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E-Roller-Test: IO Hawk Sparrow Legal mit Straßenzulassung

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Der IO Hawk Sparrow Legal gehört zu den ersten E-Scootern mit deutscher Straßenzulassung. Ob sich der Kauf des E-Rollers lohnt, zeigt der Test.

E-Scooter sind in Großstädten geradezu omnipräsent. An gefühlt jeder Ecke steht ein Leihroller von Lime, Tier, Circ oder Voi (Vergleichstest). Kein Wunder, können die E-Scooter mit Straßenzulassung schließlich ohne Führerschein oder Helmpflicht (trotzdem empfehlenswert) auf bis zu 20 km/h beschleunigt werden. Die Leihangebote gelten jedoch erst ab 18 Jahren und sind bei regelmäßiger Nutzung teuer. Wer sich selbst einen StVO-konformen E-Roller kauft, kann ihn bereits ab 14 Jahren führen und hat geringe laufende Kosten. Den Metz Moover (Testbericht) haben wir uns bereits genauer angeschaut. Er schnitt mit der Gesamtnote Sehr Gut ab, kostet aber fast 2000 Euro.

Da ist der IO Hawk Sparrow Legal hier im Test ist mit unter 800 Euro deutlich günstiger. Er ist einer der ersten E-Scooter auf dem deutschen Markt mit Straßenzulassung. Bereits seit Monaten kann er fast baugleich ohne Straßenzulassung gekauft werden; dann allerdings ohne Legal-Zusatz im Namen. Ab Oktober stellt IO Hawk dann ein Zusatz-Kit bereit, um den alten Roller StVO-konform zu machen.

Was es alles beim Fahren von E-Scootern zu beachten gibt, zeigt unser Beitrag Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung. Wer einen Führerschein hat und deutlich schneller als 20 km/h fahren möchte, sollte sich unsere Kaufberatung Elektroroller bis 45 km/h anschauen.

Die Gummierung der Rücktrittbremse wirkt unsauber aufgeklebt, sie verdeckt unerreichbar die Öse zum Befestigen des Lenkers.

Der IO Hawk Sparrow Legal wirkt mit seinen Maßen von 120 × 55 × 118 cm schlank und kompakt. Seine Standfläche ist mit etwa 55 cm ausreichend lang und sorgt so auch bei größeren Menschen mit einem Maximalgewicht von 100 kg für genügend Halt. Das Trittbrett ist 14,5 cm breit und damit deutlich schmaler als das 18 cm breite Brett des Metz Moovers. Gestört hat das beim Fahren kaum. Auf der Standfläche sorgt eine Gummierung für sicheren Halt. Auch das Schutzblech des Hinterrads ist auf seiner Oberfläche gummiert. Wer darauf tritt, drückt einen Bremsklotz auf den Gummireifen. Archaisch aber effektiv. So erfüllt der Sparrow Legal die Auflage der Straßenzulassung einer zweiten, unabhängig von der ersten funktionierenden Bremse. Die erste ist eine ebenfalls am Rückrad montierte Scheibenbremse.

Der IO Hawk Sparrow Legal kommt mit einem etwas umständlichen Tragegurt.

Insgesamt wirkt der IO Hawk etwas wackelig. Auch nach dem Anziehen aller Schrauben hat die nicht höhenverstellbare Lenkstange etwas Spiel. Über einen einfachen aber funktionalen Klappmechanismus kann die Lenkstange auf die Trittfläche geklappt werden. So kommt er auf die Maße 120 × 55 × 49 cm, mit abgeschraubten Haltegriffen sogar auf 120 × 30 × 49 cm. Wegen seiner Länge von 120 cm passt er in viele Kofferräume nicht rein, häufig muss zunächst die Rückbank umgelegt werden. Da ist der Metz Moover mit etwa 100 cm deutlich kürzer und passt anstandslos in die meisten Kofferräume.

Halbwegs komfortabel tragen lässt sich der 13 kg schwere IO Hawk Sparrow Legal nur mit dem etwas fummelig zu montierenden, beiliegenden Trageriemen. Schade, denn die Lenkstange raste bei der ursprünglichen Version des Sparrow am Schutzblech ein, sodass man ihn an der Lenkstange heben kann. Nicht bei der Legal-Version. Denn hier klebt für die Schutzblechbremse eine Gummimatte an der entsprechenden Stelle und verdeckt die Öse zum Einhaken. Das nun funktionslose Gegenstück am Lenker wurde nicht entfernt und. Dies zeigt exemplarisch das Hauptproblem des Sparrow Legal: Er scheint auf Biegen und Brechen aufs Erfüllen der StVO getrimmt.

Vorder-, Rücklicht und Nummernschildplatte werden in der Legal-Variante mitgeliefert.

Gut gefällt uns das Design des Lenkers. IO Hawk hat es geschafft, die meisten Kabel zu verstecken. Vorne klebt etwas schief ein weißer Reflektor wie von der eKFV vorgegeben. Direkt darüber befindet sich eine mit halbtransparentem Kunststoff geschützte Aussparung, hinter der man die Frontbeleuchtung vermutet. Allerdings ist diese leer. Die vorgeschriebene Frontbeleuchtung liegt im Karton und wird über ein Gummi am Lenker gehalten. Mit dem Stromkreislauf des Rollers ist diese natürlich nicht verbunden, der Fahrer muss die Leuchte entsprechend vor jeder Fahrt an- und nach jeder Fahrt ausgeschaltet werden.

Diese Abdeckung muss für das Anbringen der Nummernschildplatte entfernt werden.

Das Gleiche gilt für das ebenfalls in der Legal-Version beiliegende Rücklicht. Damit es hält, muss der Käufer zunächst eine mit zwei Kreuzschlitzschrauben gesicherte Kunststoffabdeckung am Hinterrad entfernen und dort eine Metallplatte anbringen, auf der dann auch der Versicherungsaufkleber Platz findet. In unseren Fall saß die Kreuzschlitz Schraube der Kunststoffabdeckung sehr fest. Dank eines nicht perfekt passenden Schraubendrehers beschädigten wir die Schraube versehentlich und konnten sie entsprechend nicht mehr lösen. Mit Torx-Schrauben wäre das nicht passiert.

Folgende Änderungen wurden bei Sparrow Legal im Vergleich zum Sparrow vorgenommen:

  • Eine zusätzliche Trittbremse am Hinterrad
  • Lenker rastet zusammengeklappt nicht mehr am Schutzblech ein
  • Unterboden LED-Leisten entfernt
  • Rücklicht ersetzt das Bremslicht
  • Batterie-Licht mit USB-Ladefunktion ersetzt das Frontlicht
  • Zusätzlicher Kennzeichenhalter
  • Tempomat-Funktion entfernt
  • Front- und Seiten-Reflektoren

Vor dem Start muss der Fahrer den gut am Lenker erreichbaren Knopf eine Sekunde lang drücken. Direkt danach kann es losgehen. Allerdings befindet sich der motorisierte Roller bei jedem Start auf der auf 6 km/h begrenzten Stufe 1. Ein kurzer Druck auf dem Antaster schaltet auf Stufe 2 (15 km/h), nochmal drücken auf Stufe 3 (20 km/h). Das Display selbst ist in den Lenker integriert und lässt sich jederzeit gut ablesen. Es zeigt neben der gewählten Stufe die aktuelle Geschwindigkeit in ganzen Schritten und den Akkuladestand in fünf Balken an.

Das ist nicht der Beschleunigungshebel sondern ein in der Legal-Variante obsoleter Haken.

Beschleunigt wird mit einem kleinen Hebelchen auf der rechten Seite des Lenkers. Diser ist angenehm nah am Haltegriff. Auch geht er leichtgängig und löst so bei längeren Fahrten keine Krämpfe in der Hand aus. Schön finden wir außerdem, dass der IO Hawk Sparrow Legal auch bei 20 km/h angenehm leise ist. Diese 20 km/h hält der E-Scooter gut, ein Pendeln zwischen zwei Geschwindigkeiten spürten wir nicht.

Der 250-W-Motor sitzt im Vorderrad und beschleunigt den Roller mit einem 85 kg schweren Fahrer von 5 auf 20 km/h in gut 9 s. Das schafft der Metz Moover (Testbericht) schneller. Trotzdem ist der Sparrow Legal durchaus kräftig und schafft auch deutliche Steigungen, IO Hawk schreibt 14 Grad.

Die Scheibenbremse am Hinterrad funktioniert gut, dennoch hätte eine zusätzliche Bremse am Vorderrad den Bremsweg nochmal deutlich reduziert.

Wie oben beschrieben hat der Sparrow Legal an seinem Hinterrad zwei Bremsen: eine klassische Scheibenbremse und eine Schutzblechbremse. Die Scheibenbremse verrichtet ihren Dienst nach einer initialen Feinjustierung zufriedenstellend. Irritiert waren wir zunächst davon, dass ihr Bremsgriff auf der linken Seite des Lenkers sitzt, wobei man doch von Fahrrädern gewohnt ist, die hintere Bremse mit dem Bremshebel auf der rechten Seite zu betätigen.

Im Vollbremstest brauchte der Sparrow Legal mit 85-kg-Fahrer etwa 4 m um von 20 km/h zum Stehen zu kommen. Egal ob Scheibenbremse oder Schutzblechbremse: Das Hinterrad blockierte und nach 4 m stand der Sparrow Legal. Dieser Bremsweg lassen sich auch nicht groß verkürzen, eine zusätzliche Vorderbremse wie beim Metz Moover gibt es nicht.

Das Fahrgefühl des E-Scooter ist gut. Die 8 Zoll großen Luftreifen fangen einige Unebenheiten ab, eine zusätzliche Federung gibt es jedoch nicht. Längere Fahrten auf Kopfsteinpflaster oder auf ungeteerten Straßen sind nicht zu empfehlen. Nicht nur wird viel Vibration an den Fahrer weitergegeben, auch belastet man viele Bauteile unnötig.

Der Rollwiderstand ist recht hoch. Wird bei voller Fahrt nicht mehr aktiv beschleunigt, fühlt es sich sofort an, als ob der Roller leicht bremst. Das kennen wir vom Metz Moover anders, der lange die Geschwindigkeit hält und langsam ausrollt.

Die Luftreifen federn Unebenheiten ab, Kopfsteinpflaster macht dennoch wenig Spaß.

Der Wendekreis des Sparrow Legal könnte kleiner sein. Das stört beim Fahren selbst nicht, schränkt aber die Rangierfähigkeit beim Schieben des Rollers ein. Übrigens muss man keine Sorgen haben, auch mal durch eine Pfütze zu fahren, da der Sparrow Legal dank einer IP-54-Zertifizierung spritzwassergeschützt ist.

Der IO Hawk Sparrow verbindet sich auf Wunsch nach Download einer App über Bluetooth mit dem Smartphone. Das ist jedoch umständlich, nervig und bringt kaum einen Mehrwert. Denn zum einen muss man vor jeder Fahrt manuell verbinden. Dann gibt es von Haus aus keine Möglichkeit, das Smartphone am Lenker zu befestigen, um während der Fahrt das Display zu lesen. Wirklich lohnen würde sich das ohnehin kaum, da die App genauso wie das ohnehin vorhandene Display Geschwindigkeit, gefahrene Kilometer und Akkuladestand anzeigt. Die App fällt in die Kategorie: Nett, aber braucht kein Mensch.

Der Akku des IO Hawk Sparrow Legal fasst 270 Wh. Bei normaler Geschwindigkeit erreicht ein 85-kg-Fahrer etwa 20 km. Geladen wird der Roller über das mitgelieferte Netzteil in etwa 4 Stunden.

IO Hawk verkauft den E-Scooter als Sparrow- und als Sparrow-Legal-Variante. Nur letzte hat eine deutsche Straßenzulassung. Wer den normalen Sparrow hat oder kauft, kann ihn bei IO Hawk für 350 Euro gegen einen Sparrow Legal tauschen.

(Kein Produktbild vorhanden)

IO Hawk Sparrow Elektro-Roller braun

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IO Hawk Sparrow Elektro-Roller schwarz

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IO Hawk Sparrow Elektro-Roller weiß

(Kein Produktbild vorhanden)

IO Hawk Sparrow Elektro-Roller pink

Eigentlich ist der IO Hawk Sparrow Legal ein guter E-Scooter. Er fährt sich bequem und ruhig, ist ausreichend motorisiert und kommt mit starkem Akku. Das Display ist perfekt integriert und gut lesbar, die Bremse ausreichend.

Doch mit der Legal-Variante kommen die Probleme. Denn ursprünglich hatte der Sparrow schön integrierte Front- und Rückleuchten, die für die Straßenzulassung mit neuen ersetzt wurden. Diese wirken aufgesetzt und der Fahrer muss sie manuell ein- und ausschalten. Die Lenkstange rastet zum Tragen nicht mehr am Schutzblech ein, der mitgelieferte Trageriemen ist kein adäquater Ersatz. Die Vorschrift einer zweiten, unabhängigen Bremse erfüllt IO Hawk mit der Rücktrittbremse, die allerdings für den Fahrer zur ohnehin vorhandenen Scheibenbremse am Hinterrad keine Mehrwert bietet. Hier wäre eine zusätzliche Bremse für das Vorderad deutlich sinnvoller gewesen.

Die schlampig umgesetzte Straßenzulassung zeigt sich in vielen Details. Schade. Hätte sich IO Hawk etwas mehr Zeit gelassen und Liebe in die Umsetzung gesteckt, wäre eine deutlich bessere Bewertung herausgesprungen. Aber man entschied sich dafür, lieber der erste am Markt zu sein.

Im direkten Vergleich ist der Metz Moover (Testbericht) der deutlich bessere E-Scooter. Was es beim Fahren alles zu beachten gilt, zeigt unser Beitrag Grundlagen: E-Tretroller mit Straßenzulassung. Wer einen Führerschein hat und schneller als 20 km/h fahren möchte, sollte sich unsere Kaufberatung Elektroroller bis 45 km/h anschauen.

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