der E511 sehr präzise und vor allem verzögerungsfrei um. Gerade bei günstigen Drohnen ist das nicht selbstverständlich. Das Fliegen macht sowohl Anfängern als auch geübten Piloten Spaß. Verglichen dem kleinen Racecopter Blade Torrent 110 (Testbericht) oder der DJI-Mavic-Serie (Ratgeber) fehlt es allerdings spürbar an Motorleistung. Für Flüge im Vorgarten ist der Eachine-Copter aber hervorragend geeignet.

Die technischen Eckdaten der Kamera klingen gut, weshalb wir auf eine vernünftige Bildqualität gehofft hatten. Leider haben sich unsere Erwartungen nicht erfüllt. Der Eachine E511 hat das Problem fast aller getesteten Budget-Drohnen: die Bildqualität ist kaum zu gebrauchen. Das liegt in erster Linie an der fest verbauten Kamera, die jede noch so kleine Bewegung des Multicopters mitmacht. Der Dynamikumfang und die Qualität ist mit der eines günstigen Einsteiger-Smartphones vergleichbar. Selbst bei guten Lichtverhältnissen sind bestenfalls die Fotos ausreichend für Facebook und Co.

So sehen die Fotos bei mittelmäßigen Lichtverhältnissen aus.

Die Videos ohne Stabilisierung sind so stark verwackelt, dass sie auch bei guter Ausleuchtung unansehnlich sind. Sobald die Lichtverhältnisse schlecht sind, werden sowohl Fotos als auch Videos extrem matschig und unscharf. Schade, wir hatten im E511 einen echten Konkurrenten zur DJI Tello gesehen. Diese Hoffnung erfüllt sich nicht. Geht es um Bildqualität und nicht um lange Flugzeit, ist die DJI-Mini-Drohne deutlich überlegen.

Für den E511 sind Ersatz-Akkus und Propeller erhältlich. Wer einen Aufpreis zahlt, bekommt den Multicopter unter dem Namen E511S auch mit GPS an Bord. Gegenlenken bei Wind ist mit dieser Version nicht notwendig.

(Kein Produktbild vorhanden)

Eachine E511

(Kein Produktbild vorhanden)

E511 Ersatz-Akkus

(Kein Produktbild vorhanden)

E511 Tasche

Der Test des Eachine E511 hinterlässt gemischte Gefühle. Zum einen ist da die enttäuschende Kameraqualität. Demgegenüber stehen das wirklich gute Flugverhalten und die ordentliche Akkulaufzeit.

Viel mehr als ein paar Schnappschüsse für die eigene Social-Media-Seite sind mit dem Eachine-Copter definitiv nicht möglich. Die fehlende Kamerastabilisierung und insgesamt niedrige Bildqualität erlauben schlicht keine brauchbaren Aufnahmen. Wer eine günstige Einsteigerdrohne mit besserer Kamera sucht, sollte sich die DJI Tello (Testbericht) genauer ansehen.

In Sachen Flugverhalten schneidet der Eachine-Copter allerdings gut ab. Zwar ist kein GPS wie im Hubsan H507A X4 (Testbericht) verbaut, das Steuern des kleinen Flitzers macht trotzdem richtig Spaß. Wer sich in das Thema Drohnen einarbeiten will und keine großen Ansprüche an Bildqualität und Reichweite hat, bekommt mit der Drohne von Eachine ein geeignetes Übungsgerät.

Geht es hauptsächlich um qualitativ hochwertige Fotos und Videos aus der Luft, muss man deutlich mehr investieren. Ein sehr gutes Preis-Leistungsverhältnis bietet beispielsweise das Modell Spark von DJI (Testbericht) für etwa 360 Euro. Wem es mehr ums sportliche Fliegen geht, der sollte sich den kleinen Racer Blade Inductrix FPV (Testbericht) genauer ansehen.

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