E-Klapprad-Test: So genial klappt das Brompton Electric | TechStage
TechStage
Logo Qwant

Ein Angebot von

E-Klapprad-Test: So genial klappt das Brompton Electric

von  // 

Das Brompton Electric macht im Test alles richtig: Es ist leicht, durchdacht, praktisch und klappt genial. Doch es hat einen großen Haken.

Wenn es um elektrische Mobilität für die letzte Maile geht, die dann auch noch in den Kofferraum passt, sind E-Klappräder kaum zu schlagen. Sie sind sogar besser als E-Scooter, wie unser Vergleich: E-Klapprad oder E-Scooter? Und der Sieger ist… zeigt. Besonders beliebt sind die elektrischen Falträder von Fiido, auch wegen ihrer sehr attraktiven Preise. Wobei das Fiido D4S (Testbericht) der aktuelle Allrounder ist und das Fiido M1 (Testbericht) ein E-Fatbike zum Zusammenklappen. Das Fiido M1 basiert übrigens auf dem Mate X (Testbericht). Der große Nachteil aller Fiido-Bikes: Sie sind nicht für deutsche Straßen zugelassen. Ganz legal dürfen Käufer mit dem sehr guten Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht) über deutsche Straßen rollen.

Brompton ist bezüglich ihrer Klappräder Kult, ihre Anhänger nennen sie liebevoll Brommis. Die Brompton-Klappräder zeichnen sich vor allem durch ihren eleganten und sehr effizienten Faltmechanismus aus. So klein klappt kein Konkurrent. Das macht sie besonders für Camper, Bootsfahrer, Pendler und alle anderen interessant, die sie gefaltet in kleinste Ecken verstauen wollen. Das lässt sich Brompton gut bezahlen, ihre Falträder gehören zu den teuersten am Markt. Ob auch die elektrische Variante des Kult-Klapprads überzeugt, zeigt der Testbericht des Brompton Electric.

Die Optik eine E-Klapprads ist ganz allgemein gewöhnungsbedürftig. Häufig wirken Erwachsene auf Falträdern wie auf einem Kinderfahrrad – irgendwie ulkig. Hier bildet auch das Brompton Electric keine Ausnahme. Im Vergleich zu einem normalen Fahrrad sind die Räder zu klein und dünn. Auch sitzt der Rahmen sehr tief und Lenk- sowie Sattelstange ragen hoch daraus hervor.

Brompton Electric (29 Bilder)

Abgesehen davon ist das Brompton durchaus ansehnlich. Das liegt von allem an seiner fast schon filigranen Erscheinung. Auffälligstes Merkmal ist die Brompton-typische, leicht geschwungenen Rahmenstange zwischen Lenker und Sattel. Die Sattelstange lässt sich in der Höhe zwischen 60 und 111 Zentimetern mit zwei Schnellverschlüssen fixieren. Das reicht auch für sehr groß gewachsene Personen. Der Sattel selbst ist angenehm weich gepolstert. Der Lenker ist mit einer Höhe von 110 Zentimetern fix.

Das Brompton Electric kombiniert eine Nabenschaltung mit einer Kettenschaltung.

Der Lenker wirkt zunächst ungewöhnlich leer. Das liegt vor allem daran, dass Brompton auf einen Bildschirm für die Anzeige der aktuellen Geschwindigkeit und der insgesamt gefahren Kilometer verzichtet. Dieses Display ist nicht dringend notwendig, wir vermissen es zunächst dennoch. Am Lenker gibt es neben den üblichen Handgriffen für die Bremsen in unserem Fall außerdem eine Zweigang-Kettenschaltung auf der linken und eine Dreigang-Nabenschaltung auf der rechten Seite. Zusammen ergibt das sechs Gänge. Ungewöhnlich ist hier vor allem, dass der niedrigste und der höchste Gang eine passende Übersetzung haben. So kommt man im niedrigsten Gang steilere Berge hinauf und der höchste Gang greift auch bei höheren Geschwindigkeiten noch so, dass man sich nicht tot strampelt. Als Käufer kann man sich auch für eine Variante ohne Nabenschaltung entscheiden.

Winzig! Die Faltmaße des Brompton Electric erreicht kaum ein anderes E-Klapprad.

Dem Klappmechanismus müssen wir eine gewisse Genialität attestieren. Derart einfach und effektiv haben wir das noch an keinem anderen E-Klapprad gesehen. Der Clou verbirgt sich beim Rückrad. Mit einem Griff klappt es um 180 Grad von unten an die Rahmenstange heran und rastet dort mit dem Herunterschieben der Sattelstange fest ein. Nun noch den Rahmen anklappen und das Vorderrad einrasten, die Lenkstange umlegen und ein Pedal anlegen – fertig. Mit etwas Übung geht das in deutlich unter 30 Sekunden von der Hand. Entfernt man zunächst den Akku, verringern sich seine Maße so von einer Länge von 143 Zentimeter auf 58(l) × 62(h) × 33(b) Zentimeter. Das ist deutlich kleiner als das bisher kompakteste von uns getestete E-Klapprad Fiido D2S (Testbericht) mit 75(l) × 65(h) × 45(b).

Toll ist nicht nur, dass es derart gefaltet sicher zusammenhält. Es besitzt dank dreier Rollen auch eine Art Trolley-Funktion, kann also gemütlich vor sich hergeschoben werden. Dabei ist es mit gerade einmal 14,5 Kilogramm leicht genug, um es ein paar Treppenstufen zu tragen. Die Variante mit der Zwei-Gang-Schaltung wiegt gar 13,7 Kilogramm. Bei beiden kommen noch drei Kilogramm Akku dazu. Trotz des geringen Eigengewichts trägt das Brompton Electric Fahrer mit einem Gewicht von bis zu 105 Kilogramm.

Auf einen Seitenständer verzichtet Brompton. Das liegt schlicht daran, dass es denkbar einfach ist, das hintere Rad umzuklappen. Einmal umgeklappt steht das Faltrad sicher auf den drei Rollen und nimmt schon so mit einer reduzierten Länge von gut 100 Zentimetern weniger Platz weg.

Das Fahrgefühl ist leichtgängig und agil. Der Lenker fühlt sich fest an. Häufig wackelt es bei Klapprädern zu arg, nicht so beim Brompton Electric. Auch ohne Motor fährt es sich ohne großen Widerstand. Am Hinterrad sorgt ein kleiner Gummipuffer für eine minimale Federung. Den Rest fangen die 16-Zoll-Räder ab. Jedoch sind die Schwalbe-Reifen für unseren Geschmack etwas zu schmal.

Die Tretunterstützung funktioniert dank eines Drehmoment- und Trittfrequenzsensors im Tretlager prima. Diesen Sensor vermissen wir bei allen anderen von uns bisher getesteten E-Klapprädern, deren Tretunterstützung lediglich die Zustände Ein und Aus kennen.

Der Motor an Vorderrad ist gewöhnungsbedürftig.

Dabei schiebt der 250-Watt-Motor im Vorderrad bis 25 Kilometer pro Stunde ordentlich an, ohne jedoch die Power eines Mate X (Testbericht) zu erreichen. Dies ist das erste E-Klapprad unserer Testreihe mit dem Motor im Vorderrad. Das benötigt etwas Eingewöhnung, beinahe hätten wir im Test den Asphalt geküsst. Langsam in einer Kurve rollend, traten wir voll rein, der Motor unterstützte maximal – und das Vorderrad verlor den Halt und drehte durch. In der Situation ging alles gut. Trotzdem verlangt der Vorderradantrieb nach einem vorsichtigen Fahrverhalten.

Vorne und hinten kommen Felgenbremsen zum Einsatz. Diese funktionieren ausreichend gut. Dennoch findet man gar bei sehr günstigen E-Klapprädern wie dem Fiido D2S (Testbericht) für um die 500 Euro mechanische Scheibenbremsen. Vermutlich hat sich Brompton aus Gewichtsgründen und damit ihr Fahrrad derart faltbar bleibt, dagegen entschieden.

Der Akku des Brompton Electric sitzt in einer Fahrradtasche geschützt und am Hauptrahmen befestigt vor der Lenkstange. Darauf sind zwei Taster für das Licht, die Wahl der Unterstützungsstufe und das Ein- beziehungsweise Ausschalten des Motors. Außerdem zeigen fünf LEDs den Ladestand an.

Der Akku löst sich mit einem Handgriff aus seiner Verankerung.

Das ist alles nicht gerade schick, aber mal wieder sehr praktisch. Diese Tasche ist mit einem Handgriff entfernt. Das sollte man auch regelmäßig nutzen, wenn man das Brompton Electric ansperrt, denn abschließen kann man die Tasche mit dem Akku nicht. In der Tasche selbst ist zusätzlich ein kleines Fach, in das etwa das Netzteil passt. Wem die Tasche zu klein ist, findet optional eine mit einem Fassungsvermögen von 15 Liter.

Der Akku bietet eine Kapazität von 300 Wattstunden, das 2-Ampere-Netzteil benötigt etwa 3,5 Stunden für eine volle Ladung. Mit dem optional erhältlichen 4-Ampere-Netzteil soll sich diese Zeit auf zwei bis drei Stunden reduzieren. Am Akku sitzt ein USB-A-Anschluss, um etwa sein Smartphone zu laden.

Bei unserer Testfahrt kommen wir auf überwiegend ebener Strecke, viel Asphalt, voller Unterstützungsstufe und einem Fahrergewicht von etwa 85 Kilogramm auf knapp 40 Kilometer. Diese Zahl kann je nach Fahrer und Umgebungsgegebenheiten stark variieren. Brompton selbst schreibt von 30 bis 70 Kilometern.

Das vordere und hintere Licht reagiert auf Wunsch auf Lichtverhältnisse und schaltet sich entsprechend ein und aus. Auch dauerhaften An oder Aus ist möglich. Schön: Brompton versteckt eine kleine Luftpumpe beim Hinterrad. Die kleine Klingel ist schön in die Schaltung auf der rechten Seite des Lenkers integriert. Die fest installierten Schutzbleche halten Wasser, Feuchtigkeit und Schmutz während der Fahrt vom Fahrer fern. Dafür sorgen auch die zwei Gummilappen am Schutzblech vorne und hinten. Doch gerade der vordere wirkt überdimensioniert und versprüht dadurch etwas Rentner-Flair.

Für sein clever designtes E-Klapprad will Brompton einen Haufen Geld. Für die Zweigangvariante müssen Käufer aktuell etwa 3000 Euro auf den Tisch legen, für die Varianten mit sechs Gängen sogar 3200 Euro.

Dass es auch deutlich günstiger geht, zeigen die Fahrräder von Fiido. Hier kostet etwa das Fiido D2S (Testbericht) ab 500 Euro. Das hervorragende Fiido D4S (Testbericht) knapp 800 Euro bei Banggood (Kauflink). Für gut 800 Euro bekommt man über Geekmaxi (Kauflink) auch das fette vollgefederte Fiido M1 (Testbericht).

Brompton genießt unter den Anhängern von Klapprädern Kultstatus. Nicht zu Unrecht. Gerade der Faltmechanismus ist geradezu genial. Es klappt zweimal und erreicht so Faltmaße, von denen die Konkurrenz nur träumt. Auch beim Rest merkt man dem E-Klapprad die lange Erfahrung von Brompton an, jedes Detail wirkt durchdacht und an die Bedürfnisse der Fahrer angepasst.

Doch auch das Brompton Electric ist nicht ohne Makel. Am Abschreckendsten dürfte für viele der hohe Preis sein, unter 3000 Euro geht hier gar nichts. Auch muss man sich zunächst an den Vorderradantrieb gewöhnen, auf Schotter etwa kann ein durchdrehendes Vorderrad gefährlich sein. Daran, dass es kein Display gibt, gewöhnt man sich dagegen schnell.

Wer das nötige Geld für das Brompton Electric hat, dürfte mit ihm glücklich werden. Doch es geht auch günstiger, wie das nur halb so teure Blaupunkt Fiene 500 (Testbericht) zeigt. An die kleinen Preise von Fiido kommt aber auch Blaupunkt nicht heran. So kostet etwa das Fiido D2S (Testbericht) gerade einmal gut 500 Euro, das deutlich bessere Fiido D4S (Testbericht) gut 700 Euro.

Ähnliche Produkte im Test

Einloggen, um Kommentare zu schreiben