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Eachine 013 im Test: günstiges FPV-Einsteigerset

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Der Einstieg ins FPV-Fliegen mit Drohne und Brille war noch nie so günstig. Wir haben ein Einsteiger-Set für Rennen in Garten und Wohnzimmer getestet. Kostenpunkt: Unter 100 Euro.

Der Eachine 013 ist unter verschiedenen Namen, von verschiedenen Herstellern und in Bundles mit und ohne FPV-Brille erhältlich. Wir haben unser Testmodell Eachine E013 ohne Brille bestellt, da wir bereits mehrere vergleichbare Brillen im Einsatz haben. Wer noch keine Videobrille zur Verfügung hat, sollte die einfache, aber qualitativ ausreichende Einsteiger-Brille im Set mitbestellen. Mehr dazu später.

Der rote Mini-Racer kommt ordentlich verpackt bei uns an. Neben der handtellergroßen Drohne mit integrierter Kamera gehören ein USB-Ladegerät, ein 3,7-Volt-Akku, ein Schraubendreher, ein Satz Ersatzpropeller und eine Mini-Fernsteuerung zum Lieferumfang. Die Verarbeitung von Drohne und Handsender ist gut und kann mit teuren Modellen wie Inductrix FPV (Testbericht) oder DJI Tello (Testbericht) mithalten.

So sieht der Lieferumfang (ohne Brille) aus.

Ein Netzteil zur Stromversorgung des USB-Ladegerätes und drei AAA-Batterien für den Handsender sind nicht beigepackt.

Der Mini-Racer ist lediglich mit einer elektronischen Lageerkennung ausgestattet. Diese sorgt dafür, dass die Drohne gerade in der Luft steht. GPS, optische Sensoren oder ein Barometer sind nicht verbaut – damit hält der Copter weder Höhe noch Position von selbst. Manuelles Steuern muss man üben. Es ist nicht schwer, aber man sollte sich darauf einstellen, dass die ersten Versuche in harmlosen und schadfreien Abstürzen enden.

Die integrierte Kamera und der 5,8-GHz-Videosender sind nicht zur Aufnahme von Fotos und Videos gedacht. Sie liefern stattdessen ein verzögerungsfreies Live-Bild aus der Sicht des kleinen Racers. Empfangen wird das Videosignal entweder mit der Brille aus dem Set oder jeder beliebigen FPV-Brille mit 5,8-GHz-Empfänger.

Die Drohne besteht aus einem leicht flexiblen und stabilen Kunststoffrahmen, einer Hauptplatine mit integriertem Empfänger und vier Bürstenmotoren. Die Motoren mit einem Durchmesser von 6 Millimetern sind Standard-Motoren, wie sie auch im Inductrix FPV (Testbericht) verbaut sind. Ersatzteile sind bei diversen China-Shops, bei eBay und Amazon sowie beim Modellbau-Fachgeschäft zu bekommen.

Der mitgelieferte Akku hat eine Kapazität von 220 mAh. Die Flugzeit liegt, abhängig vom Flugstil, bei etwa 4 bis 5 Minuten. Das Laden mit dem mitgelieferten USB-Ladegerät dauert zwischen 20 und 25 Minuten. Wer nicht so lange warten möchte, sollte sich einen Satz Akkus mit passendem Mehrfachladegerät dazu bestellen. Die Kosten für ein Set mit vier bis fünf Akkus sind niedrig, es kostet etwa 15 Euro.

Einfache Brillen, wie die aus dem Set, haben meist einen kleinen Akku verbaut und werden über den MicroUSB-Abnschluss geladen.

Zwar hat auch der günstige China-Copter eine Lageerkennung, auf einen Höhenmesser oder ein optisches Positionierungssystem wie die DJI Tello verfügt der Racer jedoch nicht. Abgesehen von der Stabilisierung muss sich der Pilot selbst um das Halten der Höhe und Position kümmern. Sobald der Pilot beispielsweise vom Schwebeflug in den Vorwärtsflug übergeht, muss er etwas mehr Gas geben, um nicht an Höhe zu verlieren. Und fliegt der Copter mit Schwung geradeaus, bremst er nicht, wenn man den Controller loslässt: Er stellt sich zwar gerade, driftet aber weiter in Flugrichtung, bis der Pilot einen kurzen Gasstoß in die Gegenrichtung gibt.

Zur Steuerung stehen insgesamt drei verschieden Empfindlichkeitsstufen zur Wahl. Während der Quadcopter im Standard-Modus nur sehr zaghaft auf Steuerbefehle reagiert, erscheint uns die höchste Stufe zu feinfühlig. Die mittlere Empfindlichkeitsstufe ist aus unserer Sicht die ideale Einstellung; sowohl für Anfänger, als auch für geübte Piloten. Zum Durchschalten der Empfindlichkeit reicht ein Druck auf den rechten Stick des Handsenders.

Der Handsender sieht sehr nach Spielzeug aus – funktioniert aber sehr gut.

Verglichen mit Video-Drohnen ist der kleine FPV-Racer zappelig und unruhig. Das liegt an der sehr direkten Steuerung und den fehlenden Sensoren. Der Pilot muss auch in Innenräumen ständig Lage und Höhe korrigieren. Ansonsten driftet die Mini-Drohne ab.

Obwohl der kleine Handsender nach billigem China-Spielzeug aussieht, ermöglicht er eine präzise und zuverlässige Steuerung. Abgesehen von der verhältnismäßig geringen Reichweite von etwa 70 bis 100 Metern ist das Flugverhalten mit dem des deutlich teureren Inductrix FPV (Testbericht) vergleichbar.

Unter Stühlen oder unter Tischen durchfliegen? Mit etwas Fingerspitzengefühl klappt das problemlos. So werden Wohnzimmer oder Vorgarten schnell zum aufregenden Hindernisparcour. Wenn das Funksignal zum roten Flitzer abreisst, schalten sich die Motoren ab und die Drohne geht zu Boden. Die zahlreichen Crashes während der Testphase hat unser Mini-Racer übrigens gänzlich unbeschadet überstanden.

Die Bildqualität ist natürlich nicht mit der von Video-Drohnen vergleichbar, aber das macht nichts. Wichtiger als eine hohe Auflösung ist beim FPV-Flug die Latenz des Videosignals. Spürbarer Zeitversatz, wie bei der Übertragung per WLAN, kommt für FPV-Piloten nicht in Frage. Und hier macht der billige China-Racer eine wirklich gute Figur. Das Videosignal ist stabil und die Bildqualität gut. Latenz-Probleme wie beim Modell Revell Spot VR (Testbericht) treten dank 5.8-GHz-Übertragung nicht auf.

Das sieht der Pilot durch seine FPV-Brille.

Unsere privat genutzte Brille ist mit der aus dem Set vergleichbar. Diese einfachen FPV-Brillen können zwar in Sachen Design und Empfang nicht mit hochwertigen Modellen mithalten, für den Nahbereich und die ersten Schritte sind sie aber ausreichend. Während die Darstellung wirklich gut ist, enttäuscht bei unserem Modell lediglich die kurze Akkulaufzeit von gerade einmal 15 bis 20 Minuten. Eine Powerbank schafft Abhilfe und ermöglicht deutlich längere Flug-Sessions.

Brillenträger brauchen entweder eine FPV-Brille mit einem Bildschirm, deren Gehäuse so groß ist, dass die Brille passt – oder ein Modell mit austauschbaren Linsen. Für hochpreisigen Brillen, etwa von Fatshark, gibt es passende Linsen in Sehstärke. Die Brille aus dem Set eignet sich nur für Menschen ohne oder mit sehr geringer Fehlsichtigkeit beziehungsweise für Kontaktlinsenträger.

Den knallroten Mini-Racer gibt es unter den Modellbezeichnungen Eachine E013, Redpawz R011 oder Makerfire Armor Shark. Abgesehen von der Kunststoffabdeckung und der Bezeichnung sind die Modelle identisch. Einsteiger sollten das Set mit Brille kaufen: günstiger ist eine FPV-Brille nicht zu bekommen.

Der Akku wird an der Unterseite eingesteckt.

Für den Test-Multicopter sind Ersatzmotoren, Ersatzrahmen, Akkus, Ladegeräte und Propeller erhältlich. Da der Akku und die Motoren über einen Standard-Anschluss verfügen, können diese auch von Drittherstellern gekauft werden. Wer möchte, kann beispielsweise Akkus mit einer höheren Kapazität oder kräftigere Tuning-Motoren verwenden.

Redpawz R011

Redpawz R011

(Kein Produktbild vorhanden)

Makerfire Armor Shark

(Kein Produktbild vorhanden)

Ersatzakkus

(Kein Produktbild vorhanden)

Ersatzpropeller

(Kein Produktbild vorhanden)

Ersatzteil-Set

Gute Flugeigenschaften und die verzögerungsfreie 5.8-GHz-Bildübertragung machen den günstigen Multicopter zu einem ernstzunehmenden Konkurrenten zu Horizon Hobbys Inductrix FPV. Die Reichweite ist zwar geringer, der sehr niedrige Preis macht das Angebot trotzdem äußerst attraktiv: Im Set mit Brille kostet der Eachine 013 nur etwa halb so viel wie der Inductrix FPV.

Wer in die FPV-Fliegei einsteigen möchte, kann mit dem Set erste Erfahrungen sammeln, ohne dabei viel Geld ausgeben zu müssen. Aber auch erfahrene Hobby-Piloten kommen mit dem Mini-Racer auf Ihre Kosten. Lediglich bei extremen Flugmanövern fehlt es dem Eachine-Modell an Power. Profis können dann immer noch auf stärkere Tuning-Motoren zurückgreifen.

Für das Aufnehmen von Fotos und Videos ist die Wohnzimmer-Drohne allerdings ungeeignet. Wer lieber Fotos mit seiner Mini-Drohne schießen will, sollte besser zum Modell Tello von DJI (Testbericht) greifen. Geht es primär um die Aufzeichnung von Videos gibt es derzeit kaum eine Alternative zur DJI Spark (Testbericht). Wer lieber ohne Videobrille durch sein Wohnzimmer düsen möchte, sollte sich den nochmal günstigeren S9W Multicopter (Testbericht) im Mini-Format ansehen.

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